• Alternativen zur Gegenwart – Replik auf Eckhard Schumacher

    Aus Anlass dieser Replik schalten wir Eckhard Schumachers Text aus dem Märzheft des Merkur für eine Woche frei. Die Gegenwart könnte schockierender sein. In seinem Text Present Shock – Gegenwartsdiagnosen nach der Digitalisierung (Merkur 3/2018) gibt Eckhard Schumacher einen Überblick über die Literatur zur „Fixierung auf die Gegenwart als zentrales Problem der heutigen Gesellschaft.“ (67) Referiert werden dabei Studien aus der Medien- und Kulturwissenschaft, die den Prozess der Digitalisierung mit veränderten Zeitkonzepten in Verbindung bringen – keine neue These, aber sicherlich eine, die weiterhin Aufmerksamkeit auf sich zieht und für eine rege Textproduktion sorgt. Doch fragt sich, welche Gegenwart (und welche Medien- und Kulturwissenschaft) gemeint ist. (mehr …)
  • Top Secret. Nur für unbefugte Leser

  • Über die Forderung nach Privatsphäre in der Öffentlichkeit

    Der Forderung nach einer Armlänge Sicherheitsabstand hat der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker viel Spott eingebracht. Neben der impliziten Verkehrung der Opferrolle ist diese Forderung Symptom eines Missverständnisses, das Privatsphäre im Öffentlichen fordert und damit die Voraussetzungen und die Abhängigkeit beider untergräbt. Dass der Ort der Ereignisse symbolisch ist, haben viele Beobachter hervorgehoben: Wohl kaum ein Raum ist so radikal öffentlich wie die Kölner Domplatte vor dem Hauptbahnhof am Silvesterabend – Agora, Sakralbau und die Infrastrukturen des Transports sind dort in räumliche Nähe gerückt. Die Sicherheitsanweisung für Frauen, an einem solchen Ort mit Gesten des Abstands einen Raum für sich selbst zu schaffen, läuft darauf hinaus, in dieser Öffentlichkeit eine Privatsphäre aufrechtzuerhalten. Im Hintergrund dieser Forderung scheint die Annahme zu stehen, dass Privatsphäre Schutz vor Übergriffen in der Öffentlichkeit gewähren soll, dass man also das Private vom Öffentlichen abgrenzen muss, um es zu bewahren. Sicher muss erzwungenen und gewalttätigen Grenzüberschreitungen mit aller Macht entgegengetreten werden – skandalös wie bedrückend am Fall Köln ist aber nicht nur, dass dies aufgrund der vieldiskutierten Überforderung der Polizei nicht geschah. An der Leichtigkeit, mit der irregeleitete Machtphantasien junger Männer – ob es sich um Migranten oder Deutsche handelt, ist lediglich eine Frage der Schattierung – diese Grenzen überschritten, hängt weitaus mehr. (mehr …)