• Ariel in Kronach

    Keine Markenschildchen, auch keine herausgeschnittenen, kein Aufdruck. Die Nähte etwas unregelmäßig, wie von Hand gestochen. Ein Überschuss an Leder. Bis heute ein Innengeruch nur nach Leder, Tausende Kilometer Anstrengung, Genuss, Angst, Selbstvergessenheit und Überwindung, die vorüberziehenden Landschaften, alles hat sich nicht im Geruch festgesetzt, sondern nur in der zur zweiten Handfläche gewordenen Form und in den Schattierungen der Färbung eingeprägt. Weiß war dieses Leder nie, sondern hellgrau-weiß, die Ränder aber in weißem Leder abgesetzt. Auf dem rechten Handschuh und dessen mit Klettverschluss versehenem Riegel zeigen sich schwache Spuren einer rosafarbenen Flüssigkeit, ich rätsele seit vielen Jahren, wie diese Spuren darauf geraten sein könnten. Die ursprünglich glatten und weichen Handschuhe erscheinen mit ihren eingefurchten Lebensspuren bei näherer Betrachtung wie eine Mittelgebirgslandschaft, durchzogen von gefalteten Vertiefungen zwischen aufragenden, energetisch geformten Kämmen, von Licht und Schatten in allen Facetten. (mehr …)

  • Public History auf Abwegen. Heimatgeschichte als Einladung

    referenzbild

    Abbildung 1: Das Referenzbild. Aufgenommen von Annett Röber, 2. 1. 2018

    »Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit«, lässt Richard Wagner seinen Ritter Gurnemanz am Ende des ersten Aufzugs zu Parsifal sagen. Wenn man das obige Bild betrachtet, ein etwas düsterer Gelegenheitsschnappschuss, rasch mit einer Handykamera in Nordsachsen aufgenommen, käme einem das sicher nicht gleich in den Sinn. Man sieht nicht viel. Wem man es zeigt, der rätselt etwas verständnislos. Irgendetwas mit NVA? Und doch handelt es sich um ein Geschichts-Bild sondergleichen.

    Man beobachte den eigenen Blick, der wird zunächst angezogen von: erstens den beiden bemoosten Betonelementen im Vordergrund, diese blockieren zweitens einen grasbewachsenen Weg, eher Pfad; links ist drittens ein kleiner verwachsener Graben zu erkennen, daran anschließend viertens ein weites, ebenes Feld. Die ungepflegten Bäume (Robinien, Pappeln, Eschen) links und rechts des Weges scheinen fast eine Allee zu bilden, aber das kann täuschen. Zur Rechten, vorn, fünftens eine kleine freie Fläche, dahinter sechstens ein kleines, wildes Gehölz. In der Bildmitte als Maßstab ein Fahrrad. (mehr …)