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Juli 08, 2017 - 7 Kommentare
Hier die zweite Lieferung des Dossiers zu Sexismus an Schreibschulen. In der ersten Lieferung schrieben AbsolventInnen des Hildesheimer Literaturinstituts - in diesem ersten Post auch eine Übersicht über die Texte, den Anlass, die Hintergründe und den Kontext dieses Dossiers. (mehr …) -
Juli 08, 2017 - 1 Kommentar
was denke ich da eigentlich, war mein zweiter gedanke, als ich vom sexismusvorwurf gegen die deutschsprachigen schreibschulen gehört habe, denn mein erster gedanke war: ach ja, da kann man eigentlich nicht viel zu sagen, außer das übliche: nur männliche professoren und zuviel literatur von männern, die gelesen wird. dann kam: einen moment innehalten. dann kam: vielleicht sitzt das problem tiefer als ich denke, wenn selbst ich als frau denke: „naja, da kann man eben nur das übliche sagen.“ (mehr …) -
Juli 08, 2017 - 2 Kommentare
Wie kann man denken, eine Institution habe kein Sexismus- (Klassismus-, Rassismus-, Alkohol-) Problem, wo sie doch Teil einer Gesellschaft mit eben diesen Problemen ist? Wenn sie’s selbst nicht hat, ist sie zumindest co-abhängig. Was mir einleuchtet, ist, dass man’s nicht wahrhaben will und entsprechend auch nicht hören. Weil man sich dann darum kümmern müsste, und das ist so anstrengend –
Mit dem Kümmern fängt man erst an, wenn der Leidensdruck zu groß wird, denn der berechnet sich: Schmerz (verursacht durch den Zustand) geteilt durch Angst (vor Veränderung oder der Mühsal der Veränderung). Wenn hier eine Zahl größer null rauskommt, stimmt der Leidensdruck, wenn sie unter null liegt, ist er noch nicht groß genug.
Einleuchtend auch, dass diejenigen, die vom Zustand benachteiligt sind, eher darunter leiden und sich deshalb auch eher darum kümmern wollen. Deren Schmerzen sind in der Regel größer. (mehr …) -
Juli 08, 2017 - 2 Kommentare
UND MEIN HOCHDRINGLICHER SENF zur causa GEHT SO:
DAS MÖCHTE ICH GESAGT HABEN UND WILL ICH SAGEN SEIT UNGEFÄHR 2009, HABE ES IMMER WIEDER GESAGT, VERSTOHLEN, GLÜCKLICH UND WIEDER RECHT BETRÜBT, HABE ES AUFGESCHRIEBEN UND VERWORFEN, HABE ES IRGENDJEMANDEM VORGEHALTEN, MICH NICHT GEFREUT UND OFTMALS GEDACHT: ES SIND DIE LETZTEN DINOSAURIER, DIE NOCH LEBEN (mehr …) -
Juli 08, 2017 - 1 Kommentar
Dieser Beitrag ist die mit Erlaubnis der Autorin gekürzte Fassung eines in der Zeitschrift PS: Politisch Schreiben erschienenen Textes. Zur vollständigen Fassung.
Im Frühling 2013 hielt ich im Rahmen eines Seminars am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig einen Vortrag zu Monique Wittigs Essay The Point of View: Universal or Particular aus dem Jahr 1980, den ich hier frei mit: Das Allgemeine oder das Besondere übersetze. Ich hatte mich für das Thema Das Politische in der Literatur gemeldet, um mit Monique Wittigs Hilfe auf kreative Weise einen Beitrag zu gestalten, von dem ich hoffte, er könne, wenn nicht einen Anstoß, so zumindest ein breiteres Verständnis für meinen Standpunkt bei meinen Kommiliton_innen sowie meinem Professor generieren. Wer von Monique Wittig noch nie gehört hat, kein Ding – weder meinen Kommiliton_innen noch meinem Professor war bis zum Zeitpunkt meines Vortrags Monique Wittigs Existenz bekannt gewesen. Wittig war eine französische Schriftstellerin und feministische Theoretikerin. 1935 geboren und 2003 verstorben, wird sie häufig in einem Satz mit Irigaray, Kristeva und Cixous erwähnt. (mehr …) -
Juli 08, 2017 - 1 Kommentar
Mein Studium am Deutschen Literaturinstitut fühlt sich im Rückblick noch immer ein bisschen unwirklich an. Die alte Villa unter den Bäumen war für mich lange das Symbol einer hermetisch verschlossenen Welt, auf deren knarzendem Parkett berühmte Schriftsteller*innen ein- und ausgingen. Schriftsteller*innen, deren Gesichter ich vom Ingeborg-Bachmann-Preis aus dem Fernsehen kannte oder aus den Feuilletons der ZEIT und FAZ. Am Vorabend meines Auswahlgesprächs hatte Deutschland knapp gegen Uruguay das Spiel um Platz Drei in der WM gewonnen, und ich erinnere mich noch gut an eine riesige, sich wellende Deutschlandflagge, die von einer Gruppe Jugendlicher durch die gespenstisch leeren Straßen Leipzigs getragen wurde. Am nächsten Tag saß ich eine halbe Stunde zu früh auf einem Stuhl im dämmrigen Dachboden des Literaturinstituts. (mehr …) -
Juli 06, 2017 - 9 Kommentare
Nach Veröffentlichung eines anonymen Texts in einer Studierendenzeitung ist am Literaturinstitut Hildesheim heftiger Streit um Sexismus an diesem Institut entbrannt. Am 4. Juli gab es eine Vollversammlung, in der die Lehrenden und die Studierenden über die Strukturen, die Sexismus begünstigen, sprachen, und darüber, was man ändern kann oder sollte. Die Diskussion ist in vollem Gang und wird von intern und extern verbreiteten Texten flankiert. Auf dem Blog des Festivals Prosanova werden in den nächsten Tagen und Wochen Texte zum Thema von aktuell in Hildesheim Studierenden erscheinen, unter dem Namen SOLO hat sich eine große Gruppe von Studierenden zusammengetan. (mehr …) -
Juli 06, 2017 - 4 Kommentare
Herbst 2009, Hildesheim: Mein erstes Semester hat gerade begonnen. Das Seminar trägt den Titel: Einführung ins dramatische Schreiben. Wir haben jede Woche die Hausaufgabe auf, zu einem bestimmten Aspekt einen kurzen szenischen Text zu verfassen. Die gelungensten werden vom Dozenten ausgewählt, für alle kopiert und in verteilten Rollen gelesen. Dabei obliegt den Autor*innen das Recht, die Rollen den anderen Seminarteilnehmer*innen zuzuteilen. In der ersten Woche ist mein Text nicht unter den Auserwählten, aber ich bin die sexhungrige Lehrerin im Dialog eines Kommilitonen. In der nächsten Woche ist mein Text auch nicht dabei, aber ich lese die erotische Stimme eines Navigationsgeräts.
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Juli 06, 2017 - 1 Kommentar
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2017
Das Forschungskolleg, in dem ich arbeite, hat Mark McGurl zu einem Gastvortrag eingeladen. Ich bin gemeinsam mit einem männlichen Kollegen für die Organisation zuständig und habe sie mir, weil die weibliche Spitze meines Kollegs sehr auf so etwas achtet, außergewöhnlich gerecht mit ihm geteilt. Ich bin außerdem aufgeregt wie ein kleines Kind, da ich unseren Gast seit Schreibschulzeiten kenne und akademisch verehre. Beim anschließenden Essen sitze ich ihm gegenüber, empfehle hessischen Apfelwein und bin extra laut und extra witzig, was gut geht mit McGurl, weil er selbst extra laut und extra witzig ist. (mehr …) -
Juli 06, 2017 - 2 Kommentare
Zur Sexismusdebatte im Fachbereich II der Uni Hildesheim
Ich habe von Oktober 2003 bis März 2008 in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert. Und um ehrlich zu sein war ich – als weißer, heterosexueller Mann – Teil des auch zu dieser Zeit fraglos existierenden Sexismus. Ich war 22 Jahre alt, als ich nach Hildesheim kam, ich war auf dem Land aufgewachsen, an Feministinnen kannte ich nur Alice Schwarzer und die erste Assoziation mit ihrem Namen war „Emanze“. Knappe zwei Jahre vorher hatte ich in meiner Abi-Zeitschrift einen Text über den Chemieleistungskurs geschrieben, der betonte, warum es ganz natürlich war, dass wir Jungs uns viel geschickter anstellten als die Mädchen. Kurz: Ich hatte kein Bewusstsein für Sexismus oder meine Privilegien, schlimmer noch: Mein Denken und Handeln waren sexistisch geprägt.
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