• Facebook News Feed und die Folgen

    Am 5. September 2006 kam es zu einer Welle der Empörung unter amerikanischen Studenten. Über Nacht hatte Facebook eine neue Funktion eingeführt, die sich den Usern in Form eines Buttons ankündigte, der die schlichte Aufschrift »awesome« trug, und nach dessen Bestätigung sich die gewohnte Startseite in eine Liste von sozialen News verwandelte, mit der sämtliche User-Aktivitäten – von Text- und Fotobeiträgen über bestätigte Freundschaftsanfragen bis hin zum geänderten Beziehungsstatus – minutengenau aufgeführt wurden. (mehr …)

  • Wolfgang Herrndorfs Nachleben

    Wer stirbt, erhält nicht ohne postume Unterstützung Eintritt ins Gedächtnis der Nachwelt. Gatekeeper, offizielle und anonyme, bestimmen nicht selten über die Auslegung des Ablebens. Nicht nur, aber in verstärktem Maß im Internet bedeutet dies, dass Rezeptionsgeschichten Versionsgeschichten vorausgehen. Als Wolfgang Herrndorf im August 2013 starb, konnte man die Verwaltung seines Sterbe-Narrativs parallel auf Wikipedia, Twitter und im Online-Feuilleton mitverfolgen: Nachdem der befreundete Sascha Lobo am 27. August in einem Tweet den Tod des Autors verkündet hatte, folgten Newsticker-Meldungen zahlreicher deutscher Tages- und Wochenzeitungen, auf Wikipedia entwickelte sich eine hektische Formalisierungsaktivität, und die Herrndorf-Vertraute Kathrin Passig ließ wiederum auf Twitter wissen, dass der Autor keinesfalls – wie es zunächst in der Online-Enzyklopädie hieß – »an den Folgen der Krankheit« gestorben sei: »Wolfgang Herrndorf starb nicht am Krebs. Er hat sich gestern in den späten Abendstunden am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen.«

    Herrndorfs Schuss, den Passig nach eigenen Angaben ganz »in seinem Sinn« schließlich zur Meldung über die erfolgreiche Selbsttötung machte, ließ sich damit zugleich als Freundschaftsdienst verstehen, der Herrndorfs eigene literarische Existenz im Netz beschloss. Schließlich sollte eben jene Formulierung wenig später als letzter Eintrag in sein Tagebuch Arbeit und Struktur aufgenommen werden: »Wolfgang Herrndorf hat sich am Montag, den 26. August 2013 gegen 23.15 Uhr am Ufer des Hohenzollernkanals erschossen.«

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