-
Februar 02, 2021 - 3 Kommentare
Impfstoff für alle, und das möglichst bald! Helfen sollen dabei jetzt die Methoden der Kriegswirtschaft. Schon am Tag vor Heilig Abend zog der Bonner Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick diesen phantastischen Vergleich: Den für den Krieg typischen Interessenkonflikt zwischen Staat und Unternehmen müsse man kennen, um das gegenwärtige Dilemma der Impfstoffproduktion zu lösen. Kriegswirtschaft, das bedeutet Privatunternehmen zum Aufbau von Produktionskapazitäten und zur Herstellung von Gütern zu bewegen, an denen sie auf mittlere Sicht gar kein Interesse haben – weil die spätere Verwendung der Anlagen fraglich und die Nachfrage nach Bomben und Munition endlich ist. Die Lösung: Finanzielle Anreize und staatliche Lenkung. Rund um den „Impfgipfel“ im Kanzleramt war kein Halten mehr: Die Zeit, in der finanzielle Anreize bei den Unternehmen noch etwas bewirken könnten, sei längst verstrichen, so Schularick. Er rief jetzt nach einem „Krisenstab mit Weisungsgewalt“, in dem „die Politik, die Vorstandschefs der Pharmaunternehmen und die Wissenschaft vertreten“ sein müssten. (mehr …) -
Januar 18, 2021 - Keine Kommentare
(mehr …) -
Januar 15, 2021 - 2 Kommentare
Lieber Herr Demand,
der neue Merkur kommt mit vielem Interessanten, darunter einem Beitrag von Jürgen Große (Die leere Mitte: das Humboldt-Forum), der mich nicht durch seine kritische Haltung irritiert (die ist Mainstream und findet sich in der FAZ ebenso wie in der Berliner Zeitung und andern Blättern), aber durch eine geflissentliche Unkenntnis von Tatsachen und Verläufen. Ich kenne Große von andern Texten, etwa im Jenenser „Palmbaum“, als einen qualifizierten Beiträger, aber hier hat er sich auf ein Terrain begeben, auf dem es ihm einfach an Kenntnissen fehlt. Fatalerweise hat er sich nicht nur keine Mühe gegeben, dieses Defizit zu beheben (ein Buch, das dazu hätte beitragen können, war ihm zur Hand), sondern geradezu ängstlich vermieden, sich durch die Kenntnisnahme von Fakten in seinen Vorurteilen beirren zu lassen. (mehr …) -
Januar 08, 2021 - 3 Kommentare
Verehrte Frau Prof. Assmann,
vielen Dank für Ihren neuen Beitrag zur erweiterten Debatte um Achille Mbembe im neuen Merkur. Ich habe Ihre Interventionen von Beginn an verfolgt und schätze diese sehr, zumal die Position der jeweiligen SprecherInnen leider immer wichtiger wird. Nicht alle können und wollen sich in diesem Klima der zunehmenden Verdächtigungen frei äußern. (mehr …) -
Januar 03, 2021 - 4 Kommentare
„Historisch war der ‚Judenboykott‘ eine Vorstufe zur Massenvernichtung. Seine Aktualisierung vernachlässigt empathielos die jüdische Erfahrung der Shoah. Derart stellt auch die Boykottstrategie der antiisraelischen Kampagne BDS, die besonders im Kunst- und Kulturbetrieb starken Zulauf erfährt, eine ethische Verfehlung dar, mit der ihre Unterstützer*innen konfrontiert werden müssen, so Aram Lintzel“, so die Texte zur Kunst-Redaktion in der Einführung zu seinem Beitrag. (mehr …) -
November 23, 2020 - 1 Kommentar
Unser besonderes Abo-Angebot zum Jahresende: Verschenken Sie ein Jahr MERKUR zum vergünstigten Sonderpreis von 97 Euro / 114 CHF und wählen Sie eine Buchprämie. Das Angebot ist nur bis zum 6. Dezember erhältlich.
(mehr …) -
Oktober 23, 2020 - 2 Kommentare
Es ist keineswegs ausgemacht, wie der philosophische Begriff agencement am treffendsten ins Deutsche zu übersetzen ist. Gilles Deleuze und Félix Guattari haben diesen Begriff in den späten 1970er Jahren geprägt, als Alternative zu ihrem oft missverstandenen Konzept der Maschine. Dominierte anfangs die linguistisch orientierte Übersetzung als „(Aussagen-)Verkettung“, wurde nach und nach deutlich, dass es eigentlich um die komplexen Verkopplungen von Zeichen und Materie, Technik und Körper oder Mensch und Tier ging. Dementsprechend lag es nahe, agencement im Sinne von „(räumlicher) Anordnung“ oder auch „Wirkungszusammenhang“ zu verstehen. (mehr …) -
Oktober 14, 2020 - Keine Kommentare
Wenn sich die Kräfteverhältnisse in einem Land verändern, sind die Gefängnisse wie Frühwarnzentralen, in denen zu erkennen ist, dass eine Macht fällt. Deshalb wurde der demonstrative Besuch von Alexander Lukaschenka im Minsker KGB-Gefängnis am Wochenende in Belarus besonders genau beobachtet. Mitten in der COVID-19-Pandemie schritt der autoritäre Herrscher vor laufender Kamera mit ausgestreckter Hand die Reihe seiner wichtigsten politischen Gefangenen ab. Die wenigen Fernsehbilder, die als Beweis seiner Dialogbereitschaft gedacht waren, wirkten wie ein besonders zynischer Monolog. (mehr …) -
Oktober 13, 2020 - 1 Kommentar
In diesem Jahr bleiben die Hallen zur Frankfurter Buchmesse leer. Angesichts steigender Covid-19-Infektionszahlen wäre die Messe wohl zu einem lebhaften Marktplatz infektiöser Aersole geworden. Dass das digitale Programm die dichte Atmosphäre sich langsam voranschiebender Menschenmassen nicht ersetzen kann, ist wohl allen in der Buchbranche bewusst. Anlass zur Sorge bot die Entscheidung dennoch kaum – man bedauerte zwar, dass man auf den alljährlichen Messekater verzichten müsse, aber eine branchenübergreifende Empörung blieb weitestgehend aus. (mehr …) -
Oktober 07, 2020 - Keine Kommentare
Meine Mutter kannte sie, jeder Einheimische kennt sie, warum sie so heißt, wissen wenige. Gerade heute wieder getestet, mit einem Augenzwinkern, bei einer netten Kollegin mit Paradiesbrückenbezug im baselländischen Muttenz, aber das ist ... jedenfalls, der Legende nach stand Luther bei einem seiner vier Predigt-Aufenthalte in der Stadt, er war mit dem Bürgermeister Mühlpfordt befreundet, unter starker Bedrängnis wütender und bewaffneter Franziskaner, er rettete sich durch wilde Flucht über die Mulde auf ebenjener heutigen Brücke, die aber schon die Nachnachfolgerin der von 1524, in das jenseitige gut verschließbare Gasthaus, beides erklärte er, Luther, zu seinem Paradies, der Wirt und der Rat nahmen dieses Diktum gerne auf. Ortsbezogenes Marketing war von jeher ein wesentlicher Treiber der Public History.
(mehr …)