• Euro Trash

    Allerhöchste Zeit ist es, auf ein Buch hinzuweisen: Euro Trash. Es ist bei Merve erschienen, herausgegeben von Svenja Bromberg, Birthe Mühlhoff (auch: Cover-Illustration) und Danilo Scholz. Gewisse Merkur-Affinitäten von Teilen des Herausgeberteams sind nicht zu leugnen. Es ist ganz unabhängig davon ein großartiges Buch, das Texte zu Europa versammelt: teils erstmals in deutscher Sprache zugängliche, teils ganz neue Essays, Aufsätze, Interventionen, Gespräche. Aus dem Klappentext: "Die hier versammelten Beiträge bilden keine thematische Einheitsfront für oder gegen die EU. Wenn man über Europa spricht, geht es um Lampedusa, Migration und die europäischen Grenzen genauso wie um die Frage, wer den Haushalt macht. Roboter noch nicht. Es geht um Steuerpolitik, Schulden, die Korruption in Bosnien und Herzegowina, die Revolution in der Ukraine und den Schrott im Weltall. Es geht um eine andere Geschichte der Gemeinschaftswährung und Ideen für ein Leben jenseits des Nationalstaats." Das stimmt. Schon der erste Text, eie frühes Europa-Memorandum von Alexandre Kojève, ist eine veritable Entdeckung. Michel Houellebecq erklärt sich politisch. Vertreten sind neben vielen anderen Alain Badiou, Etienne Balibar, Slavoj Zizek, Paul B. Preciado. Mein Lieblingstext im Buch ist das lange und sehr offene Gespräch mit Toni Negri. Schon schwerer erträglich (wie immer, für mich): Bernard Stiegler. Trotzdem: Die Lektüre von Euro Trash lohnt sich von vorne bis hinten. Zum Buch gehört auch ein exklusiver DJ-Mix von Carlos Souffront. Den gibt es hier.
  • Verhasste, geliebte Technokratie

    Widerstand und Bürgerlichkeit im post-Flüchtlingskrisen-Deutschland: Die Aktion „Flüchtlinge fressen“ des Zentrums für Politische Schönheit Im frühsommerlichen Berlin-Mitte hat jüngst das Aktionskunst-Kollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) ein Gesellschaftsstück mit dem Titel „Flüchtlinge fressen“ zur Aufführung gebracht, das für viele Uneingeweihte eine Rolle vorgesehen hatte. Über knapp zwei Wochen hinweg trotteten vier Tiger in einer eigens am Maxim-Gorki-Theater errichteten Arena umher; Schaulustige kamen zusammen, vor allem auch, weil die syrische Schauspielerin May Skaf angekündigt hatte, sich von diesen Tigern fressen zu lassen, falls die Bundesregierung nicht einem vom ZPS gecharterten Flugzeug, das mehr als 100 asylberechtigte Kriegsflüchtlinge sicher von der Türkei nach Deutschland bringen sollte, die Einreise erlaubte. (mehr …)
  • Merkur im August

    China heute, ein Schwerpunkt: Da geht es um das Wachstum der Städte, wie es der Sinologe und Globalhistoriker Dominic Sachsenmaier beschreibt. China heute ist aber auch ein riesiges Land, in dessen Grenzregionen politische Mischlagen entstehen - eine solche beschreibt der Ethnologe Hans Steinmüller aus eigener Anschauung. Er ist viel im von einer Rebellenarmee regierten Wa-Staat unterwegs, der zu Burma gehört, aber unter massivem Einfluss Chinas steht. Durch seine Bevölkerungspolitik hat China in den letzten Jahrzehnten einen enormen Umbruch erlebt, der sich in der Zukunft stark auswirken wird: Als Zeugin einer dank Ein-Kind-Politik alternden Gesellschaft porträtiert Alec Ash eine junge Frau namens Ash. Und Sheng Yun, auch ein Einzelkind und Redakteurin bei der Shanghai Review of Books, schildert ihr Aufwachsen in einer erinnerungspolitisch zerklüfteten, ja verminten Landschaft. "Fernmoral", das ist der Appell, beim Handeln im persönlichen Bereich die Welt als Ganze mitzubedenken: David Kuchenbuch schildert aus eigener Erfahrung die Geschichte des sich seit den siebziger Jahren verbreitenden Phänomens. (Der Text ist online frei lesbar.) In ihrer Rechtskolumne zeigt Gertrude Lübbe-Wolff für die Geheimniskrämerei bei den TTIP- und CETA-Verhandlungen wenig Verständnis. (Der Text ist gratis als pdf abrufbar.) Christian Demand behandelt in seiner Memorialkolumne Denkmalfragen: vom NS-Erbe bis zu ersten Krim-Monumenten. Zwei Autoren und eine untergehende Welt: Jakob Hessing liest den Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Joseph Roth. Mit einem Gedicht der kanadischen Lyrikerin Erín Moure, das Uljana Wolf übersetzt hat und mit einem Essay begleitet, eröffnen wir eine Reihe mit zeitgenössischer Dichtung, für die wir mit der von Daniel Graf konzipierten Veranstaltungsserie »inter_poems« kooperieren. Parlamente sind nicht zum Reden da, sondern zum Entscheiden, argumentiert Philip Manow seinerseits sehr entschieden. Harry Walter befasst sich mit einem Foto, das eine Schrankwand zeigt und über das er einiges eruiert hat. Die einzelnen Artikel und das ganze Heft in digitalen Formaten können Sie auf unserer Volltextarchivseite anlesen und kaufen, die Printausgabe gibt es versandkostenfrei hier. Eine schön handliche Übersicht über die Aboformen finden Sie wiederum hier.