• International

    Im Netz zirkulieren unzählige Bilder, deren einziger Zweck es ist, uns zum Lachen zu bringen. Das kann eine Katze mit Hitlerbärtchen sein, ein wegen Umsturzgefahr an die Decke gehängter Weihnachtsbaum oder ein an einem Krematorium hängendes Schild mit der Aufschrift »Tag der offenen Tür«. Möglich, dass es schon bald eine Kamerasoftware gibt, die automatisch erkennt, wenn sich etwas Lustiges im Bildraum befindet, irgendetwas, das an andere, bereits als erfolgreich erwiesene Bildwitze erinnert. Nicht auszuschließen, dass sich dieses System als extrem lernfähig erweisen würde und bereits blinkt, wenn ein Grund hierfür noch gar nicht ersichtlich wäre, denn die Selbstverständlichkeiten von heute könnten die Witze von morgen sein. Es gibt Bilder, deren Witz sich, wenn überhaupt, erst auf den zweiten Blick erschließt. Eine junge Leserin dieser Kolumne schickte mir vor kurzem »einfach so« ein Foto, das sie bei einem Spaziergang durch Köln-Nippes mit ihrem Smartphone aufgenommen hatte und das sie irgendwie »lustig« fand. Es zeigt ein Stück Hausfassade mit einer geöffneten Tür, einem direkt daneben befindlichen Doppelfenster sowie einem in pastellener Abstraktion gehaltenen Sockel, der allerdings – wie die übrige Fassade – schon ziemlich verranzt ist. (...)

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  • Die Möwe J.

    Auf ein Töffli oder ein Motorrad kann ich mich nicht mehr setzen. Jedes Mal, wenn ich diese leichten Erschütterungen spüre, die vom Sattel abgegeben werden und in den ganzen Körper übergehen, denke ich an damals – und muss weinen. Damals: Mein zweites Kindergartenjahr hatte begonnen, eine Woche, bevor wir in die neue Wohnung ziehen würden. Von Anfang an wurde ich deshalb dem neuen Ort zugeteilt, der zwar zu weit weg lag von der alten Wohnung, um zu Fuß zu gehen, dafür aber auf dem Arbeitsweg meines Vaters. So kam es, dass er mich jeden Morgen und jeden Nachmittag jeweils hin und zurück mit auf sein Töffli nahm, eines dieser alten Zwei-Gang-Mopeds, die vor allem im ersten Gang schön vibrierten. Da saß ich also, vier Mal täglich, ganz dicht bei meinem Vater, nämlich vorne auf dem breiten Sattel, während er möglichst weit nach hinten rutschte, und mich mit seinen Beinen umschloss. Die Fahrten gefielen mir. Ich war meinem Vater körperlich nahe, das kam sonst selten vor. Dazu taten wir etwas Verbotenes. Mein Vater betonte immer wieder, dass dies eigentlich nicht erlaubt sei. Das gab dem Ganzen einen Hauch von Abenteuer. Etwas Übermütiges keimte in mir auf. Ich sog die vorbeiziehenden Bilder rechts und links in mich hinein, blickte weit voraus und immer wieder rückwärts hoch zu meinem Vater, den Hals verdreht und verbogen. Mein Vater lachte, fuhr aber ruhig weiter. Einmal, am Morgen, die Sonne war wohl erst etwa eine Stunde am Himmel, zeigte er mir einen Vogel, weit in der Ferne, unter ein paar Wölkchen. »Schau«, sagte er, »die Möwe Jonathan.« – Ich sagte nichts. Ich wusste nicht, wer die Möwe Jonathan war. Und obwohl ich im Vorschulalter nur zwei Drittel der normalen Sehstärke besaß, schien es mir vom Flug her eher eine Taube zu sein. Doch das änderte meine Gefühle keinesfalls: Mochte mein Vater sagen, was er wollte, endlich hatte er Zeit für mich allein, und endlich benahm er sich nicht so wie immer, nicht nur spie- ßig, nicht bünzlig. Vermutlich kannte ich diese Ausdrücke damals noch nicht, weil sie in unserer Familie nie benutzt wurden, aber ich wusste von meinen Kollegen, dass mein Vater vergleichsweise langweilig war. Er arbeitete als Primarlehrer, machte sich nichts aus Autorennen und den gerade aufkommenden Computerspielen, bastelte nicht an elektrischen Eisenbahnen oder Seifenkisten, sondern lebte selbst für meine damaligen Begriffe ein sehr angepasstes Leben. Sogar den Sensler Dialekt, die Mundart seiner Heimat, hatte er völlig in das Luzerner Idiom transformiert. Dazu versuchte er fast verzweifelt, eine gewisse Anerkennung zu erlangen: Kaufte sich ein Kollege eine teure Ledermappe, die bestaunt wurde, so kaufte er sich exakt dieselbe. Waren die Männer unseres Mietblocks mehrheitlich in der Feuerwehr, so trat er da auch ein. Nur wenn etwas für uns Kinder Geld kosten sollte, dann geizte er: Eine Glace in einem Restaurant, das gab es nie. So blieben mir diese Fahrten als Momente, in denen mein Vater endlich nicht einfach knauserig und hundsnormal war (...)

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  • Odessa: ein Dorf voller Verschwörer

    Seit vielen Jahren spricht mein Vater davon, dass er ein letztes Mal noch Odessa sehen wolle. Nicht wegen der Sonne und des Meeres, nicht wegen der Potemkinschen Treppe, der Museen und Denkmä- ler, auch nicht wegen des Dorfes, in dem er unweit von Odessa geboren wurde, sondern wegen einer verstaubten Akte im Staatsarchiv. Der Akte meines Großvaters. Seit achtzig Jahren ist der Ort seiner letzten Ruhestätte unbekannt. Aber er muss irgendwo bei Odessa liegen. Vielleicht gibt die Akte etwas darüber preis. Im Juli ist es sehr heiß in Odessa, über 30 Grad Celsius, als wir auf dem Flughafen ankommen. Belehrt durch Blogs erfahrener Odessa-Reisender ignoriere ich die offensiv um Touristen werbenden Fahrer in der Ankunftshalle. Lieber gehe ich zum offiziellen Taxistand und bitte um eine Quittung, die ich zu meinem Erstaunen sogar im Voraus bekomme. 400 Griwna kostet die Fahrt in die Stadt, Einheitstarif, egal welche Adresse. Auf der Rückfahrt bezahlen wir für dieselbe Strecke nur 80 Griwna. So sei das hier eben, Ort und Nachfrage bestimmten den Preis, nicht etwa die Strecke, die aufgewendete Zeit oder sonstige tarifliche Bestimmungen. Die Filiale des Staatsarchivs, in der die Registrierung der Besucher vorgenommen wird, befindet sich im seit Jahrzehnten maroden Gebäude der ehemaligen BrodskySynagoge auf der Schukowskistraße. Als der Beamte unsere bundesdeutschen Pässe sieht, begrüßt er uns auf Deutsch mit »Guten Tag!«. Es gibt Formulare auszufüllen, ein Foto wird gemacht, wir erklären, mit der Einsichtnahme in die Akte lediglich familiäre Interessen zu verfolgen, und bestätigen schriftlich, dass wir nach der Lektüre der Dokumente keinerlei Ansprüche gegen die Ukraine zu erheben gedenken. Nach dieser Prozedur wird uns mitgeteilt, dass wir nunmehr im Lesesaal des Staatsarchivs am Hauptbahnhof die Akte einsehen dürfen. Gegen 11 Uhr vormittags ist es wieder sehr heiß, mein Vater möchte nicht so weit laufen, die Hitze, das Alter, die Beine. Taxischilder suchen wir im Straßenverkehr von Odessa vergebens. Ausschließ- lich telefonische Bestellungen mit vorheriger Preisvereinbarung seien ratsam, mahnen uns die Einheimischen zur Vorsicht. Taxameter gibt es kaum, oder sie werden nicht benutzt. Ein Passant hilft uns, ein Taxi zu rufen, denn wir sind mit der ukrainischen Ansage der neuen SIMKarte überfordert. Nicht genügend Guthaben, übersetzt der freundliche junge Mann, können die das einem nicht auch auf Englisch oder Russisch sagen? Außerdem hatten wir sie gerade gekauft, und der Verkäufer versicherte uns, das Guthaben reiche für einen ganzen Monat, Flatrate für call & surf. Irgendwo scheint ein Missverständnis vorzuliegen, das wir jetzt wohl nicht klären werden. Wir laden die unbenutzte Karte am Automaten auf. Die Fahrt mit dem Taxi kostet dieses Mal nur 37 Griwna. Die zweite Filiale des Staatsarchivs von Odessa befindet sich in einem in die Jahre gekommenen Plattenbau mit dem Charme eines abgewrackten Studentenwohnheims. Am Eingang fragt  ein Pförtner nach unserem Anliegen. Insgeheim rechne ich bis zuletzt mit behördlicher Abweisung, vermutlich ein Erbe der Sowjetzeit. Dagegen hilft, sich betont sicher zu geben. Ja, selbstverständlich wissen wir, zu wem und wohin wir wollen – um genau zu sein, erwartet man uns in Zimmer Nummer 4! Der Pförtner trägt meinen Namen handschriftlich in das Besucherbuch ein und winkt uns durch. Dann liegt die Akte endlich vor uns. So viele Jahre darauf gewartet, dass jetzt ein wenig die Hände zittern. Der Lesesaal ist ein kleines Zimmer mit drei Arbeitsplätzen, die jeweils mit einer Tischlampe ausgestattet sind. (...)

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  • Russland und der Westen

    »Man kratze am Russen, und man findet den Tataren …« Das einst vielzitierte Bonmot des Staats- und Gesellschaftsphilosophen Joseph de Maistre, der ab 1802 während vieler Jahre als sardischer Diplomat in Sankt Petersburg zugange war, bringt die stereotype, historisch alte Einstellung der »Europäer« gegenüber den »Russen« maliziös auf den Punkt. Durch dieses negative Stereotyp war die europäische Wahrnehmung Russlands über Jahrhunderte hin geprägt, und sie ist es in mancher Hinsicht und bei manchen Beobachtern noch heute. Zahllose Reise- und Zustandsberichte westlicher Besucher bieten seit jeher ein mehrheitlich düsteres Bild der russischen Alltagswelt, der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, der repressiven Machtausübung und der staatlichen Disziplinierung des Geisteslebens. Zwar gibt es auch die schwärmerischen Apologeten einer urtümlichen, zivilisatorisch noch unverbrauchten, deshalb besonders zukunftsträchtigen »russischen Seele«. Sie bilden demgegenüber aber eine kleine, wenn auch prominente Minderheit, die sich vor allem aus deutschsprachigen Autoren − Rilke, Hesse, Thomas Mann − rekrutiert. Weit weniger bekannt ist, wie umgekehrt die Errungenschaften, Eigenarten, Wert- und Sinnbildungen Europas beziehungsweise des »Westens« in russischer Perspektive gesehen wurden und bewertet werden. Reichlich Material für eine Kontrollpeilung bietet seit kurzem ein umfassendes Sammelwerk des französischen Instituts für slawische Studien. Auf rund achthundert Seiten bündelt der sorgfältig edierte und ausführlich kommentierte Band in bisher unerreichter Fülle russische Stimmen aus zwei Jahrhunderten, die über (und aus) Europa berichten. Die bereits in zweiter, aktualisierter Auflage erschienene Dokumentation vermittelt erwartungsgemäß ein überaus widersprüchliches Bild des europäischen Westens: Bewunderung und Verteufelung, Imitation und Verdrängung, Dialogbereitschaft und Provokation wechseln einander nicht bloß ab, vielfach gehen sie auch ungesondert ineinander über. Eine Konstante bildet allerdings die paradoxieträchtige Ambivalenz, die den russischen Blick nach Westen seit jeher kennzeichnet. Europa dient als Vorbild und Gegenbild zugleich, wird ebenso überschwänglich belobigt und nachgeahmt wie gehasst und verworfen − man möchte Europa haben, nicht aber Europa sein. Der europäische Westen kann nach traditionellem russischem Dafürhalten nur als ein russifiziertes Europa von nachhaltigem Interesse sein. Denn der ideale Russe, von manchen orthodoxen Patrioten als »Allmensch« mit der singulären Fähigkeit zur »Allresonanz« (zu »allweltlicher« Einfühlung) geadelt, ist und war schon immer auch der ideale Europäer. Diese von Fjodor Dostojewski und dessen Gesinnungsfreunden popularisierte Typenbildung hatte ihren geistesgeschichtlichen Ursprung in der Ideenwelt der klassischen »Slawophilen«, die seit den 1820er Jahren einen russischen Sonderweg propagierten, dem sich außer den Großrussen, den Weißrussen und den ukrainischen Kleinrussen auch andere slawische Völkerschaften anschließen sollten.2 Die »russische Idee« beziehungsweise der »slawische Gedanke« hat die Konzeptualisierung Europas so grundlegend geprägt, dass das eine vom andern nicht mehr zu trennen ist: Das Europabild der Russen erweist sich als die negative Widerspiegelung ihres nationalen, kulturellen, religiösen Selbstverständnisses. Daraus ist die Tatsache zu erklären, dass der russische Diskurs über Europa − unabhängig davon, aus welcher Position er geführt wird − stets die eigene Befindlichkeit zur Voraussetzung hat. Zu Hunderten haben sich an diesem Diskurs Publizisten und Schriftsteller, Politiker und Historiker beteiligt, die einen kritisch, die andern bejahend, alle jedoch ausgehend von 2 Die spätere, patriotisch überhöhte Slawophilie, angeführt von Dostojewski, Danilewski und Leontjew, hat dieses »panslawistische« Integrationsprojekt militant fortgeführt und imperialistisch verschärft. Bulgarien, Serbien und das »orthodoxe« Konstantinopel (mithin der Zugang zum Mittelmeer) bildeten nun, gegenüber dem Osmanischen Reich, das Hauptinteresse für das Vorrücken nicht allein der »russischen Idee«, sondern auch − in den Balkankriegen der 1870er Jahre − der zarischen Armee. dem Bild, das sie selbst von Russland hatten. Infolgedessen beschäftigen sich russische Autoren im Hinblick auf europäische Themen zumeist mehr mit ihrem eigenen Land als mit dem Westen, was wiederum zur Folge hat, dass ihre Argumentation oft allzu stark durch vorgefasste Wertungen bestimmt ist: Bald werden die Vorzüge des Russentums und dessen moralische, kulturelle wie auch allgemeinmenschliche Überlegenheit herausgestellt, um den Westen als minderwertig, dekadent, inhuman erscheinen zu lassen; bald übt man sich in massiver Selbstkritik, bezichtigt sich der Geschichts- und Kulturlosigkeit, um das westliche Europa als Modell für ein besseres Russland beliebt zu machen. (...)

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  • Anne Carsons hybrides Schreiben

    Perugino freskiert die Wände von Perugias innerer Stadt. In denselben Räumen tagt eine Fachgesellschaft für Phänomenologie. Der Maler und die Phänomenologen sind fasziniert von derselben Frau, Anna. Vor den Toren heulen die Straßenköter. In einer kanadischen Großstadt verliebt sich ein pubertierender Junge in den Falschen. Der unglücklich Liebende trägt den Namen eines Monsters aus der griechischen Mythologie und manchmal dessen Gestalt: glühende, rote, riesige Flügel. Simone Weil und der Chor der Leere singen den Schokoladen-Chorus. Eine Altphilologin (I) interviewt einen einsilbigen antiken Dichter (M). Eine literaturwissenschaftliche Untersuchung über Prousts Albertine ist ein Gedicht und ein Kommentar zu Wittgensteins Tractatus. Die Songzeilen schwarzer Blues- und Soulsängerinnen und -sänger kommentieren die Campingtour eines Spezialisten für chinesische Literatur der Kaiserzeit und der Erzählerin durch die Ruinen und Friedhöfe der ausgerotteten Ureinwohner des Südwestens der USA. Das Ende einer Ehe als fortlaufender Kommentar zum Werk von John Keats. Hektor, Artaud, Sokrates und Sappho als TV-Berühmtheiten. 15 Sonette als Untersuchung über die logische und grammatische Struktur von Pronomen. Wer Anne Carson liest, findet sich in einer Welt wieder, in der mythologische Gestalten, apokryphe antike Dichter, Heroen der modernen Kunst und Literatur, Literaturtheorien und philosophische Konzepte, fast vergessene Populärkultur und Altphilologie, Entertainmentindustrie, literarische Avantgarde und die Realität aufeinandertreffen, ineinander übergehen, sich spiegeln oder neue Formen und Mythen ergeben. Dabei sind die klassischen Hierarchien und Wertungen, die das westliche kulturelle Gedächtnis und den Bildungskanon immer noch bestimmen – vielleicht sogar das Einzige, das wir davon wirklich noch erinnern –, aufgehoben oder Teil des Materials. Für die Leserin stellen sich so bald Schwindelgefühle und Orientierungsschwierigkeiten in Zeit und Raum ein. Und die Formen, die Carson für ihr Schreiben nutzt, überschreibt, zweckentfremdet oder gleich neu erfindet, sind keine Hilfe: Gedichte als Stapel. Loseblattsammlung. Fiktionaler Essay. Gedankenlyrik. Rollengedicht. Gedichtbände, die zum Großteil aus kommentierenden Texten bestehen. Opernlibretti, unvertont. Regieanweisungen, aber ohne Dialoge. Choreografische Notizen. Performance-Beschreibungen. Listen. Float, das neueste Werk von Anne Carson, verkörpert dieses Schreib- und Textprinzip ideal. Es handelt sich um einen transparenten Plexiglas-Schuber, der 22 unterschiedlich dünne Heftchen enthält, in einem Farbspektrum von dunkelblau bis wassergrau gestaltet, alphabetisch nach Titeln geordnet. Eine minimale Ordnung, die schnell dahin ist, wenn man das erste Heftchen herauszieht und später versucht, es wieder an die »richtige« Stelle zu schieben. Einmal in den Händen der Leserinnen, gleicht wahrscheinlich kein Float-Exemplar mehr dem anderen. Und jedes einzelne Exemplar wechselt bei jeder Lektüre erneut seine Gestalt. Das Textkorpus als Wechselbalg, als Vexierbild, »unfixed and whose topics are various. Reading can be freefall«. Wenn es für ein Schreiben wie das Anne Carsons eine definitive Form geben kann, scheint es diese Art der »Gesammelten Werke« zu sein. Jedes Heft enthält einen »abgeschlossenen« Text: von einer gerade eineinhalb Seiten umfassenden To-doListe für die Installation von Kunstwerken (»Maintenance«), die auch die Anweisungen zu einer Institutional Critique Performance im Geiste von Andrea Fraser sein könnte (»21. Who does all this thinking are there rules for it this boundary between the work and its maintenance who draws it.«) bis zu zwanzig Seiten umfassenden Heften. Das eine ein Essay über eine besondere Klasse unübersetzbarer Wörter, »a word that does not intend to be translated« (»Variations on the Right to Remain Silent«); das andere die schon genannte Sonettsammlung »Possesive Used as Drink (Me). A Lecture on Pronouns in the Form of 15 Sonetts«. 1 Klappentext zu Anne Carson, Float. New York: Knopf 2016. In anderen Heften erzeugt Carson via Zufallsgenerator aus Sätzen, Absätzen und Wortgruppen, die sie anderen, thematisch unverbundenen Texten entnimmt, neue Texte (»By Chance the Cycladic People«); sie lässt unterschiedliche stilistische Register wie ein Computerprogramm über semantisch heterogenes Wortmaterial laufen und erzeugt so Texte, in denen Dada-Sätze, Beckett’sche Stummelsprache und elaborierte philosophische Aussagen unvermittelt aufeinandertreffen (»Stacks«; »Cassandra Float Can«). (...)

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  • Diplomatisierung des Rechts. Rechtskolumne

    Seit geraumer Zeit häufen sich Vorwürfe des Rechtsbruchs und der Rechtsvergessenheit gegen die Europäische Union. Mahnungen, dass die Union nur als Rechtsgemeinschaft Bestand haben könne, folgen auf dem Fuß. Als Kronzeugin für die Abkehr der Union vom Pfad des Rechts wird gern Christine Lagarde aufgerufen, die im Dezember 2010, als sie noch französische Finanzministerin war, dem Wall Street Journal erklärt hatte, man habe, um die Währungsunion zu retten, »alle Regeln gebrochen«. In der Kritik stehen nicht nur die Kommission, der von den Regierungen der Mitgliedstaaten beschickte Rat der EU und die Europäische Zentralbank, sondern auch der Europäische Gerichtshof. Die konkreten Fälle, um die es sich bei solchen Vorwürfen handelt, sind freilich meist umstritten, und so sind es auch die Vorwürfe selbst. Dem dissonanten Chor der Stimmen zu all den einzelnen Beschlüssen und Urteilen, um die es geht, soll hier keine weitere hinzugefügt werden. Dafür böte ein ganzer Merkur-Jahrgang nicht ausreichend Platz. Und so wichtig die kritische Analyse konkreter Entscheidungen auch ist – zum Verständnis der Gesamtlage empfiehlt es sich, einmal einen Schritt zurückzutreten und ins Auge zu fassen, was sich verändert, wenn Rechtsauslegung und Rechtsanwendung statt im rein nationalen Rahmen auf transnationaler Ebene stattfinden. Die Veränderungen, die dann unvermeidlich eintreten, kann man zusammenfassend als Diplomatisierung des Rechts bezeichnen.

    Rechtsqualität und Rechtsauslegung

    Schon die Qualität des nationalen und die des transnationalen Rechts – des Völkerrechts und des Rechts einer supranationalen, mit eigenen hoheitlichen Entscheidungsbefugnissen ausgestatteten Organisation wie der EU  – unterscheiden sich. Die Europäische Union beruht auf Verträgen, die ihre Verfassung bilden. Diese Verträge, sie werden auch als Primärrecht der EU bezeichnet, sind völkerrechtliche Verträge zwischen den Mitgliedstaaten. Sie sind also, wie jeder völkerrechtliche Vertrag, das Ergebnis diplomatischer Aushandlungsprozesse. In solchen Prozessen sind sowohl Gegensätze der nationalen Interessen als auch Unterschiede der nationalen Rechtskulturen zu überbrücken. Ein do ut des verbindet oft Unzusammengehöriges. Verhandelt wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Textfassungen kommen nicht selten als Last-minuteKompromiss in Nachtsitzungen zustande, und oft ist das Ergebnis nur ein, wie Völkerrechtler es nennen, agreement to disagree: eine mit irgendeiner diffusen Formel oder dem bloßen Fallenlassen eines eigentlich regelungsbedürftigen Punktes notdürftig verdeckte oder im Bestehen bleiben nicht zusammenpassender Textteile zutage tretende Einigkeit darüber, dass man sich nicht einig ist. Nie ganz vermeidbare Unterschiede zwischen gleichermaßen verbindlichen Sprachfassungen kommen hinzu. Für hohe Gesetzgebungskunst und leichte Erkennbarkeit des Gemeinten sind das denkbar ungünstige Voraussetzungen. (...)

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  • Bildschirme/Schirmbilder

    Am Schreibtisch, vor – oder hinter? – dem Schirm des aufgeklappten Laptop sitzend, versuche ich, weil mir sonst nichts einfällt zu dem, woran ich eigentlich weiterschreiben will, und um einen Bogen darum herum zu machen, als kleine Etüde zum Zeitvertreib den winterlichen Sonnenuntergang zu beschreiben, der auf Augenhöhe vor mir sich abspielt und dabei, die vier Elemente verschmelzend, den See und den Himmel und das gegenüberliegende Ufer in einen gleißenden Feuertaumel reißt. Das alles ist zu sehen durch das vom Boden bis zur Decke des Studierzimmers reichende Glasfenster. Auf ihm, indessen, spiegelt sich zugleich die Rückseite des Laptop, darüber mein Kopf und meine Schultern, dahinter die ins Gewölbe eingebaute Bücherwand. Aber nicht nur dies: Auf dem Bildschirm spiegelt sich vor dem Hintergrund der prall gefüllten Bücherregale mein Kopf noch einmal, den ich somit zweimal gespiegelt hinter und vor mir sehe. Und ich selbst, in dieser ganzen verzwickten Versuchsanordnung, in die ich ungewollt hineingeraten und mich hineinzuschreiben im Begriff bin? Eingeklemmt, ausgequetscht dazwischen, inmitten, fort und da und ganz und gar verspiegelt. Und so geht denn auch, in dem sich eindunkelnden Farbenspiel draußen, die Sonne nicht vor, geschweige denn in meinem Auge unter. Stattdessen aber geht der Text auf, den ich hier tippe und der alledem gilt: auf dem glänzenden Schirm schwimmend und nur noch als zitternde Chinoiserie erkennbar, als unlesbares Ornament, reine Oberfläche ohne Hinten und Vorne, die Spiegelung meines Gesichts und meiner Augen, die das und dabei ihr Sehen sehen, überschreibend, unterschreibend. Dort – aber wo? – auf dieser Oberfläche höre ich auf, mir selbst wie normalerweise im Spiegel ein Gegenüber zu sein. Auch die Oberfläche hört auf, ein sichtbarer Gegenstand zu sein und unterläuft und überspielt die Alternative zwischen materieller Opazität und glasiger Transparenz. Sollte Nietzsche Recht gehabt haben mit der provokativen, technologisch mittlerweile längst eingeholten und bestätigten These: »Das Bewusstsein ist eine Oberfläche«? Die Tiefe beider, des Bewusstseins wie der Oberfläche, läge dann gerade darin, keine zu haben und sie nur vorzuspiegeln und als bloßer Bildschirm zu fungieren, auf dem sich abbildet und darstellt und einschreibt, was wir im  Bezug nach Außen und nach Innen – in Analogie zu jedem lesbaren Text und dem grundsätzlichen Fort/Da jeder sprachlichen Repräsentation – erkennen und erleben. Als Außenwelt der Innenwelt der Außenwelt. In der Drehung dazwischen. Auf der Innen und Außen verbindenden, scheinbar unendlich dehnbaren und durchlässigen Trennfläche der Darstellung, die ihre Funktion als Bildschirm nur um den Preis zu erhalten scheint, dass sie, als Schirmbild, die beängstigende Zumutung ihrer Scheintiefe, ihrer radikalen Oberflächlichkeit abschirmt und abdeckt. Also auch ihrerseits – in Verlängerung der obigen These – die Oberfläche von sich selbst als pure Oberfläche. Und so die eigene Schattenlosigkeit verdeckt, wegblendet, abschattet. Was auf dem Bildschirm steht, nimmt dessen Qualität an. Zwei Seiten einer Medaille, Innen und Außen gleichzeitig? Noch nicht einmal das. Sondern weniger. Von Grund auf resistent gegen jede Wendung auf die eine oder andere Seite. Schrift ohne Unterlage. Unvergleichlich abgründiger als auf Papier in seiner greifbaren Materialität. In spukhafter Lebendigkeit des Buchstäblichen glimmend. Grau auf Farblos. Schattenlos. (...)

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  • Die Tragödie der Linken in Israel

    Am 9. August 2017 veranstaltete Israels Regierungschef Benjamin Nethanyahu eine öffentliche Kundgebung, auf der dreitausend Mitglieder der Likud-Partei ihrem Führer zujubelten, während er eine Rede hielt. Seit Monaten bringen öffentliche Untersuchungen das erschreckende Ausmaß der Korruption zu Tage, die sich unter ihm ausgebreitet hat, sie drohen nun auch ihn persönlich zu erreichen – und Nethanyahu hatte beschlossen, zurückzuschlagen. »Die Medien und die Linke«, so sagte er und machte eine rhetorische Pause, »die Medien und die Linke, die ja dasselbe sind – sie wollen unsere Regierung stürzen.« Netanyahu weiß die Medien nicht nur zu diffamieren, er weiß sie auch meisterhaft zu manipulieren. Auf der Kundgebung war er der einzige Sprecher, sein Auftritt begann kurz nach 20 Uhr während der Abendnachrichten, und die dreitausend Parteimitglieder, zu denen er scheinbar sprach, bildeten nur die Kulisse. Die Kameras der drei großen Fernsehsender Israels übertrugen seine Rede und verschafften ihr eine Einschaltquote, wie sie sonst nur in totalitären Systemen üblich ist. Und Nethanyahu befindet sich in bester Gesellschaft. Donald Trump argumentiert ganz ähnlich. Wenn Benjamin Nethanyahu die Medien und die Linke miteinander gleichsetzt – »die Medien und die Linke, die ja dasselbe sind« –, wie haben wir das zu verstehen? Die Medien vermitteln ein falsches Bild unserer Welt: So geht das Argument, das ihnen den geplanten Staatsstreich unterstellt und in der Rede von den »Fake News« sein Schlagwort findet. Im Israel Nethanyahus sind sie mit der »Linken« identisch, und diese Gleichsetzung – so muss das Argument zu Ende gedacht werden – macht die Linke zur Repräsentanz alles »Falschen« in unserer Welt. Nethanyahu hat das Argument nicht eigens für seine Kundgebung erfunden. In Israel ist »links« schon lange zum Schimpfwort geworden, und keineswegs nur in den Internetforen, wo diese Schmährede weit verbreitet ist. Sie gehört zur offiziellen Rhetorik, die nicht nur von Nethanyahu praktiziert wird, sondern auch von seinen Ministern, sie beherrscht den öffentlichen Diskurs und wird von entsprechenden Regierungsmaßnahmen begleitet. 1 Auf der Kundgebung vom 9. August 2017 war ein großes Schild zu sehen, auf dem die Worte »Fake News« standen, und daneben die Worte »Fucking News«. Nicht nur die Medien werden von höchster Stelle beanstandet, auch Kulturinstitutionen haben sich einer mehr oder minder spürbaren Zensur zu fügen oder werden fiskalisch abgestraft, und mit zahlreichen Gesetzesvorlagen sucht das Parlament unliebsame Urteile des Obersten Gerichtshofes zu umgehen. Zwei Hohlformen Nethanyahu bedient sich altbewährter Strategien, wenn er das Feindbild einer »Linken« zeichnet, die seine Regierung bedroht. Er baut historische Fronten auf, stilisiert sich so zum Protektor Israels – doch diese Fronten, wie auch seine dreitausend Zuhörer, sind nur die Kulissen einer Kundgebung. Die israelische Linke, gegen die zu kämpfen er vorgibt, gibt es leider nicht mehr, und hier soll gezeigt werden, wie sie sich selbst zerstört hat. Zuvor aber ist zu fragen, warum Nethanyahu sein Scheingefecht führt. Warum zieht er gegen die »Fake News« der Medien zu Felde und produziert zugleich seine eigenen Falschmeldungen? (...)

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  • Moldau, die Ukraine und Transnistrien

    Es ist, als läge der Friedhof selbst auf einem Friedhof. Als sei die Natur im Begriff, ihn zu begraben. Pflanzen aller Art wuchern zwischen den Gräbern, werden hier und da halbherzig zurückgedrängt, kämpfen sich stoisch zurück. Sonnenlicht bricht durch Baumwipfel und bedeckt die Toten mit einer Decke matt pulsierender Flecken. An diesem heißen Julitag des Jahres 2017 dämmert der jüdische Friedhof Chişinăus vor sich hin wie immer. Bis auf zwei ältere Arbeiter, die mit nackten, braungebrannten Oberkörpern träge zwischen den Grabsteinen hantieren, ist der Ort still und menschenleer. Nur die bunten Farben einiger frischer Blumen und ein paar neue Gräber im Norden geben Hinweise darauf, dass er noch in Betrieb ist. Der geradezu klischeehaft verwunschene Ort zeugt von einer wenig bekannten Geschichte der Multiethnizität, Migration und Verfolgung an den Rändern Europas. Irina Shikovas Finger huschen über das Display des Smartphones. »Fotos meines Babys und von Friedhöfen«, lacht sie, »so sieht gerade mein Leben aus. Ich bin süchtig nach Friedhöfen!« Die Mitarbeiterin an der Moldauischen Akademie der Wissenschaften in Chişinău forscht zur Geschichte der Juden in der Republik Moldau und ihren Vorläufern. Chişinău ist die Hauptstadt eines der jüngsten europäischen Nationalstaaten. 1991 ging die Republik aus der Konkursmasse des Sowjetimperiums hervor und versucht seitdem, in anhaltend labilem Zustand ihre Eigenständigkeit zu behaupten. Zuvor war die Gegend mal ungarisch, mal osmanisch, mal russisch, mal rumänisch, mal sowjetrussisch. In Moldau verschwimmen die Bestimmungen. De jure handelt es sich um einen autonomen Staat. Aber de facto? Eine Region? Eine Zwischenlösung? Eine Pufferzone? Shikova empfängt im bewachten, von hohen Mauern umgebenen Areal des 2005 eröffneten jüdischen Kulturzentrums KEDEM im Zentrum Chişinăus. Finanziert wird es von amerikanischen Spendern. Im Untergeschoss hat Shikova ein kleines improvisiertes Museum eingerichtet. Die quirlige Wissenschaftlerin stammt aus einer jüdischen Familie, die hier seit Generationen ansässig ist. Der wehrhaft anmutende Gebäudekomplex lässt ihre Bemerkung, die Juden fühlten sich heute sicher in der Stadt, in einem fragwürdigen Licht erscheinen. Doch Shikova winkt ab: »Wir verspüren keinen Hass oder Druck. Hinter Antisemitismus steckt meist ein allgemeiner Mangel an Kultur und Wissen. Und es kursieren nicht nur negative Stereotype. Man sagt auch über uns, wir seien alle so gebildet, wir würden immer zusammenhalten.« Ein wirkliches Problem bilde das Verhältnis von Staatspolitik und Sprache. Die meisten Juden in Moldau sprächen Russisch. Doch die offizielle Landessprache ist Rumänisch. Teile der Bevölkerung fühlen sich der russischen Kultur verbunden. Andere orientieren sich nach Rumänien, dem Westen, der Europäischen Union. Es gibt auch Nationalisten, die den Staat paradoxerweise in Rumänien integrieren, die moldauische Nation also auflösen wollen. Expats im eigenen Land, wenn man so will. Das sorge für Spannungen. Identitätspolitik wird in Sprachpolitik übersetzt – ein komfortabler Weg, um von handfesten Problemen abzulenken und Alltagszwiste zu existentiellen Konflikten aufzubauschen. (...)

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  • Binging Bouffier: NSU-Berichterstattung

    Die Aufarbeitung der NSU-Verbrechen geht ihrem Ende entgegen. In dem seit Mai 2013 laufenden Prozess am Münchner Oberlandesgericht gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André Eminger, Carsten Schultze und Holger Gerlach wurde vor der Sommerpause dieses Jahres die Beweisaufnahme abgeschlossen. Es ist die Zeit der Plädoyers, die Urteilsverkündung wird für Anfang 2018 erwartet. Seine Arbeit abgeschlossen hat zum Ende der zurückliegenden Legislaturperiode der NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag (es war bereits der zweite), zugleich sind in verschiedenen Landtagen noch immer eigene Untersuchungsausschüsse tätig: in Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen ebenfalls zum zweiten Mal, in Hessen seit 2015 und in Brandenburg seit 2016; in Mecklenburg-Vorpommern wurde der Forderung der Fraktion Die Linke vorerst mit einem Kompromiss nachgegeben – in Form eines Unterausschusses des dortigen Innenausschusses, was die sowieso begrenzten Möglichkeiten der Aufklärung noch einmal limitiert: Ein Unterausschuss ist nicht mit eigenen Ermittlungskompetenzen ausgestattet, und er tagt in nichtöffentlicher Sitzung. (mehr …)