• Weniger Strip, mehr Tease? (Teil 3)

    Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, ganz ohne Not, und auch nicht zum ersten Mal (siehe den Zauberbaum aus dem Jahr 1987, ein Auszug daraus war im übrigen sein letzter von zwei Auftritten im Merkur): Das Schelling-Projekt erzählt in E-Mail-Wechseln von einem (scheiternden) Projektantrag bei der DFG - es soll darum gehen, wie mit dem weiblichen Orgasmus der Geist in die Materie fuhr. Es ist im Roman allerdings so, dass sich für diese Frage vornehmlich forschende Männer (Peer Sloterdijk, Guido Mösenlechzner, Kurt Silbe) zuständig fühlen; ihre weiblichen Konterparts (Beatrice Freygel, Desiree zur Lippe) berichten beispielsweise von sexueller Erweckung mittels Gangbang. Für Eva Geulen und Hanna Engelmeier der Anlass, ihrerseits einen E-Mail-Wechsel zu beginnen, genau einen Monat lang, vom 8. Oktober bis zum 8. November, dem Tag der Trump-Wahl. Sloterdijks Roman war, wie sich zeigte, mehr Anlass für ein digressives Duett - einen schriftlichen Dialog darüber, welche Assoziationen zum Roman wie weit tragen. So geht es nun unter anderem um Autobiografien von (emeritierten) Professoren, um Machtpositionen im akademischen Betrieb, um Heinz Strunk, die Buchmesse und den Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags bei der Frankfurter Buchmesse. Das Ganze war eine bei einer Zufallsbegegnung von Hanna Engelmeier und Eva Geulen spontan geborene Idee - da der Merkur (bzw. Ekkehard Knörer) dabei ebenfalls anwesend war, erscheint das Ergebnis nun hier, und zwar in drei Teilen. Dies ist der dritte Teil, den ersten Teil finden Sie hier, den zweiten hier. (mehr …)
  • Weniger Strip, mehr Tease? (Teil 2)

    Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, ganz ohne Not, und auch nicht zum ersten Mal (siehe den Zauberbaum aus dem Jahr 1987, ein Auszug daraus war im übrigen sein letzter von zwei Auftritten im Merkur): Das Schelling-Projekt erzählt in E-Mail-Wechseln von einem (scheiternden) Projektantrag bei der DFG - es soll darum gehen, wie mit dem weiblichen Orgasmus der Geist in die Materie fuhr. Es ist im Roman allerdings so, dass sich für diese Frage vornehmlich forschende Männer (Peer Sloterdijk, Guido Mösenlechzner, Kurt Silbe) zuständig fühlen; ihre weiblichen Konterparts (Beatrice Freygel, Desiree zur Lippe) berichten beispielsweise von sexueller Erweckung mittels Gangbang. Für Eva Geulen und Hanna Engelmeier der Anlass, ihrerseits einen E-Mail-Wechsel zu beginnen, genau einen Monat lang, vom 8. Oktober bis zum 8. November, dem Tag der Trump-Wahl. Sloterdijks Roman war, wie sich zeigte, mehr Anlass für ein digressives Duett - einen schriftlichen Dialog darüber, welche Assoziationen zum Roman wie weit tragen. So geht es nun unter anderem um Autobiografien von (emeritierten) Professoren, um Machtpositionen im akademischen Betrieb, um Heinz Strunk, die Buchmesse und den Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags bei der Frankfurter Buchmesse. Das Ganze war eine bei einer Zufallsbegegnung von Hanna Engelmeier und Eva Geulen spontan geborene Idee - da der Merkur (bzw. Ekkehard Knörer) dabei ebenfalls anwesend war, erscheint das Ergebnis nun hier, und zwar in drei Teilen. Den ersten Teil finden Sie hier, dies ist der zweite Teil. Der dritte ist hier. (mehr …)
  • Fools Rush In. Ein Besuch bei der Sokal-Affäre, anlässlich ihres 20. Geburtstags

    Die Geschichte geht so: Im Sommer 1996 reicht Alan Sokal einen Aufsatz bei dem Magazin Social Text ein, das zu dieser Zeit von einem Kollektiv um den Soziologen Andrew Ross und den Anglisten Bruce Robbins herausgegeben wird. Sokal ist Physikprofessor an der New York University und bis dahin ein höchstens Fachkollegen bekannter Autor. Sein Beitrag für Social Text besteht aus sechs Teilen, die sich auf vierzehn Seiten erstrecken, weitere 22 Seiten mit Anmerkungen folgen. Sokal beschreibt, wie seit den Forschungen von Werner Heisenberg und Niels Bohr die Schwierigkeiten objektiver Beobachtung von Realität als Thema in der theoretischen Physik etabliert wurden.
  • Weniger Strip, mehr Tease? Mailwechsel zu Sloterdijks „Schelling-Projekt“

    Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, ganz ohne Not, und auch nicht zum ersten Mal (siehe den Zauberbaum aus dem Jahr 1987, ein Auszug daraus war im übrigen sein letzter von zwei Auftritten im Merkur): Das Schelling-Projekt erzählt in E-Mail-Wechseln von einem (scheiternden) Projektantrag bei der DFG - es soll darum gehen, wie mit dem weiblichen Orgasmus der Geist in die Materie fuhr. Es ist im Roman allerdings so, dass sich für diese Frage vornehmlich forschende Männer (Peer Sloterdijk, Guido Mösenlechzner, Kurt Silbe) zuständig fühlen; ihre weiblichen Konterparts (Beatrice Freygel, Desiree zur Lippe) berichten beispielsweise von sexueller Erweckung mittels Gangbang. Für Eva Geulen und Hanna Engelmeier der Anlass, ihrerseits einen E-Mail-Wechsel zu beginnen, genau einen Monat lang, vom 8. Oktober bis zum 8. November, dem Tag der Trump-Wahl. Sloterdijks Roman war, wie sich zeigte, mehr Anlass für ein digressives Duett - einen schriftlichen Dialog darüber, welche Assoziationen zum Roman wie weit tragen. So geht es nun unter anderem um Autobiografien von (emeritierten) Professoren, um Machtpositionen im akademischen Betrieb, um Heinz Strunk, die Buchmesse und den Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags bei der Frankfurter Buchmesse. Das Ganze war eine bei einer Zufallsbegegnung von Hanna Engelmeier und Eva Geulen spontan geborene Idee - da der Merkur (bzw. Ekkehard Knörer) dabei ebenfalls anwesend war, erscheint das Ergebnis nun hier, und zwar in drei Teilen. Hier ist der erste Teil, er umfasst den Zeitraum vom 8. bis zum 20. Oktober. Den zweiten Teil können Sie hier lesen. Und den dritten jetzt hier (mehr …)
  • Brief aus Wien (IV). Im Schwimmbad

    Nachricht von Peter Praschl an Ekkehard Knörer: Sag Hanna, dass sie sich nicht über Wien lustig machen, sondern dass sie es verabscheuen soll. Kurzform einer Nachricht an Peter Praschl: Das will ich nicht. Nachricht von Peter Praschl: Du sollst es aber verachten, dieses Faschistennest. Der Austausch kommt zu einem guten Ende. Wir schicken Küsse von Berlin nach Wien und retour. Während am 22. Mai die Wahllokale öffnen, schwimme ich das erste Mal in diesem Jahr draußen, im Jörgerbad. Der Freibadbereich ist nur so groß wie ein etwas überdimensionierter Privatgarten, mitten zwischen die Altbauten geklatscht. Aus den Fenstern kann man vermutlich selbst von hoch oben noch die kleinsten Dinge erkennen. Alles ist schön und voller Hoffnung an diesem Morgen, die Sonne und die Vögel und die warme Luft und meine Schulter, die nicht mehr weh tut und das Knie, das nicht mehr zieht, und man könnte auch noch was über die Körpermitte sagen. (mehr …)
  • Brief aus Wien (III). Nina Simone im Zillertal

    Zum Prokrastinieren steht neben meinem Büro die Bibliothek des Forschungszentrums bereit, unter anderem lagern dort Stapel der New York Review of Books, darin las ich dieser Tage eine Rezension von Liz Garbus’ Film What happened Miss Simone, der wie die Rezension mit einem Ausschnitt aus einem Interview beginnt, das ein Reporter des öffentlichen Fernsehens New York 1968 mit Simone führte. Er fragt: „What’s ‚free’ to you?“ und sie antwortet unter anderem: „It’s just a feeling – it’s like how do you tell somebody how it feels to be in love – how do you tell anybody who’s not been in love what it’s like to be in love? You can not do it to save your life.“ Liebe ist eine Live-Veranstaltung, aber das gilt nicht umgekehrt, darum geht es hier. (mehr …)
  • Brief aus Wien (II). In der Kirche

    Emmanuel Carrère sitzt in einem Bergdorf im Wallis und guckt Internetpornos. In seinem Buch Das Reich Gottes beschreibt Carrère dann weiter, wie er ein Lesezeichen für ein Video anlegt, das er wahnsinnig heiß findet, weil die darin gezeigt Brünette, die sich selbst befriedigt, „sexuell gesehen die Quintessenz ‚meines [seines] Typs’“ ist. Ich dagegen lege ein Lesezeichen für eine Abbildung von Rogier van der Weydens Gemälde an, das zeigt, wie der heilige Lukas die Muttergottes malt. Es gibt zu dem Gemälde viel zu sagen, allerdings nicht von mir, ich bin bloß Fan dieses seltsamen Raums und der Brust der Madonna und der Aussicht durch das Seitenfenster und des zufrieden trinkenden Jesuskindes, ansonsten bin ich ahnungslos, es wurde zu dem Gemälde auch schon viel gesagt (so stellt sich die Forschung gerne die Frage, ob diese Madonna einer Person ähnelt, die wirklich gelebt hat). Unter anderem eben von Carrère, der das Bild mit seinen Pornografiestudien zur Quintessenz seines Typs in Zusammenhang bringt: (mehr …)
  • Brief aus Wien (I). Wiederholen, Durcharbeiten

    Die Aufgabe lautet: Ankunft im Wiener Musenkloster am 1. März, um 10 Uhr, Beziehen des Büros, abends Empfang, bis dahin erste Übungen in freier intellektueller Entfaltung. Ich richte Twitter und Online-Banking als Lesezeichen im Browser ein und formuliere eine Abwesenheitsnachricht für die Heim-Mailadresse: Forschungsaufenthalt, dauert länger, schönes Leben noch. Dann lese ich im Standard, der vor der Universität Wien regelmäßig kostenlos ausgeteilt wird, in der Hoffnung, dass Studierende, die eine Zeitung gratis nachgeschmissen kriegen, irgendwann zu zahlenden Abonnenten werden. Auf der ersten Seite wird berichtet, dass der „umstrittene Mediziner“ Marcus Franz (ÖVP) einem Ausschlussverfahren seiner Partei durch Austritt zuvorkommt. Er hatte öffentlich Vermutungen darüber angestellt, dass Angela Merkel deshalb so viele junge Flüchtlinge nach Deutschland einlasse, um die eigene Kinderlosigkeit auszugleichen. Ich habe Marcus Franz nun mit Bildersuche gegoogelt und möchte öffentlich Vermutungen darüber anstellen, dass er Mitglied im Fitness-Club John Harris am Schillerplatz ist, oder aber eine Vielzahl von Brüdern und Cousins hat, die ihm sehr ähnlich sind und dort die Zeit nach Feierabend verbringen. (mehr …)
  • 20:30h bis 21h, 22:15 bis 23h: Signiermöglichkeit. Zu Karl Ove Knausgård in den Berliner Festspielen

    Karl Ove Knausgård ist momentan der bekannteste Autor Norwegens. Das gilt in mindestens Norwegen, den USA und in Deutschland. Das ist einer der Gründe dafür, dass am vergangenen Freitag ungefähr 800 Leute in das Haus der Berliner Festspiele gekommen sind, um einen "Tag mit…Karl Ove Knausgård" zu verbringen, der von 19.30 bis ca. 0.30h dauerte, was eine interessante Verkürzung ist, aber Knausgårds autobiographische Min Kamp-Romanreihe, die hier gefeiert wurde, schildert ja auch nur ca. die ersten 40 Jahre seines Lebens, die dafür in großer Ausführlichkeit. Aufgeteilt war der Abend in einen Prolog, ein Gespräch mit dem Autor und eine Late Night mit Musik, dazwischen Signierstunde, Rotwein, Toilette, Zigarette (je nach Bedarf). An diesem Abend zeigte sich unter anderem, dass man offenbar bei einem monumentalen Unternehmen dichterischer Selbstbespiegelung vor allem viel Zeit braucht um zu zeigen, was daran so toll ist; die schiere Menge an Text, die Knausgård produziert hat, dürfte es nicht sein, auch andere Autoren (weniger: Autorinnen) schreiben 1000-seitige Bücher. Ein besonderes poetisches Verfahren ist es auch nicht, denn Knausgård beschäftige sich vor allem mit dem Problem der literarischen Epigonalität, wie Ijoma Mangold (Die Zeit) sagte, der im ersten Teil des Abends mit dem Knausgård-Übersetzer Paul Berf und dem Moderator Thomas Böhm einen "Prolog" führte. (mehr …)
  • Neues aus KOKanien

    Karl Ove Knausgård stellt eine Frage: „Welchen Sinn sollte es haben, ein mittelmäßiger Literaturwissenschaftler zu sein?“ Auf Seite 397 von Träumen befindet sich Knausgård mitten im Literaturstudium in Bergen. Er hat eine Klausur zu Dantes Göttlicher Komödie geschrieben und entdeckt auf dem Schwarzen Brett des Instituts, dass sie mit einer 2,4 benotet wurde. Da sich Knausgård selbst für alles andere als einen Zweierschüler (aber für einen Dante-Kenner) hält, beantwortet er die Frage selbst so: „Das war doch vollkommen sinnlos.“ Träumen ist der fünfte und vorletzte Band von Knausgårds autobiographischem Projekt Min Kamp, und diese Szene findet sich ungefähr in der Mitte des Buches, das anders als die vorangegangenen Teile nicht zwischen Knausgårds Kindheit und seinem Erwachsenenleben hin- und herspringt, sondern chronologisch dem Zeitpunkt entgegengeht, an dem Knausgård als Autor etabliert ist und Bergen verlässt. Die Erzählung gliedert sich in zwei Teile: Wir begleiten KOK an die Akademie für Schriftsteller, wo er sich durch ein Jahr mit wenig Anerkennung für seine Schreibversuche und viel Liebeskummer quält, aus dem ihn erst seine Freundin Gunvor erlöst, die Ponys und Waffeln, Bücher aber weniger mag. Ihr zuliebe verbringt er ein Jahr auf Island, duscht in schwefeligem Wasser, versucht weiter zu schreiben. Er kehrt zurück nach Bergen, schläft mit einer anderen Frau, studiert weiter Literaturwissenschaft, arbeitet in einer Einrichtung für psychische Kranke und beim Campusradio, lernt seine erste Ehefrau kennen, verbringt Zeit in England, hat langsam Erfolg mit seinen Texten, kämpft mit seinem Vater, bis dieser stirbt, und die Leserinnen und Leser an eine Stelle geraten, an der sie schon mal waren. Knausgårds Ehe ist am Ende, er nimmt den Nachtzug nach Oslo; es soll alles anders werden. Wir wissen: bald wird er seine neue Frau kennenlernen, nicht mehr lang, bis er sich noch einmal so sehr verliebt, dass ein erster Kuss direkt in die Ohnmacht führt: es geht weiter. Um an diesen Punkt zu kommen, brauchen wir mit Knausgård lange, über 2000 Seiten – aber was sind schon ein paar Monate, Jahre, was sind schon ein paar hundert Seiten, wenn es darum geht, Hoffnung zu haben. (mehr …)