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Merkur im Januar
Das Januarheft eröffnet den 70. Jahrgang - und ist die 800. Ausgabe des Merkur. Wir haben keine große Nummer daraus gemacht, sondern einfach ein sehr gutes Heft. Die "Schwarzen Hefte" und die explizit antisemitischen Äußerungen darin sind das Eine. Das Andere war schon immer Martin Heideggers Philosophie, deren abgrundtiefe Modernefeindlichkeit Heiner F. Klemme in seinem Essay sehr deutlich herausarbeitet. Das Fazit ist eindeutig: "Heidegger steht für die Gegenaufklärung." (mehr …) -
Weltschmerz
Igor Levits (und Marina Abramovics) Goldberg-Variationen Die Frage, die Bachs Goldberg-Variationen am Anfang unserer Neuzeit ganz unphilosophisch stellten, war die nach der Identität. Gibt es eine sich durchhaltende musikalische Substanz, die in der Aria vorgestellt, dann in den dreißig Variationen bearbeitet wird und sich in der Wiederholung am Ende im Wortsinne geläutert wieder einstellt? (mehr …) -
Frankreich-Schwerpunkt im Gespräch
Am Dienstag war der Merkur beim Verlag Matthes & Seitz zu Gast, der uns seine schönen Räume für ein Gespräch über den Frankreich-Schwerpunkt des Dezemberhefts aufs Großzügigste zur Verfügung gestellt hat. Es diskutierten Cord Riechelmann und Danilo Scholz. Und tausend Dank auch an Die Wucht für die Bilder des Abends. Online Casino Bonus für deutsche Spieler - die attraktivsten Angebote in Sachen Einzahlungsbonus in deutschen Online Casinos finden Sie hier https://casinonox.at/ -
Merkur im Dezember
Vor dem Dezemberhefthinhalt noch ein Veranstaltungshinweis: Das aktuelle Heft wird am 15.12. in den Räumen des Verlags Matthes & Seitz in der Göhrener Straße 4 in Berlin vorgestellt. Cord Riechelmann und Danilo Scholz erörtern in einem Gespräch, was die im Heft-Schwerpunkt vorgestellten Figuren verbindet, in welchem Verhältnis ihr Denken zur french theory der sechziger bis achtziger Jahre steht und welche intellektuellen Impulse gegenwärtig von Frankreich ausgehen. Beginn ist 19 Uhr. Es moderiert Ekkehard Knörer. (mehr …) -
In Darmstadt sitzen
Heute hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung über die Zuwahl vier neuer Mitglieder informiert. Neben dem Germanisten und Kleist-Mann Günter Blamberger sind das die Schriftstellerin Kathrin Röggla und der Schriftsteller Thomas Hettche (beide auch schon im Merkur präsent, Röggla hier und Hettche hier, beide freigeschaltet) - und, ebenfalls im Merkur präsent: Christian Demand. Zur offiziellen Mitteilung geht es hier. -
Merkur im November
Der neue Merkur ist nun an den Kiosken der Stadt und des Weltkreises erhältlich. Das steht drin: Die Grenzen ihrer Sprache verändern die Welt: Der Literaturwissenschaftler Franco Moretti und der Wissenschaftshistoriker Dominique Pestre untersuchen die Jahresberichte der Weltbank im historischen Längsschnitt. Mit Hilfe quantitativer Sprachanalyse nehmen sie so den „Banksprech“ und seine Veränderung auseinander. (mehr …) -
Das Darmstädter Nebeneinander-Sitzen
Auf dem Weg zu Rainald Goetz Zeitung lesen. Das will die innere Kunsthochschulprofessur. Der innere Fanboy. Nur welche? So ultra bin ich nie in die Lektüre-Exegesen eingestiegen, dass ich wüsste, was an diesem Samstag auf diese Fahrtlänge passt. Das Feuilleton der Süddeutschen, die es dann wird, spielt Goetz prominent ein: Seinen Wahn, dünne Bücher machen wollen zu müssen. Aber hey, plötzlich kippt der Text und dicke Bücher sind für Lothar Müller nicht mehr nur Backsteine, für Attentate vorgesehen, sondern "Blauwale" – Beweis: Goetz hat Tellkamp gelesen. Come on. (mehr …) -
Facelift für das System: Heinz Bude und Nicole Deitelhoff im Gespräch
Beinahe wäre die Überraschung gelungen und dieser Abend hätte mit einem „Dann ist doch alles ganz gut“ geendet, ausgesprochen von Heinz Bude und als Resümee gemeint. Dann meldet sich doch noch eine weitere Hand im Publikum, Bude lässt nach der letzten nun noch die allerletzte Frage zu, Nicole Deitelhoff holt abermals zu einer Antwort aus und ohne dass noch viel Neues gesagt würde, übersteht das friedvolle Fazit den Schlusspunkt nicht ganz ohne Delle. (mehr …) -
Les Goncourts antisémites: Ein Jahr mit den Goncourts (X)
La France juive von Drumont wird, glaube ich, die Auswirkung haben, in ziemlich naher Zukunft das jüdische Geldkapital zum leicht verschwommenen und nicht näher bestimmten Gegenstand des Hasses zu machen. (Bd. VIII, S. 62)
Die Französische Revolution eröffnete für die jüdische Bevölkerung Frankreichs eine konkrete, wenn auch steinige Hoffnung auf Emanzipation: Spätestens seit einer Erklärung der Französischen Nationalversammlung 1791 galten Juden als säkulare Staatsbürger in einem säkularen Staat. Doch das Toleranzprinzip der französischen Aufklärung, das diese Entwicklung ideologisch rahmte, war nicht frei von Widersprüchen: Enzyklopädisten wie Diderot und d’Holbach waren Antisemiten, Voltaires Invektiven gegen Juden prägten die antisemitischen Debatten des 19. Jahrhunderts. 1807 wurden vom französischen Gerichtshof die Menschenrechte zwar ausdrücklich auch für Juden erklärt, doch ein Jahr später nur schränkte Napoleon die Rechte für Juden auf Handel und Freizügigkeit wieder ein. Robert S. Wistrich, der den französischen mit dem deutschen Antisemitismus vergleicht, hebt den Symbolcharakter der jüdischen Emanzipation für die französische Revolution und den Grundsatz der égalité hervor — und damit für die französische Begriffe von citoyen und Nation, die sich — im Gegensatz zum deutschen Volksbegriff — eben nicht ethnisch, sondern streng politisch definieren sollten — bis heute. Im Zuge der Revolution wurde die religiöse, vor allem katholische, Ausprägung des Antisemitismus durch eine säkulare Variante verdrängt. Der Kampf um die gesellschaftliche Rolle der Juden in Frankreich führte aber eindrucksvoll vor, dass verfeindete politische Lager sich im Antisemitismus doch vereint fanden: der katholische Klerus und die Anhänger der Monarchie, das aufsteigende Bürgertum, die Republikaner, die Sozialisten. Das Wort Jude taugte als Container für — je nach Position — antibourgeoise, antikapitalistische, antiprotestantische, antideutsche und antibritische Ressentiments, wie Robert S. Wistrich zeigt: (mehr …) -
Schleudersitz im Autor-Scooter
Zur Erfrischung nach dem "Literarischen Quartett" erstmal "Autor-Scooter" mit Jörg Fauser geguckt. Zunächst die Stilkritik: Volker Weidermanns Anzug ging absolut gar nicht. Ansonsten konnte ich mich kaum auf das Gesagte konzentrieren, weil ich ewig brauchte, um die seltsame Dynamik zwischen den vier Diskussionsteilnehmern zu fassen zu bekommen. Maxim Billers Machogehabe ist eigentlich nicht zum Aushalten. Seine Aggressivität schüchtert die Anderen dermaßen ein. Noch im versuchten Widerspruch wirkte Weidermann komplett unterworfen. Das sind Konstellationen mikrologischer Angst, die mir zum letzten Mal bei den Bargesprächen in Ernst Jüngers Eumeswil begegnet sind. Zugleich ist Biller mit sich im Reinen, Enfant terrible im Vorruhestand, dieses Sosein stellt er aus und dadurch auch zur Disposition. Er hat eine Natürlichkeit, die dem Spiegel-Volker, Juli Zeh und Christine Westermann - die ja auch ganz anderes kann - völlig abgeht. Dass er am Ende als Sympath der Runde dasteht, ist pervers, aber eine Tatsache.Dann also nochmal bei YouTube vorbeischauen. Es ist 1984. Wie Moderator Jürgen Tomm Fauser ankündigt, ist einfach herrlich. Zum Betrieb fielen diesem Autor vor allem zwei Begriffe ein, "Kulturknackis" und "Medienwichser". Der perfekte Einstieg in eine Kultursendung. Und so geht es im Einspieler weiter: Fausers Texte, so heißt es da, führen den Leser durch die Welt der "Drücker und Gedrückten". (mehr …)
