• Genderwechsel: Zu Thomas Ostermeiers Inszenierung von Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“

    Dokumentarische Filmaufnahmen sind auf den Bühnenhintergrund projiziert. Ansichten der Stadt Reims im Nordosten Frankreichs. Arbeiterviertel und leerstehende Fabrikgebäude. Kulissen also, die Eribon in seinem autobiografischen und soziologischen Buch beschreibt. Thomas Ostermeiers Inszenierungseinfall für die Dramatisierung von Rückkehr nach Reims, die im Sommer in Manchester Premiere hatte und nun in Berlin zu sehen ist: In einem Aufnahmestudio werden Teile von Eribons Text als Off-Kommentar zu den im Hintergrund laufenden Filmbildern eingesprochen. Diskussionen zwischen Schauspielerin, Regisseur und Tontechniker unterbrechen den Sprach- und Bildfluss. Auseinandersetzungen über Kürzungen im Text oder das hier entstehende Verhältnis zwischen Bild und Text. (mehr …)
  • Interview mit Didier Eribon

    Peter Rehberg: Sie treten in der Rolle des Schriftstellers, des öffentlichen Intellektuellen und des Soziologieprofessors auf. Es muss also etwas geben, was Ihnen an diesen Aktivitäten und an diesem Beruf gefällt. Allerdings treten Sie sehr zurückhaltend auf. Didier Eribon: Ich habe immer das Gefühl, eine Rolle zu spielen, und behalte Distanz dazu. Ich möchte nicht eine Art Guru werden. Es kommt mir lächerlich vor, wenn einige französische Intellektuelle erklären, jetzt sei die Zeit reif für eine Revolution, um dir dann zu sagen, was du zu tun und zu lassen hast. Außerdem bin ich schon immer sehr schüchtern gewesen.