Kategorie: Blog

Artikel der Kategorie: Blog

  • Veranstaltungshinweis: Robert Hugo Ziegler und Trung Hoàng Lê im Gespräch

    Kurzfristiger Veranstaltungshinweis: Heute, 6.12., 19 Uhr, sprechen die Merkur-Autoren Robert Hugo Ziegler (Die Sylter Pfingstgemeinde und der grenzenlose Spaß) und Trung Hoàng Lê (Sprachverlust und Migration) im Museum des Kapitalismus in Berlin-Kreuzberg über "Kritik des reaktionären Denkens".
  • Sicherheit und Bühnentech: Vinge/Müller/Reinholdtsen treiben es mit Peer Gynt

    Foto © Julian Röder Eher nervöses Gelächter in den gelichteten Reihen, als gegen halb eins in der Nacht der Vorhang fällt. Einfach so fällt er sowieso nicht, hoch geht er, runter, wieder hoch, da war Peer gerade noch opernhaft nackt in einem Bett zugange und sah aus dem Fenster, im Live-Film von hinten, bühnenreal von vorne, da fällt der Vorhang also, gegen halb eins, nach sechseinhalb Stunden, und es steht da: Akt 1, und es steht da auch: Pause. “Peer Gynt”, muss man wissen, ist ein Stück in fünf Akten und in der Tat ist zu diesem Zeitpunkt vom Plot her das Ende des ersten Akts nun erreicht. (mehr …)
  • Merkur-Preis 2025: Ausschreibung

    In diesem Jahr wird die Ernst H. Klett Stiftung Merkur zum siebten Mal den 2019 ins Leben gerufenen Merkur-Preis für herausragende Dissertationen vergeben. Für die Auszeichnung infrage kommen Arbeiten aus den Geistes-, Kultur-, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, deren fachliches, methodisches und literarisches Niveau überdurchschnittlich ist und die ihren Gegenstand aus einer in produktiver Weise unkonventionellen Perspektive in den Blick nehmen. Über die Vergabe des mit 3000 Euro dotierten Preises entscheiden die Mitglieder von Kuratorium und Vorstand der Stiftung im Einvernehmen mit den Herausgebern der Zeitschrift Merkur. Die Dissertationen müssen in den vorangegangenen drei Jahren eingereicht und in deutscher Sprache verfasst sein, und sie dürfen noch keine andere Auszeichnung erhalten haben. Eigenbewerbungen sind nicht vorgesehen. Empfehlungen nimmt die Jury bis 30. September 2025 per Mail (redaktion@merkur-zeitschrift.de) entgegen.
  • Meine Erinnerung an Nikolaus Kuhnert

    Wenn ich Nikolaus in den letzten Jahren besuchte, ging es viel um seine jüdische Herkunft.  Er brach in Tränen aus, als ich ihn fragte, ob er sich mit Capers eine jüdische Frau gesucht habe, damit auch seine Kinder jüdisch seien. Mit den Tränen bracht er sein „Ja“ zum Ausdruck. Ich glaube nicht, dass Nikolaus gläubig war, aber er hatte ein archaisches Verhältnis zu seiner Herkunft. Seine Mutter hatte ihn nur mit einem Postausweis ohne Judenkennzeichnung 1939 in einer Klinik zur Welt bringen können, und er blieb Einzelkind. (mehr …)
  • Fortschritt im Modus des Selbstzweifels. Axel Honneths Verteidigung des moralischen Fortschritts

    Auch wenn vom moralischen Fortschritt zurzeit wohl kaum die Rede sein kann, ist er in aller Munde – oder zumindest wieder vermehrt Gegenstand geistes- und sozialwissenschaftlicher Auseinandersetzung. Das ist auf den zweiten Blick nur konsequent, stellt doch die „Polykrise“ diesen für die Moderne so leitenden Begriff auf ganzer Breite infrage und weckt damit umgekehrt erst das Reflexionsbedürfnis über eine zuvor als selbstverständlich akzeptierte Idee. Dieses Bedürfnis ist nun auch wieder in der Kritischen Theorie angekommen. Bereits Ende 2023 veröffentliche Rahel Jaeggi ihr Buch Fortschritt und Regression, in dem sie sich bemüht, den Fortschrittsbegriff von seinen problematischen Konnotationen zu bereinigen und neu zu fassen. Nun folgt ihr auch die „ältere“ Generation in Gestalt von Axel Honneth, der in einem Essay für den Merkur den Standpunkt des moralischen Fortschritts verteidigt. (mehr …)
  • Der Bote. Nachrichten zur palästinensischen Frage

    Im Verlauf des Jahres, in dem er mein Mit-Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg war, präsentierte sich Bashir Bashir zweimal der deutschen Öffentlichkeit: ein Interview, ein Vortrag. Beide Auftritte gaben der sogenannten Zeitung für Deutschland Anlass, ihn und sein Denken zu kommentieren. Wie reagiert ein Blatt, das sich als Iron Dome der Staatsräson versteht, auf einen Partisan der Aufklärung? Wie sieht die politische Landschaft aus, in der er sich bewegt? Wie verlässlich sind in Frankfurt die Radare der moralischen Feindaufklärung? Wann wird eine Zeitung zum Nachrichtendienst? Der Fall eines Intellektuellen, dessen Name auf Deutsch »Verkünder einer guten Botschaft« bedeutet, steht exemplarisch für das, was man in der Bundesrepublik wissen kann, aber nicht wahrhaben will. (mehr …)
  • Solidarität mit Belarus am Ende

    Die Wirtschaft in Minsk läuft blendend, seit Russland Krieg gegen die Ukraine führt. Die Republik Belarus gehört zu den stillen Kriegsgewinnern. In der Karl-Marx-Straße eröffnete im historischen Zentrum mitten im russischen Krieg ein nobles Restaurant namens Malewitsch. Dort versuchten KGB-Offiziere kürzlich in mehreren Anläufen einen Wissenschaftler als Spitzel anzuwerben, der zu den wenigen gehört, die über internationale Kontakte verfügt und noch in der Republik Belarus verblieb. Er floh nach Polen, weil er nicht mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammenarbeiten will. Der Verdacht, dass andere auf diese Weise angeworben wurden, um die belarussische Opposition von innen zu zersetzen, bleibt. Dabei verlagert sich der Schwerpunkt derzeit vom Inland in die Zentren des Exils.  (mehr …)
  • Weltmeister des Vergessens (Nachtrag)

    Toward the end of my essay, “Weltmeister des Vergessens” (Merkur, July 2025), I observed: “Our own pervasive culture of forgetting invisibly undergirds the extremism we are witnessing today.” I was wrong. What seemed then to be merely implicit has become – like so much else in this second Trump administration – shamelessly and repugnantly plain. (mehr …)
  • Doch ein Strukturwandel? Eine Entgegnung auf Jan Wieles Polemik

    Literaturkritik steht im Feuer, keine Frage. Jan Wiele hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5. März 2025 seiner Frustration über diese Entwicklung Luft verschafft und dazu meinen Aufsatz zum Strukturwandel der literarischen Öffentlichkeit aus dem März-Heft dieser Zeitschrift ausgesucht. Damit hat er allerdings den falschen Gegner gewählt. Denn wie er bin auch ich in meinem Artikel der Meinung, dass es Experten wie Literaturkritiker geben sollte, Feuilletons eine wunderbare Einrichtung sind, die man erfinden müsste, wenn es sie nicht schon gäbe, und dass es schlechte Bücher gibt, die man auch so nennen sollte. Wir gehören derselben Stilgemeinschaft an. Dennoch hat Wiele eine Gattung gewählt, die das Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft als „aggressive, auf Bloßstellung und moralische oder intellektuelle Vernichtung abzielende, gleichwohl argumentierende Kritik am Gegner in einem Streit“ beschreibt, als Polemik. Das lohnt eine Entgegnung. (mehr …)
  • Vom Pferd Fallada – oder von der Schwierigkeit, Ingeborg Bachmanns Gedichte ins Englische zu übersetzen

    Während meines Freisemesters in den 1990ern verbrachte ich reichlich Zeit in Mexiko. Es wurden gute  Monate, denn die Kooperation mit den Kollegen  lief erfolgreich. Und das Flanieren in der Kapitale, damals noch weitgehend unberührt von der Drogen-violencia, brachte überraschende Einsichten in Mexikos Österreich-Dekade:  Wegweisend war Perez Gay, damals Mexikos Chef-Intellektueller und einflussreicher TV-Direktor. Sein Bestseller El imperio perdido (1991, fünf weitere Auflagen) feierte mit Exkursen über Karl Kraus, Joseph Roth und Elias Canetti das mitteleuropäische Wien um 1900. (Kein wankelmütiger Text, trotz manch örtlicher Verirrungen und Verwechseln von Cafés.)   (mehr …)