• „Was in der Welt vorgeht: um ehrlich zu sein, muss ich Dir sagen, dass meine primitive, allererste Reaktion ist, das Ganze unheimlich interessant zu finden“: Anne Weils Briefe an Hannah Arendt

    In Dissertationsverteidigungen von Freunden wurde, eher mechanisch Trends folgend als aus politischer oder intellektueller Leidenschaft heraus, die Frage gestellt: Wo ist hier Gender in ihrer Promotion? Und wo das Postkoloniale? Der Forschungsgegenstand gab dazu wenig her, die Diskussion war dürftig, dazwischen lähmte peinlich berührtes Schweigen den Saal. Nee, so nicht. (mehr …)
  • Alternativen zur Gegenwart – Replik auf Eckhard Schumacher

    Aus Anlass dieser Replik schalten wir Eckhard Schumachers Text aus dem Märzheft des Merkur für eine Woche frei. Die Gegenwart könnte schockierender sein. In seinem Text Present Shock – Gegenwartsdiagnosen nach der Digitalisierung (Merkur 3/2018) gibt Eckhard Schumacher einen Überblick über die Literatur zur „Fixierung auf die Gegenwart als zentrales Problem der heutigen Gesellschaft.“ (67) Referiert werden dabei Studien aus der Medien- und Kulturwissenschaft, die den Prozess der Digitalisierung mit veränderten Zeitkonzepten in Verbindung bringen – keine neue These, aber sicherlich eine, die weiterhin Aufmerksamkeit auf sich zieht und für eine rege Textproduktion sorgt. Doch fragt sich, welche Gegenwart (und welche Medien- und Kulturwissenschaft) gemeint ist. (mehr …)
  • Video: Hanna Engelmeier im Gespräch | Zweite Lesung

    Hanna Engelmeier empfiehlt zur Zweiten Lesung eine Folge des Journals von Stephan Herczeg. Die insgesamt 33 Lieferungen erschienen von März 2013 bis Dezember 2015. Selten hat eine Kolumne des MERKUR derart polarisiert.  (mehr …)
  • Aus der Welt des Schweizergaffers

    Zensur in der Schweiz, fragen Sie sich; übertreibt da nicht einer, verglichen mit anderen Ländern? Natürlich tritt die offensichtlichste Gefahr, die man durch das Schreiben oder anderweitige Kundtun seiner expliziten Meinung erleiden kann, in der Schweiz kaum auf: die Gefahr, verfolgt, inhaftiert, gefoltert und sogar ermordet zu werden, wenn Texte, Kunstwerke oder Kunstaktionen der eigenen Regierung (man kann auch andere Regierungen oder Regimes erzürnen, aber dann handelt es sich quasi um Landesgrenzen übergreifende Zensurversuche, was in jedem Staat geschehen kann, man denke an den Fall Salman Rushdie) nicht genehm sind, Tabuthemen aufgreifen oder Kulturschaffende einer kriminellen Vereinigung in die Quere kommen (auch das – und dies spricht wenigstens für mein Land, führt selten zu Körperverletzungen oder Mord). Wir sind es uns hier und in Mitteleuropa generell gewohnt, diese krassen Risiken mit mehr oder minder fernen Regionen und Ländern in Verbindung zu bringen: mit Mittelamerika, Russland, China oder Nordkorea etc. Die jährlich publizierten Ranglisten von Organisationen wie Freedom House oder Reporter ohne Grenzen, in denen punkto Pressefreiheit Länder wie Eritrea, Turkmenistan, Syrien oder der Iran in den letzten Jahren oft die Schlusslichter bilden, bestätigen diesen Eindruck. (mehr …)
  • Wir trauern um Michael Rutschky

    Wir trauern um Michael Rutschky. Er war dem Merkur seit Jahrzehnten und bis zuletzt eng verbunden: als Autor (von 103 Rezensionen und Essays), als Redakteur (über sein "Jahr beim Merkur" hat er seinen letzten Essay für die Zeitschrift geschrieben), als Berater, als "Spiritus Corrector" (wie Willi Winkler in seinem Nachruf schreibt), als Freund.

    Noch im November letzten Jahres haben wir in unserer Reihe "Zweite Lesung" ein Videogespräch mit ihm geführt, das biografisch weit zurückreicht. Er erzählt darin, wie ihm schon im Jahr 1958 sein Deutschlehrer am Gymnasium einen Merkur-Artikel empfahl: Hans Magnus Enzensbergers Essay Vergebliche Brandung der Ferne. Eine Theorie des Tourismus. Hier noch einmal dieses Gespräch.

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  • Riss und Respekt

    In manchen Kreisen ist man pikiert darüber, wenn nun jeder Schulz oder Scholz seinen Ernst Jünger zitiert. But I can’t help it.

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  • Schreibszene Frankfurt 1987/2017

    Zu Beginn des Wintersemesters 2016/2017 finde ich im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt durch Zufall ein Buch. Literatur in Frankfurt. Ein Lexikon zum Lesen. Herausgegeben von Peter Hahn mit Fotos von Andreas Pohlmann, erschienen 1987 im athenäum Verlag, 692 Seiten. Von den 692 Seiten bestehen 600 aus Selbstvorstellungen von Autorinnen und Autoren, Büchermachern, Projektemacherinnen, Redakteurinnen usw. Neben den Portraits stehen jeweils eine kurze, selbstverfasste autobiographische Notiz und eine Auswahlbibliographie. Diese Literaturangabe regelt, wer dabei sein kann – im wesentlichen Leute über 30, das scheint auch damals schon die Grenze einer lexikonwerten bibliographischen Existenz zu sein. Aber oberhalb dieser Grenze sind alle dabei, 147 Personen sind „alle“. „Das Problem, wer als Autor zu gelten habe, wurde formal gelöst. Auch – weil es sich niemals anders lösen ließe.“ (S.11). Wer in Frankfurt schreibt (egal was), ist Autor. Auf die doppelseitige Selbstbeschreibung folgt stets ein zweiseitiger Text, Polemik, Lyrik, Essay oder Romanauszug: alles dabei. Nach den Portraits sind noch Aufsätze beigegeben, über die Frankfurter Verlagslandschaft, die Buchmesse, die Poetikvorlesung, den Adorno-Preis usw. Den Schluss des Buches bildet eine Sammlung von anonymen Zitaten von denjenigen, die nicht bereit waren, Teil des Buches zu werden, und ein Transkript eines Telefonats, das Peter Hahn mit Marcel Reich-Ranicki führte, dessen Abneigung gegen das Buch („das überflüssigste Buch“) ebenso groß war wie der Begehr, darin vertreten zu sein. (mehr …)
  • Video: Michael Rutschky im Gespräch | Zweite Lesung

    Der Autor Michael Rutschky empfiehlt zur zweiten Lesung einen Text, mit dem der junge Hans Magnus Enzensberger 1958 im Merkur für Furore sorgte: "Vergebliche Brandung der Ferne. Eine Theorie des Tourismus" Ein Gespräch mit den Herausgebern Christian Demand und Ekkehard Knörer. (mehr …)
  • Buchpremiere im Merkur: Nina Verheyens „Die Erfindung der Leistung“, Moderation: Philipp Felsch

    Am 19. Februar ist Nina Verheyens Buch Die Erfindung der Leistung erschienen. Wir freuen uns sehr, dass die Buchpremiere als gemeinsame Veranstaltung mit Hanser Berlin in unseren Redaktionsräumen stattfinden wird.  Es moderiert Philipp Felsch. Hier die Daten: 6. März 2018 19:00 Uhr Mommsenstraße 27 10629 Berlin Eintritt frei. Anmeldung erforderlich unter redaktion@merkur-zeitschrift.de

    Zum Buch:

    Unsere Gesellschaft ist eine Leistungsgesellschaft. Aber was meinen wir, wenn wir von „Leistung“ sprechen? Wie wurde Leistung zu einer vermeintlich objektiven, individuellen Größe? Nina Verheyen legt mit diesem Buch die notwendige Grundlage für die konstruktive Auseinandersetzung mit einer Idee, die unser Leben prägt. Und plädiert für ein anderes, sozialeres Verständnis von Leistung. (mehr …)

  • Video: Florian Meinel im Gespräch | Zweite Lesung

    Florian Meinel empfiehlt zur zweiten Lesung "Die Bundesrepublik Deutschland" von Ernst Forsthoff, ein MERKUR-Text, der 1960 eine beispiellose parlamentarische Debatte auslöste. Ein Gespräch mit den Herausgebern Christian Demand und Ekkehard Knörer. (mehr …)