• Kokosraspeln und zarte Milchcreme

    W as weg ist: die Wirklichkeit. Und die Sauftouristen vor meinem Fenster sind auch weg. Was da ist: Bilder. Unfassbar viele Bilder. Dabei sind die Sauftouristen vor meinem Fenster alle noch da. Ich glaube nur nicht mehr daran, dass sie da sind. Sie können nicht mehr wirklich da sein, weil die Mode, mit dem Billigflieger nach Berlin zu fliegen und dort Billigbier zu saufen, verboten gehört, wenn wir unser aller Leben retten wollen. Und weil die Billigflüge verboten gehören, sind sie es in meinen Augen schon, und ich sehe die Touristen nicht mehr, so tief ist mein Glaube an die Vernunft. Ich höre auch ihre Saufgesänge und Brunftschreie nicht mehr. In meinen Augen saufen sie schon wieder zuhause.

    (Der Essay ist im Märzheft 2019, Merkur # 838, erschienen.)

    Es gibt eigentlich nur noch zwei Freizeitaktivitäten: Komasaufen und Komaknipsen. Ich möchte gern weiter über die Großstadt als geistige Lebensform schreiben, aber die Bilder schieben sich dazwischen. Ich kann nicht über sie hinwegsehen, es sind zu viele. Ich erinnere mich an ein Lustiges Taschenbuch aus den siebziger Jahren, vergangenes Jahrtausend, da gab es Bilder, die so böse waren, dass sie sogar die brave Micky Maus zwangen, böse Dinge zu tun, nur weil sie das Bild einer bösen Tat gesehen hatte. Ist das Bild böse, macht das Bild mich böse, oder habe ich den bösen Blick? Das ist immer die Frage. Die Bilder, die ich heute sehe, weichen ihr aus. Sie sind so lieb und kanten- und konturlos, dass sie sogar mich zwingen, Awwwwwwww zu machen. (Awwwwwwww sagt man, wenn man auf Twitter niedliche Ottervideos guckt.) Zur Lustigen-Taschenbuch-Zeit habe ich mit meiner ersten Kodak Instamatic quadratische Schwarzweißbilder geschossen, auf denen winzige Gestalten stocksteif vor Bäumen standen; sie waren winzig, weil mein Vater mich gewarnt hatte, ich dürfe ihnen nicht die Füße abschneiden, das sei das Geheimnis der Fotografie. Heute haben wir alle kleine Apparate in der Tasche, mit denen wir Filme in John-Ford-mäßiger Breitwandqualität drehen könnten, wenn wir Geschmack hätten, aber wir haben ja keinen und beharren trotzig darauf, keinen zu haben, und zwar mit Schmackes, das ist unser Kleinbürgerrecht. Deshalb Bokeh-Effekt hinter jedes Häschen, jedes Kätzchen, jeden Otter. Der Bokeh-Effekt, diese süße Unschärfe des Bildhintergrunds, ist das Raffaello der Fotografie, der leichte Kokosnussgenuss an der Supermarktkasse. Ich erinnere mich an eine Fernsehwerbung, da hat eine Deutsche auf einer Party in Hollywood ihre Gäste mit Raffaello-Konfekt verzaubert, und alle waren gekleidet wie deutsche Kleinbürger, die im Terrassencafé am Bodensee Großbürger spielen, die aber auch nicht mehr wissen, wie man sich kleidet. Heute kann jedes Telefon Bokeh, also Hollywood als deutsche Kleinbürgerfantasie. Jeder kann gnadenlos Raffaello-Kokosraspeln und zarte Milchcreme über alles rüberraspeln.

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  • Die Moschino-Merkel-Abaya von Britz

    Ich bin jetzt öfter in Berlin-Britz. Meine Wanderung ist immer zwei Kilometer lang, vom Bahnhof Hermannstraße nach Süden, jedes Mal an die Straßenecke, wo sich unlängst die berühmte Schießerei zwischen zwei arabischen Clans ereignet hat, aus der abgeleitet wurde, eine bestimmte deutsche Fernsehserie, die gerade beworben werden musste, sei sehr realistisch. Britz ist eine No-go-Zone, in der mir noch nie etwas Böses passiert ist, und nichts erinnert mich hier an eine Fernsehserie.

    (Der Essay ist im Februarheft 2019, Merkur # 837, erschienen.)

    Das Grundgefühl im Viertel ist Erschöpfung, Erschöpfung durch Armut. Die ständige Anstrengung, es irgendwie schaffen zu müssen, ohne es jemals schaffen zu können, macht die Menschen müde und aggressiv zugleich. Außerdem ist Armut schlecht für die Haut. Manchmal nehme ich auch den Bus. Die Fahrt führt erst an einem Geschäft für »Wurst-Sonderposten« vorbei, dann am »Billig-Bestatter«, das hat eine gewisse Logik. Es gibt kaum eine Busfahrt ohne Zwischenfälle, Auseinandersetzungen am Rande der Schlägerei. Auch die Busfahrer sind erschöpft. Aber wir kommen jedes Mal an den Betriebshof Britz der Berliner Verkehrsbetriebe, und oft dürfen sie dort Feierabend machen. icon printMehr Merkur? Jetzt drei Ausgaben im Probe-Abo lesen!   Einmal begegnet mir auf der Straße eine Frau mit drei kleinen Kindern. Sie trägt ein Kopftuch und eine Abaya, das fußlange Kleid, das züchtig wirken soll. Die Abaya ist schwarz, aber anders als alle anderen, die ich bisher gesehen habe, ist sie beschriftet, mit großen weißen Lettern, von Kopf bis Fuß. Auf der Abaya steht YOU CAN DRESS ME UP, BUT YOU CAN’T TAKE ME OUT. Du kannst mich schön machen, aber du darfst nicht mit mir ausgehen. Das Statement, in diesem Zusammenhang, in all diesen einander überlagernden Zusammenhängen, kommt mir auf Anhieb unzüchtig vor, ohne dass ich genau sagen könnte, was diese Unzüchtigkeit ausmacht. Ich verpasse den Augenblick, die Frau zu fragen, was sie damit sagen will (und ob sie damit überhaupt etwas sagen will). Wir sind Großstadtbewohner, das heißt: Wir gehen aneinander vorbei. Die Online-Recherche ergibt, dass der Spruch selbstironisch von Frauen verwendet wird, die sich zu tollpatschig finden, als dass man sich mit ihnen sehen lassen könnte. Im Kontext mit der Debatte über die Behandlung von Frauen im Islam, in den diese Muslima auf der Straße ihn versetzt, wie schräg, verkantet oder unbewusst auch immer, taucht er sonst nicht auf. In Britz brechen Bedeutungsebenen über mir zusammen. Nicht jedes Rätsel ergibt einen Sinn.

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  • Derrick, Walter Sedlmayr, die Schauspielkunst und ich

    Der Essay ist im Januarheft 2019, Merkur # 836, erschienen. Ich wachse in einer Einfamilienhaussiedlung auf. Waldrand, Jägerzaun. Kochrezeptsammlung aus der Hausfrauenzeitschrift Ich und meine Familie , die in Meine Familie und ich umbenannt wird, weil eine deutsche Hausfrau an sich selbst zuletzt denkt. Siebziger Jahre, ein Hauch von Freiheit, das heißt: Man kocht auch mal gewagte Gerichte mit Curry und Ananas. Man weiß, welcher Nachbar seine Frau schlägt; wahrscheinlich tun es die meisten. Das geht einen nichts an. (mehr …)
  • Die Anmaßung. Über das Theater, Elfriede Jelinek und ihr Stück »Am Königsweg«

    Das Theater

    Wenn es losgeht, zeigt das Theater seine Mittel. Das Theater kann nicht anders, es muss immer etwas zeigen, so versteht es seinen Auftrag. Und es muss Mittel haben, die man heutzutage nicht mehr so gut verstecken kann, also zeigt es sie meistens gleich. Wenn etwas versteckt werden soll, muss das Theater eben zeigen, wie es versteckt wird. Es herrschen Vorzeige- und Mittelzwang.

    Die Autorin versteckt sich dort, wo man sich nicht verstecken kann, in der Öffentlichkeit, auf der Bühne. Immer wieder ist sie mittellos an das Theater herangetreten, immer wieder war das Theater um Ausgleich bemüht. Theater und Autorin sind seit gefühlt ewigen Zeiten in ein sadomasochistisches Spiel verwickelt: Die Autorin lässt dem Theater alle Freiheit, auch die, seine Verunsicherung hinter großen Gesten zu verstecken. An dieser Freiheit würgt das Theater dann. Eine gute Inszenierung dieser Autorin könnte aber eine sein, die auch ihre eigene Verunsicherung vorzeigt.

    Der Text

    Der Text ist lang, er hat zirka 245 000 Zeichen. Hamlet, auch ein überlanger Theatertext, hat im Original zirka 173 000 Zeichen. Am Königsweg ist also 1,4 Hamlets.

    Glückliche Tage von Samuel Beckett hat in der Originalfassung zirka 650 00 Zeichen – Sie erinnern sich, 1960, Frau in Erdhaufen, hört nicht auf zu reden, vielleicht eine Ur-Suada des modernen Theaters. Von der Zeichenzahl her entspricht Am Königsweg also 3,7 Becketts. So könnte man Am Königsweg auch inszenieren: Frau in Erdhaufen hört nicht auf zu reden. Ich würde das Stück ganz gerne so sehen, ungekürzt. Man würde um den Erdhaufen herumschlendern, die Phasen der Ermattung miterleben und die des Sich-wieder-Aufbäumens. Spieldauer vielleicht 3,7 Tage, zwischendurch kurze Nickerchen, Sanitäter bringen Publikum und Schauspielerin einen Imbiss, vielleicht hängt sie auch sicherheitshalber am Tropf. Krankheit Theater, Krankheit Literatur, Krankheit Kunst.

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  • Ein Bericht aus dem Goethe-Instituts-Universum: Die Kulturförderung und der Tod in Südindien, bei gleichzeitiger zen-mäßiger Ruhe in Kyoto

    Von Robin Detje, mit einem Chat mit und einem Nachtrag von Jakob Nolte Das Goethe-Institut hat uns auf eine Künstlerresidenz eingeladen, die Gruppe bösediva, und am zweiten Tag wäre ich fast ums Leben gekommen. Das war in diesem Frühjahr in Südindien, in Bangalore. Wir saßen auf der Terrasse unserer Unterkunft, mit schwerem Jet-lag bei 38 Grad im Schatten, und zwei Zentimeter neben mir donnerte eine Kokosnuss auf den Steinboden. Unser Gastgeber hatte das Krachen drinnen gehört, warf einen Blick hinaus, sah, dass alle noch lebten, und war zufrieden. Zur Täterpalme hatte ich nach dem Vorfall ein gutes Verhältnis. Ihre Botschaft war: Ich hätte dich umbringen können, aber ich habe es nicht getan. Der Respekt war beiderseitig. In Indien gilt der Tod durch Kokosnuss außerdem als besonders ehrenvoll. Man überspringt zwei Reinkarnationsstufen. Ich hatte im Grunde also Pech.

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    Das Netz der Goethe-Residenzen ist weit gespannt. Da kann man viel und sehr Verschiedenes erleben. Als wir in Bangalore waren, war Jakob Nolte gerade in Kyoto. Ein Facebookchat:

    Hallo Jakob, wie läufts bei Dir? Unser Goethechef sagt, unsere Residenz sei sowas wie der Gegenentwurf zu Deiner Residenz. Dann ist es bei Dir bestimmt ganz gepflegt und elegant und ihr sitzt immer mit einem Cognacschwenker am Kamin?

    Ja. Es ist krass aufgeräumt. Fein und ruhig und die Milane fliegen so über den Kamo Fluss und die Sonne geht immer auf und unter und die Berge mit den Bäumen sind verschiedenartig grün. Ab und an gibt es wilde Bierräusche in Kellerklubs, dann aber sofort wieder Tempel und Fahrradfahren zum Besinnen. Ich finde es herrlich. Die Arbeit und das Grübeln gehen voran. Kyoto kommt einer Stadt, in der es sich zu leben lohnen könnte, erstaunlich nah. Auch die Snacks sind Bombe. Ende Mai werden wir nochmal für ein paar Wochen durchs Land fahren.

    Und bei Dir? Wie ist es im Residenzlife?

    Hier ist es auch super, aber eben wüst und wild und schmutzig und man muss schon ganz schön strampeln, um zu sehen, dass man klar kommt. Mehr so: einfach ins Wasser springen und nicht drüber nachdenken, was da alles drin schwimmt. Die residents sind über die ganze Stadt verteilt, wir haben großes Glück und sind in einer Galerie, in der wir auch arbeiten und dann etwas zeigen werden, und werden hier bekocht und unterstützt. Wir haben also einen Rückzugsraum, aber Rückzugsraum ist hier sehr relativ: Der Wahnsinn tobt, der Verkehr rast, um die Ecke eine Dorfstraße mit Kühen und Ziegen und Müllhaufen. Lebendig über die Straße kommen ist schon eine Herausforderung. Hier läuft man irgendwann einfach in den Verkehr und überlebt trotzdem, aus Gründen, die ich noch nicht ganz verstehe. Man kann aber auch auf dem Dach sitzen und auf die Riesenflughunde warten, die gegen 19 h angesegelt kommen.

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    Kultur und Tod sind natürlich ein großes Thema. Kulturförderung und Todesnähe. Oder: Kulturförderung durch Todesnähe.

    In Bangalore ist das nackteste Verkehrsmittel das ehrlichste: die Autorikscha, das auto, anderswo als Tuk Tuk bekannt, ein Dreirad mit Rasenmähermotor und Rückbank, überdacht. Keine Fensterscheiben, keine Airbags, kein Seitenaufprallschutz. Gar kein Schutz. Hinten haben drei dünne Menschen Platz, es quetschen sich aber auch ganze Großfamilien hinein, mit Gepäck. Beliebt sind auch mit Gasflaschen vollgepackte Rikschas, knatternde Bomben. Unter den Fahrern gibt es kleine Gauner, aggressive Betrüger, ganz liebe Menschen und große Künstler, die mit ihrer Eleganz den ganzen Verkehrsstrudel zu einer Art Tanzvergnügen machen. Wenn der Verkehr in Bangalore fließt, verflüssigt er sich, wie ein Fischschwarm. Mitschwimmen ist ein großes Glückserlebnis. Es gibt Verkehrsunfälle: Ein Bus walzt über eine Großfamilie in einer Rikscha. Alle in der Rikscha sind sofort sehr tot. – Andere Unfälle: Einem Rikschafahrer gefällt nicht, dass sein Fahrgast, eine moderne junge Inderin, ein kurzes Kleid trägt, und er beschimpft sie. Sie nimmt alles mit dem Handy auf und es gibt einen großen Skandal. Beide Seiten erhalten viel Unterstützung. – Ein Kleinwagen wagt es, einen blitzenden SUV zu überholen. Darauf überholt der SUV-Fahrer den Kleinwagen, drängt ihn ab und erschießt den Fahrer. Der SUV-Fahrer ist der Sohn eines wichtigen Politikers. So wird es berichtet. Einmal stehen wir in der Rikscha hinter einem Wassertankwagen im Stau. In der Rikscha neben uns sitzt ein junger Europäer oder Amerikaner mit langen blonden lockigen Haaren. Er ist für einen Abend zum Kiffen am Strand von Goa angezogen, locker-luftig (lesen ...)
  • Zumutung, Schönheit, Gegnerschaft. Ein Bericht von drei Reisen zur Kunst

    Venedig: Markt Im Flugzeug liegt zwischen Glas und Plastik des Fensters ein großes totes Insekt. Landung in Berlin in tiefer Nacht. Der Flug aus Venedig hat eine Stunde und zehn Minuten gedauert. Fast eine halbe Stunde dauert nun die Fahrt über die endlosen Pisten der Airport-Neubauruine BER bis zum Terminal von Schönefeld. Um dreißig Minuten vor Mitternacht dürfen wir einen Shuttlebus besteigen, gemeinsam mit dem deutschen Pärchen, das eben noch im Vaporetto zum Flughafen Marco Polo bis zur letzten Sekunde versucht hat, alles richtig zu machen. Den richtigen Blick auf den richtigen Campanile in der Abendsonne zu erhaschen, den atemberaubend schönen Sonnenuntergang aus genau dem richtigen Winkel vor die Smartphonelinse zu bekommen, immer rastlos hinauf ins Führerhäuschen und wieder hinunter in die Fahrgastkabine. (mehr …)
  • Neugier, Hoffnung, Kraft und Lust

    Lieber Merkurblog, heute habe ich Dir einmal aufgeschrieben, was ich alles an Berlin so mag. Berlin ist die Stadt der Jugend und der Künstler! Die Künstler, die aus aller Welt nach Berlin kommen, sind so jung, dass man in dieser Stadt mit 50 Jahren als Kulturpolitiker schon zu alt ist. Sie sind so erfüllt von Neugier, Hoffnung, Kraft und Lust, dass ihre Neugier, Hoffnung, Kraft und Lust die ganze Stadt ergriffen haben. Berlin ist die Stadt der Neugier, Hoffnung, Kraft und Lust. Die Stadt des Aufbruchs. Ja, es ist Frühling in Berlin! Und jetzt, in der Zeit der Kirschblüte, bittet Berlin die letzten Intendantengreise, ihre Sessel zu räumen. Liebevoll, in Dankbarkeit, aber auch entschlossen. 50 ist das neue Rentenalter für Intendanten in Berlin. Adieu, Peymann, Castorf, Flimm, Dercon. Das muss so sein. Die Künste müssen die Gegenwart packen und umarmen, ganz ganz fest. Das können nur Künstler, die voll in der Gegenwart leben, weil sie wissen, dass sie noch Zukunft vor sich haben. "Na klar", sagen Peymann, Castorf, Flimm, Dercon. "Das verstehen wir. Wir gehen gern und in Frieden." Und aus Wilmersdorf ruft Thomas Ostermeier: "Ich bin zwar erst 46, aber auch schon viel zu lange im Amt. Ich gehe auch. Ich bin so gespannt, was nach mir kommt!" Die Neugier auf die Kraft und Lust der Jugend hat sie alle gepackt. Die unbändige Lust auf Veränderung! (mehr …)
  • Nach Frankfurt zur Buchmesse? Oder doch lieber ins Internet, wo alles umsonst ist? Tagebuch einer abenteuerlichen Recherche im Reich der dummen Bücher

    15. September Liebes Tagebuch! Im Oktober ist wieder Buchmesse in Frankfurt. Aber ich fahre nicht hin. Stattdessen habe ich mir einen E-Reader bestellt. Das Anti-Buch. Das Gottseibeiuns-Teil. Ein Druck auf den Einschaltknopf, und es ist vorbei mit der deutschen Buchkultur! Ein Rumpeln und Zittern wird durch mein Viertel gehen, wenn ich meinen E-Reader auspacke. Meine alten gedruckten Bücher werden weinen und versuchen, sich von den Regalen zu stürzen. Buchhandlungen werden wanken und wahrscheinlich bald schließen. Aber es muss sein. Denn man muss mit der Zeit gehen. Und mit dem Papier ist vorbei, das hört man überall. Was man sonst noch hört: Wir werden dümmer. Das Internet ist schuld. Mit dem Aufkommen der elektronischen Medien ist die Masse der Dummheit in der Welt explosionsartig angewachsen. Das Internet hat uns in Dummheitsjunkies verwandelt! Und außerdem ist im Internet alles umsonst. Geiz ist geil. Ich will alles, ich will es für lau und ich will es sofort. Ich will mir online kostenlose Bücher für den E-Reader suchen, die mich vergessen lassen, dass ich jemals Geld für gedruckte Bücher ausgegeben habe. E-Books, die so dumm sind, dass meine letzte graue Zelle flöten geht. Denn so ist es mir versprochen worden: Dummheit einer neuen Dimension wird mich umfangen, dumm werde ich sein und dumm soll ich sterben. Mit einem Bauchklatscher will ich mich hineinwerfen in diese neue Umsonst-Welt und mich darin suhlen, dass es eine Lust ist. (mehr …)