• Der Prolet ist ein anderer. Klasse und Imaginäres heute

    An ihren Begriffen sollt ihr sie erkennen. Dass Begriffe nicht einfach nur neutrale generalisierte Bezeichnungen von Dingen, Vorstellungsinhalten und Praktiken, oder reflektierter: von zuvor selbst erst gesetzten Differenzen sind, wie das der Commonsense oder die Wissenschaftstheorie annehmen, sondern potentiell immer auch politische »Kampfformeln« (Eric Voegelin), vermittels derer Sachverhalte und Verhältnisse zugespitzt und einer politischen Entscheidung zugetrieben werden, das hat die politische Rechte unserem Verständnis von Begriff hinzugefügt. Ein Virtuose dieser Form von Begriffsgebrauch war Carl Schmitt. Begriffe sortieren Gegenstandsfelder nicht nur, sondern richten sie aus; und sie werden selbst zu Kennmarken, nach denen sich – gut schmittianesk – Freund und Feind gruppieren. Dabei spielen weniger analytische Trennschärfe und Präzision der Begriffe eine Rolle als die affektive Ladung, die sie als Elemente von Sprache nolens volens immer aufweisen und die selbst in der kältesten Wissenschaftsprosa nie ganz neutralisiert werden kann. Das eigentlich poetische Moment jeder Theorie liegt in ihrer Nomenklatur, behauptet Giorgio Agamben irgendwo: in der Belehnung bestimmter Wörter (und eben gerade keiner anderen) mit Begriffsfunktion. (mehr …)
  • Der alte Karl Marx

    Wie Sie wirklich zu Marx stehen, das zeigt sich in Ihrem Verhältnis zum Kapital. Auf den jungen Marx kann sich jeder berufen; er ist, so wird gesagt, kämpferisch, leidenschaftlich und humanistisch, philosophisch, politisch und romantisch. Genau aus diesem Grund, so konnte schon Alfred Schmidt in seiner Dissertation Der Begriff der Natur in der Lehre von Karl Marx von 1962 süffisant feststellen, ist der junge Marx auch zum Lieblingsautor der evangelischen Akademien avanciert.