• Gegenstrebige Fügung. Zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises an Rüdiger Safranski

    , "-Herr Safranski, niemand hat das Wesen des Deutschen so genau analysiert wie Sie. Was ist in Deutschland los?

    Um es knapp auszudrücken: Es herrscht in der Politik eine moralistische Infantilisierung.

    - Und weniger knapp?

    Deutschland hat nach 1945 als besiegte Nation ihre Souveränität verloren. Bis zum Mauerfall 1989 hatte Westdeutschland außenpolitisch eine bequeme Existenz: Wir standen unter dem Schutzschild der Amerikaner und waren für nichts verantwortlich. Da wir nicht für uns sorgen mussten, wurden wir infantil. Wir wussten nicht mehr, was Außenpolitik bedeutet. Erst 1989 wurde Deutschland wieder souverän und bewegt sich bis heute sehr unsicher auf dem internationalen Parkett. Wir schwanken zwischen ökonomischem Selbstbewusstsein und einem weltfremden Humanitarismus. Unsere Außenpolitik wird zu einer moralischen Mission. (mehr …)

  • Vergangenheit, die vergeht. Der Greifswalder Streit um Ernst Moritz Arndt

    Die Ernst Moritz Arndt-Universität Greifswald ist Geschichte. Der akademische Senat der Universität hat sich mit Zweidrittelmehrheit entschieden, das Namenspatronat zu beenden. Damit wird eine Entscheidung revidiert, die 1933 im Dunstkreis der Nationalsozialisten gefällt, vom real existierenden Sozialismus bestätigt und im wiedervereinigten Deutschland geduldet wurde. Der Ablegung des Namens gingen jahrelange, erbittert geführte Debatten voraus.  (mehr …)
  • „Democracy as Data“? – Über Cambridge Analytica und die „moralische Phantasie“

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    „Oh my Good, it's a mirage I'm tellin’ y’all it’s a sabotage So listen up ‘cause you can’t say nothin‘ You’ll shut me down with a push of your button?“

    - Beastie Boys, Sabotage 

    „Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“

    - Theodor W. Adorno, Minima Moralia

      In einem diskursiv ausgeruhten Beitrag zu einem kurzzeitig viral hocherhitzten Artikel zur ‚Big-Data-Bombe’ beobachtet Jan Lietz vor einigen Wochen eine problematische Diskursverknappung: Blinde Annahme auf der einen und unausgewogene Kritik auf der anderen Seite hätten zum Ausbleiben eines produktiven Dissenses geführt. Mit dieser Diagnose hat Lietz sicherlich recht. Doch scheint sich in den Reaktionen auf den Artikel und ihrer Dynamik nicht allein eine ‚Verknappung’ des Diskurses abzuzeichnen; mehr noch handelt es sich um dessen ‚systematische’ Einebnung. Es wurde vor allem deutlich, dass im Milieu einer fragwürdigen Techno-logie die Möglichkeit zur Kritik selbst prekär wird. (mehr …)
  • Kooperation Pop und Merkur

    Anmerkungen und Leitfragen zum Kooperationsthema ‚hohe Kultur‘.

    Das Merkur-Blog – die Internetseite der Zeitschrift Merkur – und pop-zeitschrift.de – die Internetseite der Zeitschrift Pop. Kultur und Kritik – werden 2017 kooperieren. Als Thema der Artikelserie, die von Autor*innen der beiden Websites und Zeitschriften bestritten wird, haben wir ‚hohe Kultur‘ ausgesucht. Das Thema liegt insofern nahe, als es einerseits ein entscheidender Gegenbegriff zu ‚populärer Kultur‘ war (oder ist) und andererseits den Ort des Merkur, der im Untertitel „Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ trägt (bzw. trug: seit Januar 2017 heißt es „Gegründet 1947 als…“), gut zu bezeichnen scheint. (mehr …)
  • Is There Double Life on Mars? Zu Derek Parfit

    Objektive Wahrheiten im Bereich der Moral sind passé, sind schon immer Scheinprobleme oder schlicht Unsinn gewesen. So viel lässt sich zumindest bei den Vertretern des logischen Positivismus Wiener Machart nachlesen. Im restmetaphysischen Sumpf der (kontinentalen) Philosophie ließen sich, so glaubten sie, keine stabilen Gebäude nach dem Vorbild der exakten Wissenschaften bauen. Und das scheint ja auch evident: Das Projekt, die Wahrheit moralischer Urteile nach derselben experimentellen Methode wie unsere Vermutungen etwa bezüglich der relativen Dichte von Bruyereholz oder des Salzgehaltes von Worcestershiresauce verifizieren zu wollen, ist auf den ersten Blick zum Scheitern verurteilt. Wenn die Welt alles ist, was der Fall ist, dann muss die Moral draußen bleiben. Wie unvollständig dieses Bild ist, erkannte nicht zuletzt der frühe Wittgenstein – Gallionsfigur wider Willen eben jenes Positivismus –, ließ es aber dennoch beim Tractatus als erstem Teil des zweiteiligen Werkes bewenden, bei dem es nach eigener Angabe auf die zweite Hälfte doch erst wirklich angekommen wäre. (mehr …)
  • Widerworte. Zu Irene Bazingers FAZ-Artikel

    Ist Kunst nur dann, wenn man "Kunst" sagt, möglichst laut noch dazu? Das scheint Irene Bazinger zu glauben, wenn sie sich in ihrem polemischen Artikel in der FAZ vom Samstag (bislang ist er nicht online) beschwert, es sei von "Kunst" nicht die Rede gewesen in unserem Merkur-Gespräch "Was wird Theater?" Ein bisschen misslich vielleicht, dass sie dann selbst Christoph Gurk zitiert, der die Feindseligkeit, die Chris Dercon seit seiner Berufung zum neuen Volksbühnen-Intendanten entgegenschlägt, als restaurativ und "kunstfeindlich" kritisierte. Kunstfeindlich, von theoriefeindlich mal zu schweigen, ist doch eigentlich, wenn eine schon weiß, was Kunst ist oder sein soll - und ein Raum für "Experimente", ein "Labor" für noch nicht tausendundeinmal Probiertes ist Kunst dann offenbar nicht. Experiment und Labor, das waren Worte, die fielen, wobei Stefanie Wenners Ausführungen zur kapitalen Differenz zwischen einem naturwissenschaftlichen und einem künstlerischen Labor-Begriff zu den interessantesten Gedanken des Abends gehörten. (mehr …)
  • Erneut: Eine Woche Zeit

    eine woche zeit siggen Sie wünschen sich EINE WOCHE ZEIT für freies Denken und Diskutieren? Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. stellt in Kooperation mit dem Merkur ihr Seminarzentrum Gut Siggen zur Verfügung. Das wunderschön an der Ostsee gelegene Ensemble aus Landschaftsgarten, modernem Tagungsgebäude und einem alten Gutshaus mit Bibliothek, Wohn- und Gesellschaftsräumen bietet Gruppen bis zu 24 Personen Raum für fokussiertes Arbeiten und einen offenen Gedankenaustausch. (mehr …)
  • Die jungen Antimodernen in Frankreich

    Ariane Chemin hat in Le Monde vor kurzem eine ziemlich interessante Reportage (Paywall) über die junge Rechte in Frankreich veröffentlicht. Der Titel in der Printausgabe – „Les jeunes gens antimodernes“ - spielt auf die französische New Wave-Kultur der frühen achtziger Jahre an. Jene „jeunes gens modernes“ waren unterkühlt, ziemlich sexuell, endlos elegant, ein bisschen zackig. Sie wohnten in damals noch schicken Neubauwohnungen in der Banlieue, fuhren mit dem gerade fertiggestellten TGV und sagten ja zur Technologie. Ich verlinke den entsprechenden Sampler am besten einfach mit. (mehr …)
  • Aufruf an alle Berlinerinnen und Berliner, die sich für den Merkur interessieren

    Der Merkur wird siebzig. Wir möchten das Jubiläum nutzen, uns Gedanken zu machen, wohin uns die nächsten siebzig Jahre führen. Deshalb ist heute Ihre Meinung gefragt. Wir möchten Sie, und zwar sowohl als Merkur-Leser/innen, Merkur-Blog-LeserInnen wie auch als Merkur-(noch)-nicht-Leser/innen, im Zeitraum vom 16.01. - 04.02. zu einem persönlichen Gespräch über den Merkur in die Redaktion in der Mommsenstraße oder an einen Ort Ihrer Wahl, gerne auf einen Kaffee, in Berlin einladen. „Wir“ heißt in dem Fall:  Das Team Intermezzo, eine Gruppe von UdK-StudentInnen, die ein Marketing-Konzept für den Merkur erstellen. Vereinbaren Sie einen Termin mit uns, per Mail (intermezzo.merkur@gmail.com) oder telefonisch (030-23935952), Sie bekommen im Gegenzug für Ihre Auskunftsbereitschaft ein Doppelheft des Merkur. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen und Ihre Meinung zum Merkur zu hören. Ihre MERKUR-Redaktion (und Intermezzo)
  • Merkur im Januar

    First things first: Das Januarheft ist das erste des Jubiläumsjahrgangs: Der Merkur wird siebzig. Wann genau das erste Heft der zunächst alle zwei Monate erscheinenden Zeitschrift veröffentlicht wurde, ist wegen fehlender Monatsangabe nicht ganz klar - ein präzises Datum allerdings zeigt das Dokument, mit dem die französische Besatzungsbehörde Hans Paeschke die Lizenz erteilte, nämlich den 4. November 1946. (mehr …)