-
März 13, 2015 - Keine Kommentare
Am Mittwoch, den 11. März nahm die Sendung "Lesart" die optische Runderneuerung des Merkur und der "Akzente" zum Anlass für ein Interview mit Merkur-Herausgeber Christian Demand und Clemens Setz, der gemeinsam mit Hanser-Chef Jo Lendle das erste neue Heft der "Akzente" konzipiert hat. Hier geht es zum Link des Beitrags im Onlinearchiv von Deutschlandradio Kultur. https://buyiglikesfast.com/buy-instagram-likes/ -
März 04, 2015 - 3 Kommentare
Hinweis: Ilja Braun diskutiert am 26.3. im Wikimedia-Salon mit Adrienne Goehler, Olaf Zimmermann und Michael Bohmeyer zum Thema "G=Grundeinkommen. Eine Antwort auf die digitale Krise des Urheberrechts?" Zum Thema seines Beitrags ist im Februar außerdem sein Buch Grundeinkommen statt Urheberrecht? Zum kreativen Schaffen in der digitalen Welt erschienen.
***
Was wird jetzt eigentlich aus dem Urheberrecht? Die Debatte um seine Zukunft im Digitalzeitalter lebt derzeit wieder auf, weil sich auf europäischer Ebene einiges tut. Anfang des Jahres hat Julia Reda, die deutsche Abgeordnete der Piraten in Brüssel, ihren Bericht zum urheberrechtlichen Reformbedarf in der EU-Gesetzgebung vorgelegt. Ihr Credo: Eine angemessene Vergütung kreativer Leistung und mehr Freiheiten für Nutzerinnen und Nutzer müssen sich nicht ausschließen.
Doch damit wird Reda nicht widerstandslos durchkommen. Es überrascht wenig, dass es inzwischen einen Gegenentwurf gibt, nämlich einen Initiativbericht aus der Feder des tschechischen Christdemokraten Pavel Svoboda: “Towards a renewed consensus on the enforcement of Intellectual Property Rights: An EU Action Plan”. Nicht nur der Titel lehnt sich an die Arbeit der letzten EU-Kommission an, die 2014 ihren „Aktionsplan für einen neuen Konsens über die Durchsetzung von Immaterialgüterrechten“ vorgelegt hatte.
Das ist kein Zufall. Seit Jahren dreht sich die fruchtlose Diskussion um das Urheberrecht in der digitalen Welt um Rechtsdurchsetzung und Strafmaßnahmen statt darum, wie dafür gesorgt werden kann, dass Künstlerinnen und Künstler für ihre Arbeit eine angemessene Vergütung erhalten. Wie wäre es, wenn man versuchen würde, die Diskussion um das Urheberrecht im Digitalzeitalter mit jener über das bedingungslose Grundeinkommen zu verbinden? (mehr …) -
Februar 23, 2015 - 1 Kommentar
Am 8. Februar 2014 starb Peter Gente in Chiang Mai, Thailand. Mit Freunden und Merve Lowien hatte er 1970 den Merve Verlag gegründet. Nach einer marxistischen Anfangszeit machte er, nun zusammen mit Heidi Paris, junge deutsche Leser in auffälligen, einfachen Taschenbüchern mit Autoren wie Foucault, Deleuze, Lyotard, Baudrillard oder Virilio bekannt. Aber das Programm enthielt auch viele andere Autoren. 2002 starb Heidi Paris, 2007 zog sich Peter Gente nach Thailand zurück. 2011 schickte er der Künstlerin Eva-Maria Schön, für die er in ihrem Film Was ich besitze (2005) ohne Vorbereitung und in Kürze aufgezählt hatte, was er besitzt, „10 mal 10 Listen“, genauer gesagt elf Zehnerlisten, die hier veröffentlicht werden. Auf der Trauerfeier spreche ich meinen toten Freund Gente noch einmal an. (mehr …) -
Februar 10, 2015 - Keine Kommentare
Bislang leider nicht Jetzt online: Im Aufmacher des FAS-Feuilletons denkt Claudius Seidl über den Negativzins nach - und zwar mit doppeltem Verweis auf den Merkur. Zunächst geht es um Dirk Baeckers Januar-Aufsatz Zur Nullzinspolitik der Notenbanken (hier als pdf): "An den Anfang seiner Überlegungen (denen man nicht in all ihren Winkelzügen folgen muss) stellt Baecker die Frage, ob der negative Zins womöglich ein Zeichen dafür sei, dass das Geld selbst, als Medium des Tausches, an Bedeutung verliere; dass also nicht etwa der Wert einer bestimmten Währung sinke, sondern der des Geldes insgesamt. Der Gedanke ist insofern sympathisch, als er die Begründung dafür liefert, weshalb wir, hier im Feuilleton, uns mit solchen Dingen zu befassen trauen: Man darf kein Insider sein, wenn man das Geld von außen betrachten will." Baeckers Diagnose, dass das Geld an Bedeutung verliere, teilt Seidl durchaus. Und erinnert (sich) an einen ganz anderen Text: "Wenn das Geld aber seine Gültigkeit verliert, hilft es vielleicht, daran zu erinnern, was es war. In einem schönen, schwierigen Essay, in welchem es eigentlich um den Nihilismus und die Ablehnung jeder Teleologie ging, um Leopardi, Baudelaire und den Tod also und überhaupt nicht um Finanzen, hat Karl Heinz Bohrer, vor achtzehn Jahren ebenfalls im Merkur, quasi im Vorübergehen eine sehr brauchbare Deutung der Moderne formuliert: Die Moderne, schreibt Bohrer, habe immer Anleihen bei der Zukunft genommen." Auch Karl-Heinz Bohrers Text gibt es natürlich als (kostenpflichtiges) pdf, nämlich hier. -
Februar 09, 2015 - Keine Kommentare
Ich habe mehrmals versucht, das Nachfolgende in eine wissenschaftliche oder zumindest gelehrte Form zu bringen, doch ohne Erfolg. Gleichwohl haben die zu erzählenden Begebenheiten mehr als nur persönlichen Erinnerungswert. Mir stellen sie sich als eine Reihe gleißender Bilder dar, in denen ich zugleich als Betrachter und als Akteur vorkomme. Ich habe mich der Wahrhaftigkeit dieser Bilder durch Gespräche und elektronische Nachforschungen zu vergewissern versucht und dabei feststellen müssen, dass nicht nur die Erinnerungskraft der Einzelnen, sondern auch das angeblich nichts vergessende Internet erhebliche Löcher aufweist, wenn Ereignisse länger als ein Jahrzehnt zurückliegen. Das Bemühen, diese zu schließen, mag vielleicht die Ichhaftigkeit des Folgenden entschuldigen.
An einem strahlenden Herbstsonntag 1996 holte ich Hélène Cixous und Jacques Derrida vom Flughafen O´Hare in Chicago ab. Sie kamen von einer Tagung in Cornell und sollten am nächsten Abend gemeinsam im Rahmen meiner Ringvorlesung über "Origins and Originalities" an der Northwestern University vortragen. Derrida hatte darüber hinaus zugesagt, am Nachmittag ein Seminar über Negative Theologie zu halten. Am Tag darauf würde er nach New York City fliegen, für einen Vortrag über Artaud am Museum of Modern Art, während Cixous ihre alljährliche Gastprofessur am French Department anzutreten hatte. Der Artaud-Vortrag war noch nicht fertig und darüberhinaus von zahlreichen Empfindlichkeiten überschattet (das MoMa hatte Derridas Vortragstitel Artaud le Moma als unseriös abgelehnt, Artauds Neffe und Erbe würde anwesend sein), weshalb Derrida darum bat, ihm den Rest des Tages und den nächsten Morgen freizuhalten. Hélène hatte vorgeschlagen, dass wir zusammen im Hancock Tower zu Mittag essen und dann ins Hotel nach Evanston fahren.
Ich befand mich damals in der obligaten Phase der Überanpassung an das Gastland und fuhr einen weißen Cadillac Coupe de Ville aus dem Jahr 1967, ein in jeder Hinsicht monströses Gefährt, dessen Styling auf fünfeinhalb langen Metern einen Haifischkühlergrill (und einen Siebenlitermotor) mit einem eher mütterlichen Riesenkofferraum zusammenzwang. Hélène, die den Wagen kannte und sehr liebte, saß vorne, Derrida auf der Rückbank, gerade so, dass sein Kopf den Rückspiegel ausfüllte. Nach einigen Minuten des Schweigens fragte er: "Ist dies etwa ein Cadillac?" Meine Antwort führte zu einigen "c'est incroyable", die er uns folgendermaßen erläuterte: (mehr …) -
Februar 04, 2015 - 1 Kommentar
Der Spiegel auf Englisch, ein Problem der Sprache. Dazu kommt: The Spiegel style doesn’t travel well. Das Nüchtern-Verstockt-De-Facto-Hafte* (aber immer dicht dran an den Menschen) wirkt im Englischen noch seltsamer. Luftballons der Ernsthaftigkeit steigen aus diesen aufgepumpten Texten auf und eigentlich möchte man sie als Leser der Reihe nach zum Platzen bringen. Tut man natürlich nicht. Viel zu schnell gerät man in den Sog der Artikel, denn das Problem erweist sich ja bei genauerem Hinsehen als große Stärke und eigentliches Erkennungszeichen des Spiegels: absolute Distanzlosigkeit gegenüber der Wirklichkeit.
Ich lese die englischen Sachen schon allein deshalb, weil sie die größeren Geschichten aus dem Heft, auch die Titelstory, online kostenlos verfügbar machen. Die englische Spiegel-Online-Seite könnte ein internationales Aushängeschild sein, aber man zögert, die Artikel zu teilen. Es gibt da zu viele hölzerne und peinliche Sätze ("Since 2010, the ECB has had little resemblance more to the Bundesbank…"; "With the selection of his coalition partner, Tsipras has charted a course…"). Manchmal kamen Rückfragen: Who translated that?
Journalisten lesen die großen internationalen Tageszeitungen. Als Adressat des eigenen Schreibens tauchen sie allerdings höchst selten auf. Man liest international, schreibt aber national. Auf Spiegel Online finden sich zwar regemäßig Pressereaktionen aus dem Ausland, aber irgendwie verpufft das ohne jeden Effekt. Da war der Internationale Frühschoppen in den fünfziger Jahren schon weiter. Klar, es gibt eine Leserschaft und die ist deutsch. Aber ich finde es hochgradig verstörend, mit welcher Selbstverständlichkeit mancher Leitartikel über die Dummheit der Argumente und die Provinzialität der geistigen Welt der Pegida-Demonstranten herzog, obwohl Journalisten sich doch selbst oft genug mit teutonischen Verengungen zufriedengeben. Mehr Welt reinlassen: Diese Forderung sollte immer reflexiv sein, sie richtet sich an das eigene Ich. (mehr …) -
Februar 03, 2015 - Keine Kommentare
Wir drucken keine Laudationes, und Dankreden auch nicht. Es sei denn, sie sind so großartig wie Navid Kermanis Rede, die er zu Verleihung des Joseph-Breitbach-Preises hielt. Zumal er darin ganz anderes tut, als einfach zu danken. Vielmehr handelt es sich um eine Art Fortsetzung des Totenbuch-Motivs seines großen Romans Dein Name, für den er die Auszeichnung in erster Linie erhielt: In fünf Nachrufen porträtiert er ihm wichtige Menschen, die seit Vollendung des Buches verstarben, von Heinz Ludwig Arnold über den ehemaligen Rektor seiner Schule bis zu Frank Schirrmacher, der Kermani erst förderte und dann mit Verachtung strafte.
Auch nicht alltäglich: ein Gedicht, noch dazu ein von Ror Wolf und Gerhard Henschel gemeinsam im Email-Pingpong verfasstes. Außerdem ein Essay über das Hören, das Zuhören und die Möblierung des Raums mit Musik von Thomas Steinfeld. Ebenfalls musikalisch: Andreas Dorschel, der die Ästhetik und insbesondere die erfolgreiche Wiederbelebung des Fado in jüngerer Zeit erklärt. Kritische Anmerkungen zum Selbstverständnis des Journalismus am Beispiel des Spiegel (genauer: eines Gesprächs mit Renate und Klaus Harpprecht) hat Matthias Dell in seiner Medienkolumne.
Gratis online, wie schon vermeldet, Alban Werners vergleichende Analyse von Grünen und AfD - sowie Ute Sacksofskys Rechtskolumne zum Thema Glaubensfreiheit. Ergänzend dazu im Blog: ihre Antworten auf drei Nachfragen von unserer Seite.
Hier die Übersicht mit Zitaten aus allen Texten sowie diversen digitalen und Print-Kaufmöglichkeiten. -
Februar 01, 2015 - 1 Kommentar
In ihrer Rechtskolumne im Februarheft (hier bis Ende des Monats frei lesbar) setzt sich Ute Sacksofsky kritisch mit jüngeren Urteilen zur Glaubensfreiheit auseinander. Wir sahen an manchen Stellen Klärungsbedarf - und haben deshalb per Mail drei Zusatzfragen gestellt.
***
Merkur: In Ihrer Kolumne rekapitulieren Sie, dass das Recht auf Glaubensfreiheit in Deutschland nach gängigem Rechtsverständnis die Freiheit beinhaltet, „sein gesamtes Verhalten an den Lehren seines Glaubens auszurichten und seiner inneren Glaubensüberzeugung gemäß zu handeln“. Zugleich beklagen Sie, dass dieses Recht nicht für alle Gläubigen in gleicher Weise gilt. Fundamentalistische Minderheiten etwa, können vor deutschen Gerichten in der Regel mit weniger Entgegenkommen rechnen als Angehörige der großen Kirchen. Täuscht der Eindruck, oder liegt dieser Ungleichbehandlung eine stillschweigende Unterscheidung zwischen (legitimer) Religionsgemeinschaft und (illegitimer) Sekte zugrunde? Ist denn eine solche Unterscheidung überhaupt eine juridisch belastbare Kategorie? Und falls nicht: Wie kann dann zwischen berechtigten und unberechtigten Berufungen auf das Recht auf Glaubensfreiheit unterschieden werden?
Ute Sacksofsky: Dies ist in der Tat der zentrale Punkt meiner Kolumne: Eine Unterscheidung zwischen (legitimer) Religionsgemeinschaft und (illegitimer) Sekte verkennt den fundamentalen Gehalt der Glaubensfreiheit. Die Glaubensfreiheit überlässt es den Einzelnen zu entscheiden, welcher Religion sie angehören möchten, und zwar auch, welcher konkreten Ausprägung einer Religion. Umgekehrt formuliert: Dem Staat ist es untersagt, Religionen inhaltlich zu bewerten. Der Staat darf nicht die eine Religion für "gut", die andere für "schlecht" befinden; dementsprechend "gehört" tatsächlich jede Religion zu Deutschland. Die grundsätzliche Prüfung, ob sich eine Berufung auf die Glaubensfreiheit durchzusetzen vermag, hängt davon ab, ob die Gründe ausreichen, die zur Beschränkung der Glaubensfreiheit angeführt werden. Hier anerkennt die Verfassung nur solche Gründe, die ihrerseits eine verfassungsrechtliche Basis haben und zudem hinreichend gewichtig sind. Gibt es solche Gründe nicht, setzt sich die Glaubensfreiheit von Sekten-Mitgliedern genauso durch wie die von Anhängern des religiösen Mainstream. Dass die Gerichte dies teilweise anders handhaben und sich bei Anhängern kleinerer religiöser Strömungen mit weniger guten Gründen zufrieden geben, ist nicht akzeptabel. (mehr …) -
Januar 26, 2015 - 6 Kommentare
Agathe Novak-Lechevalier ist maître de conférences (in etwa: Assistenzprofessorin) an der Université Paris X Nanterre. Sie ist Chefredakteurin des Magasin du XIXe sciècle, ihre Interessen umfassen dabei Roman und Spektakel, außerdem beforscht sie Stendhal und Balzac. Aus diesem sauber kuratierten Portfolio fallen ihre Arbeiten zu Michel Houellebecq etwas heraus.
Dieser Forscherpersönlichkeit dankt der Autor am Ende seines neuesten Romans Unterwerfung, der im Jahr 2022 spielt und von den Problemen eines abgehalfterten Literaturwissenschaftlers in einem Frankreich unter islamischer Regierung handelt. Direkt am Erscheinungstag wurde Unterwerfung (deutsch für: Islam) auf eine Art notorisch, die zu wiederholen hier überflüssig ist. Von dem Terror-Anschlag auf Charlie Hebdo ist Houellebecq nicht nur persönlich hart getroffen worden, sondern er durchkreuzt auch das Anliegen seines Romans. Worin dieses besteht, wird in dem kurzen Paratext auf der letzten Seite deutlich. Hier liegt gewissermaßen das punctum des ganzen Buches, die Danksagung legt offen, was die Bedingung der Möglichkeit dieses Romans ist: nämlich dass das, was er beschreibt, eine unrealisierte Fiktion bleibt. Damit ist viel weniger eine wie auch immer geartete Islamisierung gemeint, sondern ein ästhetisches Programm. Davon sprechen wir hier.
In Unterwerfung werden Frauen aus dem akademischen Leben herausgeschrieben. Mit Agathe Novak-Lechevalier wird aber nun eine Frau angeblich als einzige Quelle für alle Informationen zuständig, die Houellebecq für seine Schilderung des akademischen Lebens braucht. Es ist nicht so wichtig, ob das stimmt oder nicht: Deutlich wird, dass hier von einer Literatur die Rede ist, die allein auf Hörensagen beruhen darf, die sich aus abgefrühstückten Ideen und Phrasen zusammensetzen darf, wenn sie nur einen bestimmten Zweck erfüllt. Und der besteht hier primär in der Besetzung einer literaturhistorischen Position und nur sekundär in Houellebecqs lange bekannter Opposition gegen den Islam. (mehr …) -
Januar 20, 2015 - 4 Kommentare
"Es wird ohnehin längst aus allen Rohren geschossen. Unter merkur-blog.de findet sich eine Chronik der laufenden Ereignisse rund um das Heft." Schreibt Gregor Dotzauer im Tagesspiegel (vom 18. Januar, nicht jetzt online), in dem er unter der Überschrift "Der Himmel über der Bleiwüste" über unseren Relaunch berichtet. Recht hat er, und Selbstreferenzialität können wir auch. Ansonsten stellt Dotzauer fest: "Dennoch ist der Relaunch eher eine Retusche. Man hat ... nicht den Eindruck, eine andere Zeitschrift in der Hand zu halten, wohl aber eine deutlich besser lesbare." Skeptischer ist er, ob das mit der im neuen Erklärtext geforderten "Distanz zum Feuilleton wie zu Fachzeitschriften" gelingen kann, beziehungsweise ob es auch "zurück in eine Debattenkultur führt, die unter den agents provocateurs Bohrer und Scheel auch der bundesrepublikanischen Medienökologie vor der Netzdämmerung geschuldet war". Wenn er hinzufügt, dass selbst die Redaktion das bezweifelt, hat er sicherlich recht. Die Frage ist allerdings auch, ob die Redaktion von dergleichen überhaupt träumt.
Gustav Seibt hält in der Süddeutschen (vom 14. Januar, leider auch nicht online) in Sachen Layoutreform fest: "Am wichtigsten für den Leser ist der etwas lichtere, freundlichere Satz der Texte. Die Anmutung ist insgesamt weniger bleiern." Eigentlich - und da sind wir natürlich völlig d'accord - komme es aber auf etwas anderes an: "Entscheidend ist, dass sich am Anspruch der Zeitschrift nichts geändert hat." Und damit zum Schwerpunkt "Die Gegenwart des Digitalen": "Die sechs damit befassten Texte wechseln sich in gründlicher Information und spekulativer Erörterung ab, und wer sich ohne medienphilosophisches Tamtam auf den Stand der Dinge bringen möchte, wird ausgezeichnet versorgt." Wenn das also die Alternative wäre - "Stand der Dinge ohne medienphilosophisches Tamtam" versus "zurück zur Debattenkultur vor der Netzdämmerung" - dann hat die Redaktion eine entschiedene Präferenz.
Auch die FR bzw. Berliner Zeitung hat berichtet, Autor ist Harry Nutt. In Sachen Layout wertet er nicht, hebt inhaltlich als "den interessantesten Beitrag" den von Dirk Baecker heraus, der bei Seibt als "spekulativster, darum auch anfechtbarster" Text des Januarhefts figuriert. In Bezug auf die im Essay von Carlos Spoerhase und Caspar Hirschi genannten Summen, die man für akademische Zeitschriften heute oft hinblättern muss, meint Seibt im übrigen: "Wer die dort üblichen fünfstelligen Summen wahrnimmt, kann die 120 Euro für ein Jahresabonnement des Merkur schwerlich übertrieben finden." Stimmt natürlich. Und für Studierende sind es ja jetzt schon nur 80. (Mehr dazu hier.) Darüber hinaus werden wir ab März aber den nicht so begüterten potenziellen LeserInnen ein Angebot unterbreiten, das man nicht so einfach ablehnen kann. Dazu dann zu gegebener Zeit aber mehr. shemales schweiz
P.S.: Hier Christian Demands Gespräch im Deutschlandradio zum aktuellen Heft.