Valentin Groebner

Artikel von Valentin Groebner

  • Was macht das Schreiben mit dem Schreiber?

    Serjih Zhadan, ukrainischer Dichter: "Alles beginnt mit Begeisterung - damit, dass du dich verschluckst." Und: "Man schreibt, um zu lernen, über das zu sprechen, was einem am meisten Angst macht. Und weil man mit der eigenen Begeisterung irgendwo hin muss." Begeisterung ist nicht das Gegenteil von Angst. Beide kommen miteinander vermengt. Halte es fest, das Fundstück. Damit es nicht gleich wieder weg ist. Schreib es ab, zuerst in dein Notizbuch, dann in deinen Computer. Schreiben ist die Stopp-Taste, es hilft dem eigenen schlampigen Gedächtnis und stellt das unaufhörliche Ablaufen der Zeit still, für ausgewählte Momente. Man fixiert den Einfall, der einen so begeistert, und bannt die Angst, dass er gleich wieder weg ist. Schreiben ist immer für irgendwann später. (mehr …)
  • Selbstviktimisierung

    Sommer 1992. Ich war gerade in die Schweiz gezogen, und mein ehemaliger Mitbewohner aus der Studienzeit war mich besuchen gekommen für eine Bergtour ins Tessin. Weil es unter der Woche war, hatten wir abends die Selbstversorgerhütte für uns alleine, auf 2000 Metern Höhe mit unglaublichem Blick über das Verzascatal. Es gab einen Herd mit Feuerholz und mehrere Flaschen mit lokalem Wein, für den man, wie fürs Übernachten, Geld in eine Kasse warf, auf Vertrauensbasis. Nach zwei Tellern Spaghetti und der angebrochenen Flasche dachte ich mit sonnenverbrannter Nase am knackenden Ofen, dass es besser doch gar nicht sein könne auf dieser Welt: selige, etwas beschwipste alpine Idylle.

    (mehr …)