• Selbsteinlieferung oder: Vorlass nach Marbach!

    Am 22. Mai 2017 twitterte @nouveaubeton ein Spiegel-Selfie, das ihn (René Weisel, Autor von Theaterstücken, Prosa, vor allem aber trollende Twitter-Persönlichkeit) in einem blauen Pullover mit Rundhalsausschnitt zeigt, aus dem der Kragen eines weißen Hemds hervorlugt. Das Foto wurde in einer Art Flur aufgenommen und mit dem Hinweis versehen: »Wer diesen Pullover findet, schicke ihn bitte ungewaschen nach Marbach.«

    Interessant an diesem Selfie ist zunächst die, wenn auch parodistische, Anerkennung der Institution »Marbach« – gemeint ist natürlich das Deutsche Literaturarchiv (DLA) – als maßgebliche Autorität dafür, ob ein Autor archivwürdig ist, sodann die Persiflage auf deren Zwecksetzung, also das Sammeln und Bewahren von allen möglichen Objekten, die im Zusammenhang mit einem wie immer gearteten literarischen Werk stehen, und schließlich die Frage nach der Selbstdokumentation von Autorinnen und Autoren, die hier im Format des Selfies stattfindet. Selfies finden viele Leute ebenso lächerlich wie die Information, ein Autor (und in der Tat handelt es sich fast ausschließlich um Männer, die bislang einzige Selbsteinlieferin ist Sybille Lewitscharoff) habe seinen Vorlass nach Marbach gegeben.

    Eine entscheidende Ähnlichkeit zwischen Selbsteinlieferung und Selfie liegt im Narzissmus-Vorwurf, mit dem sich sowohl Autorinnen und Autoren von Selfies als auch von Vorlässen auseinandersetzen müssen – das ist zumindest der Gegenstand der Persiflage. Dabei interessiert weniger, ob dieser Vorwurf verfängt (das Selfie normalisiert sich mittlerweile relativ unbehelligt von weiterer Kulturkritik in den Status eines Standardselbstporträts hinein – wenn es ihn nicht schon immer besaß),[2. Zumindest die Standardisierung von Selfie-Posen wird schon von Lev Manovich erforscht (http://selfiecity.net/#selfiexploratory).] als die medienhistorische Pointe, dass man schon Narziss als dem Namensgeber der neurotischen Selbstliebe zu Unrecht vorgeworfen hat, er sei durch das erotische Verhältnis zu sich selbst asozial oder gar todgeweiht. Tatsächlich liebt Narziss ja gar nicht so sehr sich selbst, sondern ein Gerät (um nicht zu sagen: ein Medium) – den Spiegel, zu dem ihm die Wasseroberfläche wird, in der er sich betrachtet.[3. Das hat Marshall McLuhan schon 1964 in Understanding Media (Die magischen Kanäle) so gesehen. Das Kapitel über »Narzißmus als Narkos« trägt den Obertitel »Verliebt in seine Apparate«. McLuhans Narziss entwickelt ein intimes Verhältnis zu seinen Geräten, das dem der Gottesverehrung nicht unähnlich ist und es so erträglich macht, dass Technologie uns selbst zu »Servomechanismen«, also gewissermaßen zu Dienern unser Medien macht. Den Hinweis auf McLuhans Narziss-Interpretation verdanke ich Christiane Lewe.] Wohlwollend betrachtet, könnte der Vorgang einer Selbsteinlieferung darauf hindeuten, dass die Abgabe des eigenen Vorlasses an ein Archiv weniger von der Liebe zur eigenen Person als der zu Arbeitsmaterialien zeugt, mit denen andere vielleicht mehr anfangen können als man selbst.

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  • Schreibszene Frankfurt 1987/2017

    Zu Beginn des Wintersemesters 2016/2017 finde ich im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt durch Zufall ein Buch. Literatur in Frankfurt. Ein Lexikon zum Lesen. Herausgegeben von Peter Hahn mit Fotos von Andreas Pohlmann, erschienen 1987 im athenäum Verlag, 692 Seiten. Von den 692 Seiten bestehen 600 aus Selbstvorstellungen von Autorinnen und Autoren, Büchermachern, Projektemacherinnen, Redakteurinnen usw. Neben den Portraits stehen jeweils eine kurze, selbstverfasste autobiographische Notiz und eine Auswahlbibliographie. Diese Literaturangabe regelt, wer dabei sein kann – im wesentlichen Leute über 30, das scheint auch damals schon die Grenze einer lexikonwerten bibliographischen Existenz zu sein. Aber oberhalb dieser Grenze sind alle dabei, 147 Personen sind „alle“. „Das Problem, wer als Autor zu gelten habe, wurde formal gelöst. Auch – weil es sich niemals anders lösen ließe.“ (S.11). Wer in Frankfurt schreibt (egal was), ist Autor. Auf die doppelseitige Selbstbeschreibung folgt stets ein zweiseitiger Text, Polemik, Lyrik, Essay oder Romanauszug: alles dabei. Nach den Portraits sind noch Aufsätze beigegeben, über die Frankfurter Verlagslandschaft, die Buchmesse, die Poetikvorlesung, den Adorno-Preis usw. Den Schluss des Buches bildet eine Sammlung von anonymen Zitaten von denjenigen, die nicht bereit waren, Teil des Buches zu werden, und ein Transkript eines Telefonats, das Peter Hahn mit Marcel Reich-Ranicki führte, dessen Abneigung gegen das Buch („das überflüssigste Buch“) ebenso groß war wie der Begehr, darin vertreten zu sein. (mehr …)
  • Zu den Pers. Akten „Luhmann“

    Die Akte liegt digital vor. Farbig eingescannte, teils angegilbte Seiten, die Schatten, die das Papier dabei erzeugt hat, kehren am Bildschirm als Pixelwellen wieder. Zuerst rauscht es. Dann, auf Seite 34 erscheint das Gesuchte, Luhmann, und dann auch gleich im Rahmen eines Zeugnisses. Luhmann wird bezeugt, in dem Fall und der Akte so:  „Herr Luhmann ist ein befähigter Jurist, ein schneller Denker und ein fleissiger Arbeiter. […] Dabei ist hervorzuheben, dass Herr Luhmann auch beim Vortrag umfangreicher Sachverhalte und in der Würdigung schwieriger Rechtsverhältnisse nicht am Konzept „klebt“. (mehr …)
  • Was ist die Literatur in „Digitale Literatur“?

    In diesem Sommer bot der Suhrkamp Verlag anlässlich des fünfzigsten Geburtstags von Uwe Johnsons Roman Jahrestage allen Interessierten an, ihnen täglich den historischen Jahrestag per E-Mail frei Haus zu liefern. Bei den eintreffenden Nachrichten aus dem Leben Gesine Cresspahls handelte es sich zwar um einen Text, der in digitaler Form vorlag, nicht aber um Digitale Literatur. Was keine Digitale Literatur ist, scheint also halbwegs gut auszumachen zu sein, was allerdings nicht daran liegt, dass es besonders leicht wäre zu sagen, was das Digitale oder die Literatur ist. Die Probleme nehmen Fahrt auf, wenn man feststellt, dass Digitale Literatur als Sammelbegriff für alle möglichen Textsorten fungiert, in denen ein oftmals einfacher Grundgedanke in ein Programm übersetzt wird, dessen Ausführung dann einen mehr oder weniger lesbaren Text ergibt. Dazu gehören alle möglichen Formen von Texten, die maschinell generiert wurden, die sich mechanisch andere Texte aneignen und deren Satz- und Wortelemente neu kombinieren, meistens mittels mehr oder weniger komplexer Scripte, die die Autoren selbst schreiben – das Schreiben der Texte, die sie hervorbringen, ist eine bestimmte Art computerisierter Textverarbeitung. Da die Schritte, die zu einem fertigen Text führen, nicht immer nachvollziehbar sind, werden sie bisweilen von Erläuterungen des künstlerischen Prozesses begleitet, so schreibt Gregor Weichbrodt in einer knappen Erläuterung zu seinem Buch Dictionary of non-notable artists: „Ich habe ein Python Script geschrieben, das den Inhalt jeder ‘Löschkandidaten‘-Seite der letzten Jahre herunterlädt, und habe die Ergebnisse nach künstlerischen Tätigkeiten geordnet.“ Das Buch widmete er den Künstlerinnen und Künstlern, deren Wikipedia-Seiten zur Löschung vorgeschlagen wurden, er selbst war einmal einer von ihnen. Digitale Literatur ist teils aber auch solche, die nicht in Büchern abgedruckt, auf Webseiten nachlesbar oder in anderen gebräuchlichen Formen angeboten wird, sondern beispielsweise über Bildschirme in Galerien läuft. Sofort entstehen neue Fragen: Kann man beispielsweise die Arbeit Truisms der Künstlerin Jenny Holzer, die schon 1977 mehr oder minder poetische Sätze über die Textticker des New Yorker Times Square laufen ließ, als Digitale Literatur bezeichnen? [2. Jill Walker Rettberg sagt ja: www.dichtung-digital.org/2012/41/walker-rettberg/walker-rettberg.htm] Falls ja, was gehört dann noch alles dazu? Welchen Bereich beobachtet man, wenn man sich mit einem Werk aus der Digitalen Literatur auseinandersetzt. Dass sich dieser Begriff trotz aller sofort auffallenden Probleme durchgesetzt hat, liegt vor allem daran, dass „das Digitale“ gerade ein unschlagbar starker Begriff oder sogar ein Epistem ist, also eine eigene Wissensordnung, die es erlaubt, alle möglichen Phänomene bei ihr einzusortieren. Bevor das aber geschehen kann, sollte man eingestehen, dass es aus diesem Grund erstens schicker ist, „Digitale Literatur“ zu sagen als beispielsweise „elektronische“ oder „generative“ Literatur (was beides auch irgendwie richtig wäre). [3. Ein weiterer möglicher Begriff wäre der der „Netzliteratur“ – die allerdings mittlerweile voll im Stadium ihrer (Selbst)Historisierung angekommen ist, vgl. beispielsweise die Arbeiten von Peter Gendolla.] Gleichzeitig wird dieses Epistem dadurch zweitens recht schwammig, was immer ein Vorteil ist, wenn man drittens Versprechen hinsichtlich eines möglichen Erkenntnisgewinns machen möchte. Das weist dann direkt auch darauf hin, für welchen Leserkreis die Digitale Literatur besonders attraktiv ist: nämlich den der Literaturwissenschaft, die große Freude an der Literarizität, Poetizität und vor allem Medialität der Digitalen Literatur hat. [4. Das klingt ungefähr so: „Die alte Frage nach der Poetizität drängt sich durch die nivellierende technologische Begriffsbildung wieder auf. Erst kunstspezifische Semantisierung führt hier also weiter.“ Friedrich W. Block, Webseite. Zum Ort digitaler Literatur im Netz der Literatur. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.), Digitale Literatur. München: Edition Text und Kritik 2001.] Da all dies in der Digitalen Literatur reichlich vorhanden zu sein scheint, hat die Literaturwissenschaft in ihr eine Literatur gefunden, die den Anforderungen einer Gegenwartsliteratur als Dichtung (Literatur mit großem L, sozusagen) in besonderem Maße entspricht: Es besteht die Hoffnung, in der Digitalen Literatur heute schon die Texte zu finden, die morgen einer dann klassisch gewordenen Avantgarde zugeschrieben werden können. [5. Dass diese Klassizität nicht zuletzt daher rührt, dass als zentrale Referenzpunkte der Digitalen Literatur ein „Satz früh kanonisierter Werke [dienen], die wieder und wieder herangezogen werden“. Vgl. Hannes Bajohr, Schreibenlassen. Gegenwartsliteratur und die Furcht vorm Digitalen (0x0a.li/de/schreibenlassen-gegenwartsliteratur-und-die-furcht-vorm-digitalen/).] Klassisch sind auch die (lesen ...)
  • Weniger Strip, mehr Tease? (Teil 3)

    Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, ganz ohne Not, und auch nicht zum ersten Mal (siehe den Zauberbaum aus dem Jahr 1987, ein Auszug daraus war im übrigen sein letzter von zwei Auftritten im Merkur): Das Schelling-Projekt erzählt in E-Mail-Wechseln von einem (scheiternden) Projektantrag bei der DFG - es soll darum gehen, wie mit dem weiblichen Orgasmus der Geist in die Materie fuhr. Es ist im Roman allerdings so, dass sich für diese Frage vornehmlich forschende Männer (Peer Sloterdijk, Guido Mösenlechzner, Kurt Silbe) zuständig fühlen; ihre weiblichen Konterparts (Beatrice Freygel, Desiree zur Lippe) berichten beispielsweise von sexueller Erweckung mittels Gangbang. Für Eva Geulen und Hanna Engelmeier der Anlass, ihrerseits einen E-Mail-Wechsel zu beginnen, genau einen Monat lang, vom 8. Oktober bis zum 8. November, dem Tag der Trump-Wahl. Sloterdijks Roman war, wie sich zeigte, mehr Anlass für ein digressives Duett - einen schriftlichen Dialog darüber, welche Assoziationen zum Roman wie weit tragen. So geht es nun unter anderem um Autobiografien von (emeritierten) Professoren, um Machtpositionen im akademischen Betrieb, um Heinz Strunk, die Buchmesse und den Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags bei der Frankfurter Buchmesse. Das Ganze war eine bei einer Zufallsbegegnung von Hanna Engelmeier und Eva Geulen spontan geborene Idee - da der Merkur (bzw. Ekkehard Knörer) dabei ebenfalls anwesend war, erscheint das Ergebnis nun hier, und zwar in drei Teilen. Dies ist der dritte Teil, den ersten Teil finden Sie hier, den zweiten hier. (mehr …)
  • Weniger Strip, mehr Tease? (Teil 2)

    Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, ganz ohne Not, und auch nicht zum ersten Mal (siehe den Zauberbaum aus dem Jahr 1987, ein Auszug daraus war im übrigen sein letzter von zwei Auftritten im Merkur): Das Schelling-Projekt erzählt in E-Mail-Wechseln von einem (scheiternden) Projektantrag bei der DFG - es soll darum gehen, wie mit dem weiblichen Orgasmus der Geist in die Materie fuhr. Es ist im Roman allerdings so, dass sich für diese Frage vornehmlich forschende Männer (Peer Sloterdijk, Guido Mösenlechzner, Kurt Silbe) zuständig fühlen; ihre weiblichen Konterparts (Beatrice Freygel, Desiree zur Lippe) berichten beispielsweise von sexueller Erweckung mittels Gangbang. Für Eva Geulen und Hanna Engelmeier der Anlass, ihrerseits einen E-Mail-Wechsel zu beginnen, genau einen Monat lang, vom 8. Oktober bis zum 8. November, dem Tag der Trump-Wahl. Sloterdijks Roman war, wie sich zeigte, mehr Anlass für ein digressives Duett - einen schriftlichen Dialog darüber, welche Assoziationen zum Roman wie weit tragen. So geht es nun unter anderem um Autobiografien von (emeritierten) Professoren, um Machtpositionen im akademischen Betrieb, um Heinz Strunk, die Buchmesse und den Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags bei der Frankfurter Buchmesse. Das Ganze war eine bei einer Zufallsbegegnung von Hanna Engelmeier und Eva Geulen spontan geborene Idee - da der Merkur (bzw. Ekkehard Knörer) dabei ebenfalls anwesend war, erscheint das Ergebnis nun hier, und zwar in drei Teilen. Den ersten Teil finden Sie hier, dies ist der zweite Teil. Der dritte ist hier. (mehr …)
  • Fools Rush In. Ein Besuch bei der Sokal-Affäre, anlässlich ihres 20. Geburtstags

    Die Geschichte geht so: Im Sommer 1996 reicht Alan Sokal einen Aufsatz bei dem Magazin Social Text ein, das zu dieser Zeit von einem Kollektiv um den Soziologen Andrew Ross und den Anglisten Bruce Robbins herausgegeben wird. Sokal ist Physikprofessor an der New York University und bis dahin ein höchstens Fachkollegen bekannter Autor. Sein Beitrag für Social Text besteht aus sechs Teilen, die sich auf vierzehn Seiten erstrecken, weitere 22 Seiten mit Anmerkungen folgen. Sokal beschreibt, wie seit den Forschungen von Werner Heisenberg und Niels Bohr die Schwierigkeiten objektiver Beobachtung von Realität als Thema in der theoretischen Physik etabliert wurden.
  • Weniger Strip, mehr Tease? Mailwechsel zu Sloterdijks „Schelling-Projekt“

    Peter Sloterdijk hat einen Roman geschrieben, ganz ohne Not, und auch nicht zum ersten Mal (siehe den Zauberbaum aus dem Jahr 1987, ein Auszug daraus war im übrigen sein letzter von zwei Auftritten im Merkur): Das Schelling-Projekt erzählt in E-Mail-Wechseln von einem (scheiternden) Projektantrag bei der DFG - es soll darum gehen, wie mit dem weiblichen Orgasmus der Geist in die Materie fuhr. Es ist im Roman allerdings so, dass sich für diese Frage vornehmlich forschende Männer (Peer Sloterdijk, Guido Mösenlechzner, Kurt Silbe) zuständig fühlen; ihre weiblichen Konterparts (Beatrice Freygel, Desiree zur Lippe) berichten beispielsweise von sexueller Erweckung mittels Gangbang. Für Eva Geulen und Hanna Engelmeier der Anlass, ihrerseits einen E-Mail-Wechsel zu beginnen, genau einen Monat lang, vom 8. Oktober bis zum 8. November, dem Tag der Trump-Wahl. Sloterdijks Roman war, wie sich zeigte, mehr Anlass für ein digressives Duett - einen schriftlichen Dialog darüber, welche Assoziationen zum Roman wie weit tragen. So geht es nun unter anderem um Autobiografien von (emeritierten) Professoren, um Machtpositionen im akademischen Betrieb, um Heinz Strunk, die Buchmesse und den Kritiker-Empfang des Suhrkamp Verlags bei der Frankfurter Buchmesse. Das Ganze war eine bei einer Zufallsbegegnung von Hanna Engelmeier und Eva Geulen spontan geborene Idee - da der Merkur (bzw. Ekkehard Knörer) dabei ebenfalls anwesend war, erscheint das Ergebnis nun hier, und zwar in drei Teilen. Hier ist der erste Teil, er umfasst den Zeitraum vom 8. bis zum 20. Oktober. Den zweiten Teil können Sie hier lesen. Und den dritten jetzt hier (mehr …)
  • Brief aus Wien (IV). Im Schwimmbad

    Nachricht von Peter Praschl an Ekkehard Knörer: Sag Hanna, dass sie sich nicht über Wien lustig machen, sondern dass sie es verabscheuen soll. Kurzform einer Nachricht an Peter Praschl: Das will ich nicht. Nachricht von Peter Praschl: Du sollst es aber verachten, dieses Faschistennest. Der Austausch kommt zu einem guten Ende. Wir schicken Küsse von Berlin nach Wien und retour. Während am 22. Mai die Wahllokale öffnen, schwimme ich das erste Mal in diesem Jahr draußen, im Jörgerbad. Der Freibadbereich ist nur so groß wie ein etwas überdimensionierter Privatgarten, mitten zwischen die Altbauten geklatscht. Aus den Fenstern kann man vermutlich selbst von hoch oben noch die kleinsten Dinge erkennen. Alles ist schön und voller Hoffnung an diesem Morgen, die Sonne und die Vögel und die warme Luft und meine Schulter, die nicht mehr weh tut und das Knie, das nicht mehr zieht, und man könnte auch noch was über die Körpermitte sagen. (mehr …)
  • Brief aus Wien (III). Nina Simone im Zillertal

    Zum Prokrastinieren steht neben meinem Büro die Bibliothek des Forschungszentrums bereit, unter anderem lagern dort Stapel der New York Review of Books, darin las ich dieser Tage eine Rezension von Liz Garbus’ Film What happened Miss Simone, der wie die Rezension mit einem Ausschnitt aus einem Interview beginnt, das ein Reporter des öffentlichen Fernsehens New York 1968 mit Simone führte. Er fragt: „What’s ‚free’ to you?“ und sie antwortet unter anderem: „It’s just a feeling – it’s like how do you tell somebody how it feels to be in love – how do you tell anybody who’s not been in love what it’s like to be in love? You can not do it to save your life.“ Liebe ist eine Live-Veranstaltung, aber das gilt nicht umgekehrt, darum geht es hier. (mehr …)