Kategorie: Blog

Artikel der Kategorie: Blog

  • Verleihung des Merkur-Preises an Nora Weinelt und Benedikt Wintgens

    Wir laden ein zur Verleihung des  Merkur-Preises der Ernst H. Klett Stiftung Merkur für Dissertationen am Freitag, den 24.6., um 19 Uhr. Es gibt im Anschluss einen kleinen Empfang. Der Ort der Veranstaltung: die Redaktion des Merkur in der Mommsenstraße 27 in Berlin-Charlottenburg (S-Bahn Charlottenburg). Der Eintritt ist frei, da wir aus Corona-Gründen die Zahl der Gäste begrenzen, ist eine informelle Anmeldung (Mail an: redaktion@merkur-zeitschrift.de) erforderlich. (mehr …)
  • Video: Philip Manow über Carl Schmitt | Zweite Lesung

    Der Politikwissenschaftler Philip Manow nimmt sich noch einmal Carl Schmitts Essay „Die Einheit der Welt“ vor, der 1952 im Merkur erschienen ist. Ein Text, der in der Reihe „Zweite Lesung“ schon einmal besprochen wurde, damals mit Danilo Scholz, zu dem es aber noch einiges zu sagen gibt. (mehr …)
  • „Zeitenwende“ und Wissenschaftspolitik

    In der Semantik der Gegenwart ist in der letzten Zeit die Konjunktur zweier Begriffe beobachtbar, die im Zentrum der folgenden Überlegungen stehen sollen: Zerknirschung und Zeitenwende. Beide Begriffe beschreiben die Hoffnung auf Wandel, und, wie im Falle von Zeitenwende, die Hoffnung auf andere Zeiten, die erst einmal nur anders sind. Neben diesen eher auf Zukunft ausgerichteten Bedeutungselementen reflektieren beide Terme den Bruch mit der Vergangenheit. Im Falle der Zerknirschung wird die Vergangenheit als fehlerhaft, geradezu als sündhaft empfunden, im Falle der Zeitenwende wird der Augenblick, ein Moment intensivster Gegenwart, zum Bruch mit der Vergangenheit und zum Aufbruch in eine andere Zukunft. Beide Begriffe beschreiben unserer Lage, sie verändern aber die wissenschaftspolitische und wissenschaftsdiplomatische Tektonik. (mehr …)
  • Video: Erika Thomalla über Dirk Baecker | Zweite Lesung

    Die Literaturwissenschaftlerin Erika Thomalla empfiehlt Dirk Baeckers Essay „Ernste Kommunikation“ zur Zweiten Lesung. 1997 im Merkur veröffentlicht, markiert der Text einen Höhepunkt der postmodernen Ironiediskussion sowie der Konkurrenz zwischen Systemtheorie und Dekonstruktion. (mehr …)
  • Deutschland, die Ukraine, Russland und das Erbe des deutschen Kolonialismus in Osteuropa

    Seit dem russischen Totalangriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 ließ sich in Deutschland eine politische und gesellschaftliche Umkehr beobachten: die Bundesregierung beschloss umfassende Sanktionen gegen Russland und stimmte für die Lieferung von Defensivwaffen an die Ukraine und wurde dabei mehrheitlich von der Öffentlichkeit unterstützt. Darin liegt zugleich eine Erkenntnis, die Deutschland ein Armutszeugnis ausstellt: es hat die Ermordung ukrainischer Zivilistinnen und Zivilisten, Bomben auf eine europäische Hauptstadt und den heldenhaften Widerstand der Ukrainerinnen und Ukrainer gebraucht, damit wir die Ukraine als „echte“ Nation anerkennen, die unsere Unterstützung verdient. (mehr …)
  • Göttinger Dämmerung

    The Georg-August University, Göttingen is in a mess. That mess currently centers on the Forum Wissen. This is the new university museum scheduled to open at the end of May. As Der Spiegel has put it, the Forum Wissen took off as a Concorde and will land as a Cessna. Why? The fuss over the Forum Wissen is just part of a far larger problem at the university. How? And why should readers be concerned? (mehr …)

  • Video: Bodo Mrozek über Reinhart Koselleck | Zweite Lesung

    In der Reihe Zweite Lesung empfiehlt Bodo Mrozek Reinhart Kosellecks „Vom Sinn und Unsinn der Geschichte“ aus dem Jahr 1997. Ein weit ausgreifender Essay, der, von der Schlacht von Stalingrad ausgehend, Fragen nach dem Sinn, der Sinngebung und dem Singular der Geschichte stellt. (mehr …)
  • Evil Empire

    .. „Ein Mensch mit klarem Verstand wäre niemals zu solch einer Tat in der Lage: Ein Haus in die Luft zu sprengen, in dem Menschen wohnen, vollkommen unschuldige Menschen, mitten in der Nacht, das geht mir nicht in den Kopf, es ist unfassbar. Es ist eine unmenschliche Grausamkeit, und es muss allen klar sein, dass wir uns zur Wehr setzen müssen. Dagegen kann man sich nur mit Gewalt zur Wehr setzen. Anders können wir weder den Staat noch die Bürger schützen.“

    (mehr …)

  • Holocaust-Gedenken in Kyiv: Im Fokus hybrider Kriegsstrategien? Topographie des komplexen Erinnerungsdiskurses um Babyn Jar

    Dieser Text wurde kurz vor Beginn des brutalen Angriffskrieges Russlands in der Ukraine am 24. Februar verfasst. Am Dienstag, 1. März, wurde der Kyiver Fernsehturm, 1973 in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte Babyn Jar errichtet, Ziel eines Raketenangriffs. Auch wenn der Erinnerungsort wohl nicht direkt getroffen wurde, wird diese Episode der ruchlosen Kriegsführung Russlands von Kommentatorinnen und Kommentatoren als symbolischer Gewaltakt scharf verurteilt. Putins sogenannte "Entnazifizierungs"-Maßnahmen zielen ausgerechnet auf ein im Zentrum des Erinnerungskrieges stehendes Mahnmal: das Holocaust-Symbol Babyn Jar. Der ukrainische Präsident Selenskyj fragte am Abend des Angriffs in einem Tweet: "Wofür 'Nie wieder' 80 Jahre lang wiederholen, wenn die Welt, wenn eine Bombe auf Babyn Jar fällt, schweigt? 5 weitere Leben sind verloren. Die Geschichte wiederholt sich…”  (mehr …)
  • „Das Buch heißt Männerphantasien und es ruft ja geradezu danach, dass eine Frau darüber schreibt.“

    .Gespräch mit Gisela Stelly Augstein über Klaus Theweleits Männerphantasien .

    Philipp Goll: Sie haben 1977 die erste Rezension über Männerphantasien von Klaus Theweleit in der Wochenzeitung Die Zeit geschrieben. Bis heute wird aber immer nur die Rezension Ihres Mannes Rudolf Augstein aus dem Spiegel zitiert. Ich habe in meinen Nachforschungen zur Rezeptionsgeschichte von Männerphantasien gehört, Sie hätten Ihren Mann überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht. Es heißt, Sie hätten das Buch von dem ehemaligen Zeit- und konkret-Journalisten, Musikproduzenten und damaligen Herausgeber der Zeitschrift Die Republik Uwe Nettelbeck bekommen und dann auf den Nachttisch Ihres Mannes gelegt. Und nur so sei es zu der achtseitigen Besprechung des Buchs im Spiegel gekommen, in der das Buch als „die vielleicht aufregendste deutschsprachige Publikation dieses Jahres“ bezeichnet wird, und die zum Kultstatus von Männerphantasien sicherlich beitrug. Ist da was dran? Gisela Stelly Augstein: Diese Geschichte würde ich differenzierter erzählen. G: Wie denn? S: Also, wir waren wieder einmal bei einem unserer Freundschaftsabende bei den Nettelbecks, bei Petra und Uwe Nettelbeck in Luhmühlen. Und da hat Uwe dem Rudolf Männerphantasien sozusagen in die Hand gedrückt. Sicherlich gab Uwe Rudolf das Buch mit der Idee, dass es im Spiegel besprochen wird. Und sicher auch mit der Idee, dass Rudolf es bespricht. G: Dann geht diese seitenlange Rezension Rudolf Augsteins im Spiegel also auf Uwe Nettelbeck zurück? S: Es war so, dass Rudolf sich das Buch gar nicht angeschaut hat, das lag einfach so rum. Ich habe es immer aus dem Augenwinkel auf seinem Nachttisch liegen sehen. Er wollte sich das wohl irgendwann mal angucken. Aber es passierte nichts. Und dann habe ich es mir genommen. G: Und dann? S: Ich habe darin rumgeblättert und gedacht, oh Gott!, das ist ja genau das, was mich seit Jahren bewegt, nämlich die Frage, wie ist die Gewalt des Faschismus zu erklären, die für mich so undurchschaubar schien, weil das Thema immer auf einer Politikerebene behandelt wurde, so wie das eben Joachim Fest oder so Leute gemacht haben. Theweleit analysiert ja die Literatur der Freikorpssoldaten der 1920er Jahre sowie Texte und Bilder auch aus dem Nationalsozialismus und entwirft eine Art Kulturgeschichte männlicher Gewalt. Überhaupt die Bilder in Männerphantasien. Das war herausragend! Mir fiel sofort ins Auge, dass das etwas ganz anderes war, als man so kannte als Buch damals. Theweleit hat mit dem Buch tatsächlich etwas Verborgenes sichtbar gemacht. G: Wie meinen Sie das? S: Mir ist es beim Lesen so gegangen, dass ich einerseits viel über Männer, vor allem eben über die Gewaltphantasien der Männer gelernt habe. Es leuchteten bei der Lektüre dann hinter diesen Männern aber plötzlich Frauen auf. Das war ungewöhnlich für mich. Diese Präsenz der Frau war mir zu dem Zeitpunkt damals überhaupt nicht bewusst. Ich habe das beim Lesen als eine Art Überblendung erfahren. Ich habe Theweleits Schreiben zwar nicht unbedingt als filmisch empfunden, aber bei mir als Leserin ergab sich dieser Effekt, dass hinter der männlichen Schöpfung das verdrängte ausgeschlossene Weibliche zum Vorschein kam. G: Ah ja. Und dann haben Sie der Zeit vor lauter Begeisterung eine Rezension angeboten? S: Ich habe das Buch gar nicht erst ganz durchgelesen, sondern bin sofort zum Telefon und habe Rolf Michaelis von der Zeit angerufen. Ich habe ihm gesagt, da gibt es ein Buch, Männerphantasien, das würde ich sehr gern besprechen. Michaelis sagte daraufhin, dass er das ja auch eine ganz gute Idee findet, wenn ich es besprechen würde, es tut ihm aber wahnsinnig leid, denn es ist schon an den Bazon Brock vergeben. Dann habe ich gesagt, ja, gut, aber das Buch heißt doch Männerphantasien und es ruft ja geradezu danach, dass eine Frau darüber schreibt. Und dann hat er gesagt, hm, ja, da hätte ich eigentlich nicht ganz Unrecht. Dann könnten wir es doch so machen, dass in derselben Ausgabe Bazon Brock als Mann und ich als Frau schreiben. G: Und darauf sind die dann eingegangen? S: Ja, obwohl ich ganz, ganz wenig Zeit hatte. Der Text von Brock war schon im Umbruch, und ich musste mich unheimlich beeilen. Ich habe das Buch dann in Windeseile durchgelesen und in einer einzigen Nacht den Text geschrieben, und als ich dann morgens ins Bett wollte, stand mein Mann Rudolf gerade auf, und ich habe ihn gefragt, ob er sich den Text mal anschauen kann. Wenn man die Nacht durchschreibt, kann man das ja nicht mehr so richtig beurteilen. Er las dann den Text und ich habe mich nochmal hingelegt. G: Und, was hat er gesagt? S: Er weckte mich dann nach zwei, drei (lesen ...)