Die Presse zur Lage des Essays

Obwohl wir gar keine Pressemitteilungen und -einladungen verschickt, sondern nur auf den Sozialmedien Hinweise gepostet hatten, ist die Presse zu unserer Essay-Veranstaltung mit Amanda DeMarco, Kathrin Passig, Michael Rutschky und Georg Stanitzek recht zahlreich erschienen. Allen, die nicht dabei waren, müssen wir leider sagen, dass das eine Low-Tech-Veranstaltung ohne Aufzeichnungen war. Was also bleibet, stiften die Pressevertreter.

Zum Beispiel, leider nicht online, Simon Strauß in der FAS vom 12. Januar, der allerdings ein etwas einseitiges Bild von der Diskussion zeichnet und am Ende die in dieser Zeitung sozusagen vorprogrammierte Position bezieht: „Es beginnt ein Generationenstreit über die Deutungshoheit des ‚deutschen Essays‘, den die Jugendfraktion am Ende klar für sich entscheidet. Sie will mehr persönlichen Ton, mehr investigativen Hintergrund, mehr Joan-Didion-hafte Nonchalance. Aber vor allem will sie eins: Den Essay als Form einer ‚Stellungnahme zum Leben‘ (Georg Lukács) für sich neu entdecken. Am Ende dieses Freitagabends in der FU scheint also die Lage des Essays besser denn je!“ Die angesprochene Jugendfraktion bestand übrigens in wesentlichen Teilen aus den extra aus Leipzig angereisten Edit-Chefredakteuren Jörn Dege und Mathias Zeiske.

Ein anderes mögliches Verständnis des Essay bringt Tim Caspar Böhme in seinem am 13. Januar in der taz erschienenen Bericht ins Spiel: „Stanitzek erinnerte daran, dass es ihm nicht so sehr um literaturwissenschaftliche Epochen-Essayistik gegangen sei als vielmehr um eine Lektüre experimenteller Texte, in denen etwas ausprobiert werde – wie das Wort ‚Essay‘ in seiner ursprünglichen Bedeutung nahelegt. Zu deren positiven Beispielen zählt er in seinem Buch neben der ‚Plaudertasche‘ Rutschky auch taz-Autoren wie Detlef Kuhlbrodt oder Helmut Höge – Letzterer saß unter den Zuhörern.“

Und gestern lieferte Mladen Gladic in der Welt noch seine Beobachtungen – und geht näher auf die Lage des Essays im aktuellen Medienstrukturwandel ein: „Wo sich, wie im Netz, noch keine klaren Hierarchien ausgebildet haben, ist auch der Anreiz gering, anspruchsvolle Essays zu schreiben. Denn, so Passig, alles im Netz Erscheinende ist momentan nicht mit Prestige verbunden, sodass man nicht nur kein Geld dafür kriegt sondern auch sonst nichts. In beiden Medien zu publizieren ist bei Passig, die einmal schrieb, dass sie seit 1998, abgesehen von ein paar Bahnhofs- und Flughafenkäufen, keinen Buchladen mehr betreten habe, dann auch schon so etwas wie ein Formexperiment: ‚Ich möchte, dass Merkur-Leser das verstehen, was ich schreibe, und dass ich dafür von meinen Freunden nicht ausgelacht werde.'“

Fehlt noch der Verweis auf Peter Groenewolds Kommentar in unserem Blogeintrag zum Veranstaltungshinweis. Und weil das Ganze von Georg Stanitzeks Aufmacher des Januarhefts Zur Lage der Fußnote seinen Ausgang nahm, sei auch auf Heiner Wittmanns Vorstellung dieses Hefts im Klett-Cotta-Blog hingewiesen.

Nachtrag: Und hier nimmt Katy Derbyshire – selbst Autorin des Januarhefts – die Veranstaltung zum Anlass für weitere Überlegungen.

ek


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