Kategorie: Blog
Artikel der Kategorie: Blog
-
Prostitution. Ein Jahr mit den Goncourts (II)
»Ein einziger Mann, ein Monsieur Wailly von der Illustration hat uns durch unsere Bücher genügend durchschaut, um zu behaupten, daß, wenn wir lieben, wir nur zusammen lieben und daß die Gesetze und Sitten für unsere phänomenale Dualität eine Ausnahme machen müssen.« (Bd. II, S. 173)
Der zweite Band des Journals der Brüder Goncourt lässt sich ruhiger an. Es könnte scheinen, dass die doppelte Textpersona der protokollierenden Brüder nun ihren Stil gefunden hat. In den ersten sechs Jahren wurde vieles ausprobiert, die wütenden, misogynen, rassistischen, klassistischen Ausbrüche wurden ausgelebt und als Stilmerkmal dieser eben genau nicht bedacht abgewogenen Indiskretion etabliert; ein Stilmerkmal, das uns beiden widerstrebt. (mehr …) -
Die Presse zur Lage des Essays
Obwohl wir gar keine Pressemitteilungen und -einladungen verschickt, sondern nur auf den Sozialmedien Hinweise gepostet hatten, ist die Presse zu unserer Essay-Veranstaltung mit Amanda DeMarco, Kathrin Passig, Michael Rutschky und Georg Stanitzek recht zahlreich erschienen. Allen, die nicht dabei waren, müssen wir leider sagen, dass das eine Low-Tech-Veranstaltung ohne Aufzeichnungen war. Was also bleibet, stiften die Pressevertreter. (mehr …) -
Diskussion: Zur Lage des Essays
Am Freitag, dem 10. Januar, veranstaltet der Merkur in Kooperation mit dem Peter-Szondi-Institut der FU Berlin ein Podiumsgespräch "Zur Lage des Essays". Es diskutieren Georg Stanitzek (Autor von Essay-BRD und des aktuellen Merkur-Aufmachers Zur Lage der Fußnote), Michael Rutschky, Kathrin Passig und Amanda DeMarco (Readux). Ort: Topoi-Building der FU in Dahlem. Beginn 18 Uhr. Moderation: Tobias Haberkorn (FU) und Ekkehard Knörer (Merkur). Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt ist frei. -
Januarheft erschienen
Das Januarheft hat einen Schwerpunkt beim Thema Essay. Darum dreht sich, von der Frage der Fußnote her, der Aufmacher von Georg Stanitzek (Autor des Standardwerks Essay-BRD) ebenso wie Jürgen Kaubes essaykritischer Text Der Essay als Freizeitform von Wissenschaft (den gibt es als Leseprobe gratis) und Christian Schärfs Auseinandersetzung mit Elias Canettis Masse und Macht.
Daneben ist das Januarheft aber in Form und Inhalt sehr vielfältig: Dirk Baecker rechnet mit drei Unbekannten und David Klett verteidigt die Tautologie. Bilder und Texte aus dem Nachtleben hat Eckhard Schumacher in seiner Popkolumne studiert. Tobias Haberkorn schreibt über einen Aufenthalt in Neapel. Kenneth Goldsmith erklärt, warum er womöglich der dümmste Dichter ist, der jemals gelebt hat. Und Katy Derbyshire denkt anlässlich ihrer Übersetzung einer Erzählung von Christa Wolf über das Verhältnis von Schreiben und Biografie nach - das ist unsere zweite Leseprobe.
Zu kaufen gibt es das Heft (Print) über die Klett-Cotta-Seite. Als E-Book in diversen Formaten auch bei Klett-Cotta, sonst etwa bei ebook.de und bei itunes. -
Christian Demand: Zwischentöne
Gestern im Deutschlandfunk, jetzt im Audio-Podcast (leider ohne Musik - hier immerhin die Playlist): Die Sendung Zwischentöne mit Christian Demand http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/12/15/ dlf_20131215_1330_b14d9f2f.mp3 -
Wir beginnen zu lesen. Ein Jahr mit den Goncourts (I)
Das Tagebuch ist unsere allabendliche Beichte: die Beichte zweier in der Freude, der Arbeit, im Schmerz unzertrennlicher Leben; zweier zwillingshafter Denkweisen, zweier Geister, die im Kontakt mit Menschen und Dingen derart gleiche, identische, ununterscheidbare Eindrücke gewinnen, daß diese Beichte als die Offenbarungen eines einzigen Ichs und eines einzigen Selbst verstanden werden kann.
(Vorwort von Edmond de Goncourt)
Vor uns liegt ein kompakter, kleiner Karton mit über sieben Kilogramm Gewicht. Es braucht beherzte Griffe, geschärfte Brieföffner oder scharfe Fingernägel, um ihn aufzubrechen; erst die Klebeschichten, dann die Kartonagen. Nacheinander heben wir den Deckel ab, den Transportkarton, dann die letzte Schutzfolie. Wir beginnen im Beibuch zu blättern, von hinten her, wie üblich. Finden wir unsere Namen in der Subskribentenliste? Finden wir sie nicht? Habe ich meinen Eintrag darin so chiffriert, dass ich nun ratlos vor der Namensliste stehe wie vor der Eingabezeile eines Passworts, das mir nicht mehr einfällt? Ist mir mein Eintrag ganz lieb so wie er ist oder doch nun eher unangenehm? In der Liste finden sich Bekannte, Kollegen, erstaunlich wenige Namhafte. Wie wären diese Figuren wohl in den Tagebüchern beschrieben worden von den humble brothers? Wir fragen uns: Setzt die Subskribentenliste nicht kongenial den Klatschcharakter der Goncourt-Tagebücher fort? Was erfahren wir über diese Dutzende einzelner Menschen, die die 7000 Seiten zweier Männer des 19. Jahrhunderts in physischer Form ihr Eigen nennen wollen? (mehr …) -
Aalglatt. Designkolumne (Forts.)
Aus aktuellem Anlass ein kurzer Nachtrag zu meiner Designkolumne aus dem Septemberheft, in der es um das Phänomen der ostentativen, ins Unwirkliche gesteigerten Glattheit ging, das sich von den Stahlrohrmöbeln der 1920er Jahre über den International Style der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart verfolgen läßt: Am 23. November wurde im Rahmen einer Charity-Aktion in der New Yorke Niederlassung des Auktionshauses Sotheby‘s ein einzigartiger Fotoapparat der Firma Leica versteigert. (Weitere Bilder.) (mehr …) -
NZZ über „Die Zukunft der Zeitung“
Martin Meyer, Feuilletonchef der NZZ, empfiehlt unseren Dezemberheft-Aufmacher zur Lektüre: "In der Dezembernummer des 'Merkurs' schreiben Lothar Müller und Thomas Steinfeld, zwei Redakteure der Süddeutschen Zeitung, zum Thema 'Zukunft der Zeitung'. Der Beitrag ist es wert, aufmerksam studiert zu werden. Von Nostalgie kann dabei keinerlei Rede sein. Die beiden Profis liefern vielmehr manche Gründe dafür, weshalb die Zeitung lebt." -
Ironische Melancholie
Im aktuellen Heft stellt Jakob Hessing die neue Mascha-Kaléko-Werkausgabe vor. Aus diesem Anlass hier sein ursprünglich im Rahmen der Frankfurter Anthologie erschienener Text zu einem Gedicht/einer Widmung von Mascha Kaléko. (mehr …) -
Dezemberheft
Aus einem Leserbrief in der aktuellen konkret: "Vor allem aber fällt auf, daß im Politikteil fast nie Journalistinnen schreiben. Mehr noch, ich habe nachgeschaut: Von März bis November keine einzige! Der letzte Beitrag einer Autorin war im Februar!" Nicht dass wir uns mit konkret vergleichen wollen, aber das Problem kennen wir auch. Im letzten Dezember, vielleicht erinnern Sie sich, hatten wir unsere Autorinnenausgabe und verbanden, bei aller Skepsis, die Hoffnung damit, fortan etwas öfter unverlangt eingesandte Texte von Autorinnen zu bekommen. Zwei oder drei Texte, die sich ausdrücklich auf das Dezemberheft beriefen, trafen tatsächlich ein. Mehr nicht. In einer Umfrage unseres Partners Eurozine hat Ina Andrae, Büroleiterin beim Merkur, noch einmal nach Gründen für das elende Geschlechterverhältnis gesucht. Das nur zur schärferen Konturierung unserer Dezemberheftpleite: keine einzige Beiträgerin, nirgends. Wir bemühen uns, und bemühen uns weiter. Manchmal kommt aber viel zusammen, so diesmal. Trotzdem natürlich ein spannendes Heft. Online freigeschaltet haben wir einen Text, in dem die SZ-Feuilletonisten Thomas Steinfeld und Lothar Müller gute Gründe sammeln, die Zukunft der Zeitung optimistisch zu sehen. (Dass es auch gute Gründe zur Skepsis gibt - vgl. z.B. ganz aktuell dies -, steht auf einem anderen und bald vielleicht auch in unserem Blatt.) Außerdem gibt es die erste Ausgabe unserer neuen Geschichtskolumne von Sebastian Conrad zu lesen: Er blickt darin auf nicht-westliche Blicke auf den Westen. Ebenfalls eine Premiere: Die Sprachkolumne von Daniel Scholten (den man von seiner Website Belles Lettres, aber auch als Kriminalromanautor kennen kann), in der er aus sprachwissenschaftlicher Sicht massive Zweifel an mancher sprachlichen Genderverrenkung anmeldet. Außerdem, neben manch anderem, ein Porträt des Sozialwissenschaftlers Albert O. Hirschman, das Patrick Eiden-Offe verfasst hat; eine Besprechung der Mascha-Kaléko-Gesamtausgabe durch Jakob Hessing (dazu morgen im Blog noch mehr) und ein Text von Heinz Bude über einen Auftritt Jean Amérys beim Internationalen Frühschoppen, für den Améry als vermeintlicher RAF-Fürsprecher großen Ärger bekam. Gestern hat Christian Demand das Heft - genauer gesagt den Aufmacher zur Zukunft der Zeitung - im Feuilletonpressegespräch bei Deutschlandradio Kultur vorgestellt. Kann man hier nachhören.ek
