• Verfahren in der Gelehrtenrepublik

    Eine der weltweit besten Hochschulen, die Zürcher ETH, will die Situation für den wissenschaftlichen Nachwuchs verbessern. Sie rührt an ein Tabuthema und zieht verantwortliche Professoren zur Rechenschaft. „Fehlverhalten muss Konsequenzen haben“, sagte der Prorektor im Interview mit dem Schweizer Online-Magazin Republik. Das klingt nach einem enormen Erfolg für den wissenschaftlichen Nachwuchs, der in Initiativen und Zusammenschlüssen seit Jahren die prekären Bedingungen kritisiert, die, in den europäischen Ländern auf je unterschiedliche Weise, die Arbeit im Wissenschaftssystem vor der Berufung auf eine Professur bestimmen. (mehr …)
  • Video: Stephan Wackwitz im Gespräch über Richard Rorty | Zweite Lesung

    Stephan Wackwitz empfiehlt zur zweiten Lesung einen Essay von Richard Rorty, der 1995 im Merkur erschienen ist. Rorty zu lesen, sei für ihn damals ein Befreiungsschlag gewesen und liefert für heutige Diskussionen noch einen brauchbaren Kompass, um zwischen ideologischen Letztbegründungen und postmoderner Beliebigkeit zu navigieren. (mehr …)
  • Intellektuelle Intellektuellenskepsis (Voegelin, Arendt, Milosz)

    Dieser Tage ist wieder häufig zu hören, Bildung sei der beste Schutz gegen die Wellen von Populismus, Autoritarismus, Irrationalismus und Regression, die da an die Deiche der liberalen Demokratien branden. Zudem brauche es unbedingt mehr engagierte Akademikerinnen und Intellektuelle, die sich in der Öffentlichkeit zu Wort melden! Auch Kunst und Kultur, wenn man sie nur richtig verstünde und anwende, stellten probate Mittel gegen besagte Tendenzen dar. So oder so ähnlich hört man es im Gespräch unter Bekannten und in Radiofeatures, liest man es im Feuilleton oder in den Sozialen Netzwerken. Doch bereits wenige Blicke in die Geschichte zeigen, dass gerade Gebildete, Akademiker, Künstlerinnen und Intellektuelle empfänglich sind für jene Versuchungen, die von Macht und Ideologie ausgehen. Mehr noch, die in der Moderne sich einstellende Ferne von Bildung und Kunst zur Macht hat oft zu Frustration geführt, die wiederum in Sehnsucht nach Macht umschlägt. (mehr …)
  • Zwei Männer auf Reisen

    Es ist die Zeit der Verlagsvorschauen – zweimal im Jahr veröffentlichen die Verlage ihr neues Programm. Sinn und Zweck dieser Verlagsvorschauen ist es nicht in erster Linie, das Lesepublikum über Neuerscheinungen in Kenntnis zu setzen, sondern vor allem den Handel und das Feuilleton zu informieren, was in den Regalen der Buchhandlungen stehen und besprochen werden sollte. Diese Vorschauen sind demnach nichts anderes als Werbung, ihr Ziel es ist zu vermitteln, welches Publikum durch ein bestimmtes Buch angesprochen werden soll – manche Verlage, wie der Steidl-Verlag, haben diese spezifische Form der Werbung schon beinahe zur Kunstform erhoben. Wie jeder Text kann auch eine solche Verlagsvorschau mit den Mitteln der Literaturwissenschaft analysiert werden. Gerade aus einer literatursoziologischen Perspektive lassen sich aus einer solchen Analyse Schlüsse ziehen, die auf aktuelle Trends hinweisen und etwas über den gesellschaftlichen Blick auf Literatur aussagen. (mehr …)
  • Die Hausschweinfalle

    Wie leicht selbst eine so angesehene Intellektuelle wie Aleida Assmann in eine Falle tappt, lässt sich an ihrem Beitrag Let’s Go East im Merkur (April 2019, 73. Jahrgang, Heft 839) studieren. Ich nenne die Falle einmal die „Hausschweinfalle“ und will versuchen zu begründen, warum. Der Beitrag von Aleida Assmann ist im Wesentlichen eine Replik auf einen Text von Ivan Krastev und Stephen Holmes (Osteuropa erklären. Das Unbehagen an der Nachahmung; in: Merkur, Nr. 836, Januar 2019). Gewiss kann man sich mit vielen ihrer Thesen identifizieren, mit anderen streiten – allerdings unterläuft ihr gegen Mitte ihres Beitrags eine fatale Wertung, die keineswegs unwidersprochen bleiben kann. (mehr …)
  • Ein Blick in die Zukunft, oder: Citizenship is a Right

    Wir veröffentlichen den Text in einer Parallelaktion gleichzeitig mit dem Blog Nazis & Goldmund Manchmal kapituliere ich, und schlage – wider besseren Vorsatz, nichts sehen und nichts hören zu wollen – Zeit Online auf und lese, zum Beispiel, die neue Kolumne von Mely Kiyak. Thema: Die geplante Schaffung einer Rechtsgrundlage zur Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger, die über eine weitere Staatsangehörigkeit verfügen und sich, darüber hinaus, in Zukunft Daesh im Kampfe anschließen. Da schaue ich erst einmal ins Portemonnaie: Ist mein Pass noch da? (mehr …)
  • Beware of the Dogs: Fokus Lyrik in Frankfurt

    Ah ok, die deutschsprachige Lyrikszene ist also doch älter, als sie alt ist, täusche ich mich bei der „idealen Eröffnung“ des Festivalkongresses Fokus Lyrik zur Lage und Zukunft der Gegenwartslyrik. Aber es ist ja erst der Anfang, der Auftakt und die cool kids kommen immer zu spät. Ich bin jedenfalls schon hier, im großen Saal, beim Käsespieß-All-you-can-eat. Ich kenne niemanden, erkenne nur ein paar bekannte Gesichter, denn ich bin keine betriebsinterne Lyrik-Spezi, sondern ein bisschen verlegen und vor allem neugierig, während ich versuche, mich beim Atmen angesichts der aktiven Wortschätze der Anwesenden nicht zu verschlucken. (mehr …)
  • Thomas Thiel gärtnert für Siegen / Wartungsarbeiten an einer Freisprechanlage / Verwirrte Leser finden eigene Klarheit

    (Zur Vorgeschichte) Es soll Leute geben, die glauben der FAZ jedes Wort. Wenn Thomas Thiel einen Artikel über die Universität Siegen veröffentlicht, schreiben sie als Kommentar:

    Unvorstellbare Zustände / "bürgerliche" Regierung in NRW?

    Offenbar haben die "postmodern" / quasi-marxistisch / linksextremen Geistesverwirrungen, die per Internet an den US- und kanadischen Hochschulen nachvollzogen werden können, längst voll auch auf deutsche Hochschulen übergegriffen. Es ist für mich unvorstellbar, unzumutbar, unerträglich, wie hier unter dem Deckmantel gewisser Formalisierungen und vorgeblicher "Gerechtigkeit" die Grundlagen unserer Freiheit, unseres Wohlstands und unseres eigentlich noch wünschenswerten Fortschritts als Gesellschaft auf dem Altar radikaler Machtverfolgung geopfert werden.

    Skandalös ist daran insbesondere, dass dergleichen Zustände offenbar von den politischen Verantwortlichen der jeweiligen Landesregierungen toleriert werden, in diesem Fall durch die NRW-Regierung von Union und FDP! Man könnte noch verstehen, wenn dergleichen in Berlin oder Bremen stattfindet. Aber unter einer bürgerlichen Regierung?

    Es ist einfach widerlich und erschütternd. Danke für den Report an die FAZ. (mehr …)

  • Fortsetzung und Abschluss des Berichts: Installation einer Freisprechanlage

    Die bisherigen Briefe von Erhard Schüttpelz finden sich in diesem Blog-Eintrag 7.1.2019 Lieber Dieter, Thilo Sarrazins Einladung an die Universität Siegen darf keine Nobilitierung oder auch nur eine Anerkennung der Wissenschaftlichkeit Sarrazins bewirken. Im Gegenteil, Thilo Sarrazins Schriften sind nach übereinstimmender Einschätzung der Forschung wissenschaftsfremd und wissenschaftlich irreführend. Es ist für die Universität zentral, diese Tatsache beim Vortrag Sarrazins geltend zu machen. Thilo Sarrazin ist an die Universität Siegen nicht als Wissenschaftler eingeladen worden, sondern weil Du Deine eigene Wissenschaftsfreiheit beweisen wolltest, und dies durch die Einladung Thilo Sarrazins getan hast. Mit Wissenschaft hat das noch nichts zu tun, nur mit Wissenschaftsfreiheit. Die Wissenschaftlichkeit des Seminars und damit der grundständigen Lehre muss im Rahmen des Vortrags erst noch erarbeitet worden; was bereits im Falle Marc Jongens m.E. nur in Ansätzen gelungen ist. Ich möchte Dich bitten, für einen wissenschaftlichen Rahmen zu sorgen, in dem die Seminardiskussion stattfinden kann. Mit besten Grüssen, Erhard Schüttpelz (mehr …)
  • Wir gratulieren: Heinrich-Mann-Preis 2019 an Danilo Scholz

    „Danilo Scholz ist ein ebenso kenntnisreicher wie leichtfüßiger und witziger Intellektueller, der die öffentliche Debatte mit begrifflicher Schärfe und brillanter Formulierungskunst bereichert. Scholz ist ein europäischer Geist, […] nicht zuletzt seine Vertrautheit mit der französischen Szene macht ihn als Vermittler und Polemiker zu einem würdigen Nachfolger Heinrich Manns im Kampf gegen deutsche Provinzialismen“, so heißt es in der Begründung der Jury. Zur Feier des Anlasses haben wir eine Sonderseite mit allen Merkur-Beiträgen von Danilo Scholz eingerichtet, inklusive seiner furiosen Blogartikel und eines Videogesprächs in unserer Reihe Zweite Lesung. Wir wünschen viel Vergnügen.