• Wir, die Bürger(lichen)

    Ob liberale Demokratien überleben, erscheint heute überraschend ungewiss. Vielleicht hat eine Ordnung, an der Mehrheiten kein Interesse haben, weil sie bloß versorgt und unterhalten werden wollen, keine Zukunft – schon gar nicht, wenn sich die Ordnung selbst als Mehrheitsherrschaft versteht. Doch ist offen, ob die, die sich heute auf eine Mehrheit berufen, um deren Herrschaft aus den Angeln zu heben, tatsächlich in der Mehrheit sind. Denn Präsident Trump, der Brexit oder die knapp gescheiterte Wahl von Norbert Hofer in Österreich, der einen höheren Stimmenanteil erhielt als Trump, sind nur unter zwei Bedingungen möglich: Sie bedürfen einer nicht mehrheitsfähigen Linken, die Kandidaten wie Corbyn oder Mélenchon unterstützt und so rechtsautoritäre Siege wahrscheinlicher macht.
  • Stereoskopische Hände

  • Hausbesuche II: Barcelona

  • Breitbart und die Frankfurter Schule

  • „Übergangsmenschen“

  • Denken wie ein Pilz

  • Tausch und Täuschung. Bildungskolumne

  • Heroinen, Kurtisanen. Theaterkolumne

  • Dreitagebart (I)

    Ich hätte es mir denken können. Ich musste erst auf eine Party gehen, um den großen Elefanten im Raum der deutschen Universitäten in seinem fetten Grau glasklar vor mir zu sehen. Zu sehen war natürlich nichts. Der Ort war New York. Es war der 31. August 2015. Die Party wurde von der Zeitschrift The New Yorker veranstaltet. Alex Ross war da, Elif Batuman war da, Adrian Tomine, Emily Nussbaum. Françoise Mouly; Art Spiegelman und Reinhold Martin hatten ein Glas in der Hand. Ich natürlich auch. Seymour Hersh und Chris Kraus sollen später noch vorbeigeschaut haben.
  • Politik der Form. Autosoziobiografie als Gesellschaftsanalyse

    Weshalb Trump, Brexit, Front National und AfD? Derartige Fragen richten sich jüngst auffällig häufig an Autoren wie Didier Eribon, Edouard Louis oder J. D. Vance, die allesamt aus schwierigen Verhältnissen stammen, einen atemberaubenden akademischen Aufstieg erlebt und darüber in autobiografischer Form berichtet haben. Ohne dass es in ihrer Absicht gelegen hätte, haben sie es mit diesen Texten – deren beachtlicher Erfolg schon als Gattungsphänomen bemerkenswert genug wäre – erreicht,1 dass sie im öffentlichen Diskurs nun als Experten für die aktuelle politische Situation wahrgenommen werden.2 Wie ist das zu erklären?