• Die Überwindung der Maskenphobie

    Im Blick auf die Ansteckungsraten mit Covid19 erlaubt der Vergleich zwischen Ländern, die wie selbstverständlich auf das Tragen von Masken setzten und solchen, die gar nicht oder erst viel später dazu verpflichteten, den ersteren eine größere Kompetenz bei der Infektionseindämmung zuzusprechen. Wenn es die Statistik auch nicht einfach erlaubt, das Tragen von Masken als Ursache der großen Unterschiede in der Ausbreitung des Virus namhaft zu machen, so wird man trotzdem auf den Vorteil von Verhaltensmustern schließen dürfen, die mit dem Tragen von Masken einhergehen. Was also, wenn der Erfolg Singapurs, Südkoreas, Japans oder, wenn man den Zahlen glaubt, Chinas, auf entsprechende Verhaltensweisen zurückgehen, noch vor dem Social Tracking – oder möglicherweise in Verbindung mit diesem? (mehr …)
  • Wissenschaftsfreiheit und Meinungsfreiheit (Aus Anlass einer Siegener Kontroverse)

    Vor einem Jahr hat mein Kollege, der Philosoph Dieter Schönecker, im Wintersemester 2018/19 an der Universität Siegen ein Proseminar unter dem Titel "Denken und denken lassen. Zur Theorie und Praxis der Meinungsfreiheit" angekündigt und veranstaltet, mitsamt einer Vortragsreihe, in deren Rahmen ausschließlich rechtspopulistisch argumentierende Akademiker und Politiker als externe Gäste aufgetreten sind, darunter der Publizist und Politiker Thilo Sarrazin und der AfD-Politiker und ehemalige Kunsthochschuldozent Marc Jongen. (mehr …)
  • Fortsetzung und Abschluss des Berichts: Installation einer Freisprechanlage

    Die bisherigen Briefe von Erhard Schüttpelz finden sich in diesem Blog-Eintrag 7.1.2019 Lieber Dieter, Thilo Sarrazins Einladung an die Universität Siegen darf keine Nobilitierung oder auch nur eine Anerkennung der Wissenschaftlichkeit Sarrazins bewirken. Im Gegenteil, Thilo Sarrazins Schriften sind nach übereinstimmender Einschätzung der Forschung wissenschaftsfremd und wissenschaftlich irreführend. Es ist für die Universität zentral, diese Tatsache beim Vortrag Sarrazins geltend zu machen. Thilo Sarrazin ist an die Universität Siegen nicht als Wissenschaftler eingeladen worden, sondern weil Du Deine eigene Wissenschaftsfreiheit beweisen wolltest, und dies durch die Einladung Thilo Sarrazins getan hast. Mit Wissenschaft hat das noch nichts zu tun, nur mit Wissenschaftsfreiheit. Die Wissenschaftlichkeit des Seminars und damit der grundständigen Lehre muss im Rahmen des Vortrags erst noch erarbeitet worden; was bereits im Falle Marc Jongens m.E. nur in Ansätzen gelungen ist. Ich möchte Dich bitten, für einen wissenschaftlichen Rahmen zu sorgen, in dem die Seminardiskussion stattfinden kann. Mit besten Grüssen, Erhard Schüttpelz (mehr …)
  • Installation einer Freisprechanlage. Ein vorläufiger Bericht in elf Briefen

    011.10.2018 Offener Brief: Lieber Dieter Schönecker, geschätzter Kollege, alter Kommilitone, am Philosophischen Seminar der Universität Siegen wird im laufenden Wintersemester folgendes Seminar angeboten: „Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Meinungsfreiheit. Organisationseinheit:   Philosophisches Seminar (Verantwortlicher) Kommentar:                 In diesem Seminar geht es um die Philosophie und Praxis der Redefreiheit. Genauer gesagt geht es um die Frage, wie groß die Redefreiheit bei Veranstaltungen sein sollte, die an Universitäten stattfinden. (Es geht nicht um Islamismus, die Flüchtlingskrise usw.) Sollte es Grenzen geben, und wenn, wo liegen diese? Darf man Personen wie Thilo Sarrazin einladen oder wie Marc Jongen (MdB, AfD)? Nach einem Vorgespräch treffen wir uns zu einem ganztägigen Blockseminar, bei dem wir uns mit Auszügen aus Mills „Über die Freiheit“ beschäftigen werden. Ein wesentlicher Teil des Seminars ist eine Vorlesungsreihe, in der auch dezidiert konservative oder rechte Denker teilnehmen werden (u.a. Sarrazin und Jongen).“ (mehr …)
  • zweihändige variationen (nach Robert Hertz)

    Der Essay ist im Januarheft 2019, Merkur # 836, erschienen.

    »der unterschied zwischen dem guten und dem bösen, der lange zeit gleichbedeutend war mit dem gegensatz zwischen rechts und links, wird sich nicht aus unserem bewusstsein vertreiben lassen bis zu dem tag, an dem die zweite hand die herausforderung annimmt und zuweilen sogar die rechte hand ersetzen kann. wenn die beschränkungen eines mythischen ideals über die jahrhunderte aus dem menschen ein einseitiges und verstümmeltes wesen machen konnten, wird sich eine freiere und vorausblickende gesellschaft anstrengen, auf bessere weise die energien zu erschließen, die in der linken hand und der rechten großhirnrinde schlummern, und durch entsprechende übungen eine harmonischere entwicklung des organismus sicherstellen.« (mehr …)