• Sehnsucht nach der Kriegswirtschaft

    Impfstoff für alle, und das möglichst bald! Helfen sollen dabei jetzt die Methoden der Kriegswirtschaft. Schon am Tag vor Heilig Abend zog der Bonner Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick diesen phantastischen Vergleich: Den für den Krieg typischen Interessenkonflikt zwischen Staat und Unternehmen müsse man kennen, um das gegenwärtige Dilemma der Impfstoffproduktion zu lösen. Kriegswirtschaft, das bedeutet Privatunternehmen zum Aufbau von Produktionskapazitäten und zur Herstellung von Gütern zu bewegen, an denen sie auf mittlere Sicht gar kein Interesse haben – weil die spätere Verwendung der Anlagen fraglich und die Nachfrage nach Bomben und Munition endlich ist. Die Lösung: Finanzielle Anreize und  staatliche Lenkung. Rund um den „Impfgipfel“ im Kanzleramt war kein Halten mehr: Die Zeit, in der finanzielle Anreize bei den Unternehmen noch etwas bewirken könnten, sei längst verstrichen, so Schularick. Er rief jetzt nach einem „Krisenstab mit Weisungsgewalt“, in dem „die Politik, die Vorstandschefs der Pharmaunternehmen und die Wissenschaft vertreten“ sein müssten. (mehr …)