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Artikel der Kategorie: Blog

  • Umorientierungstasten

    Warum die Tablet-Tastatur von Apple grafische Orientierungshöcker hat. Warum sie nüchtern betrachtet sinnlos sind. Und warum, wenn man genauer hinschaut, gerade nicht. Das Tastatur-Blindschreiben nutzt implizites Wissen, das durch Bewegungslernen, also die häufige Benutzung der Griffwege, produziert wurde. Tippen, wenn es reibungslos funktioniert, passiert (von frz. passer – vorübergehen) zum Großteil unbewusst. Kaum einmal denkt ein geübter Tipper daran, was seine Finger gerade tatsächlich machen. Manches Mal, wenn „W-e-r-t“ oder ein anderes stark rhythmisiertes Wort getippt wird, schiebt sich überhaupt nur eine Ahnung vom Vorgang ein, so auch, wenn der automatisierte Schreibfluss durch Vertippen unterbrochen wird. Die Tastaturhaftigkeit, d.h. die Art und Weise, wie eine Tastatur gemacht ist, wird jedoch auch bei misslingender Benutzung kaum spürbar, das Interface bleibt unsichtbar. Mancher Tipper denkt jedoch heute öfter nach, wenn er zwischen PC- und Mac-Tastaturen wechselt und ihn die unterschiedliche Belegung der Funktionstasten, des @ und einiger Klammern aus der Automatisierung reißen. Um diese eigentlich seltene Spürbarkeit des Daseins der Tastatur wird es im Folgenden gehen. (mehr …)
  • Das Mentalo-Geheimnis. Pariser Notizen III

    Typisches Phänomen, in der ganzen Stadt anzutreffen: Glückliche, sehr verliebt wirkende Touristenpaare, die den ganzen Tag in aller Ruhe zusammen Sachen machen, möglichst händchenhaltend, während man als Alleinstehender eher das Gefühl hat, sein Besichtigungsprogramm etwas herzlos und bürokratisch abzuhetzen. Bei schlechtem Wetter sitze ich vor einem Café und esse einen kleinen, teuren Linsensalat mit was Grünem und was Rotem drin. (mehr …)
  • In eigener Sache

    Wir haben auf das Dezemberheft – genauer gesagt: darauf, dass es zu 100 Prozent aus von Autorinnen verfassten Texten besteht – einige Reaktionen bekommen. Die positiven überwiegen bei weitem. Auf die Ablehnung durch vor allem männerrechtlich inspirierte Quotengegner waren wir ohnehin gefasst. Dass es sich um eine zweischneidige Sache handelt, auch dass der Vorwurf der "Ghettoisierung" kommen würde (und er kam sogleich), war uns  klar. Das ist ein Argument, das wir sehr wohl ernst nehmen, allerdings  schien (und scheint) uns in der Abwägung mehr für als gegen eine solche Aktion zu sprechen. (mehr …)
  • Komplett & preisgesenkt

    Seit heute steht das komplette Merkur-Archiv online: beginnend 1947 und endend aktuell mit dem Dezemberheft 2012. Da liegen Schätze von Theodor W. Adorno bis Dieter E. Zimmer, von Margret Bovari bis Marguerite Yourcenar, von Ernst Robert Curtius bis Harald Weinrich, von Hilde Domin bis Eric Voegelin ... und so könnte man viele Durchläufe durchs Alphabet der europäischen Geistesgeschichte seit 1947 unternehmen. Über dieses Suchformular lässt sich das Archiv im Volltext durchsuchen. Zur Feier der Komplettierung wird der Preis für den Einzelartikel (befristet bis zum 11. Januar) auf 2 Euro gesenkt.
  • Fundstück: Goetz liest Händler

    Aus dem sowieso höchst lesenswerten Interview, das Moritz von Uslar und Ijoma Mangold für die Zeit mit Rainald Goetz geführt haben:

    Zum Beispiel Händler sagte zu mir: ja, treffen wir uns doch mal in Berlin. Aber ich will ihn nicht treffen. Ich will, das sagte ich ihm, lieber diesen Merkur-Aufsatz von ihm lesen, den er da im Februar über die Wirtschaft veröffentlicht hat, über den ich nirgends was gelesen habe. (mehr …)

  • Dezemberheft ist erschienen

    Das Dezemberheft ist nun erhältlich, zum Beispiel auf der Klett-Cotta-Website. Es ist, wie auf spätestens den zweiten Blick ersichtlich, eine Premiere in der Geschichte des Merkur - es wird nämlich ausschließlich von Autorinnen bestritten, die nun allerdings gerade und ausdrücklich nicht über Genderthemen schreiben. Vielmehr ging es darum, ein in jeder anderen Hinsicht - nämlich die Qualität und das Themenspektrum betreffend - ganz normales Heft zusammenzustellen. Diskussionen hier im Blog sind selbstverständlich erwünscht. Als Leseproben bieten wir: Überlegungen der Ethnologin und seit Jahren im deutsch-polnischen Kulturaustausch tätigen Stefanie Peter (Trägerin des Goldenen Verdienstkreuzes des Republik Polen) zum polnischen Selbstverständnis - ausgehend von Peters Staunen über die Verwunderung, die ihr angesichts ihres Interesses am Land gelegentlich in Polen selbst entgegenschlägt. Daneben sichtet die FAZ-Redakteurin Julia Voss neuere Literatur, die die vermeintlich vorbildliche Rehabilitierung der künstlerischen Moderne nach den Abwegen des Dritten Reichs mit großer Skepsis betrachtet. Außerdem das Debüt unserer neuen Rechtskolumnistin Ute Sacksofsky (Uni-Website), Gedichte von Uljana Wolf und Texte von Eva Horn, Dora Zhang, Nina Verheyen, Hannelore Schlaffer, Birgit Recki, Paula Böndel und Catherine Davies. Update: Das Deutschlandradio-Kultur-Feuilletonpressegespräch vom 29.11. mit Christian Demand zum Dezemberheft kann man sich hier anhören.
  • Nachgefragt: Christian Demand und Cord Riechelmann zur Theorie der Demokratie

    Im Novemberheft des Merkur bespricht Cord Riechelmann einen Edition-Suhrkamp-Band zur Demokratietheorie, der von Alain Badiou bis Giorgio Agamben, von Wendy Brown bis Slavoj Zizek einige der bekanntesten (und/oder notorischsten) Namen der Theorielinken versammelt. Merkur-Herausgeber Christian Demand hat das Buch mit sehr viel mehr Skepsis gelesen als der Rezensent. Im Folgenden die E-Mail-Diskussion zwischen beiden. (mehr …)
  • Jetzt im Netz

    "Das Urheberrecht ist als Verhaltensrecht für den Bürger viel zu komplex. Es scheint undenkbar, es so zu vereinfachen, dass es zu einer Art Straßenverkehrsordnung des Internets wird. Will man die für alle Beteiligten untragbare Situation ändern, in der das Recht massenhaft verletzt wird und tagtäglich Millionen von Nutzungen ohne jegliche Vergütung für Künstler und Kreativunternehmen vorgenommen werden, bedarf es eines grundlegend überarbeiteten Regelungsansatzes." Der Jurist Till Kreutzer über die Unhaltbarkeit des aktuellen Urheberrechts (Netzpolitik.org) (mehr …)
  • Novemberheft in „SZ“ und „Falter“

    Zwei Reaktionen gab es gestern auf Texte des Novemberhefts in den Medien. In der Süddeutschen Zeitung setzt sich Feuilletonchef Thomas Steinfeld mit Patrick Eiden-Offes Rezensionsessay über Friedrich Engels als "Projektemacher" auseinander. Gerade dieser (von Georg Stanitzek in die jüngere Diskussion gebrachte, in diesem von Markus Krajewski herausgegebenen Band näher beleuchtete) Begriff ist es, der Steinfeld aufstößt, da mit ihm seiner Ansicht nach die Utopien der Denker in der zu kleinen Münze der bloßen "Projekte" ausgezahlt werden. (mehr …)
  • Wilhelm Hennis (1923-2012)

    Am vergangenen Samstag ist der Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis gestorben. Im Merkur sind – nur, muss man bei einem Autor und auch Essayisten seines Formats sagen – drei Texte von ihm erschienen. Alle haben sie Grundsatzcharakter und sind von ungewöhnlicher Länge, jeweils knapp zwanzig Druckseiten. (mehr …)