Merkur im März

Die Provokation trägt Herfried Münklers Essay schon im Titel „Raub oder Rettung?“ Es geht um den Transfer von Kulturgütern in Richtung Westen, bei dem es doch eher selten mit rechten Dingen zuging. Angesichts (nicht nur) der Kulturstättenzerstörung durch den IS stellt Münkler fest, dass „der Transfer von Kulturgütern, der mitunter an Raub grenzte, zuletzt doch zu deren Rettung geworden“ ist. Die kommentierte Edition von Mein Kampf wird viel gelobt, nicht zuletzt von den Herausgebern selbst. Patrick Bahners hat jedoch – hier gratis lesbar – einige Einwände, die sowohl das Institut für Zeitgeschichte als auch editorische und historiografische Grundsatzfragen betreffen. Ebenfalls im Widerspruch zu vorherrschenden Ansichten bewegt sich Ulf Erdmann Ziegler. In den jüngeren Pädophilie-Diskussionen ist seiner Ansicht nach das Kind mit dem Bad ausgeschüttet worden, mit sehr unerfreulichen Folgen: „Die Päderasten sind geschlagen; die Pädophilie hat gewonnen.“

Selbst wenn man „Gelsenkirchener Barock“ für geschmacklos halten sollte – folgt aus schlechtem Einrichtungsgeschmack auch ethische Zweifelhaftigkeit? Nur für jene, meint Christian Demand in seinem Essay Moralische Anstalten (hier gratis lesbar), in deren Ressentiments das Ethische und das Ästhetische ohnehin zusammenfallen. Darf man den Prognosen der Ökonomen überhaupt trauen? Das fragt Roman Köster in seiner Kolumne. Die Antwort: Nun ja. Der letzte Text im Kritikteil, Jonathan Beckmans Rezensionsessay Die Revolution des Lächelns, erzählt, wie wenig noch im 18. Jahrhundert öffentliches Lachen, oder nur Lächeln, goutiert wurde. (Was auch mit dem Zustand der Gebisse zu tun gehabt haben könnte.)

Im Marginalienteil gibt es einen kleinen Schwerpunkt zu Europas Flüchtlingen. Der Rechtswissenschaftler Daniel Thym betont die „Spannung zwischen dem universellen Anspruch der Menschenrechte und den territorialen Grenzen jeder Staatsgewalt“ – und sieht dafür aktuell keine überzeugenden Lösungen. Martin Burckhardt sieht ebenfalls eine Spannung, zieht den Rahmen aber um einiges weiter, indem er auf die Unvereinbarkeit von territorialen und transterritorialen Logiken hinweist. Darauf zwei Texte, die das Problem durch Distanzierung umperspektivieren: Die Althistorikerin Susanna Elm blickt auf den Wandel des Bürgerbegriffs in Rom. Und Jens Soentgen denkt über Gastfreundschaft gegenüber allen Mitlebenden, also auch Tieren nach. Zum Schluss noch Remigius Bunia mit der Fortsetzung seiner Brüssel-Reportageessays und Harry Walter mit der Lektüre eines gefundenen Fotos, auf dem Soldaten mit Modellbauschiffen zu sehen sind.

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