• Binging Bouffier: NSU-Berichterstattung

    Die Aufarbeitung der NSU-Verbrechen geht ihrem Ende entgegen. In dem seit Mai 2013 laufenden Prozess am Münchner Oberlandesgericht gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André Eminger, Carsten Schultze und Holger Gerlach wurde vor der Sommerpause dieses Jahres die Beweisaufnahme abgeschlossen. Es ist die Zeit der Plädoyers, die Urteilsverkündung wird für Anfang 2018 erwartet. Seine Arbeit abgeschlossen hat zum Ende der zurückliegenden Legislaturperiode der NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag (es war bereits der zweite), zugleich sind in verschiedenen Landtagen noch immer eigene Untersuchungsausschüsse tätig: in Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen ebenfalls zum zweiten Mal, in Hessen seit 2015 und in Brandenburg seit 2016; in Mecklenburg-Vorpommern wurde der Forderung der Fraktion Die Linke vorerst mit einem Kompromiss nachgegeben – in Form eines Unterausschusses des dortigen Innenausschusses, was die sowieso begrenzten Möglichkeiten der Aufklärung noch einmal limitiert: Ein Unterausschuss ist nicht mit eigenen Ermittlungskompetenzen ausgestattet, und er tagt in nichtöffentlicher Sitzung. (mehr …)
  • Talkshowrhetoriken. Medienkritik und „besorgte Bürger“ vor Pegida. Medienkolumne

  • Korrekt, oder? Ai Weiwei und die Fußball-EM

    Dissidenz sieht nur aus der Ferne richtig gut aus. Das lehrt, als jüngeres Beispiel, die hiesige Rezeption des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Die Popularität, die Ai beim deutschen Kulturjournalismus genoss, erreichte ihren Höhepunkt im Frühjahr 2011, als der Künstler nicht nur in China lebte, sondern dort ein paar Monate im Gefängnis saß. Und sie ist rasant abgeebbt, seit Ai im Sommer 2015 seinen Pass ausgehändigt bekam und plötzlich nicht nur reisen, sondern auch nach Berlin ziehen konnte. Die während der Inhaftierung als symbolische Solidaritätsadresse nach China ausgesandte UdK-Professur realisierte sich mit einem Mal zu täglicher Arbeitsroutine in Berlin, was schon den einfachsten Imperativen gewöhnlichen Startums zuwiderläuft (Verknappung, Distanz). Als entscheidender Bruch im Verhältnis zwischen Ai und dem deutschen Feuilleton muss aber eine Reihe von Interviews gelten, die der Künstler im August 2015 gab und von denen das mit der Zeit das symptomatischste war, insofern es noch Vorwürfe von Sinnentstellungen und Kürzungen nach sich zog. Freunde streiten sich nicht um Buchstaben. (mehr …)