Jacques Barzun (1907-2012)

Gestern ist Jacques Barzun, einer der amerikanischen Großintellektuellen des 20. Jahrhunderts, gestorben. (Nachruf in der New York Times; hier ein Gespräch mit ihm von 2010 auf Youtube)

Im Merkur Nr. 178 (12/1962) besprach Herbert von Borch die deutsche Ausgabe von Barzuns „Pathologie des Intellekts“ (im Original: „The House of Intellect“). Ein Auszug aus der Rezension:

„Barzun greift nicht etwa eine besondere Kunstrichtung an, den Expressionismus oder den Primitivismus; er ist nicht gegen Max Beckmann oder die Grandma Moses. Er ist allergisch gegen Worte wie ’schöpferisch‘ oder ‚ästhetische Erfahrung‘, in denen sich für ihn die Intellektfeindlichkeit der Kunst verkörpert, und es verwundert ihn auch nicht, daß besonders Musik und Malerei heute den ‚gebildeten Amateur‘ reizen; denn sie sind einer ‚artikulierten Aussage‘ nicht fähig. ‚Überall verdrängen Bild und Ton den Text. Das Wort steht in Ungnade …‘ Barzun nimmt es den modernen Kunstkritikern sehr übel, daß sie Eigenschaften wie Doppelwertigkeit (ambiguity), Sensibilität, Nachinnengewandtheit, Imagination, sensitiv, schöpferisch als Werte betrachten. ‚In der Kunst besagen alle diese Ausdrücke, daß es nicht wünschenswert, ja sogar unmöglich sei, sich klar auszudrücken; und auf diese Weise provozieren, sabotieren oder degradieren sie (die Intellektuellen) die Haupttugend des Intellekts.““ (komplette Rezension)


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