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Artikel der Kategorie: Blog

  • Video: Catherine Davies im Gespräch über Zbigniew Herbert | Zweite Lesung

    Catherine Davies empfiehlt zur zweiten Lesung "Der Tulpen bitterer Duft" von Zbigniew Herbert. Der Essay, 1980 im Merkur erschienen, beschreibt die Tulpenmanie und den anschließenden Börsencrash in den Niederlanden des 16. Jahrhunderts als spannend zu lesende Parabel, die ihre Moral bewusst in der Schwebe lässt. (mehr …)
  • „Den Debilen markieren … und dann vielleicht klammheimlich schreiben“. Ein Porträt des Arbeiters und Schriftstellers Wolfgang Hilbig

    .."Kann man Vom Nachteil, geboren zu sein schreiben und nachher einen Literaturpreis dafür annehmen?“ E. Cioran

    Nur vierzehn Gedichte und eine nach Zensureingriffen genehmigte Anthologie durfte der 1941 im thüringischen Meuselwitz geborene Schriftsteller Wolfgang Hilbig in seiner Heimat, der DDR, veröffentlichen. Sein erstes Buch, ein Gedichtband, erschien 1979 in Westdeutschland. Die Emigration dorthin gelang ihm 1985. Da hatte er bereits den für ihn verhängnisvollen Ruf, ein DDR-Autor und Arbeiterdichter zu sein, den er sein Leben lang nicht mehr loswerden sollte. Er selbst zog die Bezeichnung „Arbeiter und Schriftsteller“ vor, denn er war der Meinung, dass sie sein „Doppelleben“ angemessener repräsentierte. Aber das interessierte die west-, dann die gesamtdeutschen Literaturkritiker sowie die preise- und stipendienvergebenden Stellen in der BRD und nach der Wiedervereinigung nicht sonderlich. Um ihre Besprechungen und ihre Juryentscheidungen zu legitimieren, brauchten sie einen „Markenartikel“ (Iris Radisch), was eine Ausdifferenzierung erschwerte. Dass der Markenartikel ein „zu lange DDR-Wein“ trinkender Arbeiter im Arbeiterstaat und ein wie ein Schlot rauchender unkorrumpierbarer Schriftsteller im real existierenden Sozialismus in einem war, passte wie die Faust aufs Auge, hätte der Betroffene vermutlich selber gesagt. Er war in seiner Jugend Boxer. Daher seine Boxernase. (mehr …)
  • Sommeraktion: Lesen Sie den Merkur gratis in Ihrem Lieblingscafé

    Nach dem großen Anklang im letzten Jahr möchten wir auch diesen Sommer wieder zehn Merkur-Jahresabos an die Lieblingscafés unserer Leserinnen und Leser verschenken. Helfen Sie uns, die schönsten Lese-Cafés zu finden. Schreiben Sie uns in die Kommentare, wo Sie gerne lesen und warum der Merkur da nicht fehlen darf. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge. (mehr …)
  • „Das Ich ist eine sehr bewegliche Angelegenheit“. Interview mit Eileen Myles

    Am vergangenen Samstag drängelten sich ungefähr 200 Leute bei drückender Hitze in einen fensterlosen und luftarmen Saal der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg. Die Aufregung war groß, es war unklar, ob man reinkommen würde. Geboten wurde als Teil des Poesiefestivals Berlin ein Gespräch zwischen der Autorin und Übersetzerin Odile Kennel und Eileen Myles. Eine Stunde Poesiegespräch unter saunaartigen Luftverhältnissen nehmen sicher vor allem jene in Kauf, die Myles' Gedichte oder Bücher wie Chelsea Girls, Inferno oder Cool for you kennen. Diese Bücher sind mit „Prosa“ passend, weil an den Rändern fransig beschreiben, als long form poetry gehen sie auch durch. Vor allem aber stammen sie von einer Person, die Genre- und Genderkonventionen gleichermaßen durchbricht. (mehr …)
  • Verfahren in der Gelehrtenrepublik

    Eine der weltweit besten Hochschulen, die Zürcher ETH, will die Situation für den wissenschaftlichen Nachwuchs verbessern. Sie rührt an ein Tabuthema und zieht verantwortliche Professoren zur Rechenschaft. „Fehlverhalten muss Konsequenzen haben“, sagte der Prorektor im Interview mit dem Schweizer Online-Magazin Republik. Das klingt nach einem enormen Erfolg für den wissenschaftlichen Nachwuchs, der in Initiativen und Zusammenschlüssen seit Jahren die prekären Bedingungen kritisiert, die, in den europäischen Ländern auf je unterschiedliche Weise, die Arbeit im Wissenschaftssystem vor der Berufung auf eine Professur bestimmen. (mehr …)
  • Video: Stephan Wackwitz im Gespräch über Richard Rorty | Zweite Lesung

    Stephan Wackwitz empfiehlt zur zweiten Lesung einen Essay von Richard Rorty, der 1995 im Merkur erschienen ist. Rorty zu lesen, sei für ihn damals ein Befreiungsschlag gewesen und liefert für heutige Diskussionen noch einen brauchbaren Kompass, um zwischen ideologischen Letztbegründungen und postmoderner Beliebigkeit zu navigieren. (mehr …)
  • Intellektuelle Intellektuellenskepsis (Voegelin, Arendt, Milosz)

    Dieser Tage ist wieder häufig zu hören, Bildung sei der beste Schutz gegen die Wellen von Populismus, Autoritarismus, Irrationalismus und Regression, die da an die Deiche der liberalen Demokratien branden. Zudem brauche es unbedingt mehr engagierte Akademikerinnen und Intellektuelle, die sich in der Öffentlichkeit zu Wort melden! Auch Kunst und Kultur, wenn man sie nur richtig verstünde und anwende, stellten probate Mittel gegen besagte Tendenzen dar. So oder so ähnlich hört man es im Gespräch unter Bekannten und in Radiofeatures, liest man es im Feuilleton oder in den Sozialen Netzwerken. Doch bereits wenige Blicke in die Geschichte zeigen, dass gerade Gebildete, Akademiker, Künstlerinnen und Intellektuelle empfänglich sind für jene Versuchungen, die von Macht und Ideologie ausgehen. Mehr noch, die in der Moderne sich einstellende Ferne von Bildung und Kunst zur Macht hat oft zu Frustration geführt, die wiederum in Sehnsucht nach Macht umschlägt. (mehr …)
  • Zwei Männer auf Reisen

    Es ist die Zeit der Verlagsvorschauen – zweimal im Jahr veröffentlichen die Verlage ihr neues Programm. Sinn und Zweck dieser Verlagsvorschauen ist es nicht in erster Linie, das Lesepublikum über Neuerscheinungen in Kenntnis zu setzen, sondern vor allem den Handel und das Feuilleton zu informieren, was in den Regalen der Buchhandlungen stehen und besprochen werden sollte. Diese Vorschauen sind demnach nichts anderes als Werbung, ihr Ziel es ist zu vermitteln, welches Publikum durch ein bestimmtes Buch angesprochen werden soll – manche Verlage, wie der Steidl-Verlag, haben diese spezifische Form der Werbung schon beinahe zur Kunstform erhoben. Wie jeder Text kann auch eine solche Verlagsvorschau mit den Mitteln der Literaturwissenschaft analysiert werden. Gerade aus einer literatursoziologischen Perspektive lassen sich aus einer solchen Analyse Schlüsse ziehen, die auf aktuelle Trends hinweisen und etwas über den gesellschaftlichen Blick auf Literatur aussagen. (mehr …)
  • Die Hausschweinfalle

    Wie leicht selbst eine so angesehene Intellektuelle wie Aleida Assmann in eine Falle tappt, lässt sich an ihrem Beitrag Let’s Go East im Merkur (April 2019, 73. Jahrgang, Heft 839) studieren. Ich nenne die Falle einmal die „Hausschweinfalle“ und will versuchen zu begründen, warum. Der Beitrag von Aleida Assmann ist im Wesentlichen eine Replik auf einen Text von Ivan Krastev und Stephen Holmes (Osteuropa erklären. Das Unbehagen an der Nachahmung; in: Merkur, Nr. 836, Januar 2019). Gewiss kann man sich mit vielen ihrer Thesen identifizieren, mit anderen streiten – allerdings unterläuft ihr gegen Mitte ihres Beitrags eine fatale Wertung, die keineswegs unwidersprochen bleiben kann. (mehr …)
  • Ein Blick in die Zukunft, oder: Citizenship is a Right

    Wir veröffentlichen den Text in einer Parallelaktion gleichzeitig mit dem Blog Nazis & Goldmund Manchmal kapituliere ich, und schlage – wider besseren Vorsatz, nichts sehen und nichts hören zu wollen – Zeit Online auf und lese, zum Beispiel, die neue Kolumne von Mely Kiyak. Thema: Die geplante Schaffung einer Rechtsgrundlage zur Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger, die über eine weitere Staatsangehörigkeit verfügen und sich, darüber hinaus, in Zukunft Daesh im Kampfe anschließen. Da schaue ich erst einmal ins Portemonnaie: Ist mein Pass noch da? (mehr …)