Caroline-Schlegel-Preis für Andreas Dorschel

Für seinen im Merkur 12/2013 erschienenen Essay Ein verschollen geglaubter Brief der Korinther an Paulus hat Andreas Dorschel den von der Stadt Jena vergebenen Caroline-Schlegel-Preis zur Förderung von Feuilleton und Essay erhalten. (Siehe Urkunde unten.) Wir gratulieren! Und wir freuen uns. Wir freuen uns sogar so sehr, dass wir den Beitrag bis Ende September hier im Blog freischalten. (Danach wird er wie zuvor im Volltextarchiv für 2 Euro abrufbar sein.)

dorschel schlegel

 

Ein verschollen geglaubter Brief der Korinther an Paulus

Von Andreas Dorschel

Philologisches Vorwort

Was es heißt ein Christ zu sein, entscheidet sich an der Frage nach dem Ursprung der Religion, deren Anhänger sich so nennen; Aufschluss darüber, wie dieser Ursprung beschaffen war, geben historische Quellen. Sensationell muss darum ein Schriftfund genannt werden, den der Lüdenscheider Archäologe Hermann Cladder am 27. Oktober 2011 bei Grabungen nahe der Nekropole von Aphroditopolis, heute Gebelein, in Oberägypten machte. Auf den beidseitig beschrifteten Papyri, die sich, in Ziegenleder gebunden und in einem fast ein Meter hohen Krug aus rotem Ton geborgen, erstaunlich gut erhalten zeigten, hatte er – dies wurde Cladder schon nach wenigen Stunden des Entzifferns klar – jenes Schreiben der Gemeinde von Korinth an den Apostel Paulus vor sich, dessen Existenz mehrere Quellen des frühen Christentums in einem Ton eigenartiger Bangigkeit, ja tiefer Verstörung erwähnen.[1]

Die Spuren des Textes, mit dem die Korinther Paulus’ erstem Brief an sie entgegneten, hatten sich ja bereits um das Jahr 120 verloren; Experten vermuteten seit langem, alle Abschriften seien vernichtet worden. Bis in die Neuzeit erhalten hatte sich lediglich ein 8,5 Zentimeter breites und 7 Zentimeter hohes, stellenweise von Würmern zerfressenes Pergament, das die innere Ecke eines Kodexblattes bildete: ein Fragment von beiderseits je fünf verstümmelten Zeilen. (Dieses Bruchstück – P. Gr. Arg. 26 053 = saec. IV Fayyum 1852 – war Ende der 1850er Jahre in die Stadtbibliothek von Straßburg gelangt; es verbrannte bei der Belagerung und Beschießung der Stadt durch preußische Truppen am 24. August 1870 mit der Bibliothek.)

War den Forschern alle Hoffnung, das bedeutsame Schreiben der Korinther werde in seinem ganzen Umfang je wieder zum Vorschein kommen, geschwunden, so hefteten sich an Cladders Fund sogleich erhebliche Zweifel. Der St. Pöltener Theologe Ferdinand Dähne erklärte den Text rundheraus für inauthentisch, zumal die Papyri an mehreren Stellen die Worte „????? ??????“ enthalten – augenscheinlich den Namen eines französischen Intellektuellen der Gegenwart.[2] (Diese Stellen lässt die folgende rekonstruktive Übertragung, naheliegender Gründe halber, aus.)

Den kompletten Text können Sie in unserem Volltextarchiv für 2 Euro abrufen.

 


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