• Immer Ärger mit Otto. Kino, Rassismus, Diversität

    In „Lucky Loser“, der Komödie von Nico Sommer, treibt Mike (Peter Trabner) einen Wohnwagen auf und fährt mit seiner fünfzehnjährigen Tochter Hannah (Emma Bading) auf einen Campingplatz in Brandenburg. Dort lotst sie auch ihren Freund hin, Otto (Elvis Clausen). Irgendwann steht Otto in der Tür des Wohnwagens. Und für diesen kurzen Moment dachte ich - nice. (mehr …)
  • Facebook als Tor zur Welt

    Die Posts im Newsfeed: „Bitte teilen!“ (Es geht um eine Zimmermiete in einem „wunderschönen Altbau“). „Die Matratze deines Lebens“ (das ist Werbung), noch ein „cozy“ WG-Zimmer, „Wonderwoman – jetzt im Kino“. Danach ein Artikel: „Ist Wonderwoman feministisch?“ Das Bild, und das Bild – ich like beide. Ein Artikel über Anthony Scaramucci, Trumps neuen Kommunikationschef. Überhaupt, wie überall: Trump, Trump, Trump. Und noch ein Artikel über den G20-Gipfel in Hamburg: „Der Gipfel der Gewalt“ (Der Artikel ist natürlich gegen Gewalt). Die Ehe für alle und die Freude darüber und der Hinweis, dass es nur ein kleiner Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit ist und eine Diskussion darüber, ob das stimmt, und „Wonderwoman – jetzt im Kino“, und jemand schreibt: „Eine Zigarettenlänge Regen", „This is so inspiring – need to watch this“. OK klar, das gilt nicht allgemein, Facebook ist unterschiedlich, je nach Likes, Friends und unbekannten Algorithmen. Wir schauen nicht den gleichen Sender. Aber wir sind viele: In Deutschland nutzen dreiundzwanzig Millionen Menschen Facebook täglich, weltweit sind es eins Komma drei Milliarden.[2. https://s21.q4cdn.com/399680738/files/doc_financials/2017/Q2/FB-Q2'17-Earnings-Release.pdf] (mehr …)
  • Parteiprogramme: Kulturpolitik (Hohe Kultur 8)

    Teil 8 der Serie von Merkur-Blog und pop-zeitschrift.de Vor der Bundestagswahl 2017 liegen natürlich auch die kulturpolitischen Ansichten der Parteien in programmatischer Form vor. Selbst wenn das Parlament kaum über Möglichkeiten einer direkten Einflussaufnahme auf die Errichtung von Museumsbauten, die Einstellung von Intendanten und der Subventionierung konkreter Kunstprojekte verfügt, geben die vor der Wahl beschlossenen Papiere doch einen zuverlässigen Eindruck über allgemeine Prinzipien der Parteien, die dann konkrete Entscheidungen ihrer Bürgermeister, Landesminister, regionaler Fraktionen etc. teilweise anleiten oder mindestens in offiziellen Stellungnahmen zur Legitimation bemüht werden. (mehr …)
  • Sexismus an Hochschulen (8 – und Schluss)

    Nach 7 Wochen und 29 Texten beenden wir nun mit dem achten digitalen Konvolut das Dossier „Sexismus an Hochschulen“. Das bedeutet nicht, dass wir der Meinung sind, es wäre alles gesagt. Ganz im Gegenteil, wir  hoffen, dass das Nachdenken und die Diskussionen über Diskriminierung an Hochschulen, im Literaturbetrieb, in der Theaterszene und andernorts weitergehen und erst dann ein Ende finden, wenn die Gegebenheiten es nicht mehr notwendig machen, über sie zu debattieren. (mehr …)
  • Die Dozentin

    „Die Wahrheit ist ein fettes Baby ohne Knochen, das seine Form fortwährend ändert“, liest die Dozentin und fügt hinzu: „Die Erinnerung ist ein Blätterteig. Je öfter man ihn faltet und wieder festklopft, desto höher steigt er beim Backen. Zwischen den Schichten bleibt Luft.“ (mehr …)
  • Du musst nicht performen

    Dieser Text ist ein performativer Widerspruch. Denn er argumentiert zur Frage: Was tun als weißer, heterosexueller Mann im mittleren Alter, der im Kulturbetrieb tätig ist? Die Antwort ist eigentlich: zuhören. Auf keinen Fall voreilend gehorsam jenen, die jetzt sprechen, durch Überidentifikation ihre Rede nehmen. Sich nicht als aufgeklärter Feminist bezeichnen und Lob dafür erwarten, sondern zuhören und lernen, was falsch läuft und welches Verhalten ausschließende und abwertende Strukturen stabilisiert. Anschließend versuchen, das eigene Verhalten an den daraus entwickelten Leitlinien zu verändern. Und doch tut dieser Text genau das: Er hört nicht zu, nimmt selbstbewusst einen Platz ein, vertritt vehement seine Ansicht. Deshalb auch überlegen, wo die eigenen Lügen stecken, wo die Heuchelei mitläuft, wo der psychische Selbsterhalt blinde Flecken in der Eigen- und Fremdbewertung schafft. Performative Widersprüche benennen: Vielleicht komme ich so heran, vielleicht geht es darum. (mehr …)
  • Sexismus, was ist das? Eine Replik

    So wie wir in einer von Rassismus geprägten, post_kolonialen Gegenwart leben, so leben wir in einer sexistischen Gesellschaft. Der Sexismus ist nicht in allen Bereichen gleich leicht zu identifizieren, nicht überall kommt er in seiner klassischen Form daher, er kennt neben der offen feindseligen auch die gutgemeinte Art. Er findet sich in Leitungsteams, Auswahlgremien, Nominierungslisten oder in Kinderbüchern und Spielzeugläden wieder, er sucht Schutz in Strukturen, schleicht sich in Freundschaften. Fest steht, dass wir ihm von klein auf täglich auf verschiedenen Ebenen ausgesetzt sind und auf genauso unterschiedliche Weise auf ihn reagieren oder seine Konsequenzen erfahren. (mehr …)
  • Hohe Kultur (7)

    Konservative und linksalternative Positionen Ausgangspunkt dieser Artikelserie war die Beobachtung, dass heutzutage kaum jemand mehr von ‚hoher Kultur‘ spricht, um sich selbst und Werke anderer in eine führende Position zu bringen. Die Abfolge der Artikel hat diese Diagnose bislang bestätigt: In zwei Beiträgen mit kulturpolitischem Akzent wurde von ‚hoher Kultur‘ und ‚Hochkultur‘ nur gesprochen, um gegen sie Stellung zu beziehen: zum einen im Namen der „populären Kultur“ (so im Beitrag von Stefan Krankenhagen), zum anderen im Namen eines „emanzipatorischen Kunst- und Kulturprogramms“ (so im Beitrag von Christina Dongowski). Dies ist umso bemerkenswerter, als diese beiden Beiträge vonseiten des „Merkur-Blog“ kamen, obwohl der „Merkur“ in den sieben Jahrzehnten seines Bestehens zwar einige Änderungen erlebt hat, aber bei seiner Themenwahl bislang zu keinem Zeitpunkt als Vorreiter einer ‚populären‘ oder ‚emanzipatorischen‘ Kultur aufgefallen ist. (mehr …)
  • Der Merkur – jetzt auch als App für unterwegs

    Es gibt Neuigkeiten: Für alle Freunde des digitalen Lesens ist der Merkur nun auch via App erhältlich. Mit der Merkur-App lassen sich die neusten Ausgaben (ab Januar 2017) downloaden und auf dem Smartphone, Tablet oder Kindle lesen. Die App ist kostenlos im Google Play Store, im App Store von Apple und auf Amazon erhältlich. Digitale Einzelhefte gibt es wie gewohnt zum Preis von 9,99 Euro. (mehr …)
  • Nassrasur: Antwort auf Hüsers „Dreitagebart“

    Man bekommt den Eindruck: Da hat sich was angestaut. Rembert Hüser, Professor für Medienwissenschaften an der Universität Frankfurt, muss sich schon einige Zeit über Kollegen aufgeregt haben, die überall in Deutschland lehren, aber unbedingt in Berlin leben wollen. Und dann liest er meinen Artikel über das akademische Pendeln, der im Januar 2016 in der ZEIT erschien.[2. Philipp Hübl, Ich denke, also fahr ich. In: Zeit, 16.01.2016.] Irgendwie hat der das Fass zum Überlaufen gebracht. (mehr …)