• Fehler in der Politik?

    Der Beitrag von Ulrich K. Preuß über Fehler in der Politik, der im Juliheft des Merkur erschienen ist, lohnt eine genauere Lektüre. Die Argumentationsstrukturen und -strategien, auf denen er aufbaut, sind exemplarisch für einen ganz bestimmten Typ von Kommentaren und Diskussionsbeiträgen zu Russlands Krieg gegen die Ukraine. Deren Autoren sind oft Wissenschaftler oder Intellektuelle, die bisher nicht mit eigenen Forschungsbeiträgen zu Geschichte und Gegenwart der Ukraine oder Russlands aufgefallen sind, sich nun aber meinungsstark zu Wort melden. In der Regel stehen sie der Vorstellung von einer außenpolitischen »Zeitenwende« und auch der offiziellen Entscheidung der Bundesregierung, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen, kritisch gegenüber. (mehr …)

  • Deutschland, die Ukraine, Russland und das Erbe des deutschen Kolonialismus in Osteuropa

    Seit dem russischen Totalangriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 ließ sich in Deutschland eine politische und gesellschaftliche Umkehr beobachten: die Bundesregierung beschloss umfassende Sanktionen gegen Russland und stimmte für die Lieferung von Defensivwaffen an die Ukraine und wurde dabei mehrheitlich von der Öffentlichkeit unterstützt. Darin liegt zugleich eine Erkenntnis, die Deutschland ein Armutszeugnis ausstellt: es hat die Ermordung ukrainischer Zivilistinnen und Zivilisten, Bomben auf eine europäische Hauptstadt und den heldenhaften Widerstand der Ukrainerinnen und Ukrainer gebraucht, damit wir die Ukraine als „echte“ Nation anerkennen, die unsere Unterstützung verdient. (mehr …)
  • Gewaltherrschaft und Schoah in der Ukraine

    Der Euromajdan von 2013/14, die so genannte »Revolution der Würde«, hatte auch eine geschichtspolitische Dimension. Aktivistinnen und Mitglieder der rechtsextremistischen Partei Swoboda stürzten am 8. Dezember 2013 das zentrale Lenin-Denkmal in Kiew. Dies sollte der Ausgangspunkt für den leninopad sein, die massenhafte Beseitigung von Lenin-Denkmälern im gesamten Land, mit Ausnahme der von Russland kontrollierten Gebiete. Zwar war das kein Novum in der ukrainischen Geschichte, in den 1990er Jahren waren schließlich bereits eine Vielzahl von Lenin-Denkmälern vor allem in der Westukraine abgebaut worden, aber im Zuge des Majdan und des darauffolgenden russischen Angriffs auf die Ukraine machte die neue ukrainische Regierung unter Präsident Petro Poroschenko die Abrechnung mit der Sowjetzeit zur Chefsache. (mehr …)