• Serielle Produktionsexzesse. Verlorengehen mit Haiyti

    Die Verleihung des Musikautorenpreises der GEMA in der Sparte »Text Hip-Hop«, ein aufgezeichneter Liveact, der in der ZDF-Mediathek zu finden ist, oder das vom Musikmagazin JUICE bis zur Stuttgarter Zeitung verwendete Etikett »Feuilleton-Liebling«:1 Die Rapperin Haiyti ist in der öffentlichen Wahrnehmung, das heißt außerhalb der Hiphop-Szene, angekommen. Zugleich ist da eine Irritation, wenn ihre Produktionen aus der Menge des deutschen Hiphop herausgehoben werden, denn die letzten drei Alben sind in solch kurzer Folge erschienen, dass man sich nun gedrängt fühlen kann, diese enorme Menge der Songs zu erklären oder sogar zu entschuldigen. (mehr …)

  • Ehrlichkeit, Glauben, Vertrauen – Zeitung aus dem 17. Jahrhundert

    Die Dichterin Sibylla Schwarz, an deren 400. Geburtstag im Februar erinnert wurde, schrieb ein bemerkenswertes Trostgedicht für Christina Maria von Seebach, weil die Nachricht ankam, deren Mann sei in Kriegshandlungen gestorben.1 Die Überschrift des Gedichts verdeutlicht die Kommunikationssituation: »An || Christina Maria von Seebach || etc. Weiland || u. Herrn Alexanders von Forbusch || u. Obersten || u. Hertzgeliebte Gemahlin || als die traurige Zeitung kam: dieser ihr Liebster sey gestorben.« In diesem Gedicht versucht Schwarz, Trost zu spenden mit dem Hinweis darauf, dass die Nachricht vom Tod des Ehemanns falsch sein könnte. Im Gedicht verweist Schwarz auf die Unzuverlässigkeit solcher Nachrichten und setzt auf die Hoffnung, der geliebte Ehemann von Christina Maria von Seebach könnte bald zurückkehren. (mehr …)

  • Echte Leben, echte Texte

    Die Veröffentlichung des ersten Albums des Hiphop-Produzenteams KitschKrieg im vergangenen Sommer hat für eine gewisse Aufregung gesorgt, aber von einem Skandal wird man nicht sprechen wollen. Foucault, Butler und Nietzsche konnten diesmal liegenbleiben; Cancel Culture, die Freiheit von Meinung und Kunst, Backlash und Ressentiment standen als Schlagworte jeweils bereit, aber warfen nur ihre Schatten auf eine Kritik, die in vielen ähnlichen Fällen bisweilen als ratlos bezeichnet werden könnte. Ratlos, weil sie zu den Phänomenen selbst oft wenig zu sagen hat, sondern jede künstlerische Äußerung so bereitwillig einer theoretischen Vorannahme unterwirft, dass man »Meinungsfreiheit« oder »struktureller Rassismus« fast nicht mehr auszusprechen braucht – es wissen ohnehin alle, was gemeint ist. (mehr …)