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Artikel der Kategorie: Blog

  • Zu den Pers. Akten „Luhmann“

    Die Akte liegt digital vor. Farbig eingescannte, teils angegilbte Seiten, die Schatten, die das Papier dabei erzeugt hat, kehren am Bildschirm als Pixelwellen wieder. Zuerst rauscht es. Dann, auf Seite 34 erscheint das Gesuchte, Luhmann, und dann auch gleich im Rahmen eines Zeugnisses. Luhmann wird bezeugt, in dem Fall und der Akte so:  „Herr Luhmann ist ein befähigter Jurist, ein schneller Denker und ein fleissiger Arbeiter. […] Dabei ist hervorzuheben, dass Herr Luhmann auch beim Vortrag umfangreicher Sachverhalte und in der Würdigung schwieriger Rechtsverhältnisse nicht am Konzept „klebt“. (mehr …)
  • Es dreht sich halt mit. Zu Susanne Kennedys „Women in Trouble“

    Wo immer es herkommt. Wo immer es hinwill. Es dreht sich im Kreis. Links herum, bis kurz vor Schluss. Langsam, so langsam, dass man dem Vergehen der Zeit und dem Vorüberdrehen der Räume, Figuren und Dinge nicht einfach nur zusieht, man sieht auch dem eigenen Zusehen beim Vergehen unweigerlich zu, man spürt sich selbst nach beim Empfinden, das sich nicht einstellt, und dieses fortgesetzte Sich-Nicht-Einstellen einer Empfindung führt so flott, wie an diesem Abend sonst nichts ist, zur tiefen Betäubung. (mehr …)
  • The Web and the Breach

    Katsuya Tomita’s Bangkok Nites is the most beautiful film I’ve seen this year. It’s a groundbreaking study of the phenomenology – not only the structures – of globalisation, and that rarest of things: a piece of art that is resolutely of its time, while making the world appear wholly new. A former truck driver who shot his first films either during weekends or holidays, Tomita spent four years in Bangkok with his collective Kupplung, a gang of friends and self-declared “tribe of filmmakers”. They focused on Thaniya Road, a well-known street where sex workers cater to the needs of Japanese clients. There are no professional actors in Bangkok Nites. No sex scenes are shown. (mehr …)
  • Uns ist doch Beckett versprochen. Zur Eröffnung der Dercon-Volksbühne

    Vor dem Beginn hat es begonnen. Man kommt da rein, draußen alles wie immer, oder fast: kein Räuberrad mehr, OST ist zum Gorki gezogen, etwas macht Krach. Gitarre, Verstärker, die Volksbühne bebt, ein wenig, dazu flackert das Licht, geht an, aus, kennt Zwischenzustände. Die Toilettentüren stehen offen, nur von da, ausgerechnet vom Abort, kommt das einzige beständige Licht. Ungemütlich ist das, unheimlich fast, man kann sich nicht richtig unterhalten, man kann die Leute um einen nicht richtig erkennen, man weiß nicht genau, ob das dazugehört oder nicht. Und was ist das "dazu", zu dem was auch immer gehört? Das Programm, das man bekommt, ein Faltblatt, ist gar kein Programm. Nennt nur Punkte, keine Abfolge, keinen Zeitplan. Wie das zusammengehört, wird einem nicht zusammengereimt. Wann es losgeht, wann es weitergeht, wann was genau losgeht, wann was genau weitergeht, wird einem nicht vorher gesagt. Also wartet man. Die Unsicherheit ist konstitutiv. (mehr …)
  • Sechs Tage, die den Nahen Osten veränderten. Vor 50 Jahren siegte Israel im Junikrieg

    Vor 50 Jahren, vom 5. bis zum 10. Juni 1967, fand der Sechstagekrieg statt. So nennen die Israelis ihn nicht nur deshalb, weil sie in kürzester Zeit drei arabische Staaten besiegten – Ägypten, Syrien und Jordanien –, der Name hat auch eine tiefere Bedeutung. Er spielt auf die sechs Tage des biblischen Schöpfungsberichts an und bringt ein Gefühl zum Ausdruck, dass mit diesem Krieg etwas völlig Neues begann. (mehr …)
  • Auch Israel hatte eine Neue Linke. Lutz Fiedlers Buch über Matzpen

    In Israel ist „links“ zu einem Schimpfwort geworden. Die Diffamierung breitet sich nicht nur in den Internetforen aus, wirksam und gefährlich ist sie vor allem, weil sie zur offiziellen Rhetorik gehört und von entsprechenden Regierungsmaßnahmen begleitet wird. Kritische Medien werden von höchster Stelle beanstandet, Kulturinstitutionen fügen sich einer mehr oder minder spürbaren Zensur oder werden fiskalisch abgestraft, das Parlament legt Gesetze vor, die unliebsame Urteile des Obersten Gerichtshofes umgehen sollen. (mehr …)
  • Vielbeachtete Intellektuelle der Gegenwart: Hohe Kultur? (Hohe Kultur 9)

    Ein wichtiger historischer Zug der Bestimmung ‚hoher Kultur‘ lag in der genauen Angabe ihres Gegenteils – meist als ‚Massenkultur‘ (seltener als ‚populäre Kultur‘) bezeichnet. ‚Massen‘ können keine oder allenfalls eine mindere Kultur besitzen, das steht für bildungsbürgerliche Anhänger der hohen Kultur lange fest. Nur Sozialisten und Kommunisten wollen mitunter das ‚bürgerliche Erbe‘ auch den ‚Massen‘ nahebringen, alle anderen Anhänger bildungsbürgerlicher ‚hoher Kultur‘ sehen vielmehr im ‚Volk‘ jene Instanz, die dereinst an die hohe Kultur herangeführt werden oder sie sogar revitalisieren könnte – falls sie nicht grundsätzlich solche volkspädagogischen Bemühungen entweder als illusorisch zurückweisen oder elitär missbilligen. (mehr …)
  • Mer.kulturabend: Memoir – Neue Formen von Autobiografie/Autofiktion

    argonautenAm 27. Oktober diskutieren Hanna EngelmeierJan Wilm und Ekkehard Knörer über neue Formen autobiografischen/autofiktionalen Schreibens, die häufig unter dem Genre-Begriff "Memoir" gefasst werden. Ein Anlass ist das Erscheinen von Maggie Nelsons bei Hanser Berlin veröffentlichtem Buch Die Argonauten in der Übersetzung von Jan Wilm. Der Ort: Die Redaktion des Merkur in der Mommsenstraße 27 in Berlin-Charlottenburg. Die Zeit: 19 Uhr. Wegen begrenzter Plätze bitten wir um Anmeldung bei redaktion@merkur-zeitschrift.de
  • Apropos Bewunderung. Zur Debatte um die Verwendung von Eugen Gomringers Konstellation „avenidas“ an der Hausfassade einer Berliner Hochschule

    Die jüngste Debatte um Eugen Gomringers Gedicht avenidas begann mit einem offenen Protestbrief der Studierendenvertretung der Alice-Salomon-Hochschule, der die Wahl des 1953 veröffentlichten und 2011 an der Südfassade der Hochschule angebrachten Gedichts kritisiert. Die Studierenden verlangten vom Akademischen Senat (1) eine Begründung der Gedichtauswahl und (2) eine Diskussion über die Entfernung/Ersetzung an der Hausfassade. Zwar würde sich das Sicherheitsgefühl für Frauen, das in der Umgebung der Hochschule nicht gegeben sei, dadurch nicht erhöhen, jedoch wäre es ein „Fortschritt“, wenn die Wahrnehmung der Frau als Objekt der Bewunderung nicht poetisch an der Hausfassade gefeiert würde, wie dies in avenidas ihrer Meinung nach geschehe. (mehr …)
  • Genderwechsel: Zu Thomas Ostermeiers Inszenierung von Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“

    Dokumentarische Filmaufnahmen sind auf den Bühnenhintergrund projiziert. Ansichten der Stadt Reims im Nordosten Frankreichs. Arbeiterviertel und leerstehende Fabrikgebäude. Kulissen also, die Eribon in seinem autobiografischen und soziologischen Buch beschreibt. Thomas Ostermeiers Inszenierungseinfall für die Dramatisierung von Rückkehr nach Reims, die im Sommer in Manchester Premiere hatte und nun in Berlin zu sehen ist: In einem Aufnahmestudio werden Teile von Eribons Text als Off-Kommentar zu den im Hintergrund laufenden Filmbildern eingesprochen. Diskussionen zwischen Schauspielerin, Regisseur und Tontechniker unterbrechen den Sprach- und Bildfluss. Auseinandersetzungen über Kürzungen im Text oder das hier entstehende Verhältnis zwischen Bild und Text. (mehr …)