• All nice people, like Us: Handke und die Nobel-Gesellschaft

    Klar, ausschlaggebend für den Literaturnobelpreis ist nicht nur die ästhetische Qualität eines Werkes, sondern auch dessen idealistisch-humanistische Ausrichtung. Aber der Vergleich von Handke und Knut Hamsun, der jetzt gelegentlich bemüht wird, hinkt doch nicht nur in chronologischer Hinsicht. Der Vorwurf, den Saša Stanišić mit seinem eigenen Überleben verbürgt, lautet Komplizenschaft durch Beschönigen, Unterschlagen, Verfälschen des Stattgefundenen. (mehr …)
  • High Time to Leave

    März, 12. April, 31. Oktober. Derzeit sieht es nicht danach aus, als sei die Liste der Daten, für die – jetzt aber wirklich! – der Brexit angekündigt war oder ist, damit abgeschlossen. Die Geschichte des versuchten EU-Austritts Großbritanniens ist für alle Beteiligten ein Albtraum, egal auf welcher Seite sie stehen: für die Leave-Anhänger, weil sie selbst über drei Jahre nach dem Votum ihren geliebten Brexit noch immer nicht „delivered“ bekommen haben; und für die Remainer, weil sich die Regierung des Landes nach einer Kaskade filmreifer Irrungen und Wirrungen inzwischen in der Hand einer demokratisch höchst unzureichend legitimierten Gruppe von Austrittsfanatikern befindet, die allen Einwänden und dem Benn-Gesetz zum Trotz versucht, die EU „hart“, also ohne irgendein Abkommen, zu verlassen. Insofern hat der Brexit das Land nicht gespalten, sondern geeint, indem er alle zu Verlieren macht. Das „Brexit Anxiety Syndrome“, neuester Sammelbegriff für allerlei ob des Zustands des Landes durchlebten Stress- und Angstzustände, befällt jedenfalls Leave-Anhänger und Remainer etwa gleichhäufig. (mehr …)
  • MERKUR-Jutebeutel für alle

    Für kurze Zeit gibt es zum MERKUR-Probeabo kostenlos unseren schicken Jutebeutel mit dazu. Nur bis zum 13.10.2019 und nur bei Bestellungen über die Aktionswebseite. (mehr …)
  • Video: Christoph Möllers über Ingo Meyer

    Christoph Möllers empfiehlt zur zweiten Lesung zwei polemische Rundumschläge des Literaturwissenschaftlers Ingo Meyer: "Notizen zur gegenwärtigen Lage der Ästhetik" und "Niedergang des Romans?". Ein Gespräch mit den Merkur-Herausgebern Christian Demand und Ekkehard Knörer. (mehr …)
  • Die Politisierung der Unpolitischen: Moskau, mein Freund Sergej und das Recht auf Stadt

    Als ich Sergej das letzte Mal sah, war es Sommer. Er war nach Berlin gekommen, um Fahrrad zu fahren. Nach seinen ersten Rundfahrten bat er mich, ihm das russische Berlin zu zeigen, also fuhren wir gemeinsam nach Marzahn – in ein Stadtgebiet, das für seine Armut und Kriminalität berüchtigt ist. Doch Marzahn überraschte mich mit strahlender Sonne, guter Luft und vor allem den Resten einer architektonischen Utopie der Neuorganisation des kommunalen Raums, der eine erkennbar sowjetische Prägung hat. Das Zentrum der Wohnsiedlung bildet ein kleiner, nach dem bereits 1933 in Dachau ermordeten Kommunisten Franz Stenzer benannter Fußgängerpfad mit Kleingewerbe mitten durch die riesigen Plattenbauten. Er verleiht der Gegend die Atmosphäre eines Feriendorfs. Nur ist er heute zur Seite der S-Bahn-Station hin durch ein großes Einkaufszentrum begrenzt und verborgen. Sergej war jedenfalls froh, fast erleichtert, in Marzahn zu sein. Es war nach einer Woche Berlin für ihn ein Stück Vertrautheit: „Wie zuhause“. (mehr …)
  • 16. bayreuther dialoge – Wandel werten, Werte wandeln

    Am 26. und 27. Oktober finden die 16. bayreuther dialoge statt. Die von Philosophy und Economics-Studierenden der Universität Bayreuth organisierte Konferenz schafft eine offene Plattform, um relevante Entwicklung der Zeit im unmittelbaren Dialog zu verhandeln. Dabei werden Referierende aus unterschiedlichsten Fach- und Lebensbereichen eingeladen, um einen produktiven und zukunftsorientierten Diskus zu fördern. In diesem Jahr stehen die bayreuther dialoge ganz unter der Frage: „Neue Ethik?“ Als Kooperationspartner versorgen wir auch dieses Jahr wieder alle Teilnehmenden mit aktuellen Merkur-Ausgaben. Ein weiterer guter Grund, die Konferenz zu besuchen. Programm und Tickets unter: bayreuther-dialoge.de
  • Video: Melanie Möller über Jürgen Paul Schwindt | Zweite Lesung

    Melanie Möller empfiehlt zur zweiten Lesung "Schwarzer Humanismus" von Jürgen Paul Schwindt. Der vieldiskutierte Essay wendet sich gegen neuere Tendenzen des eigenen Fachs, entwirft das Bild einer ästhetisch geschärften Altertumswissenschaft und demonstriert seine Thesen an einem unerwarteten Beispiel: Caesars Klassiker Bellum Gallicum. (mehr …)
  • Der Körper als Feind. Eine Antwort auf die Frage: „Was ist Musik?“

    „Im Allgemeinen werden Musikwissenschaftler ja nicht mit Musik identifiziert“, wusste der 2010 verstorbene Musikwissenschaftler Reinhard Brinkmann (Harvard-University) zu berichten, „das hat mich schon immer gestört. Der Komponist Wolfgang Rihm, mit dem ich unlängst sprach, fing auch so an. Wir wissen, sagte er, was Musiker tun: Sie spielen Geige oder Klarinette oder sonst ein Instrument. Und wir wissen, was Komponisten tun: Sie schreiben Musik. Aber was machen Musikwissenschaftler?“ Als Musikwissenschaftler von Profession lautet meine Antwort: Sie erklären Musik oder mit Worten des Züricher Ordinarius Laurenz Lütteken: Das „Kerngeschäft“ der Musikwissenschaft ist „die denkende Auseinandersetzung mit dem wunderlichen Phänomen der Musik“. Die Musikhistoriker, -systematiker und -ethnologen erforschen, was das Erklingende in unserer Welt, sofern es von Menschen in irgend einer Weise geformt ist, als Phänomen in allen uns bekannten medialen Ausprägungen ist, und – so zumindest die Historiker dieser Profession - leiten aus dieser Erkenntnis ab, was sie zu sein habe; also, was ihrer Meinung nach „gute“ Musik ist. Im sogenannten „klassischen“ Genre ist es das, was sich als editionswürdig erweist; also letztlich das, was sich im Repertoire behauptet hat. Und in der Pop- und Filmmusik ist es zwangsläufig das, was erfolgreich ist. Wäre es anders, hätte der Musikwissenschaftler ja die ewige gültige Formel für Hits entdeckt, was dieser nachweislich aber nicht hat. (mehr …)
  • Video: Carlos Spoerhase über Michael Cahn | Zweite Lesung

    Carlos Spoerhase empfiehlt zur zweiten Lesung eine echte Wiederentdeckung aus dem Archiv: "Das Schwanken zwischen Abfall und Wert" von Michael Cahn. Ein Essay über die kulturelle Praxis des Sammelns, der durch amerikanische Garage Sales, frühneuzeitliche Kuriositätenkabinette und Bibliotheken streift und dabei sein Plädoyer für eine "wild vergleichende" Kulturanalyse fulminant einlöst. (mehr …)
  • Video: Catherine Davies im Gespräch über Zbigniew Herbert | Zweite Lesung

    Catherine Davies empfiehlt zur zweiten Lesung "Der Tulpen bitterer Duft" von Zbigniew Herbert. Der Essay, 1980 im Merkur erschienen, beschreibt die Tulpenmanie und den anschließenden Börsencrash in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts als spannend zu lesende Parabel, die ihre Moral bewusst in der Schwebe lässt. (mehr …)