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Artikel der Kategorie: Blog

  • Bastelstunde in Hildesheim oder Warum ich in Hildesheim lernte dass der eine -ismus mich davon abhält über den anderen zu reden

    In den fünf Jahren Lebenszeit, die ich in Hildesheim studiert habe, habe ich meine Dreads verloren, aufgehört bunte Röcke über Ringelstrumpfhosen zu tragen und angefangen, ziemlich wütend zu werden. Ich hatte einen schmerzhaften und traurigen Prozess zu verarbeiten, in dem ich einsah, wie die Strukturen aussehen, in denen wir leben und inwiefern sie mich, als nicht-weiße Frau, strukturelles Arbeiterkind mit Migrationsgeschichte, beeinflussen.  (mehr …)
  • Kafka-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin

     

    Franz Kafka. Der ganze Prozess

    30. Juni bis 28. August 2017 - Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau

      Mehr als 100 Jahre nach seiner Entstehung wird das gesamte Manuskript des berühmten Romans von Franz Kafka „Der Prozess“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Blatt für Blatt wird es in der Reihenfolge aufgeschlagen, die ihm Kafkas Freund, Nachlassverwalter und Herausgeber Max Brod gegeben hat. Die Berliner Präsentation geht auf die Ausstellung „Der ganze Prozess“ aus dem Jahr 2013/2014 im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zurück, das Manuskript gehört zu den Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs Marbach. (mehr …)
  • Anti-Poetik im Schatten der Gerbermühle – zu Michael Kleebergs Frankfurter Poetikvorlesungen

    Es ist schon etwas her, seit es bei den Frankfurter Poetikvorlesungen zum letzten Mal einen politischen Streitfall gab.  1990 vertrat Günter Grass im Rahmen der Gastdozentur seine umstrittene These, dass die Wiedervereinigung Deutschlands aufgrund der historischen Verantwortung für Auschwitz abzulehnen sei. 27 Jahre später gibt es wieder eine politische Kontroverse in Frankfurt – und wieder spielt Auschwitz eine Rolle. Die aktuelle Vorlesungsreihe wird von Michael Kleeberg bestritten und trägt den Titel „Besserem Verständnis. Ein Making-of“. In den fünf Vorlesungen berichtet Kleeberg von der Arbeit an seinem gerade entstehenden neuen Roman, der zwischen westlicher und östlicher Kultur eine Brücke schlagen will. Die eigenen ausgedehnten Reisen im Nahen Osten und Goethes West-östlicher Divan bilden die Fundamente des Entstehungsberichts. (mehr …)
  • Korrektur

    Fehler zu machen ist doof. Fehler zu übersehen ist auch doof. Aber besonders ärgerlich ist es, wenn man etwas, das der Autor richtig gemacht hat, falsch korrigiert. Bei uns werden alle in einem Text genannten AutorInnennamen gegengecheckt. Vieles, was falsch war, machen wir richtig. Aber diesmal haben wir es geschafft, den von Carlos Spoerhase in seinem Essay zu den Autosoziobiografien korrekt geschriebenen Namen der Autorin Chantal Jaquet (immerhin konsequent in allen Fällen) in ein inkorrektes Chantal Jacquet zu verändern. Große Entschuldigung an alle: die LeserInnen, an Chantal Jaquet und an Carlos Spoerhase! Das geht auf unsere Kappe. Wir werden es in der PDF-Version im Volltextarchiv korrigieren.
  • Unsere unkultivierte Gegenwart. Zur Unterscheidung gepflegter und ungepflegter Semantik (Hohe Kultur 6)

    Teil 6 der Serie von Merkur-Blog und pop-zeitschrift.de (eins / zwei / drei / vier / fünf) Zum Nikolaus 1988 haben mir meine Eltern ein Buch von Niklas Luhmann geschenkt: „Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Band 1“ – passenderweise, denn Niklas und Niels sind Kurzformen des unter Heiligen und Päpsten verbreiteten Namens, gelesen habe ich es auch, Systemtheorie war ausgesprochen hip an der Ruhr-Universität Bochum in diesen Zeiten, und es gab Wissenschaftler von Rang, die den Begriff ‚Diskurs‘ in ihren Manuskripten gegen ‚System‘ austauschten. Beeindruckend an diesem Buch ist für mich nach wie vor die Radikalität, mit der die Vergangenheit in die Gegenwart und die Gesellschaft in das eigene Erleben und Handeln geholt wurde. (mehr …)
  • Streamen, Floaten, Driften. Prosanova-Rumhängen

    Aber geht doch erstmal aufs Gelände, guckt euch bisschen um, trinkt was. Ja ok. Umgucken als Umweg. Wenn ich noch nicht genug dazugehöre, wenn sich das mit dem Ticket erst noch regeln muss, gehe ich eben erstmal durch diesen Raum. Die Form „Festival“ zeichnet sich durch die schöne Struktur aus, dass der Ort, der sie selbst sein möchte, jedes Mal wieder neu erschaffen werden will. Wenn dann mit jeder Ausgabe ein neues Team sich dieser Definitionsmacht bedient, lässt sich das user-friendly als Behauptung lesen: Das hier ist es jetzt, so müsste das gedacht sein. Das gehört dazu und alles andere eben nicht. (mehr …)
  • 1000 kritische Bierbongs starren dich an

    Vom 8. bis zum 11. Juni fand das PROSANOVA-Festival 2017 in Hildesheim statt.

    Ein fiktiver Vorbericht

    Klatsch! Klatsch! Das sind Hände! Applaudierende Hände! Sie gehören zu einem Schriftsteller, zu Sascha Macht. Er guckt sie an, alle gucken sie an. Denn nur Macht klatscht in diesem Moment, und das wie ein Klatsch-Enthusiast, wie das schnellste Metronom der Welt, wie ein Tanzderwisch, der nach zwölf Stunden rechtsdrehendem Tanz in genau dieser Sekunde mit dem Linksdrehen beginnt. Die Dichterhaare fallen Macht ins Gesicht, Schreibschulschweiß rinnt ihm die Rembrandtstirn hinunter, die Hände zucken kolibrihaft hin und her – Macht klatscht in diesem Urmoment des Literaturfestivals so frenetisch, dass jeder im Raum an andere große Augenblicke der deutschsprachigen Literaturgeschichte denken muss: den Moment, in dem Paul Celan nach seiner halb gesungenen Lesung in Niendorf hinüber zum militärisch aufrecht dasitzenden Hans Werner Richter blickt; (mehr …)
  • Macron und die politische Philosophie

    Während Angela Merkels vorsichtig-erbarmungsloser Pragmatismus theoretischen Annäherungsversuchen kaum Chancen lässt, lädt die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Staatspräsidenten zur philosophischen Ortsbegehung geradezu ein. Dass Macron dem Liberalismus zu einem unverhofften Sieg verholfen hat, bezweifeln in Frankreich nur wenige. Doch Uneinigkeit herrscht in der Frage, in welche liberale Ahnenreihe sich der ehemalige Philosophiestudent Macron einreiht. (mehr …)
  • Mehr Desorientierung: Wozu und worin die Geisteswissenschaften gut sind

    In den letzten Monaten stieß ich immer wieder auf Textpublikationen, in denen die Wichtigkeit der Geisteswissenschaften (humanities) angesichts von Trump, Populismus, Autoritarismus, fake news und alternative facts (vulgo: Lügen) betont wurde – nicht zuletzt, weil Trump die Geisteswissenschaften, da sie nicht in sein als Politik getarntes Geschäftsmodell passen, gerne auf den Müllhaufen der Geschichte befördern würde (und entsprechende Anstrengungen unternimmt). Vermutlich ist er an einem entsprechenden Entsorgungsunternehmen beteiligt. (mehr …)
  • Wir sind nicht Leitkultur

    Birte Förster (@BirteFoerster): Ich wache am Sonntagmorgen auf und lese wieder einmal, das Land brauche eine „Leitkultur“. Der Text des Innenministers zielt auf Ähnlichkeit, er entwirft einen homogenen kulturellen Handlungs- und Haltungskatalog, in dem ich – das protestantische Kind zweier deutscher Bildungsaufsteiger – mich kaum wiederfinde, nicht als Demokratin, nicht als Frau, und als Historikerin erst recht nicht. Wir haben doch längst eine Grundlegung unseres Zusammenlebens – dass wir uns alle ähnlich sein müssten, steht ausdrücklich nicht im Grundgesetz. Es schützt vielmehr kulturelle, politische und religiöse Vielfalt, es schützt vor dem Zwang zur Ähnlichkeit, zur Homogenität, wie ihn der NS-Staat vorschrieb. Ein Mensch, so formulierte es Carolin Emcke in einer ihrer SZ-Kolumnen, muss mir eben nicht ähnlich sein, um die gleichen Rechte wie ich zu haben. Der eigene Lebensentwurf ist immer nur einer von vielen, zugleich besteht kein Recht darauf, in den eigenen Haltungen nicht auch einmal irritiert und herausgefordert zu werden, nur weil man sich als Teil eines kollektiven „Wir“ wähnt. (mehr …)