• Orientierungssinnlosigkeit

    »Und an dem Ufer steh ich lange Tage, || Das Land der Griechen mit der Seele suchend; || Und gegen meine Seufzer bringt die Welle || Nur dumpfe Töne brausend mir herüber.« Iphigenie steht also an der Küste der Krim und blickt übers Meer gen Südwest. Sie sehnt sich nach Hause, und weil der Dichter ihr Sehnen als Suchen bezeichnet, darf man auch sagen, sie orientiert sich Richtung Heimat, ganz wie das damit herangezogene Wortfeld erlaubt, das Pathos des Heimwehs durch die schlichte Angabe der Himmelsrichtung zu ersetzen. Von da nämlich kommt der Ausdruck her, wie der Philosoph aus dem heutigen Kaliningrad (so viel nördlicher noch als die Krim) kurz vor Erscheinen der Iphigenie in Erinnerung gerufen hat: »Sich orientieren heißt, in der eigentlichen Bedeutung des Worts: aus einer gegebenen Weltgegend (in deren vier wir den Horizont einteilen) die übrigen, namentlich den Aufgang [Orient] zu finden. Sehe ich nun die Sonne am Himmel, und weiß, daß es nun die Mittagszeit ist, so weiß ich Süden, Westen, Norden und Osten zu finden.«1

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  • Permanent Kid. Das Internet, der Digital Native und Edward Snowdens Memoiren

    Da haben wir ihn nun, den waschechten Digital Native, den Digital Native, wie er im Buche steht, den Bewohner der digitalen Welt par excellence. Die Buchkritiken sind alle schon erschienen, aber um Buchkritik geht es hier auch nicht. Wohl aber um die Kritik, zu der dieses Buch erneut Anlass gibt: Permanent Record, die Autobiografie Edward Snowdens, Jahrgang 1983, aufgewachsen mit einem Commodore 64 und einem Compaq Presario 425, eigene erste Programmierversuche im zarten Alter von sieben Jahren, netzsüchtig seit der Pubertät: »Seit ich zwölf Jahre alt war, bemühte ich mich, in jedem wachen Augenblick meines Lebens online zu sein. Wenn das nicht möglich war, war ich in Gedanken schon bei meiner nächsten Session. Das Internet war mein Heiligtum.« (mehr …)

  • Mission Possible. Die Realität der Apollo 11

    Als vor fünfzig Jahren der erste Mensch den Mond betrat, war dies das Ergebnis einer fast unübersehbaren Vielzahl von Balanceakten. Sie konnten gelingen, weil lange vorher, um 1810, ein gewisser Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger das Gyroskop erfunden hatte. Wie für die Luft- und Raumfahrt im Ganzen kann man auch von der Mondexpedition ohne Erwähnung dieses Balance-Instruments par excellence nicht reden. Ausgehend davon soll es im Weiteren dann selbstverständlich auch um die Bilanz gehen, die immer schon on board ist, wenn man im Englischen von balance spricht: um eine Bilanzierung also des Balanceakts, den die Apollo vollbrachte. Zu beginnen ist aber mit einem Loblied auf die Bohnenberger-Maschine. (mehr …)