• Friede, Freiheit – keine Politik?

    Das Parlament ist ursprünglich eine aristokratische Institution. Hier vergewisserte sich der König, ob ihm seine freien Herren mit Rat und Hilfe zur Seite standen.[1] Demokratisch ging es dort erst zu, als die Abgeordneten gezwungen wurden, um die Stimmen eines Herren zu konkurrieren, der ganz anderer Natur ist, namentlich: um die unzuverlässige Gunst des wählenden Publikums. Erst seitdem das Volk mit seinem Mehrheitsvotum entscheidet, wer auf den Regierungssitzen Platz nimmt und wer sich mit den Oppositionsbänken begnügen muss, übt es Herrschaft aus. Wir, die wir dieses Publikum bilden, sollten deshalb aufhorchen, wenn immer im Parlamentssaal Stimmen lauter werden, die es für verzichtbar halten, in der Unterscheidung von Regierung und Opposition allzu streng zu bleiben. Die Abstimmung im Bundestag über die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht droht jedoch ein solcher Fall zu werden. (mehr …)
  • Die Moral der Krise

    Neuauflagen bieten Aktualisierungschancen. Von dieser Regel ging wohl der LIT-Verlag aus, als er sich dazu entschloss, den Essay des Philosophen Hermann Lübbe, Politischer Moralismus: Der Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft, mit einem zusammenfassenden Vorwort versehen, ansonsten aber inhaltlich unverändert auf dem Buchmarkt anzubieten.1 Das Buch erschien 1987 zum ersten Mal, der Vortrag, auf dem es basierte, war damals drei Jahre alt. (mehr …)

  • Ellipsen und Pfeile. Empirische Politikwissenschaft

    Politikwissenschaft, das ist eine empirische Wissenschaft. Diese in Anwesenheit von wissenschaftlichen Neulingen stets ermahnend auszusprechende Formel bekamen wir oft zu hören, als ich vor etwa einem Jahr mit fünf Kommilitonen in einem Bachelorkolloquium saß. Die Veranstaltung sah vor, dass wir gemeinsam mit unserem Professor für Politikwissenschaft Themen für unsere Bachelorarbeit erarbeiteten, diskutierten und die Mitanwesenden regelmäßig über den Stand unserer Untersuchung informierten. Die Universität hatte eine bis zum Reduktionismus reichende klare methodische Ausrichtung, so dass von Vornherein feststand, in welchen Bahnen wir uns zu bewegen hatten. Das nicht so heimliche triadische Motto unserer Fakultät – analytisch, empirisch, quantitativ – duldete keine Abweichung. Und wer hätte schon abweichen können angesichts einer Ausbildung, die nichts anderes in das Curriculum aufnahm? (mehr …)