• Eine eurozentrische Geschichte des Kapitalismus. Gefangen in der Kritik der Kapitalismuskritik

    D ie kaum ein Jahrzehnt zurückliegende Finanzkrise hat das Interesse am Kapitalismus wiederbelebt. Und doch sollte man die Krisenkonjunktur als Ursache eines solchen Interesses nicht überschätzen. Schließlich kommt dem Kapitalismus auch jenseits seiner Krisenhaftigkeit eine zentrale Bedeutung in nahezu allen theoretischen Konzeptionen der modernen Welt und damit im Selbstverständnis westlicher Gesellschaften zu. Max Webers Versuch, den Stellenwert des modernen Kapitalismus für eine spezifisch okzidentale Sonderentwicklung zu bestimmen, ist nur eine besonders bekannte Variante. Noch im 21. Jahrhundert trifft man auf historische Soziologen wie Richard Lachmann, die ihre Werke mit der Feststellung beginnen: »Something happened in Western Europe in the fifteenth through eighteenth centuries. Sociology’s founders believed the task of their discipline was to define that something and to explain why it happened where and when it did.«

    (Der Essay ist im Märzheft 2019, Merkur # 838, erschienen.)

    Werner Plumpe meint als Wirtschaftshistoriker in seiner Geschichte des Kapitalismus zwar ohne den Rückgriff auf Lachmann oder dessen vor allem in den USA zahlreiche Kolleginnen und Kollegen wie Julia Adams oder Bruce Carruthers auskommen zu können, teilt aber im Kern deren Vorannahmen über Ort und Zeit des Geschehens.[2. Werner Plumpe, Das kalte Herz. Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution. Berlin: Rowohlt 2019.] Im Zentrum stehen die Niederlande und England, wenngleich für ihn erst (wechselweise) das 17. und das 16. Jahrhundert den Beginn definieren. Methodisch fällt Plumpe damit weit hinter Weber zurück, der meinte, zum Nachweis einer okzidentalen Sonderentwicklung die Wirtschaftsethik der Weltreligionen einer vergleichenden Betrachtung unterziehen zu müssen. Und wie anders als vergleichend sollte man Besonderheit auch nachweisen können. Plumpe insistiert stattdessen auf einem »europäischen Sonderweg, der eben aus sich selbst heraus erklärt werden muss und auch erklärt werden kann«. Überzeugend ist das nicht und schneidet überdies die interessantesten Diskussionen, die während der letzten zwei Jahrzehnte im Zeichen der Globalgeschichte geführt worden sind, von vornherein ab.[3. Vgl. Friedrich Lenger, Die neue Kapitalismusgeschichte. Ein Forschungsbericht als Einleitung. In: Ders., Globalen Kapitalismus denken. Historiographie-, theorie- und wissenschaftsgeschichtliche Studien. Tübingen: Mohr Siebeck 2018.] Kapitalismus ist für Werner Plumpe, der anders als Jürgen Kocka in seiner ungleich schlankeren Geschichte des Kapitalismus von 2013 auf eine Diskussion alternativer Definitionen verzichtet, kapitalintensive Massenproduktion. Man mag sich fragen, ob es da nicht konsequenter gewesen wäre, durchgängig diesen Terminus zu verwenden als den ja durchaus aufgeladenen Kapitalismusbegriff. Aber Plumpes Vorgehensweise hat durchaus ihren eigenen Sinn. Denn über die Massenproduktion wird zum einen auch der Massenkonsum zu seinem Wesensbestandteil, eine Perspektive, die er gegen Ende des Buches zuspitzt: »Der Kapitalismus ist und war von Anfang an stets eine Ökonomie der armen Menschen und für arme Menschen«. icon print Mehr Merkur? Jetzt drei Ausgaben im Probe-Abo lesen!   Berührt das eher die normative Seite vom Plumpes Begrifflichkeit, führt die Betonung der – nicht näher spezifizierten – Kapitalintensität zum anderen dazu, dass einmal mehr Kapitalismus, Wirtschaftswachstum und Industrielle Revolution ineinander geschoben und weitgehend gleichgesetzt werden. »Der Kapitalismus«, so hat dagegen der von ihm nicht zitierte R. Bin Wong ebenso knapp wie zutreffend festgehalten, »existierte schon vor der Industrialisierung«.[4. R. Bin Wong, Möglicher Überfluss, beharrliche Armut. Industrialisierung und Welthandel im 19. Jahrhundert. In: Sebastian Conrad/Jürgen Osterhammel (Hrsg.), 1750–1870. Wege zur modernen Welt. München: Beck 2016.] Und man kann hinzufügen: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum wie etwa in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts gab es auch ohne Industrialisierung – und Letztere wie im Falle der Sowjetunion auch ohne Kapitalismus. »Was sich in diesem Zeitraum abzeichnete,« so Plumpe für die Zeit von 1500 bis 1820, »entfaltete sich später zu einer dramatischen Schere. Nach 1820 beschleunigte sich das Wachstum in Westeuropa weiter und erreichte nun Ausmaße, die den Begriff ›Industrielle Revolution‹ in der Tat rechtfertigen.« Wenn die europäischen Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts schon in der Frühen Neuzeit angelegt waren, so die Implikation, dann lohnt auch der (lesen ...)
  • Weltbürgerlichkeit als repräsentative Kultur? Soziologiekolumne

    D as Ende des Ost-West-Konflikts und der mit ihm verbundenen bipolaren Weltordnungen hat Veränderungen epochalen Charakters angestoßen und wird längerfristig vermutlich auch die Vorstellungen von Gesellschaftskörpern, ihren Ausdehnungen, Grenzen und Binnengliederungen verändern. Der Übergang in ein neues System von Wahrnehmungen und Deutungen der Wirklichkeit dürfte noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Wie die Matrix der politischen und sozialen Ordnungen steckt auch ihr Vokabular im Umbruch.

    (Der Essay ist im Märzheft 2019, Merkur # 838, erschienen.)

    Zweifellos bildet das seit etwa zweihundert Jahren bestehende Staatensystem bis heute die Grundlage dessen, was wir in der Alltagssprache mehr oder weniger selbstverständlich mit dem Begriff der Gesellschaft verbinden: eine kulturell und politisch-staatlich integrierte und in sich abgeschlossene Einheit, die sich mit zahlreichen anderen Einheiten dieses Typs die Erdoberfläche teilt und die intern primär durch ein Klassen- oder Schichtungssystem gegliedert wird: die deutsche Gesellschaft, die französische Gesellschaft, die amerikanische Gesellschaft, die saudi-arabische Gesellschaft. Gesellschaftstheoretisch innovative Konzepte der Weltgesellschaft (Luhmann, Stichweh), der Weltökonomie (Wallerstein) oder der globalen Ungleichheiten (Weiß) konnten dem beharrlichen methodologischen Nationalismus im Denken wie auch in der wissenschaftlichen Forschung über Gesellschaften bislang wenig anhaben. Doch findet sich der Blick auf Gesellschaften gegenwärtig immer stärker durch ein komplexeres Bild transnational sich überlappender und sich verdichtender Räume überlagert, in dem die Nationalstaaten nicht mehr als fraglose Behälter selbstgenügsamer Gesellschaften fungieren. Vielmehr werden sie selbst zu einer unter vielen Figuren auf dem Schachbrett globaler Souveränitätskämpfe, in der globale Unternehmen, supernationale Verbände, NGOs und transnationale Akteure um Einfluss ringen. icon print Mehr Merkur? Jetzt drei Ausgaben im Probe-Abo lesen!   Transnationale Bewegungen – wie etwa die Finanzmärkte oder die Migrationsströme – können nicht mehr im Rahmen von (einzelnen) Nationalstaaten kontrolliert werden. Interessanterweise sind es also nicht in erster Linie andere souveräne Staaten, sondern nichtstaatliche transnationale Akteure, Gruppen und Organisationen, die die Souveränität von Staaten im 21. Jahrhundert unterminieren und spezifische politische Abwehrkräfte mobilisieren. Viele Staaten legen als Reaktion auf informelle und untergründig wirkende Mächte, die in Verbindung mit Migration, Drogenschmuggel, Kriminalität oder Terrorismus gebracht werden, sogar eine neue Leidenschaft fürs Mauerbauen an den Tag, während in denselben Staaten unterschiedliche Akteure quer über das politische Spektrum hinweg – von Wirtschaftsliberalen, Kosmopoliten und Humanisten bis hin zu linken Aktivisten – die Fantasie einer Welt ohne Grenzen hegen und von globalen Märkten schwärmen oder von einer Weltregierung oder Weltbürgerschaft träumen. In einer solchen Welt hat auch der Begriff von Gesellschaft seine Eindeutigkeit eingebüßt. Zugehörigkeiten, Erwerbschancen, soziale Netzwerke und kulturelle Identitäten sind nicht mehr automatisch mit den Flächenausdehnungen des staatlichen Territoriums identisch, sie nehmen oftmals hybride Gestalt an. Gleichzeitig und spiegelbildlich dazu formieren sich unterhalb der Ebene nationalstaatlicher Gemeinschaften neue religiöse, politische oder ethnische Gemeinschaften mit eigenen Traditionen und Gründungsmythen und scharf nach außen konturierten Grenzen, die sich oftmals gleichermaßen transnational wie »subkulturell«, jedenfalls außerhalb der Mainstreamkultur positionieren. In der heutigen Welt variieren die Grenzen von Gesellschaften mit den mentalen Vorstellungen kollektiver Zugehörigkeit, das heißt mit den Projektionen »imaginärer Gemeinschaften« (Benedict Anderson). Diese wiederum werden durch die transnationalen, lokalen oder nationalen Kontexte geprägt, in denen Subjekte ihre Ressourcen zum Einsatz bringen. Viele Menschen leben nicht allein in ihrem Staat wie in einer geschlossenen Welt, sondern in vielen und zwischen den Welten. Das gilt für professionelle Eliten, die in internationalen oder transnationalen Organisationen arbeiten, ebenso wie für Migranten, die zwischen Herkunfts- und Ankunftsland pendeln, zwei Staatsbürgerschaften haben oder in Diasporagemeinschaften leben. Zudem strukturieren globale Wissensökonomien, globale Produktionsketten und Finanzmärkte die Erwerbschancen auch von solchen Menschen, die sich selbst als sesshaft verstehen und in ihrem (lesen ...)
  • Ostküste. Popkolumne

    Und jetzt sind sie wirklich überall und nicht mehr zu übersehen. Feine Sahne Fischfilet finden sich nicht mehr nur auf den Partys und Sweatshirts von Antifa, vorpommerscher Jugend und linken Studierenden. Als im September 2018 in Chemnitz innerhalb kürzester Zeit auf Initiative der Band Kraftklub ein Musikfestival unter dem Hashtag #WirSindMehr die Straßen und Plätze der Stadt vom rassistischen Mob zurückerobert, ist das Provokationspotential von Feine Sahne Fischfilet so hoch, dass der Bundespräsident für seinen via Facebook geteilten Hinweis auf das Konzert massiv kritisiert wird. (mehr …)
  • Blickwende. Von der Erfahrung, eine zu große Minderheit zu sein

    In Parodie auf einen berühmten Buchanfang ließe sich sagen: Als Ostdeutscher wird man nicht geboren, zum Ostdeutschen wird man gemacht. Millionen erfuhren seit 1990 von ihrem Geburtsort Ostdeutschland per Fremdzuschreibung. Die DDR als Sozial- und Erfahrungskollektiv schien erst nach ihrer staatlichen Auflösung zu entstehen. (mehr …)

  • Die Spex-Jahre

    Der Essay ist im Januarheft 2019, Merkur # 836, erschienen.

    Die vorletzte Ausgabe der Spex enthält ein Osterei. In einem Interview mit Jens Friebe stellt Maximilian Sippenauer eine Frage zu den Produktionsbedingungen von Popmusik-Kritik. Die Antwort von Friebe ist auch eine Lagebeschreibung der Spex :

    »Maximilian Sippenauer: Auch im Musikjournalismus geht es prekär zu. Du hast früher für Intro geschrieben, das vor kurzem eingestellt wurde. Als jemand, der beide Seiten kennt: Wie empfindest du das langsame Verschwinden eines kritischen Gegengewichts in der Popmusik?

    Jens Friebe: Als Musiker bedauere ich das … Aber ich muss auch zugeben, dass ich selbst nicht mehr viel Musikjournalismus konsumiere, weil mir einfach die Gründe fehlen. Früher wollte man lesen, ob man sich eine Platte kaufen soll. Heute höre ich sie mir in Snippets vorher an. Hintergrundgeschichten, oder wie Musiker persönlich sind, haben mich nie so interessiert.« (mehr …)

  • Derrick, Walter Sedlmayr, die Schauspielkunst und ich

    Der Essay ist im Januarheft 2019, Merkur # 836, erschienen. Ich wachse in einer Einfamilienhaussiedlung auf. Waldrand, Jägerzaun. Kochrezeptsammlung aus der Hausfrauenzeitschrift Ich und meine Familie , die in Meine Familie und ich umbenannt wird, weil eine deutsche Hausfrau an sich selbst zuletzt denkt. Siebziger Jahre, ein Hauch von Freiheit, das heißt: Man kocht auch mal gewagte Gerichte mit Curry und Ananas. Man weiß, welcher Nachbar seine Frau schlägt; wahrscheinlich tun es die meisten. Das geht einen nichts an. (mehr …)
  • Betriebshellsichtigkeit. Zur Souveränität des Theaters

    Der Essay ist im Dezemberheft 2018, Merkur # 835, erschienen.

    Es hat Vorwürfe sexueller Belästigung gebraucht, damit am Theater wieder über Machtverhältnisse geredet wurde. Wieder – denn politisch motivierte Kritik am Machtgefüge der Theaterarbeit gab es schon früher, sogar welche mit Konsequenzen. Aber da der Anlass diesmal männliche Regisseure sind, die ihre souveräne Position missbrauchen, rückt auch die Souveränität dieser Position mit in den Fokus: Ruft die Macht des Regisseurs nicht geradezu nach ihrem Missbrauch? Ja, besteht sie nicht auch dort, wo jemand sie ganz im Sinne ihrer Einrichtung ausübt, stets ein Stück weit darin, die Grenze des Anstands zu überschreiten und mit den Körpern anderer Menschen Dinge zu tun, die deren Recht auf Selbstbestimmung zwischenzeitlich suspendieren? (mehr …)

  • The Trouble With Talking

    Der Essay ist im Dezemberheft 2018, Merkur # 835, erschienen.

    2013 nahm ich in der Schweiz an einer Diskussionsveranstaltung teil, in deren Verlauf ein Herr aus dem Publikum sagte, das Internet tauge schon aus dem einfachen Grund nichts, weil es voll Zank und Streit sei. Der wiederum entstehe aus den Missverständnissen, die die schriftliche Kommunikation zwangsläufig mit sich bringe und die man nur im persönlichen Gespräch vermeiden oder ausräumen könne. Das Argument begegnete mir nicht zum ersten Mal, und ich sagte das, was ich immer sage, nämlich dass meine Erfahrungen andere sind. Ich unterhalte mich lieber schriftlich als mündlich, und der größere, oft auch der interessantere Teil meiner Kommunikation findet schriftlich statt. Ich arbeite seit zwanzig Jahren in räumlich verstreuten Teams und lebe seit fünfzehn Jahren in einer Fernbeziehung, in der nie telefoniert wird. (mehr …)

  • Explizitheit. Klangkolumne

    Nach dem Essen sitzen wir noch etwas beisammen. Das Familienoberhaupt stellt eine frisch angeschaffte, moderne Apparatur vor, die den Alltag im Haus bereichern soll. Der unüberhörbare Stolz wird diskret überspielt mit Hinweisen auf den Nutzen und den pragmatischen Umgang – sowie die etlichen Erleichterungen im täglichen Leben, die das neue Gerät doch bereiten würde: »Alexa: Wie ist das Wetter?«, »Alexa: Was ist in den Nachrichten?«, »Alexa, spiele Musik!«, »Alexa, Einkaufsliste!« Sofort hüpfen alle Kinder und Jugendlichen der anwesenden Familien wie aufgestachelt umher, bilden kleine Trauben um das Gerät und führen ihren neuen Freunden vor, was dieses erstaunliche kleine schwarze Ding so alles kann; freilich wird auch sofort gezeigt, wie es zu veräppeln ist, alle lachen und wollen es zu merkwürdigen, untypischen Reaktionen provozieren: »Alexa: Erzähl’ einen Witz!«, »Alexa: Ich bin Dein Vater«, »Alexa: Bist Du doof?«, »Alexa: Mach’ mir ein Sandwich.« (mehr …)

  • Wertedämmerung

    Vom Bolzplatz

    Wir leben in einer Gesellschaft, die gern bei allen möglichen Gelegenheiten über ihre Werte spricht. Keine Zeitung kann man mehr aufschlagen, ohne dass sie einem von irgendwoher entgegenspringen. Alles und jedes hat seine Werte, die Bundesrepublik hat ihre Werte, der Westen hat seine Werte, jeder Taubenzüchterverein hat seine Werte. Auch die Europäische Union hat welche, sie stehen sogar ausdrücklich in ihren Verträgen: Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Solidarität, das ganze Programm. Und wenn deutsche Unternehmen von ihren Werten reden, meinen sie damit nicht – jedenfalls sagen sie es nicht so – ihre Aktienwerte. Selbst der Deutsche Fußballbund hat, wie man gelernt hat, Werte, auf die er sich immer wieder beruft und für die er auch Werbung macht. Als zwei Nationalspieler mit türkischem Ursprung sich unlängst mit dem Autokraten Erdoğan ablichten ließen und einer von ihnen ihm ein Trikot mit der Aufschrift »Für meinen geschätzten Präsidenten« überreichte, beeilte man sich deshalb zu versichern, dass auch diese beiden hinter ihnen stünden.

    In diesem Fall wäre es vielleicht schon eine interessante Frage, welches diese Werte sind und wie sie sich etwa zu der Umfunktionierung des Fußballs von einem Sport in ein Geschäftsmodell mit irrsinnigen Gewinnmargen verhalten. Auch so reichte aber vielen diese Erklärung nicht, ebenso wenig wie ein arrangierter Bußgang der betreffenden Spieler zum Bundespräsidenten: Es gehe hier gar nicht, so war in einem Zeitungskommentar zu lesen, um irgendwelche Werte, die sich der DFB zuschreibe. Sondern es gehe allein um die Werte, die im Grundgesetz verankert seien: Und deshalb würde man schon gerne wissen, wie »Repräsentanten der deutschen Nationalmannschaft dazu ganz konkret stehen«. Hier haben wir es also offenbar mit Werten einer höheren Stufe zu tun, die sich über andere Werte schieben oder sie verdrängen. Als solche sind sie dann auch nicht nur einfach da, sondern sie wollen innerlich angenommen sein, man soll sich zu ihnen bekennen oder jedenfalls irgendwie erklären. Geltend machen sie sich in diesem Sinne dort, wo jemand etwas repräsentiert, irgendein Größeres oder Höheres, das über seine einzelne Person hinausgeht. Und natürlich sind Werte dieser Stufe immer auch automatisch etwas Gutes: Wer wollte sich ihnen ernsthaft entziehen?

    (mehr …)