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Artikel der Kategorie: Blog

  • Merkur im August

    China heute, ein Schwerpunkt: Da geht es um das Wachstum der Städte, wie es der Sinologe und Globalhistoriker Dominic Sachsenmaier beschreibt. China heute ist aber auch ein riesiges Land, in dessen Grenzregionen politische Mischlagen entstehen - eine solche beschreibt der Ethnologe Hans Steinmüller aus eigener Anschauung. Er ist viel im von einer Rebellenarmee regierten Wa-Staat unterwegs, der zu Burma gehört, aber unter massivem Einfluss Chinas steht. Durch seine Bevölkerungspolitik hat China in den letzten Jahrzehnten einen enormen Umbruch erlebt, der sich in der Zukunft stark auswirken wird: Als Zeugin einer dank Ein-Kind-Politik alternden Gesellschaft porträtiert Alec Ash eine junge Frau namens Ash. Und Sheng Yun, auch ein Einzelkind und Redakteurin bei der Shanghai Review of Books, schildert ihr Aufwachsen in einer erinnerungspolitisch zerklüfteten, ja verminten Landschaft. "Fernmoral", das ist der Appell, beim Handeln im persönlichen Bereich die Welt als Ganze mitzubedenken: David Kuchenbuch schildert aus eigener Erfahrung die Geschichte des sich seit den siebziger Jahren verbreitenden Phänomens. (Der Text ist online frei lesbar.) In ihrer Rechtskolumne zeigt Gertrude Lübbe-Wolff für die Geheimniskrämerei bei den TTIP- und CETA-Verhandlungen wenig Verständnis. (Der Text ist gratis als pdf abrufbar.) Christian Demand behandelt in seiner Memorialkolumne Denkmalfragen: vom NS-Erbe bis zu ersten Krim-Monumenten. Zwei Autoren und eine untergehende Welt: Jakob Hessing liest den Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Joseph Roth. Mit einem Gedicht der kanadischen Lyrikerin Erín Moure, das Uljana Wolf übersetzt hat und mit einem Essay begleitet, eröffnen wir eine Reihe mit zeitgenössischer Dichtung, für die wir mit der von Daniel Graf konzipierten Veranstaltungsserie »inter_poems« kooperieren. Parlamente sind nicht zum Reden da, sondern zum Entscheiden, argumentiert Philip Manow seinerseits sehr entschieden. Harry Walter befasst sich mit einem Foto, das eine Schrankwand zeigt und über das er einiges eruiert hat. Die einzelnen Artikel und das ganze Heft in digitalen Formaten können Sie auf unserer Volltextarchivseite anlesen und kaufen, die Printausgabe gibt es versandkostenfrei hier. Eine schön handliche Übersicht über die Aboformen finden Sie wiederum hier.
  • Klagenfurt, Tag 3, 4: Durch sein, fertig werden

    Dass es Sharon Dodua Otoo ist, die Bachmannpreisplastik und -geld mitnehmen darf, das ist ein gutes Staffelfinale! Dass nach drei Tagen Zuhören, Mitdenken, Diskutieren sich wenigstens für die Gewinner*innen wirklich etwas tut, vielleicht, das ist am wenigsten schlimm. Also an dieser Stelle jetzt kein Sinn-Narrativ aufmachen und erklären, für wen oder was Otoo gewonnen hat oder was ihr Sieg repräsentiert. Sie hat jetzt hoffentlich ein, zwei Möglichkeiten mehr, zu machen, was sie will. (mehr …)
  • Klagenfurt, Tag 2: Simulieren

    Ihr wusstet es alle besser, ihr wusstet es längst durch jahrelanges Livestream-Training. Ja. Und wir wollten ja *wirklich* nicht kritische Kritik performen, aber jetzt wollen wir *wirklich* wissen, was hier los ist! Wie machst du das, Klagenfurt, du gut, so gut "klappender" Text, dass hier wirklich nichts passiert? Dass du dich so verschließt, dass ich dich gern anschaue, aber dann will ich mit dir reden und dann merk ich, Zukunft, oder auch nur Gegenwart, also unser Nebeneinandersein, das ist einfach gar keine Kategorie für dich. (mehr …)
  • Klagenfurt, Tag 1: Rausgehen

    Rausgehen. Nach Klagenfurt fahren. Ein fiebriges Kind bei den anderen zuständigen Sorgearbeiter*innen lassen oder eher: in Form von schlechtem Gewissen mitnehmen. Beim nächtlichen Vier-Stunden-Aufenthalt in Salzburg wieder merken, dass es auch Zugfahrten jenseits der Strecke München-Berlin gibt, dass es also Kilometer gibt, obwohl es zum selben historischen Zeitpunkt auch Internet gibt. So sind wir hierher gekommen, das ist das schwache Wir, das hier postet. "Am Rande der Erschöpfung weiter", so ist Reinhard Baumgarts Klagenfurt-Bericht für den Merkur von 1980 überschrieben. (mehr …)
  • Nur unter einer Bedingung: Das bedingungslose Grundeinkommen

    Wer Daniel Häni kennt, weiß, dass er in den besten Momenten von der Idee erstrahlt, die ihn seit Jahren umtreibt: Das bedingungslose Grundeinkommen verkörpert für den Unternehmer aus Basel die Vision einer modernen Volkswirtschaft, in der technologische Entwicklung, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prosperität mit der freien Entfaltung aller Einzelnen versöhnt sind. Was sich für manche nach einer Neuauflage alter sozialistischer Forderungen nach mehr Teilhabe mit dem Schreckgespenst staatlich verordneter Umverteilung anhören muss, versteht sich selbst allerdings als ein Konzept wirtschaftlicher Förderung: Die Schweiz soll sich mit Hilfe des BGE als unabhängiger, moderner Standort im 21. Jahrhundert behaupten. (mehr …)
  • „Out of the Bars“ – San Francisco am 12. Juni 2016

    Die Ecke Castro Street und Market Street ist die wohl schwulste Ecke der USA. Hier, am Fuß der Twin Peaks in San Francisco, weht weithin sichtbar eine riesige Regenbogenfahne. Einen Block weiter lag früher der Fotoladen, den einmal Harvey Milk betrieb, bevor er als erster schwuler Mann zum Stadtverwalter San Franciscos gewählt wurde. Wenn man die Market Street herunter sieht, die im Juni für San Francisco Pride ebenfalls festlich mit Regenbogenfahnen beflaggt ist, fällt der Blick auf die goldene Kuppel der City Hall, wo Milk und Bürgermeister George Moscone im November 1978 erschossen wurden. (mehr …)
  • Merkur-Gespräche 5: Wohnen in der Stadt

    Über Jahrzehnte galt als ausgemacht, dass gut geplante Städte aus funktional getrennten Sphären zu bestehen hätten: Für Wohnen, Arbeit und Konsum waren deshalb unterschiedliche Standorte vorgesehen, und die zentrale städtebauliche Herausforderung lag darin, diese Standorte verkehrstechnisch zu vernetzen. Dieses urbanistische Paradigma, das den Wohn- und Siedlungsbau an die Peripherie verschob, gilt allgemein als überholt. Seit gut zehn Jahren sind die Innenstädte vieler deutscher Metropolen zunehmend wieder als Wohnraum gefragt, zugleich steigen die Einwohnerzahlen in Berlin, München, Frankfurt a.M. oder auch Stuttgart weit über das Maß hinaus, das der bestehende Wohnungsmarkt aufnehmen kann. (mehr …)
  • Albrecht Buschmann zu Hannelore Schlaffers Jauß-Essay

    "Hannelore Schlaffers Erinnerung an Jauß ist also auf lehrreiche Weise wahr und verkehrt, erhellend und verstellend, nicht nur im Hinblick auf die Figur des Wissenschaftlers, sondern auch auf die Frage, wie Wissenschaft funktioniert und was die heutige Bundesrepublik ausmacht." Schreibt Albrecht Buschmann im Tagesspiegel - in einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Fall Hans Robert Jauß. Schlaffers "Kleine Apologie" ist im Juniheft erschienen - und hier (für zwei Euro) auch als PDF lesbar.
  • Wale und Wolken, Gott und Google

    „Wir können niemals scheiden, was Wetter und was Götter sind.“ Mit diesem Satz Friedrich Kittlers markiert John Durham Peters in The Marvelous Clouds die Horizonte, vor denen dieses Buch das Drama der Medienwissenschaft im 21. Jahrhundert aufzieht. Dass die Natur und das Göttliche zusammenfallen, dieser Gedanke ist der antiken Vorstellungswelt entlehnt. Sie sind das, von dem Menschen nur dann etwas wissen können, wenn sie es sichtbar machen und dem sie ansonsten hilflos ausgeliefert sind. Um aus Göttern und Wetter mehr zu machen als bloßes Geschehen, braucht es Medien. Götter sprechen durch brennende Dornbüsche, Orakel und heilige Schriften; das Wetter im Gemessenen und Beobachteten, in Wolkenformationen, Luftdruck und -feuchtigkeit. (mehr …)
  • Das komplexere Spiel

    Bei der jüngsten Rugby-Weltmeisterschaft in Großbritannien, im Herbst 2015, auf dem Rasen des St James Park, dem Heimstadion des Fußballvereins Newcastle United, hat sich der Schiedsrichter Nigel Owens, einer der angesehensten Referees weltweit, über einen Spieler der schottischen Nationalmannschaft lustig gemacht. Der Star im Team, der wohl beste Spieler des Turniers auf seiner Position, der 15 (full back auf Englisch, arrière auf Französisch), musste sich anhören, wie ihn der walisische Unparteiische wegen unsportlichen Verhaltens schalt: „There was nothing wrong with the tackle. If you want to dive like that again, come back here in two weeks and play, not today. Watch it.“ Alle TV-Zuschauer bekamen mit, wie Hoggs Schwalben-Versuch von Owens als Fußballer-Unart bespöttelt wurde – zwei Wochen nach dem Spiel sollte im St James Park der normale Ligabetrieb wiederaufgenommen werden – und lachten mit. Denn beim Rugby hört man zu Hause vor seinem Fernseher so ziemlich alles mit, was der Schiri auf dem Platz sagt. (mehr …)