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Juni 02, 2020 - 1 Kommentar
Igor Levit spielte die gesamten Vexations von Erik Satie, zwanzig Stunden lang – so war es geplant –, im Aufnahmestudio b-sharp in Berlin-Pankow, am 30. und 31. Mai 2020:
»I honestly don’t really know what is going to happen. But I believe I will feel, while doing it, kind of similar to what I go through now. There will be ups, there will be downs, there will be devastation, there will joy, there will be literal pain. Just this monotonic repetition of just the same thing, of a piece which in a way has no apparent musical content—just this staring at a wall, waiting, waiting. At some point, you lose the perspective of time—like now. You lose the perspective of an end—like now. I think at some point I will lose the hope that this will ever end—like now. Maybe I won’t make it. It’s just about surviving. Like now.«
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Mai 26, 2020 - 2 Kommentare
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Mai 07, 2020 - 1 Kommentar
In vielen Ländern, die von der Corona-Pandemie stark betroffen sind, haben die Behörden Ausgangssperren verhängt: In Norditalien durfte vom 8.3.2020 bis zum 3.5.2020 niemand mehr seine Wohnung verlassen, der keinen triftigen Grund vorzuweisen hatte. In Spanien wurde am 13.3.2020 eine bis 2.5.2020 währende Ausgangssperre ausgerufen. In der Türkei wurde am 22.3. allen Bürger*innen unter 20 bzw. über 65 Jahren bis auf weiteres verboten, die Straße zu betreten, zudem wurden immer wieder komplette Ausgangssperren für die bevölkerungsreichsten Provinzen verhängt, die – aus wirtschaftlichen Erwägungen – auf (lange) Wochenenden begrenzt waren. All diese Maßnahmen ließen sich leicht polizeilich kontrollieren. Wenn überhaupt jemand aus dem Haus gehen wollte oder musste, benötigte diese Person, wie etwa in Norditalien, eine schriftliche Erlaubnis der Behörden.
Als sich in Deutschland die Landesregierungen unter der Koordination der Bundeskanzlerin gegen eine Ausgangssperre und für das Kontaktverbot entschieden, haben sie hingegen die Weichen für eine konzertierte Version der Massenerziehung gestellt. Eine Ausgangssperre hätte sich, wie in den anderen Staaten, mit Polizeigewalt weitgehend erzwingen lassen – gleich ob die Betroffenen einsichtig sind oder nicht. Das Verbot physischer Nähe aber ließ sich kaum alleine mit Strafen und ihrer Androhung durchsetzen.
Kontaktverbot und Massenerziehung
Die Regierungen der Länder waren vielmehr darauf angewiesen, dass die Menschen selbst bereit sind, auf Abstand voneinander zu gehen. Die politischen Entscheidungen, Appelle und Maßnahmen in den folgenden Wochen haben gezeigt, dass Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsident/innen dies aber nicht dem Zufall oder der spontanen Einsicht des Einzelnen überließen. Sie setzten auf die politische Erziehung der Bevölkerung. Denn Handlungsbereitschaften, die sich nicht von selbst einstellen, muss man – das ist das Credo jedes Erziehers und jeder Erzieherin – aktiv herbeiführen.
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Mai 04, 2020 - Keine Kommentare
I
Moritz Rudolph ist ein fleißiger Autor – kaum hatte ich die Information, der Weltgeist sei im Grunde ein Lachs, verdaut, erschien im Aprilheft des Merkur ein neuer Essay von ihm, über „Thüringen als politisches Formproblem“. Als jemand, der in Eisenach geboren wurde und in Weimar aufwachsen musste, war ich sofort interessiert. (mehr …) -
April 24, 2020 - 2 Kommentare
„Alle Gesellschaften - reich oder arm werden mit dem Diktum 'lernen oder untergehen' konfrontiert, auch wenn vielleicht einzelne sich nicht unmittelbar bedroht fühlen. Innovatives Lernen ist für eine Gruppe ganz besonders unerläßlich geworden - für diejenigen, die über die Macht verfügen, die menschliche Rasse auszulöschen.“
Dieser martialische Satz steht in einem Buch aus dem Jahr 1979, herausgegeben von Aurelio Peccei, dem damaligen Präsidenten des Club of Rome. Es hatte den Titel „Club of Rome – Zukunftschance lernen – Bericht für die achtziger Jahre.“ Es ist leider weit weniger bekannt als der erste Bericht des Club of Rome vom Ehepaar Meadows, welcher „Grenzen des Wachstums“ hieß und heute sehr modern für ein Gleichgewicht von wirtschaftlichem Wachstum und ökologischen Bedingungen plädierte. Heute, genauso intensiv wie damals, zeigt dieser zweite Bericht des Club of Rome jedoch eine weitere Facette des Versagens politischen Denkens jenseits des ungebremsten Wachstumsdenkens auf. (mehr …) -
April 20, 2020 - Keine Kommentare
Nun ist die Entscheidung gefallen: Es bleibt für die meisten erst einmal beim home schooling. Dieser Testfall für den digitalen Unterricht ist eine Chance für den normalen, physischen Schulbetrieb. Denn was im Digitalen scheinbar fehlt, weist auf ein Defizit aktueller Unterrichtsmethoden hin: die soziale Komponente. Gerade Unterricht aus der Ferne setzt schulische Beziehungsarbeit und kollaborative Arbeitsformen wieder auf die Agenda. Voraussetzung dafür ist, dass digitale Möglichkeiten – und diese sind eben nicht nur ‚technisch‘ – tatsächlich ausgeschöpft werden. Mit welchen Funktionen wollen wir Lernplattformen bestücken, mit welchen Inhalten und Methoden wollen wir digitale Endgeräte in Schülerhand bespielen? Wie verändert sich die Unterrichtssituation, die ‚Inszenierung‘, die Interaktion im digitalen Unterricht? Welche Übungstypen und Arbeitsformen sind kognitive Hemmschuhe, welche Siebenmeilenstiefel? (mehr …) -
April 06, 2020 - 3 Kommentare
Im Blick auf die Ansteckungsraten mit Covid19 erlaubt der Vergleich zwischen Ländern, die wie selbstverständlich auf das Tragen von Masken setzten und solchen, die gar nicht oder erst viel später dazu verpflichteten, den ersteren eine größere Kompetenz bei der Infektionseindämmung zuzusprechen. Wenn es die Statistik auch nicht einfach erlaubt, das Tragen von Masken als Ursache der großen Unterschiede in der Ausbreitung des Virus namhaft zu machen, so wird man trotzdem auf den Vorteil von Verhaltensmustern schließen dürfen, die mit dem Tragen von Masken einhergehen. Was also, wenn der Erfolg Singapurs, Südkoreas, Japans oder, wenn man den Zahlen glaubt, Chinas, auf entsprechende Verhaltensweisen zurückgehen, noch vor dem Social Tracking – oder möglicherweise in Verbindung mit diesem? (mehr …) -
April 02, 2020 - Keine Kommentare
Nachdem in den letzten Jahren die Zeitschriftenschauen in den Zeitungen fast alle abgeschafft wurden (löbliche Ausnahme: der Tagesspiegel, mit einer sonntäglich erscheinenden Zeitschriftenkolumne von Gregor Dotzauer), gibt es in der Welt am Sonntag unter Leitung von Jacques Schuster jetzt eine neue Rubrik "Aufgeblättert". Das ist für Medien wie den Merkur natürlich ohnehin erfreulich. Noch erfreulicher: Am letzten Wochenende gab es einen freundlichen Hinweis auf Moritz Rudolphs im Aprilheft erschienenen Thüringen-Text. Kurzes Zitat: "Ob der Vergleich zwischen Sands Tat und der NSU-Mordserie allen Lesern einleuchten wird, sei dahingestellt. Dennoch gelingt es Rudolph auf originelle Weise, das Sperrige an Thüringen durch historische Beispiele zu belegen."
Und auch auf der Geisteswissenschaften-Seite der FAZ gibt es immer wieder Hinweise auf Longreads, oft betrifft das aber akademische Fachliteratur. Diese Woche weist Thomas Thiel aber auf einen "lesenswerten Essay" hin, auch aus dem Merkur, auch von Moritz Rudolph, allerdings seinen Weltgeist als Lachs aus dem Februar (hier für 2 Euro erhältlich) - und notiert in seinem Kommentar, dass hier die Rückablösung Foucaults als Mikroanalytiker der Macht durch die eher auf den Staat fokussierte Kritische Theorie Gestalt annimmt. -
April 01, 2020 - 6 Kommentare
Das für mich persönlich Seltsamste in dieser Corona-Krise ist die Begeisterung des Westens über mein Heimatland Südkorea. Nicht nur Wirtschaftszeitungen wie die Financial Times oder liberale Medien wie New York Times und BBC, sondern auch linke Zeitungen wie die taz präsentierten die südkoreanischen Maßnahmen gegen die Covid-19-Ansteckungswelle als Vorbild für das Krisenmanagement auch im Westen. Die „Why don't we do it like the Koreans?“-Frage ist in den USA zum Klischee in Pressekonferenzen geworden. (mehr …) -
März 31, 2020 - Keine Kommentare
Am nördlichen Ende der Belvederer Allee liegt ein verwilderter Friedhof. Das Gras steht kniehoch. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein ist alles schreckendurchwuselt: Thettigonia viridissima, die ich sofort erkenne, und Chorthippi, die der Laie meist nicht exakt bestimmen kann, umspringen die Grabsteine. Einige Inschriften kann ich mühselig entziffern. „Gawril Alexejewitsch Frolow, 1911 bis 1946.“ „Iwan Ruibin, 1918 bis 1945.“ Auf anderen prangen nur noch beschädigte Fotografien. Die Witterung hat die Namen aus dem Stein gewaschen. (mehr …)