Das Juliheft

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Zum Inhalt:

Auf die Idee muss man erst einmal kommen: die Romane Leo Tolstois mit den Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen des deutschen Fernsehens zu vergleichen. Wolfgang Kemp ist auf diese fast frivole Idee gekommen, und er hat in seinem Essay „Sie schon wieder“ ein überzeugendes tertium comparationis gefunden, nämlich die Frage nach Wiederholungsstrukturen beim Erzählen. Erstaunlich ähnlich ist der Spagat, den Helmut Müller-Sievers unternimmt, wenngleich die Nähe zwischen den einander historisch eher fern stehenden Phänomenen hier schon eher auf der Hand liegt. Was genau, so seine Frage, haben die neueren US-amerikanischen Serienformate mit der Erzählökonomie des Fortsetzungsromans, der im 19. Jahrhundert seine Blüte erlebte, zu tun. Aus anderer Richtung geht der Schriftsteller David Wagner auf ähnliche Problemlagen zu. Erzählend denkt er über das Schreiben und das Erzählen nach, und zwar nicht zuletzt sein eigenes.

Abseits dieses nicht durch redaktionelle Planung, sondern durch glückliche Fügung und Heftkomposition entstandenen kleinen Schwerpunkts: Michael Rutschky berichtet – online frei lesbar – über sein Jahr als Redakteur des Merkur – das war im Jahr 1977. Wie bei diesem großen zeitdiagnostischen Essayisten nicht anders zu erwarten, ist das kein nostalgieseliges Erinnerungsstück, sondern das lakonische Porträt einer anderen Zeit und nicht zuletzt des damaligen Merkur-Herausgebers Hans Schwab-Felisch. Auch eher rückblickend: Eckhard Schmumachers Lektüren neuerer Musikerautobiografien von Johnny Rotten bis Westbam. Ganz gegenwärtig dagegen: Thomas E. Schmidts zwischen Habermas und Luhmann hin- und hergespielte Überlegungen zu „Lügenpresse“ und vierter Gewalt. Der Zukunft zugewandt dann: Christoph Menke, der in seiner Philosophiekolumne über die „Möglichkeit der Revolution“ nachdenkt – das ist der zweite von uns freigeschaltete Text.

Warum ökonomische Prognosen gar nicht funktionieren können, erklärt Tobias Schmidt. Paul Ford hat gerade mit seinem epischen und extrem lesenswerten, eine ganze Sonderausgabe der Bloomberg Businessweek füllenden Text „What is Code?“ (hier die Online-Version) richtig Furore gemacht. Bei uns ist ein kleiner böser Essay über „Höflichkeit“ von ihm zu lesen. Der Schriftsteller Philipp Schönthaler porträtiert mit Dieter Zetsche und Steve Jobs zwei Manager sehr unterschiedlichen Typs. Außerdem: Christian Schröder über Superschurken. Günter Hack über den Grünfinken. Stephan Herczeg sucht eine Wohnung, fährt Zug und gibt sich Kultur.


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