Wikipedia in der universitären Lehre

Impulsreferat für den Workshop „Wikipedia Meets University“, Universität Wien, 15.3.2014

Ich möchte mit einer vielleicht etwas provokanten These beginnen, deren leicht polemischen Duktus ich mir von meinem Kollegen Klaus Graf ausgeborgt habe, der an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aaachen als Historiker und Archivar tätig ist und als Hauptproponent des meinungsfreudigen Weblogs Archivalia – archiv.twoday.net auch weit über die Kreise der Geschichtswissenschaft hinaus bekannt wurde; von Klaus Graf stammt das Diktum: „Ein Wissenschaftler, der nicht bloggt, ist ein schlechter Wissenschaftler.“ Auf das Verhältnis der universitären Lehre zu Wikipedia übertragen, lautet meine These:

Lehre, die Wikipedia ignoriert oder gar verbietet, ist schlechte Lehre.

Ich setze vielleicht noch eins drauf, und stelle die Behauptung auf, dass die von mir hier so inkriminierte Haltung obendrein noch den akademischen Schwur verletzt, der in seiner an der Universität Wien bereits für AbsolventInnen eines Bakkalaureatstudiums der historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät gültigen Fassung eine Verpflichtung zum „lebensbegleitenden Lerne(n)“ und zur laufenden Aneignung „neue[r] Erkenntnisse“ beinhaltet.

Was ist Wikipedia anderes, als eine lebensbegleitende, niedrigschwellig zugängliche Möglichkeit des permanten, aktiven wie passiven Lernens, die auf neue Erkenntnisse schneller reagieren kann als behäbige Lehr- und Handbücher auf Papier? Änderungen bei Wikipedia-Einträgen sowie kontroverse Ansichten zu einzelnen Themen werden in der Online-Enzyklopädie in der Regel besser dokumentiert und sind leichter nachvollziehbar als bei den unterschiedlichen Papier-Enzyklopädien, genauso wie es auch ohne besondere Programmierkenntnisse möglich ist, Verbesserungen einzuarbeiten oder zumindest zur Sichtung vorzuschlagen.

Bei all diesem Loblied auf die Wikipedia möchte ich gar nicht verhehlen, dass es selbstverständlich notwendig ist, eine ganze Reihe an Vorwürfen oder Kritik an Wikipediaeinträgen vorzubringen, Vorwürfen, die aber in der Regel auch die weniger mächtigen Enzyklopädien des Papieruniversums betreffen; ich möchte hier vor allem zwei Punkte anbringen:

1.) Zum einen den Genderbias, oder deutlicher, das antifeministische Mobbing (Belege dafür auf Archivalia hier und hier), dem viele Wikipedianerinnen in einem Umfeld ausgesetzt sind, in dem zwar mit viel Liebe zum Detail die Biographien von Pornodarstellerinnen und die Funktionsweise von Waffen dargestellt werden, dafür aber zum Beispiel die Biographien von NS-Verfolgten wegen angeblich mangelnder Relevanz gelöscht werden (hier und hier). Ich bin allerdings der Ansicht, dass dies nicht ein spezifisches Problem der Wikipedia, sondern ein allgemein-gesellschaftliches Problem ist, halte es aber für sehr nötig, dass es hier seitens der AdministratorInnen und aufgeschlossenen Communitymitgliedern offensive Gegenmaßnahmen gibt, die eindeutig gegen sexistische und rechtsextreme User und Userinnen vorgehen.

2.) Mein zweiter Punkt betrifft die Literaturangaben zu den einzelnen Beiträgen; oft reicht von meiner Seite aus ein kurzer Blick in einen Artikel zu einem Gebiet, wo ich mich einigermaßen auskenne, um festzustellen, dass soferne Literatur zitiert wird, diese nicht die maßgebliche zum Thema ist; sicher, ich könnte sie leicht einfügen, eventuell sogar mit einem kurzen Kommentar zur Bedeutung des jeweiligen Buchs, aber bislang habe ich das kaum gemacht. Wenn tatsächlich – wie im Vorfeld dieses Workshops ventiliert – eine Schnittstelle zwischen WikipedianerInnen und WissenschafterInnen geschaffen werden sollte, die gerade auch auf solche Verbesserungen der Literaturangaben abzielt, würde ich dies sehr begrüßen.

Sonst aber möchte ich betonen, dass Kritik Definitionsmerkmal jeglicher Wissenschaft ist, und wenn beklagt wird, dass Studierende Wikipedia-Einträge unkritisch übernehmen, vielleicht gar ohne Zitierung plagiieren würden, dann ist es die Aufgabe von uns Lehrenden, einen kritischen Umgang mit jedem Text – also auch mit Wikipediaartikeln – zu lehren und einzufordern; dazu ist selbstverständlich eine zumindest rudimentäre Auseinandersetzung mit der Funktionsweise der Wikipedia von Nöten.

Ich gehe auch so weit, die These aufzustellen, dass, wenn eine in der Lehre gestellte Aufgabe durch die Abgabe eines Wikipedia-Artikels, sei er nun korrekt zitiert oder aber plagiiert, zur Zufriedenheit der Lehrperson erfüllt werden kann, der Fehler nicht bei der Studentin, beim Studenten liegt, sondern die Aufgabe falsch gestellt war.

An dieser Stelle ist es wohl angebracht, dass ich aus meiner eigenen Lehrpraxis drei Beispiele nenne, wie ich Wikipedia in der Lehre einsetze:

1.) Als erstes nenne ich das Aufweisen von Mängel und Leistungen der Wikipedia anhand eines Beispiels, nämlich dass lange Zeit im Artikel „Intelligenzblatt“ eine falsche Jahreszahl als Gründungsdatum des in Paris von Théophraste Renaudot errichteten „Bureau d’adresse“ angegeben wurde, nämlich 1612 statt 1630. Die Pointe: Diese Zahl ist auch in einer Papier-Veröffentlichung zu finden, die nach den üblichen Kriterien zumindest auf den ersten Blick als wissenschaftliche Publikation eingestuft würde, handelt es sich doch um den in einem wissenschaftlichen Sammelband erschienenen Artikel eines Universitätsprofessors; in letzterem Fall ist es nicht mehr möglich, den Fehler zu korrigieren, im Falle der Wikipedia geschah dies sehr wohl (Belege und weitere Links in dem entsprechenden Posting meines Lehrveranstaltungsweblogs).

2.) In Lehrveranstaltungstypen wie Seminaren, sei es für die Bakkaulareatsarbeit oder im Masterstudium, wo eine schriftliche wissenschaftliche Arbeit zu verfassen ist, verlange ich, dass von den circa 65.000 Zeichen, die die Seminarbeit lang sein soll, ein eigenes Kapitel oder ein Anhang im Umfang von circa 10 – 15.000 Zeichen der Bewertung dessen gewidmet sein sollen, was die Wikipedia zum gewählten Thema zu sagen hat, wobei eventuell auch noch andere Internetressourcen herangezogen werden können, wenn diese von Relevanz sind.

Leitfragen bei der Bewertung von Wikipedia-Einträgen können sein:

Wird der Artikel als exzellent, lesenswert oder aber als mangelhaft gekennzeichnet?

Wird das Thema kontrovers diskutiert? Werden unterschiedliche Positionen zum Thema im Eintrag selbst genannt, oder sind diese auf der Diskussions-Seite zu finden?

Ist der Beitrag belegt, gibt es Literaturangaben und Fußnoten?

Wie kohärent ist der Artikel, ist er aus einem „Guss“ oder merkt man ihm an, dass er von vielen AutorInnen bearbeitet wurde, die nicht auf Vereinheitlichung achteten?

Wie oft wurde der Eintrag gemäß seiner Versionsgeschichte geändert?

Kann man mittels Versionsgeschichte die AutorInnen namentlich bestimmen, was geben diese über sich auf Ihrer eventuell angelegten UserInnen-Page preis?

Gibt es Änderungen, die schnell wieder rückgängig gemacht wurden, gab und gibt es „Edit-Wars“?

Eine weitere Aufgabe kann der wikipediainterne Vergleich sein, also die Frage, wie dasselbe Stichwort in verschiedenen Sprachversionen abgehandelt wird, weiters dann der externe Vergleich mit anderen Lexikaeinträgen.

Bei diesen Beurteilungskriterien für Wikipediaeinträge kann man sich an der so genannten Wikipedistik orientieren, also derjenigen wissenschaftlichen Disziplin, die sich der Erforschung der Wikipedia widmet und die auch schon Kriterienkataloge entwickelt hat, wobei ich Sie insbesondere auf die Arbeiten des leider letzten Jahrs verstorbenen Kollegen Peter Haber hinweisen möchte, der an der Uni Wien Gastprofessor war und unter anderem ein Forschungsseminar der Wikipedia gewidmet hat. (Hier dokumentiert).

3.) Als drittes Beispiel kann ich die Beteiligung von Studierenden an einem Übungs-Wiki nennen; ein solches lässt sich im Rahmen der an der Universität Wien verwendeten Lernplattform Moodle leicht einrichten, womit auch sichergestellt ist, dass dieses Übungs-Wiki nur eine begrenzte Öffentlichkeit, nämlich die der Lehrveranstaltung hat; ich habe hier den Studierenden eine einfache Aufgabe gegeben, nämlich zu einem von ihnen ausgesuchten Thema Literatur zu recherchieren und dann eine Literaturliste als Wikieintrag anlegen; mein Hintergedanke ist dabei auch der fromme Wunsch, dass Studierende, die dies einmal ausprobiert haben, vielleicht dann auch in der „richtigen“ Wikipedia Ergänzungen bei der Literatur vornehmen werden.

Bevor ich zum Schluss komme, noch ein Hinweis auf Weblogpostings des schon eingangs erwähnten Kollegen Klaus Graf, der sich unter anderem in seinem Weblog Archivalia sehr intensiv mit der Wikipedia auseinandersetzt. (Die entsprechenden Postings sind unter http://archiv.twoday.net/topics/Wikis/ zu finden)

1) Gemäß seiner Position, die ich teile, ist Wikipedia selbstverständlich zitierfähig, zu seinen Argumenten und zu den Voraussetzungen siehe u. a.:

http://archiv.twoday.net/stories/4475407/

http://archiv.twoday.net/stories/5178288/

2) Ein Crashkurs für potenzielle Wikipedia-MitarbeiterInnen vom Jänner 2013 findet sich hier.

Zum Schluss möchte ich nur leise andeuten, ohne ein Experte in Sachen der Lehrpläne und der zukünftigen Ausrichtung des universitären Studiums zu sein, dass sich für mich unter den derzeitigen medialen Bedingungen folgendes in einem Satz formulierbares Ziel eines Bakkalaureatsstudiums bestimmen lässt:

AbsolventInnen eines Bakkalaureatsstudium sollen dazu fähig sein, fachspezifische Wikipediaeinträge kritisch zu beurteilen und gegebenenfalls verbessern zu können.

Anton Tantner ist im Sommersemester 2014 Gastprofessor für Neuere Geschichte am Institut für Geschichte der Universität Wien; er bloggt unter http://adresscomptoir.twoday.net und ist auf Twitter unter @adresscomptoir aufzufinden; Homepage mit „Galerie der Hausnummern“: http://tantner.net

Programm des Workshops „Wikipedia Meets University“


5 Kommentare

  1. Marcus Cyron sagt:

    Zuerst fand ich gut was ich las – bis ich an denselben Unsinn kam, der immer wieder völlig in Verkennung der Realitäten verbreitet wird. Dieser einfach unwahre Gegensatz von Pornografie zu Hochkultur. Es gibt sogar vergleichsweise wenig Artikel zu Pornodarstellern in der Wikipedia. Das ist ein Fakt. Die Kriterien für diese sind äußerst streng. Als Geensatz Opfer des NS-Systems anzusetzen ist unredlich. Und auch hier stimmt die Behauptung so nicht. In der Wikipedia ist jede Person, die dem NS-System Widerstand leistete, und sei es nur in einer kleinen Weise, per se „relevant“. Nicht „relevant“ ist hingegen jedes Opfer. Und das ist richtig so. Wo ist denn die Grenze? Für mich ist auch der Großteil der Soldaten ein Opfer. Und das bei allen Nationen. Und die zivilen Opfer. Ein Opfer eines Bomenangriffes aus Dresden müßte genauso „relevant“ sein wie eines von den Angriffen auf Coventry und diese wiederum wie jedes Opfer des Holocausts oder der Verfolgung aller anderen Gruppen durch die Nazis. Dann kommen wie auf 60 bis 70 Millionen Opfer. Für alle Artikel? Wer soll das machen? Wer soll das pflegen? Wenn es einen sinnvollen Artikel zu einem NS-Opfer gibt bleiben diese im Allgemeinen auch bestehen. Aber ein Artikel, der etwa nur den Inhalt eines Stolpersteins angibt ist nicht enzyklopädisch – und somit zu löschen. Wem nutzt das? Wikipedia ist ein Lexikon und nicht der zentrale Ort der Erinnerung. Demnach einen Antrag gegen einen schlechten Artikel zu einem rechtsradikalen Akt zu erklären ist eine noch größere Unredlichkeit.

  2. Da ich selbst ein Wiki (http://wikis.zum.de/geometrie/Hauptseite) in der universitären Lehre einsetze, würde mich interessieren, was denn in Eurem von studentischer Seite wirklich passiert ist.

  3. Jakob Voß sagt:

    Schade, dass der Kommentar die im Artikel genannte Kritik eher bestätigt, das in Wikipedia nicht in angemessener Weise mit Sexismus und Rechten Weltsichten umgegangen wird – ich glaube ebenfalls nicht, dass Wikipedia hier besonderns gegenüber anderen Einrichtungen und Gruppen hervorsticht, aber Wikipedia hat als Nachschlagewerk eine besondere Verantwortung, der durch Verweis auf Relevanzregeln und Praktikabilität nicht nachzukommen ist.

    Für meine Lehrveranstaltung nutze ich Wikipedia, indem ich Ausarbeitungen möglichst so anfordere, dass sie sich auch als Wikipedia-Artikel gut machen würden. Das funktioniert natürlich nur wenn es bislang keinen guten Wikipedia-Artikel zum Thema gibt z.B. weil das Thema zu speziell ist.

    1. Heinz Egger sagt:

      lb Jakob, ich möchte deine Einschätzung unterstreichen, dass Wikipedia inzwischen durch seine Monopolstellung tatsächlich eine Verantwortung hat. Da das aber nicht auf das Projekt, sondern auf die Mitarbeiter abzustellen ist, liegt es dort, die notwendigen Änderungen in deinem Sinne zu machen.

  4. Heinz Egger sagt:

    Der Antwortbeitrag von Marcus spiegelt eine Realität wieder, in der Wikipedia völlig gefangen ist, und aus der sie sich – genauer gesagt, die Wikipediaautoren – trotz vieler Versuche nicht zu entledigen imstande ist.

    Sie hält sich sklavisch an den sogenannten Relevanzkriterien fest, welche – wenn man das einmal genauer untersucht – zu einem großenTeil aus einer Zeit stammen, in der Wikipedia im Aufbau begriffen war und man bestrebt war, gewissermaßen das Wichtigste zuerst erledigen. Somit aus einer Zeit, als es gerade mal eine Viertelmillion Artikel gegeben hat, inzwischen sind es 1, 7 Millionen.

    Eines der Hauptübel im deutschen Wikipediabetrieb ist auch die Struktur und Arbeitsweise ganz bestimmter Mitarbeiter. Man findet gerade an der Löschfront (also dort, wo Rechthaberei mit der Auslegung der Relevanzkriterien betrieben werden kann), wobei es keinen Unterschied macht, ob die Auswahl durch Antrag auf Löschung von ausgewiesenen, langjährig erfahrenen Mitarbeitern gemacht wird oder einfach durch irgendwelche Leute, die sich einen Spaß daraus machen, in höchst destruktiver Weise am Projekt teilzunehmen.
    Ein Großteil aller Diskussionen findet dort statt, genährt durch Regelhuberei. Das Argument der Betreuung von Artikeln ist nur ein Vorwand. Es ist weit schwieriger, Artikel zu Pornodarstellern, Drittliga-Fußballern oder C-Promis (oder auch sonstige „Sportgrößen“) zu warten als zB Aritkel über eine alte Ortskapelle, welche selbstverständlich im Gegensatz zu einer danebenstehenden Kirche wohl auch eine Geschichte hat, aber nicht denkmalgeschützt ist. Dies gilt im Übrigen nur für deutsche Kapellen, österreichische Kapellen sind durch die Erwähnung im Dehio per se relevant.

    Eine Kapelle benötigt nach der Erstellung des Artikels keine Wartung, man kann aber Ergänzungen erwarten. Jeder Jungfußballer mit einem einzigen dokumentierten Einsatz in der dritten Liga ist relevant und bleibt wartungsintensiv bis zum Rest seiner Tage. Wer wird das machen? Mit jeder Änderung seiner Karriere, für dessen Dokumentation und Aktualisierung sich kein Autor findet, sinkt die Qualität von Wikipedia als Gesamtes. Welche der Artikel aus deinem Fachbereich, Marcus, sind wartungsintensiv?

    Ich hatte die Ehre, an meiner Fakultät zu dieser Veranstaltung das Einleitungsreferat halten zu dürfen und wurde in meiner Kernaussage und -forderung im Verlauf der Veranstaltung bestätigt.

    „Der Einstieg in Wikipedia ist inzwischen für Neuautoren kaum noch möglich.“

    Einerseits liegt das an den Fallstricken, welche durch eine Geschäftsordnung vorgegeben ist, welche so komplex ist, dass auch langjährig aktive Wikipedianer diese kaum noch durchschauen. Andererseits liegt das an einer falsch verstandenen Liberalität, dass ja jeder mitmachen kann. Und genau das passiert auch. Wer nicht „konstruktiv“ mitzumachen imstande ist, der macht es halt destruktiv. Nicht jeder, den die Geschäftsordnung vertreibt – und auch die zu einem guten Teil völlig überforderten, zT auch unfähigen Administratoren – , nimmt das hin und verzichtet auf die Teilnahme. Es gibt genug Leute, die mit besten Willen begonnen haben, aber innerhalb kürzester Zeit von den Revierverteidigern vertrieben wurden. Jeder alte Hase des Projekts weiß, wie man mit einem neuen, missliebigen Mitarbeiter so umgeht, dass er in kürzester Zeit genau die Fehler macht, welche einen zuerst temporären, dann endgültigen Ausschluss durch Sperrung seines Accounts scheinbar unumgänglich machen.

    Es gibt genug Leute, deren Ziel es ist, destruktiv zu sein. Man weiß es, aber man tut nichts dagegen. Jeder Wikipedianer weiß, dass der Satz: „Jeder darf mitmachen“ ein Witz ist. Aber niemand tut etwas dagegen.

    Je länger diese Probleme andauern, umso stärker werden sie in Beton gemeiselt.

    Wenn Tantner schreibt, dass es sein Ziel ist, dass Absolventen eines Bakkalaureatsstudiums in der Lage sein sollen, einen Wikpediaartikel kritisch zu bewerten und Änderungen vornehmen zu können, dann sagt das im Grunde alles. Er schreibt nicht, dass diese Absolventen in der Lage sein sollen, einen Wikipediaartikel zu verfassen, nein, er begnügt sich mit der Bewertung.

    Meine Forderung, die ich in meinem Vortrag gestellt habe und die auch von den Anwesenden aus der Lehre geteilt wurde, geht deutlich weiter: Wenn wir die Qualität von Wikipedia steigern wollen, dann müssen auch die, welche die Grundlagen für die Inhalte erst schaffen, nämlich die, welche die Quellen durch ihre Arbeit zur Verfügung stellen, auch die Verantwortung für die Inhalte mit übernehmen. Nicht die Lehrenden, nein, über die Lehre und somit über die Studenten und die Lehrinhalte die Inhalte von Wikipedia auch weiterentwickeln.

    Dazu bedarf es aber im Gegenzug eine Änderung der klimatischen Bedingungen von Wikipedia, die im aktuellen Zustand diese Zusammenarbeit wahrscheinlich in einer Weise unmöglich machen, dass das möglicherweise zum Scheitern verurteilt ist.

    Solange Leute in Wikipedia, welche im Grunde genommen sich mehr der Destruktion und weniger dem Konstruktiven zugewendet haben (ich sage jetzt ganz ausdrücklich nicht Autoren) in der Lage sind, mitzubestimmen, wie der zukünftig Weg von Wikipedia im Bezug auf die Mitarbeit der Universiäten sein soll, solange wird es keinen Weg geben, eine gemeinsame, fruchtbringende Zusammenarbeit zu schaffen.

    Der Witz aus 1994 der da lautet: „they don´t know, that I´m a dog“ ist in diesem Zusammenhang höchst passend. Ein erster Schritt wäre damit getan, dass in Wikipedia die Teilnahme an Metadiskussionen durch nichtangemeldete oder noch nicht wirklich im Artikelnamensraum ausreichend aktive Mitarbeiter, ausgeschlossen wird. Dann wird auch Marcus Cyron merken, dass die Wartung von Wikipedia gar nicht so problematisch ist, denn es wir unendlich viel Arbeitskraft dadurch frei, dass man sich nicht in unendlichen Diskussionen mit diesen Leuten auseinandersetzen muss. Und mit Weißbier wird man schon klarkommen, indem man ihm nur noch einen Löschantrag pro Tag zugesteht.

    Für Wikipedia kann das nur gut sein. Und uns allen die Chance eröffnet, dass man auch die Universitäten gezielt in die Gestaltung des Projekts miteinbezieht, die dann aber auch in die Verantwortung für die Inhalte genommen werden können. Was durchaus auch im Interesse der Lehre ist.

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