Lob der Autonomie. Zu Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“

„Coming-out-Geschichten sind Migrationsgeschichten“, schreibt Dirck Linck im Merkur. Vor dieser Migration des Herauskommens kennt das Triebschicksal eine sehr lange Phase der Einkehr in Gestalt einer Art von innerer Emigration. In ihr verwandeln wir uns langsam, aber sicher in eingeborene Komparatisten. Es bleibt individuell sehr verschieden, wie lange diese Verpuppungsphase dauert. Tatsächlich werden wir für uns selbst in dieser Zeit Subjekt und Objekt von Käferkunde. Nicht dass uns ein Schmetterlingsjäger, hieße er nun Jürgen Bartsch oder Ernst Jünger, vor Abschluss dieser Phase aufspießte und mumifizierte!

Die Verkäferung unserer selbst kommt zum Ausdruck durch frühe zarte Anlüge eines Gefühls von Fremdheit. Man weiß noch nicht, woher einen das Gefühl anweht, schon gar nicht, warum, aber es ist da und es wächst in uns, Larven unserer selbst, behutsam heran. Bald beginnen wir damit, feinen und weniger feinen Unterschieden nachzugehen. Sie vollziehen sich durch alle Sinnesorgane hindurch: Tasten, Schmecken, Riechen, Hören, Sehen. In dieser Phase wächst in uns ein Komparatismus als sechster Sinn. Was immer aus dem Gehäuse der Familie uns unter die vergleichenden Linsen und Gefühle gerät, wandert in ein sorgsam abgekapseltes Register von Unterschieden. Dass Didier Eribons ältere Familienangehörige vor dem Fernseher immer mal wieder, wie aus heiterem Himmel, angesichts ihm völlig fremder Leute laut „Pédé!“ schreien, erleben wir in beobachtender Nahsicht als sozio-zoologisches Ereignis. Denn nicht nur kennen wir das Wort noch nicht, schon gar nicht, wen es bezeichnet, wir ahnen nur, dass es eine Beleidigung sein könnte, können uns auch vorstellen, dass in dem Affekt der Wut oder der Beleidigung etwas mitschwingt, was Eifersucht und Neid auf sexuelle Lust zugeschrieben werden könnte. Am Ende dieses viele Jahre langen Prozesses schlüpft mit uns das Halbwesen aus der familiären Larve heraus, vollendet seine Metamorphose und ist dann ein ausgewachsener juveniler queerer Mensch. Wohin uns die eigene Geschichte weht, wissen wir selbst noch nicht. Smalltown Boy gibt eine Richtung vor. Der Weg heißt weg, raus, so schnell wie möglich!

Wir scheinen dann tatsächlich draußen zu sein, nur um erneut auf ein anderes Draußen zu stoßen, das wir mit dem komparativen Register erkunden, welches wir uns in der Käferphase angeeignet hatten. Wir sind in dieser Zeit außerstande, die Umgebung, in der wir ersten Anflügen des Verlangens und des Verlangtwerdens nachgehen, diese Umwelt als Community wahrzunehmen. Fremd in der Fremde dauert es, bis wir erkennen, wo es uns tatsächlich hinzieht, wohin nicht. In gelingenden Arrangements finden wir Freundinnen, Freunde, Partner. Von Heimat zu reden, wirkt verfehlt, weil das Fremde in uns eine Überheimat geworden sein könnte, aus der wir nicht zu vertreiben sind, nur ihr bleiben wir treu, auch wenn das nicht immer Akt einer bewussten Entscheidung ist, sondern Ergebnis einer Eingewöhnung in das Aushäusige. Vorschnell dieses Arrangement als Community zu bezeichnen, bleibt lange abstrakt, denn auch in dem scheinbar gemeinsam besetzten Raum sind die Unterschiede, das Nichteinverstandensein oft größer als das Gefühl der Zugehörigkeit.

Am Ende der Käferphase erleben wir das Verlangen und das Verlangtwerden als etwas Grandioses: „Nick war jetzt ganz und gar versunken in sein Tun, doch dann, kurz bevor er kam, sah er sich selbst, als hätten sich alle Bäume und Sträucher weggewälzt, und alle Lichter Londons wären auf ihn gerichtet: den kleinen Nick Guest aus Barwick, Don und Dot Guests Junge, der nachts in Notting Hill einen Fremden im Park fickte. Leo hatte Recht, er war ein schlimmer Junge, und das hier war bei weitem das Beste, was er je gemacht hatte.“ Das Grandiose des Verlangens kennt keine Scham. In der Konstitution des queeren Menschen schlägt untrüglich ein Herz, das die Scham nur als zweite Haut kennenlernt, die den eigenen Leib einschnürt, ihn beengt, ihm die Luft zum Atmen nimmt. Wer sich in der Scham einrichtet, vielleicht sogar gemütlich macht, wechselt die Seite, verrät sich selbst und entwickelt im Zuge dieser mitunter lebenslänglichen Operation einen ins Kraut schießenden Selbsthass. Man kommt nicht umhin, diesen Selbsthass als konstitutives Merkmal einer missverstandenen queeren Community zu bezeichnen. Er wird auch nicht dadurch eingehegt oder zu einem imaginären Besseren gewendet, indem die Scham nach außen gestülpt und in Stolz verwandelt wird. Der Stolz, ideologisch als Pride wie eine Monstranz vor uns hergetragen, erscheint mir mitunter nur als verlängertes Symptom nicht überwundener Scham, bleibt deshalb außengesteuert, wirkt wie ein Lippenbekenntnis zur Community, dem man sich unterzieht wie andere Menschen Narrenkappen der Karnevalszeit aufsetzen. Es bleibt darin etwas Okkasionelles, dem Entscheidendes fehlt: das Bewusstsein für die Autonomie des eigenen Verlangens: „Alles Zögerliche ist von ihm abgefallen. Der Stempel ist gesprengt. Das Herz klopft bis zum Hals. In Trance findet er den Weg zum Ausgang. Im Souk wartet der Taugenichts, geht ihm ein paar Schritte voraus, dreht sich immer wieder zu ihm um, und wenige Meter weiter springt er in das Tor zu einer anderen Kirche, da wird gebaut, da steht ein Baugerüst, eine Wache im Eingang, der Verführer zischelt etwas mit der Wache, ein Kichern, ein Wink mit dem Kopf, schon folgt Danny dem Verführer die steile Treppe hoch in den Turm der Erlöserkirche. Ja, die Erlöserkirche! Dafür hat Kaiser Wilhelm diese Kirche eingeweiht, dass Danny endlich zur Strecke gebracht werde. Oben angekommen sinkt er auf die Knie. Sie finden in eine archaische Pose, in der Dannys Augen die Augen seines Erlösers suchen, damit sie einen Takt des Einverständnisses finden, einen Rhythmus der Andacht, der Hingabe. So erliegt er endlich der Versuchung.“

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Die Autonomie verstehe ich als Ökonomie der Gelegenheiten. Sie kennt keine Konjunkturzyklen, kein Auf, kein Ab. Im gelingenden Fall macht sie sich alles zunutze, was auf dem Wege liegt. Wo ein Blick grüßt, wirf den Anker aus. Das Verlangen ist ein Treibanker, schnell geworfen, schnell gelöst. Erst spät, dann mit fatalen Konsequenzen, geht es marktförmig organisierte Bündnisse ein, etabliert sich in Teilmärkten mit ausgeprägten Ausschlüssen: „Linksträger, Abba-Fans, Tunten und Opis zwecklos!“ Mit Federico García Lorca singen wir das Lob der Stadt: „Am East River und in der Bronx/sangen die Jungen und zeigten ihre Lenden/zwischen Öl und Rad, zwischen Leder und Hammer./ […] New York, du Morast,/ New York gebaut aus Draht und Tod./Was für ein Engel verbirgt sich in deiner Wange?/Welche Stimme wird makellos die Wahrheit des Weizens verkünden?/ Wer den furchtbaren Traum deiner schmutzigen Anemonen? […] Ay Harlem, Harlem, Harlem/ Es gibt keine Angst, die deiner unterdrückten Röte gliche,/deinem Blut, das in der Sonneninsternis erschauert,/deinem Wüten, taubstumm, glühend wie Granat im Zwielicht,/deinem großen gefangenen König in seiner Pförtnerlivree.“

Didier Eribon hat Verdienste als schwuler Autor, der die von mir zuvor beschriebene Metamorphose zum Gegenstand soziologischer Forschung gemacht hat. Sein 2016, sieben Jahre nach der französischen Erstausgabe, in deutscher Übersetzung vorgelegtes Buch Rückkehr nach Reims ist eine Expeditionsreise in die eigene Familiengeschichte. Eribon erlebt Reims als „Stadt der Beleidigung“. Ende November 2016 frage ich ihn im taz-Café, was zuerst da sei: das Verlangen oder die Scham, und ob die Autonomie des Verlangens ein bürgerliches Konstrukt sei. Der zweite Teil meiner Frage bezieht sich implizit auf Eribons scharfe Abgrenzung zur Psychoanalyse. Darauf ging er nicht ein. Aber er erinnert sich an die Pédé-Schreie seiner Familie vor dem Fernseher. Mein Eindruck bleibt skeptisch. So früh kann er sich davon nicht angesprochen gefühlt haben. Das Verlangen bahnt sich unbeschadet durch Scham ans Licht. Scham ist sekundär.

Nach Jahrzehnten der Trennung von seiner Familie kehrt Eribon nach dem Tod seines Vaters zurück, geht den Spuren seiner Familiengeschichte nach, namentlich der der Mutter. Die Mütter sind die nützlichen Idioten der Familiengeschichte. Dass seine Mutter ihm durch ihre Arbeit als Hilfsarbeiterin und Putzfrau den Aufstieg, das Ausbrechen aus dem proletarischen Habenichtsstatus ermöglicht hat, nimmt er wahr, auch die ihr dadurch entgangenen Chancen einer bescheidenen Alternative des eigenen Aufstiegs als Arbeiterfrau. Diese Passagen des Buchs erinnern mich an den Stolz meiner eigenen Mutter auf ihr Abiturzeugnis, das ihr auch in der Welt des Numerus clausus ohne Wartezeit ein Medizinstudium ermöglicht hätte. Aber sie hat nicht studiert. Sie hat sehr früh geheiratet, in den ersten beiden Jahrzehnten ihrer Ehe sieben Kinder zur Welt gebracht, sich selbst schließlich in wiederkehrenden Zyklen in die Hände von Ärzten begeben, denen sie infolge des sich selbst versagten Traums mehr Vertrauen schenkte, als angebracht gewesen wäre.

Verpasste Chancen sind rechnerisch nicht gleichzusetzen mit einer krämerischen Gewinn- und Verlustgeschichte. Soll und Haben sind nicht so sortenrein voneinander zu unterscheiden, wie es rationalisierende Autobiographien oft tun. Verpasste Chancen zeigen sich deutlicher im Licht der ergriffenen. Eribon ist der proletarischen Herkunft entkommen, hat, mit einigen Umwegen, eine beeindruckende akademische Karriere gemacht. Am Ende seines Buchs schreibt er: „Der folgende Satz aus Sartres Saint Genet war entscheidend für mich: ´Es kommt nicht darauf an, was man aus uns gemacht hat, sondern darauf, was wir aus dem machen, was man aus uns gemacht hat.´ Er wurde zu einem Prinzip meines Lebens. Zur Maxime einer Askese, einer Arbeit am Selbst.“ Das Sartre-Zitat und Eribons Maxime lese ich als Echo auf Genets Bemerkung im Tagebuch eines Diebs: „Ich beschloss, der zu werden, den das Verbrechen aus mir gemacht hat.“ In der Identifikation mit der Abkehr vom Weg, den Gesetz (bei Genet) oder Herkunft (bei Eribon) bestimmen, bleibt etwas auf der Strecke. Was ist es genau, was da auf der Strecke bleibt? Wie groß darf (oder muss) der Anteil des Fremdbestimmten bleiben, um sich in der Residualität dieses Satzes, dieses Prinzips und dieser Maxime einzurichten? Mit welchen Folgen einer realen oder imaginären Autonomie des eigenen Verlangens, das sich nicht darin erschöpft, von Dritten als deviant bezeichnet zu werden?

Der Soziologe Eribon bleibt seiner akademischen Disziplin treuer als sich selbst. Die marxsche Klassenanalyse und die feinen Unterschiede, die sein Lehrer und Freund Pierre Bourdieu so eindrucksvoll beschrieben hat, bahnen einen Pfad, der die psychologischen Aspekte als versunkene, nicht wieder einspielbare Kosten ausblendet, sie, wenn überhaupt, nur in Form literarischen oder autobiograischen Materials Dritter zur Illustration heranzieht. Dabei durchzieht Eribons Text ein Subtext, der ein anderes Lied anstimmt. Der Lehrersohn, der im Musikunterricht des Gymnasiums ein Mussorgski-Motiv erkennt, wird dem kleinen Didier, das wäre der pädagogische Gospel, nicht zum Vorbild, mit dem vor Augen er seinen sozialen Aufstieg in Angriff nimmt. Er liebt ihn, wie er im November 2016 in Berlin erzählt. Das Verlangen, das noch in statu nascendi steckt, nährt mehr als nur sozialen Ehrgeiz. Diese Passage erinnert an Prousts Albertine, an ihre Bewunderung für die Garderoben der Herzogin de Guermantes. Besser als jeder Besitz formt das Verlangen Kenntnisse, die den Weg zu seiner Befriedigung bahnen, auch und vielleicht besonders dann, wenn es dazu mancher Umwege bedarf. Nicht der Weg ist deshalb das Ziel, sondern das Ziel bleibt das Ziel, eine Unterscheidung, die nicht scharf genug markiert werden kann. Deshalb stimme ich nicht das totalitäre neoliberale Märchen vom Schmied des eigenen Glücks an. Deshalb tue ich auch nicht so, als ließen sich soziale Selektion und Segregation als gesellschaftliche Tatsachen bestreiten. Aber ist das Ziel in Gestalt der Autonomie des Verlangens erst einmal in Aussicht genommen, liefert das Verlangen mehr, als dem soziologischen Blick zugänglich scheint. Es entledigt sich anders der sozialen Fesseln, als es die Maxime Eribons andeutet. Es ermöglicht etwas anderes, jedenfalls sehr viel mehr als das Sicheinrichten in dem, „was man aus uns gemacht hat“.

Ich schreibe diesen Text am 30. November 2016, drei Wochen nach dem Wahlsieg Donald Trumps, drei Tage nach der Nominierung François Fillons als konservativem Präsidentschaftskandidaten in Frankreich. Robust erklären uns die Vogelflugdeuter unserer Zeit, Clintons Niederlage und die absehbare Niederlage der Linken in Frankreich verdankten sich einer Identitätspolitik, die die nach wie vor maßgeblichen sozialen Konflikte der Gesellschaft ohne Not ausgeblendet habe. Ältere Zeitgenossen mit zeitweise linker Sozialisation erkennen darin das Echo der Idee, es handele sich bei dem Kampf um sexuelle Emanzipation um Nebenwidersprüche, deren Ziel im Klassenkampf nur eine nachgelagerte Rolle spielen. Das degradiert uns zur politischen Manövriermasse, einschaltbar oder auch, je nach Opportunität, wieder an den Rand drängbar. Der große Erfolg von Eribons Buch in Deutschland ließe sich auch als Vorbote einer politischen Kurskorrektur deuten. Man kehrt zurück zu mehr oder weniger moderaten Formen des Klassenkampfs und streift das sexualpolitische Gedöns vom Revers.

Während der rechte Populismus bedenkenlos Gebrauch macht von homophoben Ressentiments und damit Stimmen gewinnt, verabschiedet sich die Linke von den seltsamen Gestalten, die es zeitweise an ihre Seite gezogen hat. Ob sie so weit gehen, auch die Verteidigung der Schwulen und ihrer Bürgerrechte von ihrer Agenda zu streichen, das bleibt abzuwarten. First things first heißt, die durch schmerzliche Niederlagen nobilitierten Hauptwidersprüche dominieren erneut das politische Denken, verdrängen an den Rand, was schon immer nur am Rand gewesen ist. Die Erleichterung darüber, dass ein schwuler Autor, den sie nur sehr selektiv gelesen haben, um diese Schlussfolgerung ziehen zu können, die Gründe dafür liefert, diese Erleichterung ist messbar. Boshaft gewendet, nährten die Regenbogenbündnisse an der Seite linker oder liberaler Parteien eine Illusion: gleiche Rechte und eine ihre gesellschaftliche Akzeptanz fördernde politische Kultur seien gleichzusetzen mit der vollendeten sexuellen Emanzipation. Das Bemühen um Bürgerrechte, das lehren uns die ersten Signale aus künftigen Trump- oder Fillon-Regierungen, wird wieder revidierbar. Die konservative Gegenseite nutzt uns ebenso als Manövriermasse, weil sie sich auf mobilisierbare Ressentiments gegen Frauen, Schwule, Lesben verlassen kann. Dass Hassrede zur Zeit noch zumindest teilweise mit Strafe bedroht ist, kann kaum als Freiheitsgarantie missverstanden werden. Der rechtliche Status der Liberalisierung bleibt umkämpft, wird vielleicht wieder prekär oder gar robust rückgängig gemacht.

Der Rekurs auf die großen Namen der Film-, Kunst- und Literaturgeschichte, mit anderen Worten, der dünne Firnis einer Sehnsucht nach Stolz als Inversion von Scham, die ihre Nahrung nicht in der Autonomie des Verlangens erkennt, könnte zum Verhängnis werden. Um es scharf zu sagen: Er ist illusionär. Vielleicht ist es ratsamer, gewiss auch unausweichlich radikaler, sich einer anderen Einsicht zu nähern. Auf diese Einsicht hat mich Eribons Buch gebracht, auch wenn er selbst sie nicht zu teilen scheint. Wir sind geborene Verräter. In der intuitiven Verteidigung der Autonomie unseres Verlangens kommen wir ab von den Wegen der Mehrheitsgesellschaft. Wie sie uns toleriert oder anerkennt, liegt deshalb nicht im Werben um Akzeptanz bei der Mehrheit, sondern im Bewusstwerden der Autonomie des eigenen Verlangens. Anders als Eribons biographische Maxime andeutet, so zu tun, als läge es tatsächlich in den Händen der Mehrheit, uns zu denjenigen zu erklären, die wir sind, und daraus das Beste zu machen, sind wir möglicherweise durch jede queere Lebensgeschichte längst viel weiter gekommen, als uns bewusst zu sein scheint. So dramatisch Eribon die soziale Herkunft als Drama des gesellschaftlichen Ausschlusses beschreibt, so emphatisch können wir auf der Gegenseite einer queeren Kultur uns auf eine Autonomie besinnen, die uns löst aus den Zyklen von politischen Konjunkturen, Depressionen und ausbeutbaren Nebenwidersprüchen. Es bekäme unserem Seelenfrieden besser als die devoten sexualpolitischen Diskurse unserer Zeit. Vielleicht lieferte diese Rückbesinnung auch Nahrung für die Resilienz queerer Lebensweisen in Phasen erneuter gesellschaftlicher Repression und Ausgrenzung. Machen wir nicht mehr aus uns, als wir sind, aber bitte auch nicht weniger!

Dieser Essay von Hans Hütt ist in dem Sammelband Beißreflex. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten im März 2017 im Querverlag erschienen.


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