• Sokratismus. Philosophie als Engagement

    Im Frühjahr 1954 hielt Hannah Arendt an der University of Notre Dame eine Reihe von Vorträgen unter dem Titel Philosophie und Politik. Das Problem von Handeln und Denken nach der Französischen Revolution. Der Untertitel der Veranstaltung verhieß zwar eine Beschäftigung mit der Gegenwart, wurde jedoch von Arendt selbst nicht allzu ernst genommen, wie sich am dritten Vortrag zeigt. Sokrates – Apologie der Pluralität widmet sich dem historischen Moment, den Arendt als den Beginn der Entfremdung zwischen Politik und Philosophie identifiziert: der Verurteilung des Sokrates. (mehr …)

  • Waldgang mit Ramelow

    I Moritz Rudolph ist ein fleißiger Autor – kaum hatte ich die Information, der Weltgeist sei im Grunde ein Lachs, verdaut, erschien im Aprilheft des Merkur ein neuer Essay von ihm, über „Thüringen als politisches Formproblem“. Als jemand, der in Eisenach geboren wurde und in Weimar aufwachsen musste, war ich sofort interessiert.  (mehr …)
  • Der blinde Fleck. Weimar und seine Peripherie

    Am nördlichen Ende der Belvederer Allee liegt ein verwilderter Friedhof. Das Gras steht kniehoch. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein ist alles schreckendurchwuselt: Thettigonia viridissima, die ich sofort erkenne, und Chorthippi, die der Laie meist nicht exakt bestimmen kann, umspringen die Grabsteine. Einige Inschriften kann ich mühselig entziffern. „Gawril Alexejewitsch Frolow, 1911 bis 1946.“ „Iwan Ruibin, 1918 bis 1945.“ Auf anderen prangen nur noch beschädigte Fotografien. Die Witterung hat die Namen aus dem Stein gewaschen. (mehr …)