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Juli 08, 2015 - Keine Kommentare
Es könnten durchaus 300 Croissants sein, die ich mittlerweile bei Pierre Hermé gegessen habe. Anlass ist der Besuch im V. und VI. Arrondissement. Dort ist die Uni, also Arbeit. Man muss es sich schön machen, weil diese Pariser Stadtteile nicht schön sind. Man sieht vor allem Studenten, Reiche und Alte. Es ist die Zone der schiefgegangenen Schönheitsoperationen. Nur manchmal, wenn ich am Panthéon vorbeigehe, bin ich eingeschüchtert und muss lächeln. Das Panthéon will natürlich einschüchtern, schließlich werden dort diejenigen aufgebahrt, denen die wohl einzige Unsterblichkeit, die Sinn macht, beschieden ist, die republikanische nämlich. Rousseau wusste, dass es eine Zivilreligion braucht, Robespierre träumte gleich vom "culte de l’Être suprême". Bevölkert wird der republikanische Himmel überwiegend von Männern. Dieser Olymp ist ein ziemlicher Sackhaarberg.
Sonst wüsste ich aber nicht, warum man sich im V. oder VI. Arrondissement aufhalten sollte. Nur manchmal kommt Tilman Krause von der Welt und ist traurig, dass Paris auch nicht mehr das ist, was es mal war. Noch immer gibt es viele Leute aus der Modebranche, die englischen Zeitungen ihr Paris zeigen wollen und den Lesern empfehlen, unbedingt ins Café de Flore oder ins danebenliegende Les Deux Magots zu gehen. Diesen Leuten sage ich: Ich will Euch nicht pathologisieren, aber ihr seid krank. (mehr …) -
Juli 07, 2015 - Keine Kommentare
Am kommenden Montag, dem 13.7., veranstaltet unser Popkolumnist Eckhard Schumacher gemeinsam mit Elias Kreuzmair am Wissenschaftskolleg in Greifswald einen Workshop zum Thema "Schreibweisen der Gegenwart: Pop, Blogs, Social Media". Mit dabei sind unter anderen Kathrin Passig und Thomas Meinecke. Alles weitere hier.
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Juli 06, 2015 - Keine Kommentare
Vor kurzem stellte Giuseppe Bianco in Paris sein Buch Après Bergson. Portrait de groupe avec philosophe vor. Es wird, davon ist auszugehen, die Art und Weise ändern, wie in Frankreich über die Rezeption und Aneignung von Bergsons Denken gesprochen wird. Aber diese Veränderungen brauchen Zeit. Im Augenblick staune ich noch über Giuseppes neuen Look, während er seine Recherchen dem Publikum im Saal erläutert. Die Haare sind länger geworden und werden jetzt nach hinten gegelt. Ich weiß gar nicht, wie man die Farbe seines Hemdes nennen sollte: ein ganz blasses Pink, eigentlich fast schon weiß. Steht ihm. Später will ich wissen, woher er es hat, Acne, A.P.C., Sandro? Er schaut etwas erstaunt, weist derartige Unterstellungen zurück und antwortet: Zara.
Nach der Präsentation gab es einen kleinen Empfang im Untergeschoss der philosophischen Fakultät der École normale supérieure. Es ist eine Art Aufenthaltsraum. Ich bin froh, dass sich die Tür zum Hof nach zwei Versuchen recht leicht öffnen lässt. Den französischen Unis, selbst den grandes écoles, fehlt es an Geld. Die Canapés werden zwar kleiner, aber das Essen deshalb nicht schlechter. Und es wird immer rosbif geben, dazu wird Estragonmayonnaise serviert, Weinflaschen werden geöffnet. Ich stehe eine Stunde am Buffet, esse still vor mich hin und bin zufrieden. (mehr …) -
Juli 02, 2015 - Keine Kommentare
Das Juliheft: Hier die Übersicht mit Kaufoptionen. Hier das Editorial.
Zum Inhalt:
Auf die Idee muss man erst einmal kommen: die Romane Leo Tolstois mit den Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen des deutschen Fernsehens zu vergleichen. Wolfgang Kemp ist auf diese fast frivole Idee gekommen, und er hat in seinem Essay "Sie schon wieder" ein überzeugendes tertium comparationis gefunden, nämlich die Frage nach Wiederholungsstrukturen beim Erzählen. Erstaunlich ähnlich ist der Spagat, den Helmut Müller-Sievers unternimmt, wenngleich die Nähe zwischen den einander historisch eher fern stehenden Phänomenen hier schon eher auf der Hand liegt. Was genau, so seine Frage, haben die neueren US-amerikanischen Serienformate mit der Erzählökonomie des Fortsetzungsromans, der im 19. Jahrhundert seine Blüte erlebte, zu tun. Aus anderer Richtung geht der Schriftsteller David Wagner auf ähnliche Problemlagen zu. Erzählend denkt er über das Schreiben und das Erzählen nach, und zwar nicht zuletzt sein eigenes.
Abseits dieses nicht durch redaktionelle Planung, sondern durch glückliche Fügung und Heftkomposition entstandenen kleinen Schwerpunkts: Michael Rutschky berichtet - online frei lesbar - über sein Jahr als Redakteur des Merkur - das war im Jahr 1977. Wie bei diesem großen zeitdiagnostischen Essayisten nicht anders zu erwarten, ist das kein nostalgieseliges Erinnerungsstück, sondern das lakonische Porträt einer anderen Zeit und nicht zuletzt des damaligen Merkur-Herausgebers Hans Schwab-Felisch. Auch eher rückblickend: Eckhard Schmumachers Lektüren neuerer Musikerautobiografien von Johnny Rotten bis Westbam. Ganz gegenwärtig dagegen: Thomas E. Schmidts zwischen Habermas und Luhmann hin- und hergespielte Überlegungen zu "Lügenpresse" und vierter Gewalt. Der Zukunft zugewandt dann: Christoph Menke, der in seiner Philosophiekolumne über die "Möglichkeit der Revolution" nachdenkt - das ist der zweite von uns freigeschaltete Text.
Warum ökonomische Prognosen gar nicht funktionieren können, erklärt Tobias Schmidt. Paul Ford hat gerade mit seinem epischen und extrem lesenswerten, eine ganze Sonderausgabe der Bloomberg Businessweek füllenden Text "What is Code?" (hier die Online-Version) richtig Furore gemacht. Bei uns ist ein kleiner böser Essay über "Höflichkeit" von ihm zu lesen. Der Schriftsteller Philipp Schönthaler porträtiert mit Dieter Zetsche und Steve Jobs zwei Manager sehr unterschiedlichen Typs. Außerdem: Christian Schröder über Superschurken. Günter Hack über den Grünfinken. Stephan Herczeg sucht eine Wohnung, fährt Zug und gibt sich Kultur. -
Juli 02, 2015 - Keine Kommentare
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Am 25. Juni diskutierten Hanna Engelmeier, Nacim Ghanbari, Beate Söntgen, Armen Avanessian und Remigius Bunia über die "Lage der Universität". Der Saal war mehr als voll, das Publikum diskutierte angeregt mit. Eine Besucherin hat tolle Fotos gemacht, die finden sich hier. Sehr eindringlich setzt sich Lukas Latz im Freitag mit einigen der diskutierten Probleme auseinander und berichtet von seinen eigenen Erfahrungen als Student: "An meinem Institut – ich studiere Komparatistik an der FU – fühle ich mich oft wie ein Autodidakt; in der Literatur zu Recht eine Witzfigur. Durch geistige Isolation werden wir zu prätentiösen Narzissten und Knilchen, die Professoren für Götter halten."
In der Welt gibt es einen Text von Mara Delius über den Abend: "Beim Diskussionsabend nun trat mit Diskutierenden, die zwischen 1973 und 1983 geboren wurden, ein anderes Phänomen auf – die Generation Postdoc. Es handelt sich dabei um eine Zwischengeneration, akademisch aufgewachsen im Vor-Bologna-Zeitalter, und jetzt, nach der Promotion, vor der Professur, unbehaust zu Hause in einem System, das zwischen der Reform und der Reform der Reform hin und her trudelt. " great post to read
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Juni 30, 2015 - Keine Kommentare
Der folgende Text ist eine kurze Einführung zu Tilman Baumgärtels Buch Schleifen. Zur Geschichte und Ästhetik des Loops, das soeben bei Kadmos erschienen ist. Das letzte Kapitel daraus - Im Rhythmus bleiben. Loops und die Homöostase der Moderne - gibt es hier als Leseprobe. Das Buch hat auch eine Website.
1983 kaufte ich von unserem Nachbarn einen Commodore 64, den bis heute meistverkauften Computer der Welt. Der Nachbar wollte sich ein neueres Modell anschaffen, und so kam ich für hundert Mark Gymnasiasten-Taschengeld an meinen ersten Rechner samt einem Handbuch für die Programmiersprache BASIC. Zu dieser Zeit hatten Computer nur rudimentäre graphische Interfaces, und um sie bedienen zu können, musste man eine Programmiersprache beherrschen. So machte ich mich – nach einigen Runden der mitgelieferten Spiele Donkey Kong und Scramble – daran, die ersten BASIC-Befehle in den Rechner ein zu geben.
In dem Handbuch war das erste Programm, das man ausprobieren sollte, das folgende:
100 PRINT "HALLO"
200 GOTO 100
RUN
Der Vorteil von BASIC besteht darin, dass seine Befehle im Gegensatz zu anderen Programmiersprachen eine gewisse Nähe zur Umgangssprache haben. Sie sind in einer durchnummerierten Liste angeordnet, die der Computer nacheinander abarbeitet. Das RUN befahl dem Computer, mit der Ausführung des Programms zu beginnen. Der Befehl PRINT "HALLO" sagt dem Rechner, dass er das Wort "HALLO" auf den Monitor zeigen soll. Der zweite, GOTO, ordnet an, dass das Programm wieder zum ersten Befehl in der Liste zurückspringen soll, also zu PRINT "HALLO". Was das kleine Programm tat, war daher nichts weiter, als immer wieder das Wort "HALLO" einen Buchstaben nach dem anderen in Versalien auf den Monitor zu schreiben. (mehr …) -
Juni 29, 2015 - Keine Kommentare
An der Schule, wo ich Abitur gemacht habe, wurde in der Oberstufe der Grundkurs "Darstellendes Spiel" angeboten. Um die fürs gemeinsame Theaterspiel notwendige Lockerheit herzustellen, wurden dort alle Teilnehmer, so hatte ich gehört, zu Beginn des Semesters aufgefordert, ihre Hosen auszuziehen. Für mein Teenager-Ich keine schöne Vorstellung, weshalb ich statt "Darstellendes Spiel" lieber "Kunst" belegt habe. Als Kenneth Goldsmith an einem kühlen Juni-Samstag im Berliner HKW seinen Workshop Wasting Time on the Internet abhält – eine Kurzversion jenes Schreib-Seminars, das er im vergangenen Winter an der University of Pennsylvania unterrichtet hat, mehr dazu hier und hier –, gibt es einen ähnlichen Alle-ziehen-ihre-Hosen-aus-Moment, nur ist er gewissermaßen ins Digitale verschoben: Stellt Eure Laptops ab, sagt Goldsmith, jede/r kann jetzt an jeden Computer gehen und beliebige Dateien oder Programme öffnen. Einzige Regel: nichts löschen, nichts hinzufügen. Alarmiert gehe ich im Kopf alle meine intimen Dokumente durch, finde Beruhigung in der Tatsache, dass die derart in den Tiefen labyrinthartiger Dateistrukturen versunken sind, dass sie wohl keiner finden wird. Zögerlich verlasse ich mein MacBook Pro und steuere wahllos den nächsten Computer an, öffne hastig und zufällig irgendeine Bilddatei auf dem Desktop, ein grünes Kleid, Zalando, glaube ich. Ich wechsle zum nächsten Gerät, registriere den individualisierten Bildschirmhintergrund, tippe ein Icon an und weiter – jeder Laptop eine Welt für sich, mit eigener Ästhetik und eigener Systematik, die auf die Schnelle kaum zu durchschauen ist. (mehr …) -
Juni 26, 2015 - 1 Kommentar
Lehraufträge kommen und gehen, wie ihre Beauftragten. Sie beginnen mit einem Werkvertrag, der per Post zugestellt oder in einem halbvertrauten Sekretariat der Verwaltung unterschrieben wird; sie enden mit einem Seminarraumschlüssel, der zusammen mit einigen Listen in einen Briefumschlag gesteckt und in einem Postkastenschlitz verstaut wird, weil diejenigen, die vor Ort arbeiten, zum Zeitpunkt des Seminarendes bereits außer Haus sind.
Die Universität stimmt die anwesende Abwesenheit der Lehrbeauftragten mulmig, weil sie eine Stellenlosigkeit bloßstellen. Die Verwaltung empfindet ihre spontanen Auftritte und systemunvertrauten Anfragen nicht selten als Störung. Im Unterschied zu Gastvorlesenden sind Lehrbeauftragte keine Gäste. Sie werden nicht eingeladen, begrüßt oder verabschiedet, sondern beauftragt, wie Handwerker, nur ohne Kostenvoranschlag. Ihre Lehre machen sie selbstständig. Erfahrungsstufen klettern sie nicht hinauf. Lehraufträge sind Auftragsarbeiten akademischer Lehre. (mehr …) -
Juni 24, 2015 - Keine Kommentare
Im RBB spricht Christian Demand über unseren Schwerpunkt "Zur Lage der Universität" - und über den Auftakt unserer Reihe mit Merkur-Gesprächen, morgen um 19 Uhr. How to spent your BTC in a good way? Empire Market is great and most trendy Onion Net Market there is right now.. Being this big it faces the problem of continuous Ddos attack witch leads primary Empire Market URL to be down, and alternative mirrors too. That lead that empire market had to make more and more URL and onion mirrors and mirror. And the problem is that there are not to many ways costumers can get a right Empire Marketplace links. Alles dazu findet sich hier. -
Juni 15, 2015 - Keine Kommentare
Roman Widder (mehr hier) hat ein Jahr in Sibirien studiert. Die Tagung, von der er hier berichtet, fand in dieser Zeit statt. Die Bilder sind Fotografien von Landschaftsmalereien, die auf Olchon den öffentlichen Raum schmücken. Wir setzen mit dem Text unsere Begleitung des Heftschwerpunkts "Zur Lage der Universität" fort. (d. Red.)
Kurz vorm Übersetzen auf die heilige Insel Olchon stiegen alle aus, um sich durch einen Schluck Wodka zu weihen. Bald nachdem die Fähre unseren Reisebus auf der Insel abgesetzt hatte, wurde die Straße zu unwegsam. Den Rest der Strecke mussten wir laufen und unsere Rollkoffer durch die sengende Hitze tragen. Am Anfang war das Grüppchen der Wissenschaftler noch eine geschlossene Gemeinschaft. Schnell aber zeigten sich die unterschiedlichen Leistungsvermögen. Auch ich legte regelmäßig Pausen ein. Einige ließen sich von Bewohnern der umliegenden Dörfer ihre Trinkflaschen mit Wasser nachfüllen. Nachdem ich im Bus die ganze Zeit geschwiegen hatte, ergab sich nun ein freundliches Gespräch mit einem ukrainischen Professor. Er versuchte mir gegenüber höflich zu bleiben, fluchte aber bereits still vor sich hin. Wenn der Atem tief wird und die Zunge langsamer, dachte ich mir, fallen eben manchmal ganz andere Wörter heraus als gewöhnlich. Am Straßenrand standen gelegentlich seltsame Schilder mit Landschaftsbildern, die Olchon und den Baikalsee zeigten. Auf und hinter den Bildern also dasselbe: Meer, Sand und Klippen, wilde Pferde und Fischgeruch.
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