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Januar 15, 2019 - 11 Kommentare
Der Roman Stella von Takis Würger ist zum Gegenstand eines feuilletonistischen Scherbengerichts geworden. In den extrem feindseligen Besprechungen bemerkt man einen Furor der Kritik, der Rezensent*innen vor allem dann überfällt, wenn man den Eindruck hat, es mit einem Buch zu tun zu haben, das nicht nur misslungen ist, sondern auch auf eine Art misslungen, die auf eine allgemeine literaturhistorische Misere verweist. In der Süddeutschen Zeitung etwa wurde das Buch zum „Symbol einer Branche, die jeden ethischen oder ästhetischen Maßstab verloren zu haben scheint.“ Und inzwischen ist der Streit um den Roman sogar bildzeitungsnotorisch geworden („Riesenstreit um Nazi-Buch!“) und hat so den esoterischen Bereich des ‚Betriebs‘ endgültig, wenn auch auf eine etwas unglückliche Art, transzendiert. Der Großverriss erscheint als diskursive Bühne, auf der wichtige Fragen der Zeit verhandelt werden können. Das ist unschön für den Autor, dessen Werk unversehens zum Schauplatz einer Debatte wird, die über den konkreten Text und dessen Qualität hinausweist; als diskursives Ereignis erscheint der Großverriss – das zeigt die Rezeption von Stella – allerdings unverzichtbar. (mehr …) -
Januar 14, 2019 - Keine Kommentare
Während der polnische Präsident im November vor einem Zug mit roten Bengalfeuern und rechtsradikalen Sprechchören den Republik-Geburtstag feierte, machte Netflix überall in Warschaus Innenstadt Werbung mit den Silhouetten junger Protestierender. Schnell sprach sich herum, dass 1983 die erste polnische Eigenproduktion des amerikanische Unterhaltungskonzerns ist, die Ende November gleichzeitig auf Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch zugänglich wurde. Sie zeigt den vergeblichen Aufstand einer Generation von Jugendlichen, die herausfinden, dass sie von einem autoritären polnischen Staat um ihre wahre Identität betrogen wurde. Im (alternativhistorisch) fiktionalen Jahr 2003 entscheiden sie sich dafür, den Freiheits-Kampf ihrer Eltern aus den frühen 1980er Jahren wieder aufzunehmen. Doch nun sehen sie sich einem weitaus mächtigeren Staat gegenüber, in dem jeder Bürger über ein eigenes mobiles Gerät überwacht wird. (mehr …) -
Januar 11, 2019 - Keine Kommentare
Fritz-Gerd Mittelstädts Essay "Die Grenzen der Heimat" ist in Merkur #834 erschienen. Wir schalten ihn aus Anlass dieser Kritik für begrenzte Zeit frei.
Mancherlei Einwände sind möglich, aber in einem Punkt ist Fritz-Gerd Mittelstädt unbedingt zuzustimmen: Heimat ist immer ein Konstrukt, und jeder konstruiert Heimat auf seine, oft recht abenteuerliche Weise. Geradezu atemberaubend indessen mutet Mittelstädts mehrfach variierte These an, Heimat sei – bis heute – ein rückwärtsgewandtes Konzept. Die Nachvollziehbarkeit dieser These will sich während der Lektüre allerdings nicht so recht einstellen. Ein Schulbuch, einige bloß erwähnte, nicht näher vorgestellte Schülerarbeitshefte, drei Bildbände, eine ominöse „Deutsche Kultur-Geographie“, in die allesamt kursorische Blicke hineingeworfen werden, müssen als Kronzeugen für die „Bewahrung eines gesamtdeutschen Bewusstseins“ und obendrein für das „Wachhalten des [!] auf Gesamtdeutschland bezogenen Heimatbewusstseins“ herhalten. (mehr …) -
Januar 04, 2019 - 1 Kommentar
011.10.2018
Offener Brief:
Lieber Dieter Schönecker, geschätzter Kollege, alter Kommilitone,
am Philosophischen Seminar der Universität Siegen wird im laufenden Wintersemester folgendes Seminar angeboten:
„Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Meinungsfreiheit.
Organisationseinheit: Philosophisches Seminar (Verantwortlicher)
Kommentar: In diesem Seminar geht es um die Philosophie und Praxis der Redefreiheit. Genauer gesagt geht es um die Frage, wie groß die Redefreiheit bei Veranstaltungen sein sollte, die an Universitäten stattfinden. (Es geht nicht um Islamismus, die Flüchtlingskrise usw.) Sollte es Grenzen geben, und wenn, wo liegen diese? Darf man Personen wie Thilo Sarrazin einladen oder wie Marc Jongen (MdB, AfD)? Nach einem Vorgespräch treffen wir uns zu einem ganztägigen Blockseminar, bei dem wir uns mit Auszügen aus Mills „Über die Freiheit“ beschäftigen werden. Ein wesentlicher Teil des Seminars ist eine Vorlesungsreihe, in der auch dezidiert konservative oder rechte Denker teilnehmen werden (u.a. Sarrazin und Jongen).“ (mehr …) -
Dezember 07, 2018 - Keine Kommentare
Verschenken Sie den Merkur zum Weihnachtspreis: für nur 80 Euro statt 120 Euro, inklusive einer Buchprämie. Das Abonnement endet nach einem Jahr automatisch, eine Kündigung ist nicht nötig. Das Angebot ist gültig bis zum 18.12.2018. Zur Bestellung hier entlang:
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November 19, 2018 - 1 Kommentar
I
Ein Verzeichnis aus Verzeichnissen: Ein Inhaltsverzeichnis, nicht so genannt. Eine Vorbemerkung, dessen erste Seite aus einer Liste von Dingen besteht, die verschwunden sind, während Verzeichnis einiger Verluste, das neue Buch von Judith Schalansky entstanden ist: der Marslander Schiaparelli, der Kopf der Leiche von Friedrich Wilhelm Murnau und die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte. Durch einen Seitenumbruch getrennt von einer weiteren Liste, die Dinge aufzählt, die während der Arbeit am Buch gefunden wurden, wiederaufgetaucht sind, entdeckt wurden: Zeichnungen Piranesis, die Wespenart Deuteragenia ossarium, der Grabhügel von Alexander des Großen Gefährten Hephaistion. Eine Vorbemerkung, die sagt: „Nichts kann im Schreiben zurückgeholt werden, aber alles erfahrbar werden.“ 12 Erzählungen, jede einer verlorenen Sache gewidmet, ein so bezeichnetes Personenverzeichnis ausschließlich toter Personen, ein so bezeichnetes Bild- und Quellenverzeichnis. (mehr …) -
November 08, 2018 - Keine Kommentare
Heute Abend gleich zwei Veranstaltungen in Potsdam/Berlin mit starken Merkur-Bezügen:
Corey Robin spricht am Einstein-Forum in Postdam über "The Reactionary Mind" (gerade unter dem Titel "Der reaktionäre Geist" in deutscher Übersetzung erschienen - aus dem wir das Kapitel über Donald Trump im Januar 2018 abgedruckt haben). Beginn 19 Uhr, alles weitere hier.
Christoph Möllers spricht im Rahmen der Mosse-Lectures mit Philip Manow über "Die autoritäre Revolte". Beginn ebenfalls um 19 Uhr, Senatssaal der HU Berlin. (Von Möllers zuletzt beim Merkur: "Wir, die Bürger(lichen)" im Juli 2017. Von Philip Manow: "Dann wählen wir uns ein anderes Volk..." im April 2018.) -
Oktober 01, 2018 - Keine Kommentare
Zur Zweiten Lesung empfiehlt Patrick Eiden-Offe den Essay „Der Alltag, die Allegorie und die Avantgarde“ von Peter Bürger, der 1986 im Merkur erschienen ist. Bürger widmet sich dem Diskurs um die Postmoderne – nicht um diesen fortzuführen, sondern um ihn mithilfe der Kunst von Joseph Beuys aufzubrechen.
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September 26, 2018 - 1 Kommentar
Vom 24. bis 26. September findet in Berlin KOOK.MONO statt, eine Veranstaltungsreihe, die neue, performative Formate für literarische Texte schafft. Autor*innen, die dort auftreten, denken bei uns im Blog über ihr Schreiben nach. (Hier die Website zur Reihe.)
Ich fange an.
*
Ich muss anders anfangen
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September 26, 2018 - Keine Kommentare
Vom 24. bis 26. September findet in Berlin KOOK.MONO statt, eine Veranstaltungsreihe, die neue, performative Formate für literarische Texte schafft. Autor*innen, die dort auftreten, denken bei uns im Blog über ihr Schreiben nach. (Hier die Website zur Reihe.)
Most poetry is written to be read quietly. Some poetry is written to be read quietly and sometimes gets read out loud in front of a community of people. Sometimes poetry is written, where this reading out loud is part of the way it is written. Where the text becomes a kind of performative score, the skeleton of something larger. More and more writers think beyond what happens on the page. They think physically, performatively, theatrically, conceptually, visually, architecturally, anatomically, musically. (mehr …)