• Digitaler Unterricht ist eine Chance für gemeinsames Lernen

    Nun ist die Entscheidung gefallen: Es bleibt für die meisten erst einmal beim home schooling. Dieser Testfall für den digitalen Unterricht ist eine Chance für den normalen, physischen Schulbetrieb. Denn was im Digitalen scheinbar fehlt, weist auf ein Defizit aktueller Unterrichtsmethoden hin: die soziale Komponente. Gerade Unterricht aus der Ferne setzt schulische Beziehungsarbeit und kollaborative Arbeitsformen wieder auf die Agenda. Voraussetzung dafür ist, dass digitale Möglichkeiten – und diese sind eben nicht nur ‚technisch‘ – tatsächlich ausgeschöpft werden. Mit welchen Funktionen wollen wir Lernplattformen bestücken, mit welchen Inhalten und Methoden wollen wir digitale Endgeräte in Schülerhand bespielen? Wie verändert sich die Unterrichtssituation, die ‚Inszenierung‘, die Interaktion im digitalen Unterricht? Welche Übungstypen und Arbeitsformen sind kognitive Hemmschuhe, welche Siebenmeilenstiefel?      (mehr …)
  • Distant Listening

    In der norwegischen Nationalbibliothek liegt eine Radioaufnahme von 1936: Olina Sohlheim, zu diesem Zeitpunkt hundertdrei Jahre alt, berichtet von ihrer Kindheit auf dem Land, von körperlicher Arbeit und Entbehrung, der Heimsuchung durch Wölfe, ihrer späteren Tätigkeit und Bezahlung als Soldatin. Dies ist Oral History: nicht des 20., sondern des 19. Jahrhunderts. Die Lautaufnahme ist von hoher Qualität, fünfzehn Minuten Sound aus einer anderen Welt, der bäuerlichen mündlichen Kultur der vorindustriellen Epoche. In der Stimme der Frau, der belebten Prosodie der Erzählung, fallen erzählte Zeit und erzählende Zeit in eins. (mehr …)