Merkur im Januar

Das Januarheft eröffnet den 70. Jahrgang – und ist die 800. Ausgabe des Merkur. Wir haben keine große Nummer daraus gemacht, sondern einfach ein sehr gutes Heft.

Die „Schwarzen Hefte“ und die explizit antisemitischen Äußerungen darin sind das Eine. Das Andere war schon immer Martin Heideggers Philosophie, deren abgrundtiefe Modernefeindlichkeit Heiner F. Klemme in seinem Essay sehr deutlich herausarbeitet. Das Fazit ist eindeutig: „Heidegger steht für die Gegenaufklärung.“ Als Philosoph fährt Michael Astroh nach Japan, mit literarischem Gespür schildert er seine Fremdheitserfahrungen in seinem Text „Jenseits des Vertrauten“, den man vielleicht am besten als philosophische Reportage bezeichnet. Von eigenen Erfahrungen geht auch David Graeber in seinen Überlegungen zur Bürokratie aus – in denen ihn nicht zuletzt die Frage beschäftigt, warum sein Fach, die Ethnologie, so wenig zum Thema zu sagen hat.

In der Philosophiekolumne wendet sich Christoph Menke in seiner Kritik eines liberalen Freiheitsbegriffs auf zunächst überraschende Weise den Diskussionen um den Exodus zu, die der Ägyptologe Jan Assmann angestoßen hat. Dem Zusammenhang von Musik und Sound und der Stadt wendet sich Eckhard Schumacher in seiner letzten Popkolumne zu und liest Neuerscheinungen, in denen es nicht zuletzt um Detroit und Düsseldorf geht. Monika Dommann ist die wohl wichtigste Historikerin des Copyrights im deutschsprachigen Raum: Für uns liest sie Peter Baldwins große englischsprachige Studie zum Thema. Zwei Texte nehmen neuere und neueste Formen der Literatur in den Blick: Holger Schulze stellt die Ebooks des Frohmann-Verlags vor, die beweisen, wie grandios Texte sein können, die auf Twitter und in anderen Medien für kurze Formen entstehen (der Text ist frei online zu lesen). Wie sich Konzeptkunst und Literatur in neuen Print-on-Demand-Strategien überkreuzen, erläutert Hannes Bajohr, der einerseits Literaturwissenschaftler und andererseits selbst Akteur im von ihm beschriebenen Feld ist.

In Putins Russland ist die Lüge postmodern geworden, stellt der Politologe Helmut König (frei lesbar) fest. Die Propaganda ist weniger darauf aus, falsche Tatsachen zu verbreiten, als vielmehr die Grenze zwischen Wahrem und Falschem konsequent in Zweifel zu ziehen. Felix Heidenreich stellt bei aller grundsätzlichen Sympathie Rückfragen an Navid Kermanis politische Theologie. Remigius Bunia eröffnet eine Reihe mit Innenansichten aus dem eurokratischen Brüssel. Und Harry Walter liefert die erste Folge einer neuen Kolumne mit Texten zu gefundenen Fotos.


 

Die Übersicht mit den Kaufmöglichkeiten für das Heft (in Print und Digitalformaten) sowie die einzelnen Artikel auf unserem Volltextportal.

Heiner F. Klemme     Heideggers Kritik der Moderne   
Michael Astroh           Jenseits des Vertrauten. In Japan
David Graeber       Strukturelle Dummheit: Bürokratie
Christoph Menke      Exodus. Philosophiekolumne
Eckhard Schumacher     Der Sound der Stadt. Popkolumne
Monika Dommann    300 Jahre Copyright-Kriege      
Holger Schulze   E-Books und kleine Formen    GRATIS
Hannes Bajohr      Print-on-Demand als Strategie und Genre
Helmut König       Die Lüge in Zeiten Putins   GRATIS
Felix Heidenreich      Navid Kermanis politische Theologie
Remigius Bunia        Brüssel (I). Brüssel babylonisch
Harry Walter       Prosit


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