Kategorie: Zeitschrift – Kostenpflichtig
Artikel der Kategorie: Zeitschrift – Kostenpflichtig
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Flache Berge
Den einen sind sie eine Herausforderung, den andern eine Bedrohung. Manche finden sie sogar schön. Die Achtundsechziger aber erinnern sich dabei immer noch an ein Graffito, das von einer besseren Aussicht auf das Meer träumte und deshalb ganz radikal wurde: Rasez les Alpes! (mehr …)
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Neom, die Wüstendystopie
In Saudi-Arabien soll ein Traum Wirklichkeit werden, und westliche Architekten reißen sich beide Beine aus, um daran mitzuwirken: eine Stadt, die aus einer 170 Kilometer langen Linie aus verspiegelten Hochhäusern besteht. Wird das einmal der längste Scherbenhaufen der Welt?
Als die ersten Entwürfe für Neom durchsickerten, erinnerten sie an mittelprächtige Science-Fiction-Filme. Schwärme fliegender Taxis, von einem künstlichen Mond beleuchtet, und in die Landschaft geworfene, wild ineinander verdrehte Glastürme sollten eine Neun-Millionen-Stadt ergeben, die sich der Kronprinz und Cyberpunk-Fan Mohammed bin Salman für die wasserlose nordwestliche Provinz Tabuk ausgedacht hatte. (mehr …)
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Ahornböden und Fichtendecken
Der Weg zum Violinunterricht führt an den ebenerdigen Fenstern eines Geigenbauers vorbei. Entweder hobelt er kleine Späne von Fichtendecken und Ahornböden, oder er schnitzt an einer Schnecke.
Im Sommer weht ein festlicher Duft von frischem Holz und Lack aus dem Haus. In kalten Wintern wachsen Eisblumen an den Fenstern, dicht wie Vorhänge. (mehr …)
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Überlegungen zu Tschernobyl
Bei Christa Wolf fällt das Weltgeschehen insoweit mit dem Privaten zusammen, als sich das eine im anderen spiegelt. So heißt es in Störfall: »Da du nicht fragen kannst: Die Art Strahlen, lieber Bruder, von denen ich rede, sind gewiß nicht gefährlich. In einer mir unbekannten Weise durchqueren sie die verseuchten Luftschichten, ohne sich anzustecken. Das Fachwort ist: kontaminieren.«1 Die Parallelisierung von Strahlenbehandlung und Kernkraft als Formen ziviler Nutzung der Radioaktivität ergänzt die Ich-Erzählerin in der Folge um eine Gleichsetzung von militärischer Verwendung und Atomenergie: »Nicht unvorbereitet, doch ahnungslos werden wir gewesen sein, ehe wir die Nachricht empfingen. War uns nicht, als würden sie uns wiedererkennen? Ja, habe ich eine Person in mir denken hören, warum immer nur die japanischen Fischer. Warum nicht auch mal wir.« (mehr …)
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Exodus. The New Institute in Hamburg
»Hamburg is our home. The world is our habitat. The future is our concern.« Wer das liest, denkt nicht unbedingt an eine wissenschaftliche Institution, sondern an ein global agierendes Unternehmen. Tatsächlich aber handelt es sich um den Claim des Hamburger The New Institute, einer von dem Hamburger Unternehmer Erck Rickmers 2021 gegründeten wissenschaftlichen Institution, die dadurch ihre globale Identität, ihre geradezu unbedingte Zukunftsorientierung und regionale Verwurzelung kommunizieren möchte. (mehr …)
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Erinnerungspolitik und Menschenrechte
Kollektives Erinnern ist zu einem politischen Topos geworden.2 Es durchdringt die Gegenwart als ein Akt der Selbstvergewisserung, des Heimisch-werdens in der eigenen Geschichte. Es ist eingebettet in dynamische Lebenswelten, gesellschaftliche Identitätskonstruktionen und Aushandlungsprozesse – wer können, wer wollen wir sein? –, die nur selten ohne Konflikte ablaufen. Das beginnt bei Deutungen von Inhumanitätserfahrungen und kulturellem Gedächtnis, setzt sich fort in der Frage, wie und von wem eine Geschichte erzählt wird, und mündet in das Ringen um Anerkennung von Verletzlichkeit. Erinnern ist deshalb immer auch Erinnerungspolitik. (mehr …)
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Eisen zu Eisen, PET zu PET?
In Deutschland werden jährlich über drei Millionen Personenwagen abgemeldet, die wenigstens fünfzehn Dienstjahre hinter sich haben. Die bundesamtliche Statistik verdeutlicht den tristen Erwartungshorizont von Kraftfahrzeugen: Irgendwann landen alle auf einem Schrottplatz. Dort werden sie rücksichtslos ausgeweidet, von Reifen, Schmieröl, Batterien und Kunststoffen befreit. Schließlich werden sie in handliche Pakete gepresst, auf große Lastwagen gehievt und zum Schmelzofen gefahren. Die letzte Fahrt braucht starke Motoren. (mehr …)
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Der Flachsweg
Bauern leben im Offenen, und die Landschaften, die sie bewohnen und bearbeiten, sind Wetterwelten. Dies gilt umso mehr für die norddeutsche Küste, wo das Land flach, der Wind stark und die Felder von Gräben durchzogen sind, um die Entwässerung zu gewährleisten. Für den Bauern ist das Wetter immer eine wechselhafte Angelegenheit, und meistens ist es nicht so, wie man es gerade gerne hätte. Der Klimawandel macht die Sache nicht einfacher. (mehr …)
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Ein Fach diskutiert über sich selbst
Für viele in Deutschland kam der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 unerwartet, auch für eine ganze Reihe derer, die sich wissenschaftlich mit Osteuropa beschäftigen. In einer frühen Stellungnahme warf Gerhard Simon, der Doyen der politikwissenschaftlichen Forschung – und Politikberatung – zu Osteuropa und insbesondere der Ukraine, der gesamten deutschen Osteuropaforschung vor, versagt zu haben: Sie habe es nach 1991 selbst in dreißig Jahren nicht geschafft, ihre einseitige Fokussierung auf Russland zu überwinden. (mehr …)
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Inverses Schönreden. Kommentar zu Geert Lovinks „Die Plattformfalle“
»Es liegen Nuggets im Schlamm« hieß die Parole einst, als im Netz und im Web noch Goldgräberstimmung herrschte. Nicht alles, was glänzt, ist Gold, das war natürlich auch damals schon allen bewusst. Rasch war aus der Kathedrale der Basar geworden, mit all seinem Lärmen und nicht selten viel Lärm um Nichts.1 Nur sollten dennoch, sollten gerade in diesem Tohuwabohu auch Perlen zu finden sein. Oder eben Gold: »Es werden unglaubliche Mengen an Schwachsinn und Redundanz um den Globus bewegt, aber es liegen Nuggets im Schlamm.«2 (mehr …)
